Hallo, was wird eigentlich mit den alten Songs aus den 70ern und älter gemacht, wenn sie "digital-remastert" heutzutage wieder auf dem Markt sind. Danke schon einmal für Eure Antworten. Es interessiert mich einfach mal so Gruß Rudi
Rudi schreibt: Was wird eigentlich mit den alten Songs aus den 70ern und älter gemacht, wenn sie "digital-remastert" heutzutage wieder auf dem Markt sind?
Da wundert man sich etwas über die Frage, denn was könnte dahinter stecken? Selten tut jemand beim Remastern mehr, als er unbedingt muss und es liegt auch an der Eigeninitiative und am Können des Tonverantwortlichen - was tonlich daraus wird. Also im einfachsten Falle nimmt ein Techniker das Analogband (Schnürsenkel 38,1 cm/s = 15 ips) und kopiert das auf einen digitalen Träger, wie zum Beispiel auf DAT in 44,1kHz 16 bit. Wenn er möchte, nimmt er dabei einen 24 bit A/D-Wandler und shaped das Signal sauber auf 16 bit. Vielleicht achtet der Techniker auf den Pegel und steuert digital gut bis zu 0 dB-FS aus und merkt vielleicht, dass die Aufnahme ja mit Dolby-A war und stellt den Wiedergabe-Dolby richtig ein. Sollte die Analog-Bandkopie aus USA kommen, denkt er vielleicht auch an die richtige NAB-Entzerrung und taumelt noch den Tonkopf gerade, wenn auf dem Band höhere Messfrequenzen aufgezeichnet sind. Ist die Kopie erst einmal auf einem digitalen Träger dann ist alles gelaufen und diese Digitalkopie kann mit "digital remastert" bezeichnet werden - denn es gibt keine feste Norm zu diesem Begriff. Sollten der Produzent und die Künstler Interesse daran haben, ihr altes Produkt bei der digitalen Übernahme zu verbessern und der Zeit anzupassen zu wollen, dann wird es komplizierter. Das kann bis zu einem Re-Mix von Mehrpur führen und auch zur Neuaufnahme von einzelnen Instrumenten. Dann wird alles sehr teuer. Besonders wenn dann der Re-Mix zur Veredelung noch in ein Mastering-Studio gegeben wird, sind geldlich nach oben keine Grenzen gesetzt. Also zwischen diesen beiden Extremen liegt das Digitale-Remastern. Zum Beispiel wird das Beste von "Hildegard Knef" schnellstens von alten Schnürsenkeln zusammengestellt und es liegt am Einsatz des beauftragten Tonmenschen, ob bei einigen Titeln in der Compilation etwas nachverhallt wird, ein wenig in den Höhen nachgeholfen wird und im Pegel und im Klang etwas den anderen Titeln "angeglichen" wird - oder ob Ruckzuck (Time is Money) irgenwie "geradeaus" übernommen wird. Da gibt es keine Künstlerin mehr und keinen Produzenten, der dazwischenfummeln kann. Gruß ebs
Hallo Eberhard, gehört zwar jetzt nicht direkt zum Thema, aber da Du die NAB-Entzerrung genannt hast, hätte ich da doch mal ne Frage... Welches sind genau die Unterschiede in Aufnahme- und Wiedergabefrequenzgängen der beiden Entzerrungskurven NAB und IEC, bzw. was sind die Vor- und Nachteile der beiden in der Praxis (z.B. Aussteuerbarkeit, Linearität des Frequenzgangs; evtl. Optimierung auf bestimmte Bandtypen)? Du sagst, daß in den USA NAB üblich wäre... aber auch hierzulande wurden ja die meisten (auch gute) Amateurgeräte mit NAB-Entzerrung hergestellt. Man liest zwar hin und wieder etwas, aber das ist meist wenig sachlich und nach dem Motto "das eine wird im Studio verwendet, beim anderen ist der Klang wärmer"... naja, kannst Dir ja denken, was davon zu halten ist... ;-) vielen Dank im voraus für jede Antwort :-) Viele Grüße, Hansi
Hallo Rudi! Hier eine nicht so fachmännische Antwort wie von Eberhard, sollte aber diesen "Boom" erklären. Im einfachsten Fall (=häufigster) werden nur die analogbänder digitalisiert. Da nun die DVD und die SACD am Markt sind, bieten sich neue Gelegenheiten an, um neu zu digitalisieren, weil auf diesen neuen Medien der ganze Kram in besserer Qualität platz findet. So ist es z.b. möglich die alten Bänder von Breezin' (George Benson) mit 96khz/24bit analog zu digital convertern (ADC) zu digitalisieren, während die cd - qualität nur 44.1khz/16 bit ist. was ich weiß, gibt es die breezin' schon auf 24/96, ich habe sie aber (leider) nicht. vermutlich wird es - sobald sich die dvd, sacd oder die Bluray disc berbreitet hat - einen "digitally remastered DVD quality" boom geben. Pech haben die, die damals nicht analog sondern gleich digital mit 16bit/44.1khz aufgenommen haben. soviel ich weiß, ist es aber schon seit geraumer zeit üblich, mit 24bit/48khz aufzunehmen, deshalb gibt es auch für diese Aufnahmen Grund zur DVD-Wiederveröffentlichung (auf Cd wurde auf 16bit/44.1khz runtergerechnet). Der ganze Text bezieht sich auf stereo tracks, bei mehrkanal (5.1) ist es natürlich sehr viel mehr Arbeit, da die Spuren neu gemixt werden müssen. grüße, hermann
Ich spreche mal stellvertretend für Ebs, da ich einige Jahre in der Magnetbandtechnik (Entwicklung und Fertigung) tätig war. Die Entzerrungen für die einzelnen Bandgeschwindigkeiten nach NAB und CCIR (=IEC) sind wie folgt: 38 CCIR: 35µsec ohne Baßpreemphase, NAB: 3180 + 50 µsec. 19 CCIR: 70µsec ohne Baßpreemphase, NAB: 3180 + 50µsec. 9,5: 3180 + 90µsec , CCIR und NAB sind hier gleich entzerrt. Die 3180 µsec sind eine Baßanhebung , die übrigen Werte eine Höhenabsenkung. Konkret heißt dies: Der Frequenzgang des remanenten Bandflusses nach der Aufnahme entspricht dem Impedanzverlauf eines Parallel-RC-Gliedes von jeweils 35, bzw. 50, 70, oder 90 µsec. Der Bandfluß im Baßbereich entspricht dem Impedanzverlauf eines Reihen-RC-Gliedes von 3180 µsec. Physikalisch ergeben sich bei kleineren Höhenzeitkonstanten geringere Höhenaussteuerbarkeiten, jedoch braucht man bei den hohen Bandgeschwindigkeiten keine so großen Zeitkonstanten, da diese höhere Höhenaussteuerbarkeiten erlauben. Das hat dann zur Folge, daß man besseren Störabstand erreicht. Im Allgemeinen erreicht eine nach CCIR entzerrte Maschine auf 38 einen etwas besseren Störabstand als eine die nach NAB entzerrt ist. Auf der Wiedergabeseite muß nur der entgegengesetzte Frequenzgangverlauf eingestellt werden. Die Entzerrung ist genormt und unabhängig von der Bandsorte einzustellen. Wiedergegeben werden kann jede beliebige Bandsorte, solange die Entzerrung aufnahmeseitig richtig kalibriert ist. Will man mit einer anderen Bandsorte AUFNEHMEN so muß die Maschine umkalibriert werden. Das hängt mit den unterschiedlichen Remanenzen der Magnetschicht des Bandes zusammen. Das ganze mit "...Klang wärmer" ist Quatsch und stammt aus dem Esoterikrepertoire der audiophilen Baalspriester. Lasse Dich nicht von diesen irre machen.
Hallo Hansi, Du fragst: Welches sind genau die Unterschiede in Aufnahme- und Wiedergabe-Frequenzgängen der beiden Entzerrungskurven NAB und IEC, bzw. was sind die Vor- und Nachteile der beiden in der Praxis (z.B. Aussteuerbarkeit, Linearität des Frequenzgangs; evtl. Optimierung auf bestimmte Bandtypen)? Rainer hat schon wunderbar geantwortet. Ergänzend muss man sagen, dass in Amerika z.B. die Bänder von Scotch und Ampex auf die NAB-Norm (früher NARTB) optimiert wurden. Darum entwickelte sich in Europa die Optimierung von Agfa und BASF für den Rundfunk auf die IEC-Norm (auch DIN oder CCIR). Merke: Amerikanische Bänder (NAB) 15 ips hier bei uns (IEC) abgespielt - klingen dumpf (Es fehlen etwa 2,5 dB bei 10 kHz und es sind etwa 2,5 dB zu viel bei 60 Hz). Achtung diese Aussage gilt nur für 15 ips-Bänder aus USA. Wer sich die IEC und die NAB Kurven ansehen möchte, der gehe zu meiner Homepage http://www.sengpielaudio.com (Siehe den Link unten) zu Lösungs-Hilfen 2 und dort zu "NAB-IEC Studiotonband-Wiedergabeentzerrung". Wer speziell über 19 cm/s Bänder etwas wissen will, der möge mir bitte mailen. Gruß ebs PS: ips heißt inch per second. Und 1 inch = 2,45 cm.
Zunächst zu der Baßpreemphase: Bei Studiogeräten ist diese nicht notwendig, da man es sich leisten kann den Wiedergabekopf mit höherem Aufwand an Abschirmmitteln zu versehen. Bei Heimgeräte werden Entzerrungen mit Baßanhebung deshalb gerne gemacht, weil aufgrund des Preisdrucks dieser Abschirmaufwand in Grenzen gehalten werden muß. Dadurch steigt die Brummeinstreuung über den W-Kopf an. Wenn man nun aufnahmeseitig die Tiefen anhebt, muß man sie wiedergabeseitig absenken und dadruch reduziert sich auch der eingestreute Brumm. Warum die Amerikaner daher bei ihren Studiogeräten die Baßpreemphase verwenden ist mir daher nicht recht einsichtig. Zu den Höhenzeitkonstanten: Ich möchte vorab noch die Geschwindigkeit 76 cm/s erwähnen, diese hat die selbe Entzerrung wie 38 CCIR, also auch 35 µsec. Hier gibt es aber eine von der AES festgelegte Alternative nämlich 17,5 µsec, die ich persönlich sehr gut finde. Denn: Es macht Sinn, wenn die Zeitkonstanten der Höhen im umgekehrten Verhältnis stehen wie die Bandgeschwindigkeiten. Dann nämlich kann man bei Schallplattenschnitten (Lackfolienschnitt) ohne Schwierigkeiten im "Half-Speed-Master"-Modus fahren und die Entzerrung stimmt dann automatisch. Ansonsten müßte man die Maschine auf Sonderentzerrungen ummessen. Als weitere Anmerkung sei noch zu der 38-er Geschwindigkeit folgendes gesagt: Die Firma NAGRA-Kudelski hat bei ihrem "NAGRA 4S" und beim NAGRA TA eine Sonderentzerrung namens "Nagramaster" entwickelt die nicht mit den CCIR- und NAB-Normen kompatibel ist. Sie beträgt 13 µsec. Dies bewirkt nochmal eine Steigerung des Rauschabstandes um ca. 3 dB. Hierzu mußte ich mir mal eine Maschine speziell ummessen, nachdem ich ein Nagramaster-entzerrtes Band Bearbeiten mußte. Ein Problem gibt es manchmal noch bei der CCIR-Entzerrung bei der 38-er Geschwindigkeit: Die sog. "CCIR-Delle" im Frequenzgang: die Entzerrungszeitkonstante, die Schichtdicke der Magnetschicht des Bandes und die Spaltbreite des Aufnahmekopfes müssen in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen, sonst hat man im Gesamtfrequenzgang zwischen ca. 1000 Hz und 10000 Hz eine breitbandige Frequenzgangdelle von ca. 0,5 dB. MfG Rainer
Hallo Rudi, Du schreibst: Was wird eigentlich mit den alten Songs aus den 70ern und älter gemacht, wenn sie "digital-remastert" heutzutage wieder auf dem Markt kommen? Hermann hat hierzu schon einiges ergänzt. In der obigen Anfrage ist ganz glatt das Analogzeitalter gemeint. Wenn die schon vor 15 Jahren von analog auf digital kopierten Pop-Bänder in 44,1 kHz/16 Bit vorhanden sind, so wird beim Kopieren auf die neuesten Medien, wie SA-CD und DVD-Video leider nicht immer auf die Original-Analogbänder zurückgegangen. Weil die Analog-Bänder gerade nicht zu finden sind - weil sich die Analogbänder gerade auflösen - weil die Bänder mit Telcom aufgenommen wurden und der Telcom kaputt ist. Da gibt es die Möglichkeit mit einem Vielnormen-D/D-Wandler die 44,1 kHz/16bit-Kopien in 96 kHz/24 bit hochzurechen oder von 44,1 kHz/16 bit einmal analog zu wandeln und wieder in 96 kHz/24 bit aufzunehmen. Da Zeit = Geld ist, wird meistens nicht lange nachgedacht. Wer bezahlt heute noch Qualität - und wie lässt diese sich kaufmännisch messen oder überprüfen? Es sollen selbst schon CDs auf dem Markt sein, dessen Master von MiniDisk hergestellt wurde. Einen digitally remastered DVD quality "Boom" kann ich mir nicht vorstellen - wenn es eine CD gibt, denn wo bleibt der deutlich hörbare Klanggewinn, um den es sich lohnt eine neue DVD-Scheibe zu kaufen? Die schöne Zahl 24 für die Pseudo-bits kann es nicht sein. Surround-Sound ist schon etwas anders - nur zweifle ich, ob das nicht viel einfacher und kostengünstiger mit 24 bit und 48 kHz gegangen wäre. Gruß ebs PS: Telcom ist ein Noise Reduction System von Telefunken, das bei den ARD-Rundfunkanstalten eingeführt war.
Hallo Rudi, Du schreibst: Was wird eigentlich mit den alten Songs aus den 70ern und älter gemacht, wenn sie "digital-remastert" heutzutage wieder auf dem Markt kommen? Hermann hat hierzu schon einiges ergänzt. In der obigen Anfrage ist ganz glatt das Analogzeitalter gemeint. Wenn die schon vor 15 Jahren von analog auf digital kopierten Pop-Bänder in 44,1 kHz/16 Bit vorhanden sind, so wird beim Kopieren auf die neuesten Medien, wie SA-CD und DVD-Video leider nicht immer auf die Original-Analogbänder zurückgegangen. Weil die Analog-Bänder gerade nicht zu finden sind - weil sich die Analogbänder gerade auflösen - weil die Bänder mit Telcom aufgenommen wurden und der Telcom kaputt ist. Da gibt es die Möglichkeit mit einem Vielnormen-D/D-Wandler die 44,1 kHz/16bit-Kopien in 96 kHz/24 bit hochzurechen oder von 44,1 kHz/16 bit einmal analog zu wandeln und wieder in 96 kHz/24 bit aufzunehmen. Da Zeit = Geld ist, wird meistens nicht lange nachgedacht. Wer bezahlt heute noch Qualität - und wie lässt diese sich kaufmännisch messen oder überprüfen? Es sollen selbst schon CDs auf dem Markt sein, dessen Master von MiniDisk hergestellt wurde. Einen digitally remastered DVD quality "Boom" kann ich mir nicht vorstellen - wenn es eine CD gibt, denn wo bleibt der deutlich hörbare Klanggewinn, um den es sich lohnt eine neue DVD-Scheibe zu kaufen? Die schöne Zahl 24 für die Pseudo-bits kann es nicht sein. Surround-Sound ist schon etwas anders - nur zweifle ich, ob das nicht viel einfacher und kostengünstiger mit 24 bit und 48 kHz gegangen wäre. Gruß ebs PS: Telcom ist ein Noise Reduction System von Telefunken, das bei den ARD-Rundfunkanstalten eingeführt war.
Hallo Eberhard! Danke mal für den Beitrag. Natürlich habe ich dazu einige Fragen ;-)! Mir ist gar nicht klar, daß beim Mastering so gespart wird, denn der Aufnahme und mix Prozess nimmt ja sehr viel Zeit in Anspruch und ich dachte mir, daß auch beim Mastern diese Zeit zum Perfektionieren da ist. Ich dachte mir schon, daß MIDI Produktionen so aufgebaut sind (also 1 vocal der/die alles singt), aber audio Produktionen, wo wirklich gute Musiker im Studio sind und x takes einspielen, um etwas Gutes zu produzieren, bekommen als Lohn für ihre Arbeit ein möglichst schnelles Mastering? Das sprengt doch die Produktionskosten doch nicht in einen unermeßlichen Bereich, oder? Durch diesen einen Beitrag gibt's für mich gleich 2 neue Themen, nämlich DVD und bit/samplingrate.