Polarflex

Erstellt 9 Antworten10 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo
(Ich bin mal so frei, das in einen neuen Thread zu verschieben)
Trench:
Das ist etwa so, als würde ich mir einen Rennwagen kaufen und den Motor dann durch den eines Kleinwagens ersetzten :-)
WEnn die Kunden es nachfragen würden, würde es auch ein Sportwagenhersteller machen. Wobei sich die Kundennachfrage nicht nach Polarflex, sondern nach Großmembranen richtet.
Und J.W. hatte den EInfall, nicht die Großmembran zu bieten, sondern deren
Tonzauber:
Mit anderen Worten also: JW würde besser ein Grossmembran bauen, als ein Polarflex.
Eigenschaften auf basis von universellen Mikros.
Was doch nach obiger Aussage eigentlich ziemlich widersinnig ist. JW hält den Kunden ein Grosses vor und will jetzt durch die Hintertür doch noch ein solches, oder zumindest dessen Eigenschaften anbieten.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Oben gesagtes ist ja eigentlich nur eine Randbemerkung. Ich will damit keineswegs sagen, dass Polarflex uninteressant ist.
Wie weit ist das Projekt denn eigentlich. Ist es schon zur Serienreife gelangt. Hat es jemand schon mal gehört? Tonzauber?
Trench
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Antwort#2
Servus!
Aaaaaalso *athemhol*
es geht ja beim Großmembranmikro nicht um die Großmembran wie wir beide festgestellt haben, sondern um die speziellen Eigenschaften des Mics die durch die Großmembrane bedingt werden - primär das frequenzabhängige Richtdiagramm. DAS ist der Grund (neben dem ebenfalls erwähnten psychologischen dass ein großes Mikro auch gut ausschaut) wieso die Leute GMM verwenden - weil sie deren Eigenschaften nutzen wollen.
J.W. will ihnen nun diese Eigenschaften (primär das frequenzabhängige Richtdiagramm) mit Hilfe von 2 Mikrofonen (Kugel und Acht, vgl. Strauss-Paket) erstellen. WEr aufgepasst hat, weiss dass sich durch Subtraktion und Addition aus diesen beiden Richtdiagrammen jedes X-Beliebige nachbilden lässt.
Genau dies mach nun Polarflex, nun aber nicht konstant für den gesamten Frequenzbereich des Systems, sondern in 3 wählbaren Bereichen.
So kann ich beispielsweise auch eine wunderbare Großmembrane nachbilden (Hochtonbereich Superniere, MItten Niere, Tiefen Niere), oder ich kann eben sagen: Ich brauche ein stark gerichtetes Micro mit sehr guter Tiefenwiedergabe - Tiefen Kugel, rel. früh einsetzende Superniere bis obenhin.
Ich kann mir also wirklich mein für die Situation mir passend erscheinendes Richtdiagramm zusammenbasteln. Weiter noch, ich kann auch das unveränderte Signal aufnehmen und erst im Studio matrizieren (doch die Mics müssen richtig positioniert gewesen sein).

Ich persönlich durfte das System einmal bei einem Kollegen in Deutschland antesten, bin aber momentan über ein "Forschungs- und Erprobungsprojekt" mit der hiesigen Uni im Gespräch - mich würde es interessieren das einmal im Livebetrieb auszuprobieren... Klingen tuts ganz nett, und mann kann wirklich erstaunliches damit erreichen.
Was doch nach obiger Aussage eigentlich ziemlich widersinnig ist. JW hält den Kunden ein Grosses vor und will jetzt durch die Hintertür doch noch ein solches, oder zumindest dessen Eigenschaften anbieten
WEnn die Kunden es nachfragen würden, würde es auch ein Sportwagenhersteller machen. Wobei sich die Kundennachfrage nicht nach Polarflex, sondern nach Großmembranen richtet.
Mit anderen Worten also: JW würde besser ein Grossmembran bauen, als ein Polarflex
Er könnte auch GM's bauen - aber er hat nach einem WEg gesucht, die Eigenschaften der GM reproduzierbar und konstant und flexibler anders zu erreichen --> FORSCHUNG
Ad J.W. würde ich sagen, dass er den Menschen die Großmembran nicht wegen der
oben genannten Eigenschaften ausreden will (denn sie sind ja tlw. notwendig), sondern wegen der nicht wirklich vorhandenen Konstanz und Wiederholbarkeit. Aber diese Frage kann er uns nur selbst beantworten, wieso er das macht, alles andere wären Mutmassungen....
Herzlichen Gruß und für alle die das OSterwochenende nicht vor dem Computer verbringen werden - Frohe Ostern!!
Georg

Tonzauber-einfach klassisch
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Antwort#3
Hallo Ihr beiden,
so, ich habe mir mal den Spaß gemacht und habe Herrn Wuttke eine Mail geschrieben und ihn um eine Stellungnahme zur Entwicklung dieses Systems gebeten (J.W. und ich kennen uns sehr gut).
Aber andere Frage: Hat jemand mal das "Soundfield-Mikrofon" von Calrec (heute AMS) ausprobiert? Ich hatte vor einigen Jahren mal die Gelegenheit dazu. Schönes "Spielzeug", doch leider nicht sehr rauscharm. Kein Vergleich zu den Schoeps-Mikrofonen.
Bei großmembranigen Mikrofonen verläuft aber auch der Frequenzgang etwas anders durch Druckstau vor der Membran, der schon bei tieferen Frequenzen beginnt. Es ist also nicht die Polarkennlinie alleine was den Unterschied zu den kleinmembranigen ausmacht.
Auf jeden Fall aber muß man mal mit dem Aberglauben aufräumen, großmembranige Mikrofone würden bessere Baßübertragung gewähren analog zu großen Lautsprechern (wurde ja auch schon erwähnt).
Trotzdem kann ein Druckgradientenempfänger in Großmembrantechnik eine etwas bessere Baßübertragung liefern, weil der für den Membranantrie verantwortliche Druckgradient, durch einen größeren Umweg gebildet wird und dadurch beginnt der sonst physikalisch bedingte Baßabfall erst bei tieferen Frequenzen.

Grüße
Rainer

Grüße
Rainer
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Antwort#4
hab ich auch ausprobiert.... ist mir ZU koinzident für surround :)
Wobei man ja eine interessante Diskussion beginnen könnte:
Lohnt sich surround bei klassischer Musik?
Herzlichen Gruß
Georg
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Antwort#5
Hallo Georg,
Für Surround würde ich das Soundfield-M. auch nicht verwenden. Wenn ich das Surroundforum des VDT so verfolge - und auch die Gespräche auf den Tonmeistertagungen, Seminaren etc. belegen das - dann wird deutlich, daß koinzidente Mikrofonanordnungen für Surround-Aufnahmen ausscheiden.
Gewiß - über das Thema "Surround für Klassische Musik" könnte man durchaus reden. Die Frage ist ja zunächst erst mal die: Will ich denn unbedingt "den Konzertsaal im Haus" oder geht es primär um die Frage der besseren "Ausleuchtung" der Partitur, sprich: um die musikalischen Feinheiten darzustellen. Ich war heute abend in einem Konzert wo das Werk "Der Tod Jesu" von Graun aufgeführt wurde. Wurde in einer sehr halligen Kirche aufgeführt. Ich hatte mich extra schon weit vorne hingesetzt. Teilweise war die Textverständlichkeit des Chors nicht optimal. Will man nun solches in Surround aufnehmen mit dem Ziel, den Zuhörer zu hause in den Konzertsaal zu versetzen, dann wird dies an der genannten Unzulänglichkeit der Aufführung scheitern und der Zuhörer mit der Aufnahme ewig unzufrieden sein. Das aber kann ich verbessern wenn man dem Chor Stützmikrofone hinstellt und dadurch die Textverständlichkeit erhöht. Was aber dann die "Surroundaufnahme/Wiedergabe" bezwecken soll, darüber kann man geteilter Meinung sein.

Grüße
Rainer
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Antwort#6
Hallo
Na dann sind wir ja mal gespannt auf JWs Ausführungen.
Das Soundfield habe ich mal während einer Produktion eingesetzt. Es handelte sich um eine Polymikrofonie-Aufnahme einer Folk/Rock-Band, bei der in einem grossen, akustisch gut klingenden Saal alles Live eingespielt wurde. Das Soundfield habe ich als Raummikro verwendet. Da war es schon sehr praktisch und faszinierend, die Einstellungen von der Regie aus vorzunehmen und genau so anzupassen, wie man das haben wollte. Das Rauschen hat sich in dieser Situation nicht störend ausgewirkt, da die Signale nur mit geringem Pegel zugemischt wurden. Das "Spielzeug" ist ja leider auch etwas kostspielig.
Trench
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Antwort#7
Ja, Rainer,
es stimmt wenn Du sagst, daß das Rauschen von besagtem Soundfield weit über den "billigeren" Schoepsen liegt.
Aber es gibt eben Situationen, in denen unter einem gewissen Zeitdruck die Fernbedienbarkeit kaum mit Geld zu bezahlen wäre.
Ich hab viele Jahre im Synchron-Bereich gearbeitet; man braucht dort ja häufig andere Charakteristika, etwa wenn im Anschluss an eine Einzelaufnahme eine Gruppe folgt ( bis zu 7 Sprechern ), die sich natürlich auch irgendwo im Raum verteilen müssen. Die Dispositionen waren meiner Erfahrung nach immer so knapp, daß Du mit 'umstellarien' auf den Tag gesehen schnell mal 30 min. verschenkt hast, und die holt man den ganzen Tag über aufgrund des anschlusses von Sprecherbuchungen nicht mehr ein. D.h. auch, Du bezahlst nicht selten Wartezeiten, wodurch sich sehr schnell der "Mehrpreis" eines Soundfields amortisiert. Da Fernsehsysteme ja nun auch nicht gerade die 'audiophilsten' sind, ist das Rauschen für diese Anwendung auch kein Problem.
Auf Produktionszeiten gesehen hat mir das einfache Handling der Remote jedenfalls oft Nerven und Zeit erspart.
Liebe Grüsze vom don
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Antwort#8
Guten Morgen!
Trotzdem kann ein Druckgradientenempfänger in Großmembrantechnik eine etwas bessere Baßübertragung liefern, weil der für den Membranantrie verantwortliche Druckgradient, durch einen größeren Umweg gebildet wird und dadurch beginnt der sonst physikalisch bedingte Baßabfall erst bei tieferen Frequenzen.

Ich denke mal dass bei einer WEllenlänge von mehreren Metern (50 Hz = 6,8m!!!!) ein erhöhter Umweg um wenige Milimeter nicht ins Gewicht fällt....
Herzlichen Gruß
Georg


Tonzauber - einfach klassisch
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Antwort#9
Hallo Georg,
Zwar ist bei dieser Wellenlänge der Gradient nur sehr klein, aber doppelter Kapseldurchmesser = doppelter Wert des Gradienten. In diesem Bereich kann man noch mit linearem Zusammenhang rechnen, da die Sinuskurve um den Nullpunkt herum ja fast eine Gerade ist. Insofern ist das schon richtig. Das gleiche wird auch von J.Wuttke in seinen Mikrofonausätzen gesagt.
Grüße
Rainer
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Antwort#10
Hallo,
Jetzt sollte ich in diesem Forum offenbar auch einmal Stellung zum PolarFlex-System nehmen. Dank an Herrn Gutberlet, der mich darauf aufmerksam machte. Ich bitte allerdings gleich jetzt zu entschuldigen, dass ich auf weitere Schreiben in der nächsten Zeit nicht reagieren werde weil ich schon "auf dem Sprung" nach USA zur NAB-Ausstellung bin.
Eigentlich sollte ich mich darüber freuen, wenn es endlich Diskussion um das bisher noch wenig genutzte PolarFlex-System gibt. Allerdings haben mich einige Kommentare doch recht stutzig gemacht. Um bei den Beispielen mit Autos und deren Motoren zu bleiben frage ich einfach wie sich wohl der Konstrukteur eines leistungsfähigen Wagens mit 6 Gängen fühlen würde, wenn er erfährt, dass beim Test immer nur der erste Gang eingelegt wurde und daraufhin folgende Mängel kritisiert wurden: furchtbar laut bei Vollgas auf der Autobahn, dabei auch nicht besonders schnell, wahnsinniger Benzinverbrauch und am Ende ein kaputter Motor!
Um auf PolarFlex zurück zu kommen: Die Möglichkeit den Klang oder genauer gesagt die klangliche Verfärbung eines Großmembran-Mikrofons zu simulieren ist doch nicht das Ziel sondern nur eine von hunderten von klanggestalterischen Möglichkeiten, die nur das patentierte PolarFlexsystem bietet.
Damit das klangliche Ergebnis auch neutral sein kann ist die Verwendung von Kleinmembranen nötig. Neutralität ist immer die beste Ausgangsbasis wenn etwas in der einen oder anderen Richtung gezielt verändert werden soll. Beim Einstellen verschiedener Parameter lernt man dann welchen Einfluß sie haben und kann dosieren. Um beim Beispiel Großmembran-Mikrofon zu bleiben. Diese klingen doch auch nicht alle gleich und wenn man erst einmal herausgefunden hat dass ein entscheidendes Grundmerkmal darin besteht, dass die Richtwirkung bei tiefsten Frequenzen nachlässt kann man mit Polarflex einfach einmal unter 100Hz Kugel einstellen und bekommt einen außergewöhnlich "großmembranigen Klang". Wem die Einstellbarkeit nicht wichtig ist, kann für Fälle bei denen dieses Klangbild erwünscht ist selbstverständlich einfach eine "Großmembran" nehmen, aber dies muß er vor der Aufnahme entscheiden und danach kann er das Klangbild bestenfalls noch mit dem Equalizer bearbeiten. Mit dem Equalizer können aber alle Effekte die auf die Frequenzabhängigkeit des Richtdiagrammes zurück zu führen sind nicht mehr beeinflußt werden.
Ein großer Vorteil von Polarflex besteht dagegen darin, dass nicht nur die Richtwirkung sondern auch noch deren den "Sound" hervorrufende Frequenzabhängigkeit (siehe Polardiagramme) noch nach der Aufnahme möglich ist. Dazu werden allerdings pro PolarFlex-Mikrofon zwei koinzidente Mikrofone bzw. Membranen benötigt. Da der Polarflex-Prozessor digital arbeitet macht dies aber sogar einen gewissen Sinn: Ein AES-EBU entspricht dann einem PolarFlex-Mikro.
Für das Verständnis von PolarFlex und dessen Möglichkeiten ist entscheidend zu wissen, das die wichtigsten klanglichen Unterschiede zwischen Qualitäts-Mikrofonen außer auf deren Frequenzgang auf die Unterschiede des Richtdiagramms je nach Frequenz zurück zu führen sind (Nochmals: siehe Polardiagramme!). Dagegen sind Unterschiede durch unterschiedliche Schaltungstechnik, Einschwingverhalten und was sonst noch alles oft heftig diskutiert wird, zunächst einmal vernachlässigbar.
Aber noch einmal: Polarflex soll nicht primär bekannte Mikrofonklänge simulieren! Der "Fall Großmembran" ist ein Beispiel und deren Frequenzabhängigkeit der Richtcharakteristik ist Physik und war von keinem Konstrukteur beabsichtigt. Ein anderes Beispiel, das es aber nicht in Form eines realen Mikrofons gibt, wäre eines, das bei tiefen Frequenzen wie eine Superniere richtet und bei hohen Frequenzen Kugelcharakteristik annimmt. Anwendungsfälle kann ich mir vorstellen aber ich möchte jetzt keinen Aufsatz schreiben.
Wir brauchen neugierige Anwender, die das System verstehen und damit experimentieren. Damit werden sich viele neue Möglichkeiten eröffnen.
Ich hoffe mit diesem Text mehr Klarheit geschaffen zu haben und bin dankbar für Erklärungen warum unser Katalog als Informationsquelle eventuell nicht genügt.
Gruß an Alle
Jörg Wuttke
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