Hallo, Zum Thema Live-Keyboard-Mix haben sich viele geäußert. An alle vielen Dank dafür. Janko schrieb: "Was mit weniger gefällt sind auf der Bühne "vorgemischte" Stereosummen, die "schon total abgestimmt sind, da muß man nix mehr machen" (=da kann man auch nix mehr machen, meistens)" ...was ja durchaus nachzuvollziehen ist. Trotzdem meine Nachfrage an alle: seht ihr es als Aufgabe des Tontechnikers an in die Level der Geräte einzugreifen oder ist es euch am liebsten wenn ihr eine Stereo-Summe oder sogar nur ein Mono-Signal bekommt - evtl. sogar schon komprimiert? Und wie sehen eure Erfahrungen aus: wieviel tontechnische Kompetenz hat der Feld-Wald-und-Wiesen-Keyboarder? Wo liegen die Defizite? Danke für eure Antworten, Harald
hallo harald! jedes schon bearbeitete signal nimmt dem techniker die möglichkeit selbst einzugreifen. ich hatte anfangs 3 stereosummen zur verfügung, was dann doch etwas des guten zuviel war. bei einem mischpult ohne pegelanzeigen konnte ich teilweise nur erraten wo das signal anliegt. monosignale fahren wir nur wenn die pa auch mono läuft, was ja logisch ist. im moment läuft es so ab: 1x stereosumme emu und 1x stereosumme hammond-expander. teilweise laufen mehrere sound gleichzeitig auf dem emu und mir bleibt nichts anderes übrig als aufzuschreiben wo abgleichungsdefizite sind und diese mit dem keyboarder abzustimmen.
Mal von der anderen Seite gesehen: Was der Techniker nicht bearbeiten kann, kann er auch nicht versauen! Ich will keinen von euch zu Nahe treten, aber in der Praxis ist man als Nicht-Top-Star Musiker oft nicht so tollen Technikern ausgeliefert. Dazu kommt, dass diese - teilweise verständlich - nicht soooo die Lust haben sich da noch "reinzuknieen". Das beste ist also als Musiker möglichst unabhängig von Techniker zu sein. D.h. Gitarren so, dass Mikro davor stellen ausreicht. Drums gestimmt. Keyboardsounds möglichst lautsstärkemässig abgestimmt, so dass nicht geregelt werden muss. Gitarren so eingestellt, dass im extremfall nur Gesang über Monitore muss. (nichts nervt mich als Zuschauer mehr, wie Monitoranweisungen mitten im Set. Als Musiker mache ich das deshalb nie, sondern "Augen zu und durch".)
"ist man als Nicht-Top-Star Musiker oft nicht so tollen Technikern ausgeliefert...(nichts nervt mich als Zuschauer mehr, wie Monitoranweisungen mitten im Set. Als Musiker mache ich das deshalb nie, sondern "Augen zu und durch".) " Versteh mich nicht falsch Thomas, aber wenn du dem Techniker keine Anweisungen gibst, was er ändern soll (monitor etc...), dann darfst du dich auch nicht beschweren! Ich finde es schwierig als musiker (bin selber einer) zu spielen und sich nicht zu hören, denn da kommt meistens nur mist raus und ausserdem, auf den Sound der vorne aus der PA raus kommt, hast du ja als musiker eh keinen einfluß, es sei denn wenn sounds absolut scheiße im vornherein klingen. Aber niemals aufgeben, niemals kapitulieren... frohes musizieren noch Tobi
Ich sehe es schon als Aufgabe des Tonis, einzugreifen - wenns sonst halt sch... klingt. Und das Argument von ThomasT geht auch in beide Richtungen: Der Mischer kann unfähig sein, der Keyboarder aber genauso. Es liegt dann eigentlich in der Verantwortung des Keyboarders sich zu überlegen, ob er so gut ist daß er ne Stereosumme machen kann. Was die tontechnische Kompetenz der Wald-und-Wiesen-Tischhupers angeht, hab ich eher negative Erfahrungen gemacht. Keyboarder sind in ner "normalen" Band am ehesten die Leute, die noch irgendwas mit Mischpulten zu tun haben. Viele fühlen sich dadurch aber leider "qualifiziert", dem Mischer tolle Tipps geben zu können. Was natürlich auch lustig sein kann, wenn die sorgsam angesammelte Unkenntnis sich in einer Flut von "Fachausdrücken" über mich ergießt...
Wer kapituliert denn hier? Nein, da hast du mich falsch verstanden. Ich meinte nur, dass man als Musiker am besten dafür sorgen sollte, dass der Mixer nicht allzuviel falsch machen kann. D.h. das er im Extremfall nur die Fader hochzieht und es ohne intensiven FX und EQ-Einsatz klingen muss. Und dass man auf Monitor weitestgehend verzichten kann. D.h. die Instrumente schonauf der Bühne richtig hört. Gerade hier schreiben viele die (hoffe ich zumindest) engagierte Techniker sind, die einen guten Job abliefern wollen. Aber wir wissen alle, es gibt auch die anderen. Und das müssen noch nichtmal andere Leute sein, ein schlechter Tag wo man genervt ist, reicht da schon. Rein statistisch gesehen trifft man (d.h. die Liga wo ich halt leider noch spiele) öfter auf unfähige, unwillige Techniker, als auf engagierte Tontechniker. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Veranstalter natürlich die billigste PA haben wollen. Viele kleine Clubs kaufen sich eine eigene PA und lassen die von ihrer ABM-Mädchen-für-alles-Kraft betreuen. Oft war der Typ selber Musiker und kennt sich aus, andere leider nicht. Manche lernen es, manche nie, manche fangen gerade an. Hat man ganz grosses Pech, dann ist der Typ auch noch ein arrogantes Ar.... mit dem man nichtmal vernünftig reden kann, weil er ja der Gott hinter den Reglern ist. Bei manchen solchen Hobbykräften hilft dann nur noch der Verweis auf den Dipl.-Ing. und die Verbannung derselben von den Reglern. D.h. ich stelle mich beim Soundcheck mit dem Bass hinters Pult. Grosser Nachteil: es regelt dann auch keiner mehr nach. Sind aber auch extreme Fälle, mit den meisten kann man reden. Und letztendlich - gerade wieder erlebt - wird der Soundcheck wegen Zeitplan gestrichen und man bekommt einen 10min Line-check. Und gerade hier ist man dem Techniker noch mehr ausgeliefert.
Hallo Thomas, muß dir recht geben, wenn man auf so ein arrogantes Ar.... trifft, dann hat man wirklich keine Chance... ist mir zum Glück noch nicht passiert, mit den meisten konnte man reden... aber wenns wirklich mal passiert, dann hast du keine chance.... Wir versuchen immer, dem Musiker den bestmöglichen Sound zu liefern, denn wenn der zufrieden ist, dann ist auch der Veranstalter zufrieden, und was will man mehr? Keep on rocking.. Tobi
...der Veranstalter ist dann zufrieden, wenn er viel Bier verkauft hat, ob der Sound beschissen war oder geil, interessiert nicht die Bohne (zumindest meistens, leider!). Sonst gäbs wohl nie ne Diskussion um die PA Preise... ;-) Janko
Und genau deswegen frage ich mich, wieso sich Bands nicht ihren eigenen Tonmann leisten; der die Songs kennt, die Musiker kennt und der die Band _immer_ mischt. Und der dem Haustechniker zur Not sagt, wo's lang geht. Gruss Thomas
... und gerade deshalb sollte die Band dran arbeiten, dass sie das selbst im Griff hat. Ich hatte am Wochenende ein Open Air mit drei Bands. Bei der ersten musste ich immer auf die Bühne starren (oder mit PFL abhören) um zu ahnen, welcher der beiden Gitarristen gerade ein Solo spielt und entsprechend nachregeln. Die beiden anderen Bands hatten das im Griff, da konnte ich mich auf Feinheiten konzentrieren. Ein Bekannter hat mal gesagt: 'in einer guten Band ist jeder darauf bedacht, dass der andere gut rüberkommt'. Tomy
Hallo Harald, die Geschichte mit den vorgemischten Keyboards, hatten wir am Sonntag auch, die keys und der sampler kamen sehr gut rüber, allerdings waren bei manchen Piano Sounds die Eingangskanäle vom Mischpult des Tastenmenschs total übersteuert, es hat also verzerrt, aber wie du schon geschrieben hast, da kann man nichts machen, leider! tja so ist das Leben! Tobi
Schon interessant, was hier so an Erfahrungen zusammenkommt. Ich schreibe momentan an einer Artikelserie für die Zeitschrift KEYBOARDS zum Thema Live-Keyboard-Spiel und werde einige Erkenntnisse darin einfliessen lassen.