Abends halb zehn in Deutschland: Es stürmt, es klingt richtig gut. Aber wie lässt sich das aufnehmen? Der Schnellschuss mit zwei nieren-Kondensatormiks war - wie man sich denken kann - sehr unbefriedigend. Obwohl nicht direkt im Wind. Bis auf tiefes Rauschen (gaussförmiges frequenzspektrum, max bei 100Hz) und dieversen Feuerwehrsirenen war es sehr unbefriedigend. Lichtjahre vom wahren Klang entfernt. Das muss doch aufzunehmen sein.
Hmm.... ich hätte ein Kugelflächenmikrofon oder meinen guten alten Kunstkopf hingestellt....dazu nen Tiefpass.....vielleicht hätte das geklappt? Lieben Gruß aus dem weniger stürmischen Wien
Tonzauberer Georg schreibt zur Sturm-Aufnahme: "Ich hätte dazu ein Kugelflächenmikrofon oder meinen guten alten Kunstkopf hingestellt und einen Tiefpass genommen." Also am wenigsten windempfindlich sind "von Natur aus" Druckempfänger, also Kugelmikrofone - diese Mikrofone mit Kugelcharakteristik sollte man in AB-Aufstellung nehmen - Mikrofonbasis ca. 60 cm. Einen Tiefpass würde ich und vermutlich auch Georg in Wirklichkeit nicht nehmen - eher einen Bass-Cut (Trittschallfilter) bei 80 Hz gegen das stark störende tieffrequente Windbrubbeln. Wenn wir die wissenschaftlichen Worte "Hochpass und Tiefpass" vermeiden könnten und dafür die praktischen aktiven Anwendungsworte Bass-Cut und Treble-Cut oder Tiefen- und Höhen-Abschneider nehmen würden, gäbe es keine Verwechslungen. Jeder fällt mal drauf rein, wenn er Bässe wegnehmen will und dazu einen wissenschaftlichen Hochpass braucht - oder wenn er Höhen wegnehmen will dafür einen theoretischen Tiefpass braucht. Sagen wir Praktiker es doch einfach so, was wir praktisch tun, wie wir aktiv die Filter einstellen - dann gibt es niemals Probleme. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik: http://www.sengpielaudio.com
Lieber Eberhard, ja Du hast ja völlig recht, ich habe zuerst auch Lowcut dort stehen gehabt, mich dann allerdings auf meine deutschsprachigen wurzeln besonnen - und das falsche hingeschrieben :=)) Tja, so eine Nacht vorm Mischpult hinterlässt leider doch seine Spuren... Georg
mhm, man sieht das ja öfter im Fernsehen, wenn die "Wetterfrösche" draußen im Sturm stehen und moderieren, die haben schon die Katze übers Mikro gezogen und mann hört trotzdem nur fieses Rauschen und keinen schönen Wind. also muß man wohl noch mehr KnowHow auffahren, um das in den Griff zu bekommen. Der 1. Schritt wäre sicherlich, eine Kugel zu benutzen, die sind prinzipbedingt schonmal windunanfälliger
Hi Tobias, die Wetterfrösche verwenden ja schliesslich auch starke Richtmikrofone, teilweise sogar Richtrohre... - wodurch das Windrauschen gefördert wird, und wenn noch so ein dickes Fell drüber ist... Mit ner Kugel sollte es eigentlich theoretisch funktionieren... EBS hast Du vielleicht passende Unterlagen dazu? Lieben Gruß Georg
Lieber Eberhard, danke, die Artikel sind mir bekannt - meine Frage ging eher in die Richtung "Wie nehme ich Sturmgeräusche auf"... ich glaube Jörg Wuttke hat da etwas im zusammenhang mit dem Kugelflächenmikrofon geschrieben, meine Wunsch wäre nach "weiterführender" Literatur gewesen. Herzlichen Gruß, Georg
Servus, also ich merk mir das so: Beim Tiefpaß schaffen es nur die Tiefen "über" den Paß, die Höhen sind also weg, beim Hochpaß passieren (= gehen vorüber) nur die Höhen, die Tiefen schaffens nicht und sind weg. redi, der auch lieber von Baß- oder Höhenfilter(!) spricht (und vor allem denkt)
redi, der auch lieber von Baß- oder Höhenfilter(!) spricht (und vor allem denkt)
Also du meinst ein Bassfilter filtert die Bässe raus. Dann müsste ein Rot-Filter (um mal optische Analogien herzustellen) das rote Licht filtern. Das tut er aber nicht, sonder er lässt nur das rote Licht durch. Anders beim UV-Filter, das filtert nun wirklich den UV-Anteil raus. Dieser Widerspruch wurde auch schon in diverser Fotoliteratur bemerkt und bemerkt man sollte den besseren Begriff UV-Sperr-Filter benutzen. Also was macht ein X-Filter nun? Lässt es X durch oder filtert es X raus? (was macht ein Kaffeefilter...) Beim korrekten Term Hochpass oder Tiefpass gibt es degegen keine Zweideutigkeiten. Nur mal so am Rande...
eigl. ist es ja noch uneindeutiger, da ein Filter (->EQ) ja als Präsenz- oder Absenzfilter wirken kann. Also eigl. beides macht. Ein Bassfilter heisst nur es _wirkt_ im Bassbereich. _Wie_ ist dann ein ganz andere Frage.
ThomasT schreibt: "Beim korrekten Term Hochpass oder Tiefpass gibt es degegen keine Zweideutigkeiten." Was ich aber erstaunlich finde ist, dass bei vielen Vorlesungen und in Skripten, irgend etwas dazu führt, dass die Worte Hochpass und Tiefpass fast immer (!) verwechselt werden. Das wird dabei noch nicht einmal bemerkt. Außerdem sagt ein kluger Student das niemals seinem Professor. Wir Praktiker - auch redi gehört dazu - senken die Tiefen ab oder heben die Tiefen an und damit ist alles "eindeutig" klar - egal ob man einen "gegenteiligen" Pass dazu braucht. Ich selbst habe kein Problem mit den akademisch-theoretischen Wörtern "Hochpass und Tiefpass" - trotzdem muss ich jedesmal kurz verzögernd nachdenken, weil ich die Falle kenne. Es geht hier nicht um das blasse Wort "Bassfilter", das sagt wenig aus - es geht um Bass-Cut-Filter oder Bass-Lift-Filter, also um die aktive Tätigkeit der Bass-Absenkung oder der Bass-Anhebung. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik: http://www.sengpielaudio.com
ThomasT schreibt sehr schön plastisch vorstellbar: "Ein Rot-Filter müsste eigentlich das rote Licht filtern. Das tut es aber nicht - sondern es lässt nur das rote Licht durch. Anders beim UV-Filter, das filtert nun wirklich den UV-Anteil raus. Also was macht nun ein X-Filter? Lässt es X durch oder filtert es X raus? Und was macht ein Kaffeefilter?" Mit diesen seltsamen Widersprüchen und Wortungenauigkeiten scheinen wir leben zu müssen. Beim Pflaumenkuchen und beim Kirsch- oder Apfelkuchen ist mir sofort klar, was da auf dem Kuchen ist. Was ist denn auf dem Hundekuchen? Viele Grüße ebs
Wie wärs mit einem Kunstkopf? Dieses Pfeifen und Rauschen entsteht doch auch an unseren Ohren. Wenn der das nicht original hinkriegt weiß ich auch nicht. Ansonsten hab ich auch mal Regengeplätscher fürn Intro aufgenommen und da einfach zwei Nieren mit ORTF auf die Straße gerichtet. Gruß Carsten
Carsten schreibt zur Unwetter-Aufnahme: "Wie wär's mit einem Kunstkopf? Wenn der das nicht original hinkriegt, dann weiß ich auch nicht." Da wir zu 99,99 % unsere Stereoaufnahmen allein für Lautsprecher-Stereofonie machen, wird eine Kunstkopf-Aufnahme mit den ohrspezifischen Spektraldifferenzen dabei sehr wenig "authentisch" klingen. Carsten möchte originalen Klang. Kopfähnliche Signale gehören nicht in die Lautsprecher. Der vom Sturmwind erzeugte Pegel bei den ORTF-Nieren (Druckgradienten) wird hierbei die Mikrofon-Übertrager und die Vorverstärker bei tiefen Frequenzen übersteuern. Also bleiben nur zwei Mikrophone mit Kugelcharakteristik übrig, die man vielleicht mit 50 cm Mikrofonbasis aufstellt. Lies doch mal den Artikel über Betriebsverhältnisse von Mikrofonen bei Wind- und Poppstörungen: http://www.schoeps.de/D/PDFs/Mikrofonbuch_Kap.10.pdf Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik: http://www.sengpielaudio.com
Hallo Thomas, ich hab keine Antwort auf Deine Frage sondern was Weiterführendes. Im Cool Edit Forum gab's neulich eine ähnliche Frage, nämlich die, wie man das Geräusch aufnimmt, das entsteht, wenn Schneeflocken zu Boden sinken und dabei bereits auf dem Boden liegenden Schnee berühren. Vielleicht kannst Du aus den dortigen Antworten was für Dich rausziehen.