Hallo liebe Tontechniker, ich betreue einen 30köpfigen Amateurchor, der bislang immer mit 2 Akkordeons und einem leise spielenden Schlagzeug auf der Bühne stand. Die Sänger konnten sich immer gut selbst und die Instrumente hören. Inzwischen sind zwei Gitarren dazu gekommen. Eine E-Bassgitarre und eine elektrisch abgenommene Akustik-Gitarre. Beide Instrumente werden über einen kleinen Instrumentalverstärker (Kofferverstärker) verstärkt und sind so laut, dass der Chor sich nicht mehr hören kann und die Akkordeonspieler sich auch beschweren. Im ersten Ansatz dachte ich, dass das Problem mit Monitoring zu lösen sei. Inzwischen glaube ich aber nicht mehr daran, dass ich damit die Ursache beseitigen kann. Vermutlich steigere ich damit die Bühnenlautstärke noch weiter und riskiere Feedback-Probleme. Ich habe den Verdacht, dass die elektrisch abgenommene Akustikgitarre viel Mitten und wenig Höhen produziert und deshalb mit den Stimmen des Chores konkurriert. (Verdeckungseffekt?) Deshalb überlege ich, ob ich den Gitaristen mal bitten sollte, ohne Abnehmer zu spielen. Vielleicht hat die Gitarre dann weniger Mitten und mehr Höhen und ich kann sie besser "über den Chor legen". Wer kann mir dazu etwas sagen oder weitere Tipps geben? Besten Dank im Voraus! Wolfgang Kockord
Hallo Wolfgang, Warum nicht einfach die Lautstärke der verstärkten Gitarren zurücknehmen? Die akustischen Gitarren braucht man i.A. nicht zu verstärken.
Wie währe es einfach, den Instrumentenverstärker auf der Bühne weglasse und die beiden Gitaren direkt ins Pult dann hast du die größere Kontrolle darüber ansonsten neigen Musiker dazu ihre Verstärker immer lauter zu machen und somit hat der Chor wahrscheinlich ein Problem mit genau diesem ;-) Grüße Peter
Hallo Wolfgang, es ist ein bekanntes Problem, dass Spieler von elektrisch-verstärkten Instrumenten (Bass und Gitarre) - wenn sie einen Chor begleiten sollen - immer das "Gefühl" haben, sie klingen im Saal viel zu leise. Da hilft nur, einen Menschen des Vertrauens hinten in den Saal zu schicken, der kritisch zuhört und dann dem Chorleiter meldet, dass der Text der Sänger jetzt nicht mehr zu verstehen ist und der Bass und die Gitarre alles verschwimmen lassen, weil es dröhnt. Die Gefahr von Bühnenmonitoren ist, dass die Aufgabe des Beschallers, nicht mehr ist, einen ausgeglichenen Klang im Saal zu erreichen, sondern allen Künstlern es Recht zu machen, damit sie sich selbst und auch die Begleitung gut hören. Damit ist die Aufgabe der Beschallung fehlgeleitet, die ein Aufschaukeln der Lautstärke bis hin zur Rückkopplung in sich birgt. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
Hallo Rainer, die Musiker drehen die Verstärker mit der Begründung nicht leiser, sie könnten ihr Instrument dann nicht mehr hören. Deshalb kam ich auf den Verdeckungseffekt. Könnte das sein? Welche anderen Möglichkeiten gibt es noch? Wolfgang
Hallo ebs, kann es sein, dass die elektr. abgenommene akustische Gitarre in dem gleichen Frequenzbereich spielt, in dem der Chor singt und es damit zu einer Konkurrenzsituation kommt? Wie schätzt Du die Möglichkeit ein, die akustische Gitarre ohne Kabel mit Mikrofonen abzunehmen? Ich würde mir dabei auch erhoffen, mehr Höhen von der Gitarre zu erhalten. Beste Grüße Wolfgang
Servus, leider weiß ich das auch nicht, aber ich wüßte es gern, dann könnte ich es vielleicht ab-(!)-stellen(!). Also: Wenn nicht nur der Gitarrenverstärkerspieler zu laut ist - war da schon mal einer zu leise? - sondern auch die akustische Gitarre den Chor überdeckt, dann probier doch einfach, die Tiefen (fast) vollständig, die (unteren) Mitten deutlich bei der (akustischen) Gitarre rauszunehmen - alternativ kannst Du Höhen anheben - Mitten müssen/sollen/können trotzdem raus - und den Pegel etwas reduzieren. Wenn die Herren (?) Gitarrenspieler allerdings _nur_ über Verstärker spielen, hast Du - und er Chor - verloren. Die sind nämlich _immer_ lauter (wenn sie wollen, und - glaub mir - die wollen immer), als ihr alle zusammen ... redi
Hallo Wolfgang, es ist ganz sicher, dass die elektrisch abgenommene akustische Gitarre im gleichen Frequenzbereich spielt, in dem der Chor singt. Es ist aber z.B. bei einem Symphonieorchester üblich, dass viele Instrumente in einem Frequenzbereich mit anderen Instrumenten spielen - das ist immer so. Da muss immer mit der Lautstärke der Spieler ausgeglichen werden. Da sorgt schon der Dirigent dafür. Bei der Bass- und Gitarren Chorbegleitung scheint der Dirigent keinen Einfluss auf die Spielweise der zu lauten Begleitinstrumente zu haben. Das halte ich für den größten Fehler. Die Gitarre und der Bass müssen sich mit ihrem Verstärkungs-Lautstärkeregler zurückhalten. Und der Dirigent muss deutlich sagen, wenn die Gitarre zu viele Tiefen und zu wenig Höhen hat. Der Verstärker zu den Instrumenten sollte schon nahe hinter (!) den jeweiligen Spielern stehen. Viele Grüße ebs
Hallo Wolfgang, Die Antwort hat ebs schon gegeben, daher nur noch ein paar Anmerkungen zu den Musikern. Die Begründungen die (Laien)Musiker geben sind oftmals einfach haaresträubender Nonsens. Die müssen sich einfach dazu durchringen, entsprechend leise zu spielen - es ist eine Frage der Selbstdisziplin. Letzendlich schaden sie sich bei entgegengesetzter Gewohnheit beim Publikum. Man muß das aufeinander-hören trainieren wenn man in einem Ensemble spielt. Ich habe auch schon Chöre gehört, die mit Gitarren begleitet wurden (ohne Verstärkung!) wo die Gitarren gut in der Lautstärke abgestimmt waren und was auch beim Publikum gut ankam. Und noch etwas - sagte Robert Schuman mal in seinen "musikalische Haus- und Lebensregeln: "Es gibt keine schlechten Orchester/Chöre - es gibt nur schlechte Dirigenten".
Hallo! Mich als E-Gitarrist (Rockband) beschäftigt das Problem Lautstärke/Sound von E-Instrumenten sehr. Das Dumme ist, daß sich Gitarristen / Bassisten ihren Schalldruck meist auf die Hosenbeine blasen. Zweitens klingen Verstärker leise gespielt nicht "satt". Mein Vorschlag (so mache ich es jetzt): 1. ein k l e i n e r Amp / Lautsprecher. (in der Rockband reicht 15 Watt / 8 Zoll für Gitarre) - den dann mikrofoniert (sm57/58) 2. noch wichtiger: den Lautsprecher direkt aufs Ohr des Spielers richten, (z.B. Ankippen). Gitarristen müssen da sicher erstmal über ne Hemmschwelle. Aber dem Sound sollte das zuträglich sein (der Musiker hört sich auch besser). Michael K
Michael K meint als Rockgitarrist, dass Gitarren/Bass-Verstärker leise gespielt nicht "satt" klingen. Gegen einen ohne Verstärkung singenden Chor ist das hinzunehmen. Der Chor klingt auch nicht satt - aber mit natürlicher Dynamik. Der Vorschlag die Verstärkerlautsprecher durch Ankippen direkt aufs Ohr des Spielers richten, ist sehr gut. Auch die Idee, nur einen kleineren Verstärker zu verwenden ist gut. Diesen Ton aber mit SM57/58 zu mikrofonieren - gegenüber dem unmikrofonierten Chor - ist keine so gute Idee und auch nicht notwendig. Viele Grüße Forum für Mikrofontechnik und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
Du schreibst: ""Zweitens klingen Verstärker leise gespielt nicht "satt"."" Dieses Argument hört man sehr häufig von (Rock)Musikern. Es entbehrt aber völlig physikalischer Grundlage. Solange Du den Verstärker nicht bis in den Teil der Aussteuerungskennlinie fährst wo er verzerrt, klingt er selbst überhaupt nicht. Und Verzerrungen will man ja bei einer Instrumentalbegleitung eines Chores nicht haben, im Gegensatz zu manchen Effekten in der Pop-Musik. Nicht der Verstärker klingt, sondern eher der Lautsprecher selbst und bei leiser Einstellung ist der primäre Grund die Fletcher-Munsonkurve des Ohres weshalb es nicht "satt" klingt, denn bei geringer Lautstärke empfindet das Ohr den Gesamtklang als baßschwach.
Hallo Wolfgang, ich habe 5 Jahre lang so einen gemischten Chor mit Akustik-Band abgemischt und empfehle dir folgendes: 1. E-Bass: Steck ihn über DI direkt ins Pult, parallel den Bassamp als Monitor für den Bassisten, auf einen Stuhl, gekippt, so daß er den Bassisten direkt anstrahlt und so leise eingestellt werden kann, daß er im Saal nicht mehr stört. 2. Akustikgitarre: Nimm den Amp weg! Abnahme über Mikrofon. Sehr edel klingen kleine ECM-Kugeln. (Beyer MCE5 etc.). Erstaunlich gut sind auch manchmal ganz billige (Monacor etc.) Das Mikro wird im Schalloch 5-10mm unter den Saiten plaziert. Wenn die Gitarre einen Steg-Piezo hat, kannst du den über eine aktive DI ins Pult stecken und zumischen. Das klingt besonders gut. Beim Piezo nimmst du vorsichtig die Höhen weg, beim Mikro die Bässe. Diese Kombination bringt auch einen sehr guten Rückkopplungsabstand. Und: laß dich nicht verrücktmachen von irgendwelchen Egomanen! Ein guter Musiker weiß, daß es im Saal völlig anders klingt als oben auf der Bühne! Die Gitarre ist in so einem Ensemble ein Begleitinstrument und nicht die Hauptsache, das musst du notfalls mithilfe des Chorleiters dem Gitarrero klar machen. Gruß Reinhard