Grenzflächenmikrofone und OSS der 2. Art.

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
Eine Frage mal an die Grenzflächen- und OSS-Anwender.
Das OSS (Jecklinscheibe) kennt wohl jeder. Möchte mal gerne wissen wie da Eure Erfahrungen sind.
Kennt aber auch jemand die "OSS der 2. Art"? (so habe ich es mal irgendwo gelesen, finde aber die Literaturstelle nicht mehr).Dies ist ein Zwitter zwischen Grenzflächenmikrofon und OSS: Das ganze Gebilde besteht aus einer Blechscheibe mit ca. 30 cm Durchmesser und darauf sitzt senkrecht eine Halbscheibe die - wie die bekannte Jecklinscheibe - mit Dämpfungsmaterial belegt ist. Die Mikrofone sitzen dann zu beiden Seiten der Dämpfungshalbscheibe und man legt dann diese ganze Anordnung auf den Boden.
Hat jemand schon mal mit diesem Gebilde aufgenommen und wenn ja, wie sind die Ergebnisse?

MfG
Rainer
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Antwort#2
Servus Rainer,
ich denke so etwas gibt es von MBHO. Habs aber bisher noch nicht ausprobiert.... Mir fehlt auch die Vorstellungskraft wofür ich sowas zweckbringend einsetze - als Hauptsystem?
Gruß
Georg


Tonzauber - zurück von der AES
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Antwort#3
Hier der Link zur MBHO-Seite.
Vielleicht borgen sie's zum ausprobieren her?
Gruß
Georg


mbnm 622 EPZ
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Antwort#4
Richtig Tonzauberer, der deutsche Hersteller MBHO GmbH Mikrofonbau Haun bot das Grenzflächen-Electret-Kondensatormikrophon MBC 622 an. Das ist quasi die halbierte Jecklinscheibe auf einer Grundplatte, wie die obige Abbildung zeigt.
Dieses Stereo-Hauptmikrofon ist kaum aus dem Experimentierstadium herausgekommmen, denn die in der Phantasie angenommenen spektakulären Klangwirkungen, die sich mit dem menschlichen Ohrabstand ergeben müssten, haben sich bei der Stereo-Lautsprecherwiedergabe nicht eingestellt. Das hat natürlich seine Gründe in der irrigen Annahme, dass die Stereo-Lautsprecher so etwas wie Ohrsignale abgeben müssten. Es gibt heute immer noch einige Grünschall-Tontechniker, die weiterhin verbissen die Notwendigkeit von Trennkörpern zwischen zwei Mikrofonen predigen.
Über die Erfahrung mit solchen experimentellen Trennkörper-Aufnahmen, besonderes über den Klang, würde ich gerne hier oder über meine Mailadresse etwas erfahren.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


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Antwort#5
Wenn man sich ganz genau die MBHO-Anordnung anschaut, so ist zu erkennen, dass die Membranen dieser Grenzflächenmikrofone nach unten auf die Grundplatte zeigen, also sind die Mikrofonkörper dem Schall im Wege. Es ist also hier die falsche Erfinderbauart angewendet worden, die alle anderen Mikrofonfirmen intelligenter Weise umgangen haben.
Siehe das Blatt "Zwei verschiedene Grenzflächen-Mikrofonarten" unten im Link.
Viele Grüße
ebs
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Zwei verschiedene Grenzflächen-Mikrofonarten
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Antwort#6
Lieber EBS,
wenn ich die MBHO's richtig kenne, sind die mikros ein mittelding zwischen 1. und 2. Art - die Membran müsstevertikal in dem zylindrischen Kapselkörper-Aufbau liegeb - damit im rechten Winkel zur Grundplatte.
Gruß
Georg


Tonzauber - einfach klassisch
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Antwort#7
Lieber Georg,
es könnte sein, dass der zylindrische MBHO-Mikrofonkörper im rechten Winkel zur Grundplatte liegt - was schwer zu erkennen ist.
Ich meine aber, dass an dem zugespitzen Teil vorne die Membran liegt - parallel, oberhalb und in der Mitte (!) der Kreisfläche. Trotzdem bin ich unsicher. Wer so ein Gerät mal in der Hand hat, wird dieses uns genauer sagen können und hier mitteilen.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#8
Lieber ebs, lieber Georg,
Das Einbringen von Beugungskörpern an Druckempfängern hat eine lange Tradition. Ich erinnere nur an das reichhaltige Sortiment von "Nasen" und "Kugeln" bei B&K, mit dem man den Druckempfänger verbiegen kann. Das M50 von Neumann ist auch nicht zu vergessen.
Das Mißverständnis, dass zum Patent PZM geführt hat, hast Du, Eberhard, ja schon seit langem erklärt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Auch die Problematik von Trennkörpern mit ihrer begrenzten Universalität ist daher hinreichend bekannt. Wie die Konstruktion von Haun tönt, müsste wirklich mal ein Anwender beschreiben. Die Homepage ist nicht sehr ergiebig.
Grüße,
Tonmaus
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Antwort#9
Lieber Tonmaus (Der Maus, männlich - oder?),
danke für die Hinweise auf diverse "Nasen", "Eier" und "Kugeln" bei B&K und die durchsichtige Golfball-Kugel im Neumann M50 als Schallbeugungskörper an einem Mikrofon. Hierzu ist als Erweiterung das Polarflex-System von Schoeps zu sehen, mit dem "eine" beliebige frequenzabhängige Mikrofoncharakteristik eingestellt werden kann. Bei diesem Prinzip handelt es sich jeweils um die akustische oder elektrische Einstellung von frequenzabhängigen Beugungserscheinungen je nach Schalleinfallswinkel bei einem Mono-Mikrofon.
Etwas anderes ist es, vom Stereo-Prinzip her, zwischen "zwei" Mikrofone mit Kugelcharakteristik einen Fußball, eine Kugellampe oder eine Aktentasche als Trennkörper zu stellen. Hier soll der Ohrabstand des Kopfes und die Schalltrennung durch den Kopf in etwa nachgebildet werden, weil man hofft, so endlich zu natürlich klingenden Aufnahmen zu kommen, weil die Mikrofone ja anstelle der Trommelfelle wirken. Ich habe das für die Lautsprecherstereofonie für mich als sehr falsch erkannt, bin aber ständig selbst mit gestandenen theoretisierenden Leuten von Akustikinstituten und auch mit ahnungslosen Tonamateuren im Clinch, die meine Einwände nicht verstehen.
Auffällig ist, dass es über die Trennkörperstereofonie Artikel gibt, die mit der Zahl der Anwendungen bei allgemeinen Aufnahmen nicht übereinstimmt.
Auch bei der Surround-Sound-Technik findet man eine Menge theoretischer Unterlagen zur Mikrofonaufstellung, die bei den vielen jetzt anstehenden Surround-Sound-Aufnahmen eben gerade nicht verwendet werden. Ich benutze dazu kein Kugelflächenmikrofon mit Achter-Ohren, kein OCT-System, kein spl-Atmos 5.1 und kein IRT-Atmos-Kreuz und andere kleinköpfige Anordnungen.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#10
Vielen Dank für deine Geduld mit den ahnungslosen Tonamateuren....
greets
Richie
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Antwort#11
Ich benutze dazu kein Kugelflächenmikrofon mit Achter-Ohren, kein OCT-System, kein spl-Atmos 5.1 und kein IRT-Atmos-Kreuz und andere kleinköpfige Anordnungen.
Sondern?
Btw. ich finde zwar Surround spannend, sehe aber keinen wirklich praktischne Nutzen derzeit. Ist in etwa so als würde man Infrarot oder UV beim Malen verwenden.
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Antwort#12
Hallo Eberhard,
Der Gedanke der hinter dem Kugelflächenmikrofon steht, ist für mich auch nicht so ganz einleuchtend. Einerseits kann es von der Ausführung her niemals einem Kunstkopf gleich kommen, andererseits ist ja die Verwendung von Ohrsignalen oder ohränlichen Signalen für Lautsprecherstereofonie nicht sinnvoll.
Legt man diese Punkte als Ausgang zur Diskussion über die Stereohauptmikrofone zu Grunde, dann ist m.E. auch die ORTF-Anordnung fragwürdig. Ich persönlich benutze ORTF-Anordnungen auch nur äußerst selten. Alleine schon wegen der Verwendung von Druckgradientenempfängern.
Die von mir nach wie vor bevorzugte Anordnung ist M/S mit einem Druckempfänger für den M-Anteil.
Anders dagegen sieht es natürlich aus wenn man eine Aufnahme gestalten will, die vorzugsweise für KH-Wiedergabe gedacht ist. Hier wäre auch der Einsatz distanzierter Mikrofone oder Kugelflächenmikrofone angebracht.

Grüße
Rainer
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Antwort#13
Lieber Rainer,
Lautsprecherstereofonie und Kugelflächenmikrofon ist eine seltsame Philosophie. Herrn Wuttke (Schoeps), der ja diese Kugeln vertreibt, habe ich mal in einer E-Mail kurz vor dem 1. April vorgeschlagen, den Freunden der Ohr- und Kopfbeugungssignale als Aprilscherz (!) anzubieten: "Ohrmuscheln aus Schaumstoff, die über Kleinmikrofone zu ziehen sind" - ob für linkes oder rechtes Ohr ist unbedingt bei der Bestellung anzugeben. :-) Achtung, bald ist der 1.April!
Während ich zu Quasi-Kopfsignalen eine feste Anti-Meinung habe, bin ich für andere Stereo- und Surround-Techniken offen. Brauche ich ein "sauberes" Centersignal zwischen den Lautsprechern, so ist M/S mit einem Druckempfänger für den M-Anteil ideal. Brauche ich "saubere" Signale im linken und rechten Lautsprecher, dann ist X/Y Niere/Niere und ca. 130° Achsenwinkel (je nach Aufnahmebereich) vorzuziehen.
Allgemein wird ja die gemischte Stereofonie angewendet und die Mono-Kompatibilität der Koinzidenzaufnahme als nicht mehr so vordringlich angesehen.
Etwas weniger mag ich die feste ORTF-Anordnung (Beamten-Klammer genannt), weil die nicht verändert werden kann. ORTF-ähnliche Anordnungen sind flexibler auf die notwenige Klang-Einstellung einzusetzen. Die zufälligen 17 cm, die die französischen Praktiker gefunden haben, haben nichts mit einem Ohrabstand zu tun, was immer wieder behauptet wird. Auch sind unsere Ohren keine auf +/- 55° eingestellte Druckgradienten-Nieren-Empfänger. Deutlich zeige ich, dass die "echte" Hauptmikrofon-Aufnahmetechnik kaum noch vorkommt, weil die Stützmikrofone immer mehr den Klang bestimmen. (Und was soll dann ein Delay der Stützen?) Ich habe nichts dagegen (!), nur dann von einer Aufnahme mit Hauptmikrofon zu sprechen ist falsch, denn das Hauptmikrofon hat nur noch Alibi-Funktion für ein Foto.
Was jeder anwendet, hängt doch mit den beruflichen Notwendigkeiten zusammen. Bis auf eine Pop-Testaufnahme zu einer Funkausstellung habe ich nie Aufnahmen für Kopfhörer-Stereofonie machen dürfen. ThomasT findet Surround-Sound spannend, sieht aber derzeit keinen praktischen Nutzen, sicherlich auch weil keiner seiner Kunden so etwas haben will. Ich würde auch nicht in 24 bit 96 kHz aufnehmen, es wird aber von mir gefordert, weil die DVD-Audio eben so etwas braucht.
Genauso ist es mit Surround-Sound-Aufnahmen. Wer meint das das unnötig ist, kann solche Aufnahmen doch anderen überlassen. Aber diskutieren und zu Mikrofonanodnungen mitreden kann nur der, der sich damit befasst.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
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