Hallo Tonmenschen, ich habe mal wieder einige Fragen: Im Dezember habe ich von Euch (EBS und Rainer) einige Tips zur Aufnahme unseres Jugendsinfonieorchesters in der Lukaskirche Dresden erhalten. Zur Zeit sitze ich über der Mischung, und bin mit dem viel zu starken Nachhall aus dem Kirchenschiff bei hoher Orchesterlautstärke unzufrieden. Die Aufnahme wird undurchsichtig, mulmig und regelrecht dröhnend. Das der bis 1990 vorhandene Plafonds(absenkbare Decke) nicht mehr da ist ist halt nicht mehr zu ändern. (Aufnahme 08.12.02: Hauptmikrofon ORTF auf Ständer 3m hoch 4m hinter Dirigent, Sänger 1 Mikro, 1 Stütze am Kontrabaß, 2 Stützen R/L Holzbläser, 1 Stütze am Horn (Unterbesetzt)) Kann ich in der bestehenden Aufnahme noch was retten und wie gehe ich bei zukünftigen Konzerten diesem Problem schon bei der Aufnahme aus dem Weg. Beim Studium auf EBS-Seiten kam mir die Idee, es mal mit einem X/Y-Hauptmikrofon direkt über dem Dirigenten zu versuchen. X/Y = schlechtere Räumlichkeit sollte ja in meinem Fall, zu viel Nachhall,keine Rolle spielen. Die aufzunehmenden Konzerte sind immer Liveveranstaltungen, so daß meine Mikrofonierung immer unauffällig und möglichst nicht Stören darf. Auch der Platzbedarf für weitere Stützmikrofone ist beengt(wenn ich da den Platz auf der Bühne im Kulturpalast bei der Philharmonie sehe... (Neid)). Bitte viele Vorschläge, vor allem Tips für die nächsten Konzerte. Vielen Dank und Grüße aus Dresden Torsten
Hallo Torsten, die hier abgebildeten CDs 0630-13151-2 mit den Aufnahmen der Beethoven: Piano Konzerte 1 bis 5 mit Andras Schiff (p), Bernhard Haitink und der Staatskapelle Dresden wurde als Beispiel in dieser besagten Lukaskirche in Dresden aufgenommen - im jetzigen Zustand ohne Akustik-Decke. Die Aufnahmen wirken nicht im geringsten zu hallig oder wummerig. Man muss natürlich etwas dafür tun. So wurden die Pauken zu 3/4 mit akustischen Stellwänden umgeben, um ihren Klang trockener zu bekommen und eine Reihe von weiteren Akstikwänden stand als Reihe vor den Altartreppen. Als Hauptmikrofone wurden 5 Kugelmikrofone (!) genommen und das Klavier mit 2 Stück TLM 50 S (Sonder-Kugeln) gestützt. Die 5 Haupt-Kugelmikrofone standen 3,10 m hoch direkt an der Orchesterkante! Und die üblichen Nieren-Stützen standen bei den Holzbläsern, den Bässen und je eins bei jeder Streichergruppe. Ich hätte noch andere Klangbeispiele aus der dresdner Lukaskirche anzubieten auch mit impulshafterer zeitgenössischer Musik. Viele Grüße ebs
Hallo, nur aus Neugierde: ich kenne die Kirche nur vom Namen, aber nehme ich richtig an, dass die Stellwaende hinter dem Orchester standen (Du schreibst, sie standen vor den Altartreppen, also im Kirchenschiff)? War Dein Anliegen, eine fruehe Reflektion einzubringen oder sollte die Kirche weniger angesprochen werden? Gruss, Dirk
Hi Dirk, durch die Schall absorbierenden Stellwände hinter dem Orchester soll die Kirche weniger angesprochen werden. Ich bin kein Freund früher Reflexionen unter 15 ms bei natürlichen Aufnahmen. Beim Abhören im Wohnzimmer bekommen wir davon unerwünscht noch genug hinzu, was die Aufnahme unklar macht. Anstatt starker früher Reflexionen sehe ich eine Erhöhung der Diffusität als positiver an - besonders bei Surround-Sound. Gruß ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudotechnik http://www.sengpielaudio.com
... Ich habe auch schon Aufnahmen in der Lukaskirche gemacht Die Akustik ist meiner Meinung nach auch ohne die "Akustikdecke" sehr gut, man muss im Grossraum Sachsen schon sehr suchen, um einen vergleichbaren Akustikraum für grössere Projekte zu finden. Eine Verstellbarkeit ist halt leider nicht mehr gegeben, ich kann mir auch eine Art "Flatterecho" von der Decke vorstellen, welches in kritischen Fällen stören könnte. Vielleicht wird ja wieder eine Akustikdecke eingebaut ??? Mir machen aber für kritische Aufnahmen eher andere Dinge sorgen - wohl der mehrspurige Ausbau der hahe liegenden Bergstrasse ... Zum Problem selbst: Warum sollte das Orchester denn nicht im "Kirchenschiff" sitzen ? Bei der letzten Aufnahme habe ich zusätzlich zum experimentieren eine Kombination aus ORTF (2x Gefell M 930) und Groß- AB (2x Gefell M 296, 3m Basis) ausgewählt und "ganz akzeptable" Ergebnisse erhalten. Aber es mag schon stimmen - bei Live- Aufnahmen mit anwesendem Publikum muss halt das Orchester im Altarraum sitzen, und der Anwendung von Stützen können aus Platz- und optischen Gründen Grenzen gesetzt sein. Meiner Meinung nach ist eine Orchesterplatzierung im Altarraum der Lukaskirche für Aufnahmen ohnehin ungünstiger - ich lasse mich aber gerne korrigieren! Vielleicht habe ich bei meinen nächsten Aufnahmen dieses Jahr ein bisschen Zeit zum experimentieren bezüglich einer zusätzlichen Choraufstellung.
Hallo, evtl. sollte ich meine Aufnahmesituation noch ein wenig erklären: Das Orchester sitzt im Altarraum (Pauken, Blech- und Holzbläser)und über den Stufen zum Kirchenschiff die Streicher (auf Bühnenpodesten). Das DJSO ist zur Zeit sehr groß (80 Spieler), so daß der Dirigent und die Solisten fast im Zentrum des sechseckigen Kirchenschiffes stehen. Direkt hinter dem Dirigenten beginnt schon die erste Zuschauerreihe, so das es fast immer zu Eng für Experimente ist. Zu meiner ersten Frage: andere Art des Hauptmikrofons zB X/Y mit großem Aufnahmewinkel nahe beim Dirigenten ? @ ebs Dein Vorschlag mit fünf Kugelmikrofonen geht aus Ermangelung selbiger nicht,(habe nur 2x M69 von MTG), evtl bekomme ich noch eine 3. Kugel, dann kann ich mal mit DECCA-Tree experimentieren. @ swen, wenn Du mal wieder Choraufnahmen in Dresden machst, könnte ich Dir da mal über die Schulter schauen? Vielen Dank an alle Torsten
Hallo Torsten, Auf Deine Frage nach einem anderen Hauptmikrofon möchte ich Dir raten: Eine X/Y-Aufstellung für ein solch großes Orchester ist ungünstig, es sei denn, daß Du diese Anordnung nicht direkt hinter den Dirigenten stellst, sondern mehr in das Orcheste rückst um den Aufnahmebereich auch voll auszunutzen. Besser ist hier eine M/S-Anordnung, weil man da für den M-Anteil flexibler ist von der Wahl der Richtcharakteristik. Wahrscheinlich wirst Du aber - unabhängig von der Art des Hauptsystems - nicht umhin kommen, die Flanken außen zu stützen, weil die Entfernungen der äußeren Instrumente zum Haupmikrofon zu groß sind. Ich habe vor ein paar Wochen auch mal eine Aufnahme gemacht mit einem DECCA-Tree bestehend aus 3 x KM 83. Das Ergebnis ist gut geworden. Allerdings war es ein sehr kleines Orchester. Trotzdem mußte ich die äußeren Instrumente stützen.