Hallo, ich habe ein paar Fragen zur "Gesangsverfeinerung" im Mix. Die Vocals nehme ich mit einem AKG 3000B und einem DBX 386 Röhrenpreamp (digital mit 24bit/44.1kHz) auf, dabei kommen schon recht ordentliche Gesangsaufnahmen zustande, die sich im Mix mitHilfe von Kompressoren usw. (alle FX aus Samplitude 7) ziemlich gut und präsent anhören. Dazu doppele ich die Spuren (1 Links, 1 Mitte, 1 rechts Panorama) und verhalle die äusseren Spuren etwas. Dadurch werden die Vocals schon recht fett. Allerdings fehlt mir noch der letzte "Kick", wenn ich mir professionelle Aufnahmen anhöre, sind die immer noch ein "bisschen fetter und frischer" ohne dabei unnatürlich zu klingeln. Mache ich im Mix etwas falsch ? Fehlen mir Effektgeräte (z.B. TC Helicon Voiceprism oder Digitech Vocalist VR)? Hat jemand Erfahrung mit o.g. Geräten (Soundbeispiele vorher - nachher)?? Vielen Dank im Voraus Rox
Hallo Rox, deine Fragen zur "Gesangsverfeinerung" im Mix sind verständlich. Ich denke aber, du hast eine etwas zu hohe Erwartungshaltung an professionelle Effektgeräte (Plug-Ins), die dir deine Stimme noch professionell fetter und frischer machen sollen. Das Mikrofon macht schon ein wenig aus, aber noch viel mehr, wie steht das Mikrofon vor dem Solisten und in welchem Abstand. Da gibt es leider keine festen Regeln. Es klingt aber deutlich unterschiedlich, wenn man ganz nah (1 cm) in einer schalltoten Kiste aufnimmt (viele denken das muss so sein) oder in 30 cm Entfernung in einem etwas lebendigeren Raum. Die Idee, alles knochentrocken nah aufzunehen und den Rest allein mit Hallgeräten und anderen Effektgeräten aufzubessern, ist eine typische Anfängervorstellung. Auch beim Gesang solltest du entweder gleich etwas Originalraum aufnehmen oder wenigstens beim Abmischen ein Treppenhaus oder ein Klo hinzuziehen, in das du die Stimme einspielst. Das wäre jedenfalls ausprobierenswert. Natürlich hängt das sehr vom zu produzierenen Musikstil ab. Gruß Didi
"Die Idee, alles knochentrocken nah aufzunehen ... ist eine typische Anfängervorstellung" Kommt drauf an. Mit raumklangbehaftetem Material ist mitunter weniger anzufangen, es muss ja zur Musik passen. Wenn - wie oben - mit Spurverdopplung und künstlichem Mehrspurhall getrickst werden soll, dann können in der Aufnahme enthaltene Raumanteile durchausstörend wirken. Kurzreflexionsarme Aufnahmen sind da zwar nicht immer - aber in der Regel besser. Bei längerem Hall sieht es etwas anders aus, wobei ich kurz einwerfend fragen würde, ob "verhallen" tatsächlich "verfeinernd" wirkt, wie angefragt. (???) Man muss sich immer zwei grundsätzliche Dinge vor Augen führen : Sänger klingen meist anders, wenn sie mit Hallunterstützung singen, weil sie einfach anders singen! Weiter : Der Schall kommt nicht nur aus dem Mund Will man einen Tenor aufnehmen, sind sind Mikroabstände unter 50cm einfach untauglich. 70-90cm sind da schon eher günstig, nur so sind Kopfresonanzen und Bauchanteil voll zu erfassen. Aber schon bei der Entfernung bekommt man selbst mit Nieren bereits einen relevanten Raumnklang drauf. Der muss dann aber passen : In einem kleinen Aufnahmeraum von z.B. 4x4mx3m geht da gar nichts - dann lieber die Reflexionen töten.
Vielen Dank schonmal für die Tipps. Mit Mikrofonabständen werde ich nochmal etwas rumprobieren - ich habe bisher entweder ganz nah ( 5-10cm ) und dann noch ca. 30 cm gewählt, klingt beides ziemlich gut ( ist halt stil- und musikabhängig ). Dabei habe ich die Leadvocals im kurzen Abstand und die Backvocals im langen Abstand gewählt. Kam im Mix schon sehr gut. Zum Thema Raum : Ich habe eine Gesangskabine gebaut ( 2 mal 2 m ) und eine Aufnahme mit glatten Wänden durchgeführt (Absorber nur hinter dem Mic), klingt auf der Aufnahme sehr gut, wenn ich jedoch kurze Signale im Raum abspiele hört man deutliche Echos (Flatterechos?) Um den Raum zu optimieren : Sollte ich bei gegenüberliegenden Wänden nur eine mit Absorbern verkleiden oder komplett (Raumeindruck contra Phasenauslöschung?)?? Nochmal zu den Effekten, wie gesagt klingen meine aufgenommenen Vocals schon sehr gut, präsent und haben auch genug Druck - professionelle klingen halt wie gesagt noch "fetter und frischer" - am EQ und Kompressor kann es nicht liegen, da habe ich schon alles durch und bin jetzt bei einem sehr ausgewogenen Klangbild. Die Musikrichtung geht von Irish Folk über Pop Rock bis Metal also alles handgemachte Sachen mit semiprofessionellen Sängern und bei allen Vergleichs-Cds (z.B. Bardic, Sade, Clapton bis ACDC) klingt der Gesang immer noch ein bisschen besser (es geht nur um den Sound, nicht um die Qualität des Gesangs). Vielleicht habt Ihr ja noch weitere Ideen ?!? Danke nochmals - Rox
Warum die Gesangskabine? Aus Prinzip? Sonst kein Platz? Sänger soll extra stehen, während Band live spielt? Ich mag diese kleinen Kabinen nicht. Es sei denn sie sind _wirklich_ Schalltot. Ansonsten stören immer diese ersten Reflexionen. Ich lass mich gerne anders belehren. Aber wenn man nicht gerade übelst Hall draufmachen will, ist der Raum in dem man z.B. die anderen Akustischen Instrumente aufnehmen will besser.
Hy, die Gesangskabine musste ich bauen, da neben meinem Aufnahmeraum noch ein Proberaum ist (wird zwar nur abends benutzt - aber wenn's läuft will man ja rund um die Uhr Aufnehmen) und ich dadurch Nebengeräusche auf den Spuren mit hohem Gain hatte. In der Kabine ist Ruhe. CU - Rox
"Ich habe eine Gesangskabine gebaut ( 2 mal 2 m ) und eine Aufnahme mit glatten Wänden durchgeführt (Absorber nur hinter dem Mic)," Mach die Absorber mal (auch) hinter den Sänger. Bei den Abständen steckt der gesamte Raum voll mit kurzen Reflexionen die wieder von vorn in das Mikro dringen.