SAE/SfT parallel zur "normalen" Ausbildung?

Erstellt 6 Antworten7 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo zusammen!
Ich habe folgendes Problem: Ich stehe im Alter von 22 Jahren nach einem abgebrochenen Studium (Hauptfach Germanistik, hatte also nicht unbedingt sooo viel mit Tontechnik zu tun) nun vor einer beruflichen Neuorientierung. Da ich mich bereits seit einigen Jahren hobbymäßig mit Musik und Tontechnik beschäftige, würde mich eine Ausbildung in diesem Bereich schon sehr interessieren. Was ich momentan so im Kopf hab, wäre ein halbwegs sicherer Beruf mit möglichst geregelten Arbeitszeiten, vielleicht beim Rundfunk oder Fernsehen, privaten Tonstudios usw. Als Veranstaltungstechniker ständig an Wochenenden zu arbeiten oder sogar auf große, mehrwöchige Live-Tourneen zu gehen und so wäre eher nicht mein Ding. Ich habe mich neben den staatlich anerkannten Ausbildungsberufen auch über die SAE und die Schule für Tontechnik in Wuppertal erkundigt. In den Informationsunterlagen, die die mir zugeschickt haben, werden die jeweiligen Diplome ja als ziemlich sichere Qualifikationen für den Berufseinstieg angepriesen, ich habe aber in diesem und in anderen Foren gelesen, dass die Chancen, alleine mit SAE- oder SfT-Diplom eingestellt zu werden doch nicht so rosig sind. In anderen Beiträgen wurde geschrieben, dass am besten wäre, "wenn man schon als Tontechniker arbeitet und die Schule mehr als eine Art Weiterbildung oder Kenntniskomplettierung versteht" und parallel zur Schule ein Praktikum absolviert, "damit man schon ein paar Kontakte bekommt und nach der Ausbildung nicht blöd aus der Wäsche guckt und arbeitslos ist". Ich hatte mir nun überlegt, im Sommer eine "handfeste" und staatlich anerkannte Ausbildung anzufangen und die SAE/SfT (höchstwahrscheinlich SfT, da man ja hier anscheinend für weniger Geld die bessere Schulung geboten bekommt) entweder parallel zu dieser Ausbildung oder später, wenn ich erstmal sichere Anstellung und Einkommen habe, im Abend- oder Samstagskurs zu besuchen. Jetzt wollte ich mal die Meinungen von bereits fertigen SAE/SfT-Absolventen einholen. Ist der Kurs parallel zur Berufsausbildung überhaupt machbar, oder wird der Lernaufwand einfach zu groß, so dass ihr mir eher raten würdet, ihn nach Abschluss der Ausbildung anzufangen? Lohnt sich der Kurs überhaupt bei meinem oben genannten Berufsziel oder ist ein SAE/SfT-Diplom dafür sogar mehr als ausreichend, so dass ich mir die Ausbildung als Mediengestalter oder ähnliches sogar komplett schenken und mich ganz auf SAE/SfT konzentrieren soll?
Ich weiß, dass zum Thema SAE/SfT schon ziemlich viele, teilweise nervige Fragen gestellt worden wurden, aber ich habe im Archiv keine konkrete Antwort auf eben diese spezielle Frage gefunden. Wäre also über eure Meinungen äußerst dankbar!
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Antwort#2
hallo alex,
du schreibst:
Was ich momentan so im Kopf hab, wäre ein halbwegs sicherer Beruf mit möglichst geregelten Arbeitszeiten, vielleicht beim Rundfunk oder Fernsehen, privaten Tonstudios usw. Als Veranstaltungstechniker ständig an Wochenenden zu arbeiten oder sogar auf große, mehrwöchige Live-Tourneen zu gehen und so wäre eher nicht mein Ding.
bei den öffentlich rechtlichen könntest du halbwegs glück haben, obwohl auch da der sparstrumpf immer stärker wird.
solltest du aber mit privaten studios liebäugeln, dann würde ich dir dringend raten nocheinmal über deine berufswahl nachzudenken.
ich glaube in diesem bereich gibts wenige menschen die wirklich geregelte arbeitszeiten haben. und auch selbstständigkeit ist weit verbreitet.
vielleicht wären ein paar kurze praktikas nicht schlecht, damit mit du dir einfach ein bild machen kannst.
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Antwort#3
Wobei auch bei öffentlich rechtlich "regelt" auch Wochenende und Nachts heisst.
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Antwort#4
Hallo Alex!
Das erste was mir bei Deinem Text in´s Auge springt ist diese Aussage:
"Was ich momentan so im Kopf hab, wäre ein halbwegs sicherer Beruf mit möglichst geregelten Arbeitszeiten..."
Mir hat vor Jahren mal jemand gesagt: "Dann lern was gescheites!"
Falls Du im Rundfunk oder Fernsehen unterkommen kannst, könnte das klappen. Als Selbstständiger kannst Du das gleich wieder vergessen, denn weder "sicher" noch "geregelt" ist irgend ein Aspekt dieses "Berufsbildes".
Bleibt also Rundfunk ... eine Frage die man sich stellen muss: Hat man als SAE oder SfT - Absolvent dort reale Chancen ?
Ich kann dazu nichts sagen, vielleicht jemand anders mit mehr Erfahrung, aber wahrscheinlicher ist es für meinen momentanen Wissensstand, daß man mit einem abgeschlossenen Studium als Toning. oder -meister bessere Karten haben sollte.
Wobei ich persönlich auch jemanden kenne, der nach der SAE als freier Mitarbeiter beim Rundfunk untergekommen ist.
Zum Thema SAE kann ich Dir aus eigener Erfahrung folgendes sagen:
- Die Qualität der Ausbildung hängt maßgeblich von den jeweiligen Dozenten der Unterrichtsblöcke ab. Ich war in FFM und kann sagen, daß dort zum großen Teil gute Leute arbeiten, allerdings der eine oder andere Dozent wirklich schlecht, inkompetent oder einfach uninteressiert war.
- Die SAE neben einer weiteren Ausbildung durch zu ziehen halte ich für eine sehr schlechte Idee. Das Part-Time-Modell KANN man m.E. neben einer geregelten Arbeit schaffen. Neben einer weiteren Ausbildung (die einen mit Sicherheit mehr fordert als eine "normale" Arbeitsstelle) kann ich mir das kaum vorstellen.
Besser wäre mit Sicherheit, sich voll und ganz auf die SAE zu konzentrieren.
- Wichtigster Punkt: Was Du am Ende von der SAE-Ausbildung mitnimmst, ob Du in der Zeit wirklich etwas gelernt hast bzw. überhaupt den Abschluss schaffst, hängt zu 100% von Deiner eigenen Motivation und Organisationsfähigkeit ab.
Aber was auch immer Du daraus machst - Du wirst mit größter Wahrscheinlichkeit am Ende keine Bewerbungen mit Lebenslauf schreiben und in ein geregeltes Arbeitsverhältnis übergehen (jedenfalls nicht direkt als "Tontechniker").
Sinnvoller ist es, so viele Kontakte zu knüpfen wie nur irgendwie möglich und dadurch vielleicht "reinzurutschen".
Aber "sicher" ist in dieser Branche nichts ;-)
Viel Glück!
-michael-
PS: Falls Du viel Zeit und Geduld hast, wäre der "hard way" auch eine Überlegung wert: Lesen, lesen, lesen ... Assistenzen machen, ausprobieren, lernen. Dann hast Du am Ende zwar kein (nicht anerkanntes) Diplom, dafür aber um so mehr Praxiserfahrung und Kontakte. Aber das ist leicht gesagt - hat bei mir auch nicht geklappt.
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Antwort#5
Hallo!
Ich würde die ganze Sache bei einem Hobby belassen und was anderes lernen. Ich habe mich 2002 (da war ich 18) um einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter Bild und Ton beworben. Im September wurde mir von rund 50 Firmen gesagt sie würden ausbilden und ich solle Ihnen doch meine Bewerbungsunterlagen zusenden. Von Februar bis April 2003 habe ich alle 50 Berbungen zurückbekommen, jedesmal mit dem gleichen netten Satz: Aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist es uns nicht möglich im kommenden Jahr auszubilden. Es haben soviele Tonstudios pleite gemacht, sodass ich mir nachher gesagt habe das es im Moment wohl keinen Sinn macht in dem Bereich eine Ausbildung zu machen.
Ich würde mir an deiner Stelle überlegen vielleicht im Bereich E-Technik zu studieren und deine Tontechnischen Fähigkeiten parallel selbst auszubauen.
MFG
Sebastian
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Antwort#6
Dem ist wohl kaum noch etwas hinzuzufügen.
Der Schreiber möchte "ein halbwegs sicherer Beruf mit möglichst geregelten Arbeitszeiten" und erwägt Tonntechniker zu werden.
Guten Morgen Herr Marisnaer, dies ist die Erde. Wer sein Du- wo Du gewesen seit 40v.Chr. ?
Machen wir es kurz: Tontechniker werden immer weniger benötigt, besonders beim Rundfunk. Professionelle Studios werden ebenfalls immer weniger und auch kleiner weil die Homereordingstudios blühen, daher gibt kaum noch Angestellte. Angestellter im artverwandten Beruf Mediengestalter ist auch nicht rosig, weil heute jeder unkreative Hirnie "Medien gestalten" will und es zu können glaubt. Selbständigkeit wird aber auch immer unsicherer, weil überall die Schwarzarbeit blüht und keiner mehr vernünftige Preise bezahlen will- besonders im Bereich Film und Ton.
Geregelte Arbeitszeiten ohne unbezahlte Überstunden gibt es nur noch bei den Beamten.
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Antwort#7
Hi!
Hier mal eine Antwort von einem Ex-SAEler, der wirklich beim Rundfunk untergekommen ist!
Ich habe in München die SAE gemacht und kann aus meiner Erfahrung sagen, dass die Chancen gerade beim Rundfunk für einen Job noch wesentlich besser stehen als in Studios (was aber nicht wirklich "gut" heißt, denn dank der GEZ-Diskussionen in den -privaten- Medien und Fernsehzeitschriften wird im Augenblick sehr gespart). Wenn dich gerade Radio interessiert, dann guck mal unter radioszene.de in die Jobrubrik, da stehen immer wieder Praktikas bei Privatsendern drin.
Das mit den geregelten Arbeitszeiten ist wirklich relativ. Bei uns (im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) erfahren wir manchmal erst eine Woche im Voraus die Arbeitszeiten, und die können zwischen 5 Uhr und 23 Uhr liegen (Sa und So eingeschlossen!).
Zur SAE: Stimme meinen Vorredner zu, nach der SAE hast du zwar ein Diplom in der Hand, aber wirklich ausgelernt hast du dann noch lange nicht. Ob es das Geld wert ist - da könnte man ewig diskutieren, mir hat es jedenfalls einen Einstieg ermöglicht und wer weiß, was in den nächsten Jahren noch daraus wird?!
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