Was sind denn Transienten?

Erstellt 11 Antworten12 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo ihr Lieben,
ich würde gern mal genauer wissen, was "Transienten" sind. Das ist sicher wieder so ein fremdländisches Modewort.
Unsere Forum-Suchmaschine bringt folgende Sätze hervor, die mir aber keine Klärung aufzeigt.
"...damit man da nicht charakteristische Dinge wegschneidet oder Transienten zulässt, die man weghaben will."
"Die Transienten werden durch die Charakteristik des Bändchenmikrofons stark geglättet."
"Das ist die Urform des Transienten-Designers."
"Sie klingt anders, weil sie starke Transienten enthält."
"Schneelanschaft" sollte in "keine scharfen Transienten" übersetzt werden.
"Dieses war ein Signal mit starken Transienten."
"Die Korrelation auch schnellster Transienten."
Was sind nun genau Transienten? Das muss irgend etwa ekliges sein. Gibt es da kein deutsches Wort?
Danke für eure Hilfe.
Gruß
Micha
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Antwort#2
ich würde sagen, es ist ein Fachbegriff aus der E-technik:
"Transienten sind kurze, sehr schnelle und steile Spannungs- und Stromänderungen."
Im musikalischen Kontext verbinde ich damit knackige Attacks (= schneller Anstieg der Spannung). Wenn du dir eine Wellenform ansiehst und da sind sehr steile Berge drin, dann hast du Transienten. Siehst du, wahrscheinlich hast du sie sogar schon zuhause, so fremd sind sie also gar nicht.
Transienten überschreiten gerne Schwellwerte, während ihre Kollegen Nicht-Transienten brav bleiben. Könnten also zum Beispiel digitale Aufnahmen ruinieren. Wenn sie fehlen, klingt alles mehr oder weniger nach Kissen.
ähnliche Begriffe: Impulse, krisp, knackig, Attack, flüchtig, kurzlebig
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Antwort#3
Wie wäre es mit dem Begriff "Einschwingvorgang?"
Mit Bezug zu dem hier drunter befindlichen topic "drum recording": Wenn man auf ein Schlagzeugfell drauf haut, baut sich zunächst die durch die geometrisch sehr spitz ausgelenkte Membran entstehende Schwingung ab. Danach geht diese erst in einen gleichförmigen Ton über (besonders die Tom).
Bei einer Klaviersaite ist das aehnlich: Die Saite ist im Moment des Loslassens durch den Hammer an einer Stelle ziemlich "dreiecksförmig" ausgelenkt und entspannt sich kurz danach zu eine Rundung. Teilweise entstehen da sogar Longitudialschwingungen. Diese erst kurze Tonanteil, wenn man so will "Transientenklang" klingt daher garnicht unbedingt nach Ton, sonders ist ein u.U. einfach ein spitzer Klack (->Xylophon). Reduzieren lässt sich dies akustisch durch weiche Befilzung bei den Schlegeln und den Flügelhämmern und tontechnisch mit Expandern.
Dieser Klack ist es übrigens, der von vielen Mikros nur unzureichend übertragen wird und der in mp3s sehr matschig und "geschnippt" klingt.
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Antwort#4
Vielen Dank an yoda und an studio 96,
Transienten sind ein E-Technik-Begriff:
Es sind kurze, sehr schnelle und "steile Spannungs- und Stromänderungen".
Musikalisch sind es "knackige Attacks" (= schneller Anstieg der Spannung).
Ähnliche Begriffe dafür sind: "Impulse, krisp, knackig, Attack, flüchtig, kurzlebig."
Deutscher Begriff für "Transienten" = "Einschwingvorgang?"
"Dieser Einschwing-Klack ist es, der von vielen Mikrofonen nur unzureichend übertragen wird und der in mp3s sehr matschig und "geschnippt" klingt.
Dieser Anfangstonteil, der "Transientenklang", klingt weniger nach Ton, sondern ist ein spitzer Klack (z.B. Xylophon), der sich akustisch durch weiche Schlegel und tontechnisch mit Expandern verringern lässt."
Ich habe alles verstanden, nur wie ein Expander = Dynamik-Vergrößerer einen harten Einschwingklack mindert, ist mir nicht klar.
Gruß
Micha
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Antwort#5
Hi,
Du schreibst: >Ich habe alles verstanden, nur wie ein Expander = Dynamik-Vergrößerer einen harten Einschwingklack mindert, ist mir nicht klar.
Der Expander ist dann nicht schnell genug, um dem Signal folgen zu können(Attack zu kurz). Er ist dann erst richtig offen, wenn die Transiente (das Anschlaggeräusch) schon (fast) vorbei ist, das Anschlaggeräusch wird also gedämpft.
gruss
joachim
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Antwort#6
Danke blechi,
wann benutzt man denn einen Expander? Extra um Transienten zu killen?
Die Benutzung eines Peak-Limiters (Begrenzers) ist mir klar.
Auch einen Compressor mit Soft-Knee kenne ich.
Micha
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Antwort#7
Du musst Dir nur bildlich vorstellen, wie die Lautstärke eines Schlagzeugs durch den Expander bearbeitet wird: Einstellung auf z.B. 20ms. Während der ersten 20 bleibt die Lautstärke original, danach steigt sie an, z.B. auf das Doppelte. Setzt ma nun den Gain des Expanders wieder auf 50% so wird indirekt der Beginn des tones leiser. Korrekt klappt das natürlich nur bei Einzelschlägen, damit der Expander in den Pausen wieder zurückfallen kann. Im Prinzip ist das so eine Art Soft Gate. Umgekehrt werden durch Kompressoren alle Signale "härter". Man hört die Explosivlaute g,b und p bei Sprache stärker.
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Antwort#8
Wörtlich übersetzt sind die Transienten die "Vorübergehenden" (von lateinisch transire=vorübergehen, vorbeigehen)
Es sind also Signale, die sporadisch vorkommen. Charakteristisch für Transienten ist, dass sie ein kontinuierliches Frequenzspektrum aufweisen, und nicht etwa ein Linienspektrum (Grundton+Obertöne) wie bei einem Klang.
Viele Grüße
Michael H.
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Antwort#9
Da fällt mir ein: Es gibt von irgendeiner Firma einen "Transient-Designer". Ist das nun ein Kompressor? Wie könnte man den Klang dieser Transienten noch beeinflussen?
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Antwort#10
Danke Oli P für die Nachfrage: Es gibt einen "Transient-Designer". Ist das ein Kompressor? Wie ist der Klang dieser Transienten zu beeinflussen?
Mir ist bekannt, dass bei Klängen von natürlichen Instrumenten die Transienten, also die Anfangseinschwingvorgänge wichtig sind und daher für Veränderungen recht empfindlich sind. Wenn man diese Transienten wegschneidet soll man bestimmte typische Instrumente nicht mehr als solche erkennen. Was soll denn ein Transienten-Designer? Soll der die Erkennbarkeit der Instrumente verschlechtern?
Vilko
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Antwort#11
Das wird in der Tat passieren, wenn man akustische (Ton-)Instrumente mit dem TD bearbeitet. Aber der ist mehr für Schlagzeug gedacht und da wird sowieso durch gating und Kompression versucht, mehr aus dem Instrument zu machen, oder man könnte durchaus sagen "ein anderes Instrument daraus zu machen" (und warum auch nicht.)
http://www.soundperformancelab.com/Transient_Designer/in_kuerze.html
http://www.amazona.de/content/musictools/hardware/dynamik/SPLTransient/transient.htm



mit dem TD bearbeitete Vocals
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Antwort#12
Danke für die gute Erklärung und das deutliche Sprech-Beispiel.
Vilko
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