Aufnahmebereich von Kugeln begrenzen

Erstellt 5 Antworten6 Beiträge
Startbeitrag#1
Gibt es beschriebene Anordnungen, die Kugelmikros im Aufnahmebereich begrenzen? Ich möchte eine harte Platte (Glas etc.) mit einer Bohrung in der Größenordnung der Kapsel versehen und ein Kugelmikro anbringen. Ziel ist die Nutzung des Ausnutzung der gleichförmigen frequenzunabhängigen Empfindlichkeit der Kugel, bei gleichzeitiger Abschattung nach hinten. Konkret soll möglichst wenig Hall von hinten aufgenommen werden.
Wo könnte es Probleme geben?
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Antwort#2
Hallo juergen vom studio96,
ich habe drei Stellwände 2 m hoch 1 m breit (mit Rollen unten dran) aus Plexiglas 6 mm dick, die üblicherweise zur Reflexion von Hörnern gebraucht werden, schon 1975 mit einer Bohrung versehen, in die genau je ein KM 83 reinpasst. Somit hatte ich meine ersten Grenzflächenmikrofone mit einer Halbkugelrichtcharaktistik. Die Kugelmikrofone klemmen einfach ohne weitere Hilfe und müssen so reingesteckt werden, dass sie mit der Vorderfront fluchten.
Es gibt keinen Probleme. Arbeitet man mit sehr großem AB (über 2 m), dann kann man noch eine dritte Wand in die Mitte für das Center schieben - als quasi Decca Dreieck.
Was man nicht machen sollte ist, in die Bohrungen versehentlich Nierenmikrofone zu stecken, was mal ein Praktikant machte, der KM 83 und KM 84 verwechelte. Du kannst dir sicher vorstellen wie das klingt.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com



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Antwort#3
"ich habe ... schon 1975 ..."
Hätte mir eigentlich klar sein müssen, daß meine Idee entweder Lau ist, oder schön längst praktiziert wird. Immerhin sehe ich mich bestätigt. :D
"Die Kugelmikrofone klemmen einfach ohne weitere Hilfe"
Hm, nehmen die dann den Schall nicht auch von der Wand über Körperschall auf? Schadet das nicht dem Frequenzgang? Oder kann man von gut gelagerten Kapseln ausgehen? Ich hätte jetzt eine von der Wand unabhängige Montage vorgesehen. (anschraubte Spinne hinter der Wand) Ein Millimeterchen Luft sollte nichts ausmachen, oder?
"mit der Vorderfront fluchten." So ist es, Wobei ich das Mikro soweit vorschieben wollte, daß die Membran fluchtet. (???)
"nicht versehentlich Nierenmikrofone stecken", "Du kannst dir sicher vorstellen wie das klingt."
In etwas so, wie bei Rocksängern, die mit der ganzen Pranke das Mikro umfassen und die Schallaustrittöffnungen verschliessen. :-)
Was ist von kleineren Platten zu halten? Ich will die in die Höhe bringen (2,50-3m) und muss sie daher auf einem Ständer montieren. Ich habe mir dazu 2 Lichtständer für 30KG Tragvermögen besorgt. Das müsste reichen. Würden zwei 50cm-Kreisscheiben reichen?
Was auch noch klärungsbedürftig ist: Nach meinen Schätzungen müsste das um die 6dB für das Direktschall/Diffusschallverhältnis bringen. Wegen des Fehlens von 50% des Halles. Ich habe fälschlicherweise zunächst auch mit 6dB zusäzlichem Pegel kalkuliert, aber der Hall von vorn würde ja auch verstärkt. Damit sollte es diesbesüglich bei 6dB bleiben(?)
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Antwort#4
Hallo juergen,
erstaunlicherweise nehmen Kugelmikrofone kaum Körperschall auf. Das ist auch bei den Typen GFM 132 und BLM 03 so. Dabei schadet nichts dem Frequenzgang. Es gibt keine Körperschallprobleme. Das ist bei Druckgradienten-Empfängern sicher nicht so.
Wenn du die "Membran" fluchten lässt, dann gibt es zur Grenzfläche eine Stufe. Daher würde ich bei einem Kleinmikrofon lieber die Kapselvorderfläche fluchten lassen. Bei den KM 83 geht das wunderbar. Bei den kommerziellen PZMs ist die Membran auch nicht genau in der Ebene der Grenzfläche.
Ein versehendliches Nierenmikrofon in der Grenzfläche ist schlimmer, als die Hände des Sänger, die die Rückeinlässe zuhalten, denn da wird nichts zugehalten, sondern er wirkt der lange Umweg um die Grenzfläche.
Ob 50 cm Kreisscheiben als Grenzflächen ausreichen hängt von der unteren Grenzfrequenz ab, die man noch liniear übertragen möchte. Unterhalb dieser Frequenz erscheint dann ein Treppenabsatz mit 6 dB geringerem Pegel im Frequenzgang.
Es müssen keine Kreisflächen als Grenzflächen sein und gerade im Zentrum sollte man das Mikrofon sicher nicht anbringen.
Der Direktschall wird gegenüber dem normalen Kugelmikrofon an der Grenzfläche 6 dB lauter übertragen und der Diffusschall wird 3 db geringer übertragen.
Sicher ist dir mein Blatt "Grenzflächenmikrofone verschiedener Bauart" bekannt:
http://www.sengpielaudio.com/ZweiVerschiedeneGrenzflaechenmikrofone.pdf
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com



Grenzflächenmikrofone verschiedener Bauart
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Antwort#5
Hallo Eberhardt
das mit dem längeren Weg hatte ich nicht bedacht, ich war davon ausgegangen, daß die Nierenöffnungen von der PLatte verstopft würden.
Das Blatt habe ich mir angesehen- hm, werde wohl in Kürze mal was bauen:-)
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Antwort#6
Hallo alle zusammen,
ich habe beruflich mit Biegewellenlautsprechern zu tun und ihr werdet euch jetzt fragen in welchem Zusammenhang das mit einem Grenzflächenmikrofon steht!
Ich wollte nur darauf hinweisen, das biegeweiche Materialien wie Plexiglas Frequenzgangverfälschungen hervorrufen können, wenn aufgrund des eintreffenden Schalls die Platte in ihren Eigenmoden angeregt wird. Üblicherweise dürfte das im Bereich zwischen 200....800Hz sein, also in einem eher unangenehmen Spektrum.
Ich kann natürlich euer Bestreben, etwas transparentes zu nehmen, durchaus verstehen, habe ich folgende Ergänzugen zu den vorherigen Posting:
- Glasdicke 8 .. 10mm, d. h. fo ist tiefer
- Feste Randeinspannung durch Metallrahmen, der Rand kann dann kein Eigenleben mehr führen
- Aus akustischer Sicht würde ich die Grenzfläche eher bedämpfen mit Filz
- Einpassung des Mikros würde ich ebenfalls mit Filz umfassen
- Auf keinen Fall ein rotationssymmetrisches Teil als Grenzfläche nehmen!!! Am besten ist ein unregelmäßiges Polygon, das Mikro darf auf keinen Fall in irgendeiner Weise eine Äquidistanz zu den Randflächen aufweisen. Auf diese Weise vermeidet ihr unregelmäßigkeiten im Frequenzgang.
Gruß
M. Hein
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