Erste Schritte in Klassikaufnahmen

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich möchte langsam aber sicher auf dem Gebiet der Klassikaufnahmen Fuss fassen. Das das seine Zeit braucht, ist mir bewusst. Ich denke als erstes an kleine Konzerte in Kapellen, Säälen oder kleinen Kirchen. Meine Frage ist folgende; welches Equipment eignet sich am besten als Einsteiger-Setup? Ich stelle mir da das Schoeps Mik MSTC64g vor, und einen anständigen Mikpreamp. Auf was zeichne ich am besten auf? Gibt es preiswertere Einsteiger-Systeme, mit bsp dem Rode NT4? Ist das Mik für Klassikaufnahmen brauchbar? Noch was. Ich weiss, dass es verschiedene Ansätze der Produktion gibt. Ich für meinen Teil verfechte grundsätzlich das System der Stereospuraufnahme. Also sollte das Setup auf diese Produktionsweise ausgerichtet sein. Ich bedanke mich für sachkundige, konstruktive und kreative Inputs.


http://www.fallapartstudio.ch
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Antwort#2
Hi,
den allerbesten Rat, den ich Dir geben kann, ist dass Du Dir eine gute Abhöre zulegen solltest. Gute Lautsprecher sind sicherlich die beste Wahl, man kann sich aber auch an gute Kopfhörer gewöhnen.
Vor allem als Anfänger sollte man hören, was man macht. Nur dann kann man die gehörten Eindrücke übertragen auf andere/schlechtere Abhörsysteme.
Gerade bei klassischen Musikaufnahmen wird versucht, den Eindruck von natürlichen Klang zu wecken. Darum würde ich Dir empfehlen, anstatt mit Nieren mit Druckmikrofonen für ein Hauptsystem zu arbeiten - und da kommt man am Anfang auch mit 2 Mikrofonen schon ziemlich weit. Vorausgesetzt sei, Du hast einen ordentlichen Vorverstärker.
Auch wenn manche Forum-mitglieder sicherlich anderer Meinung sind, rate ich Dir, Hauptsystemkonfigurationen mit Richtmikrofonen eher selten zu benutzen. Sie sind meist eine Lösung um akustische Probleme zu umgehen.
Die Vorverstärker sind sehr wichtig, denn die durch Dich verwendete Technik bestimmt Deine Arbeitsweise. Ein schlechter Preamp kann Dir durch seine minderwertige Signalverarbeitung schnell falsche Eindrücke von Deiner Mikrofonaufstellung geben.
Viele Firmen bieten kleine Komplettlösungen an mit 2 Preamps und AD-converter in einem kleinen Gehäuse. Beispiele: Apogee, Benchmark Media, Millenia Media, Grace Design, Focusrite etc.
Auf der anderen Seite kann man mit einiger Erfahrung und guter Abhöre auch mit einem Behringer Ultragain eine ordentliche Aufnahme machen, solange man weiss, was man hört und wie man darauf reagieren sollte.
Gr.
Dirk
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Antwort#3
Hallo Urs,
ich arbeite seit ca. 5 Jahren mit einem Tascam 788 HD-Rekorder. Vorteil: Falls mal Stützen nötig sind, kannst du auf bis zu 6 Kanälen simultan aufzeichnen.
Als Mikrovorverstärker benutze ich die "guten alten" Telefunken V676a. Zusammen mit dem Tascam ist alles in einem Pappelholzcase (=leicht) montiert und läßt sich problemlos auf einen Stuhl stellen. Stühle sind Möbelstücke die in jeder Kirche vorkommen, alles andere mußt du meist mitbringen und weit schleppen!
Mikrofone sind zwei "ebenfalls steinalte" Neumann/Gefell M582 Röhrenvorverstärker mit Kugelkapsel.
Zu Anfang habe ich mit Jecklin OSS-Scheibe gearbeitet. Mittlerweile verwende ich AB-Technik.
Auch ich würde dir Druckempfänger nahelegen. Die Tiefenstaffelung ist einfach sehr viel besser. Für "Anfänger" ist die Fehlermöglichkeit dann geringer. Eine Mikrofonempfehlung auszusprechen ist gar nicht so einfach. MBH, Schoeps, Neumann, Sennheiser wäre die Ecke in der ich mich umsehen würde.
Zusatzausrüstung:
2 Chor-Hochstative von K&M. Nimm die "kleine Ausführung" 20800, eventuell mit Zusatzgalgen, dann kommst du auf knapp 4m Höhe. Die kleinen Stative werden leichter akzeptiert, weil sie filigraner sind.
Wenn du in Kirchen etc. aufnimmst wirst du oftmals keine Möglichkeit haben, über Abhörlautsprecher zu arbeiten. Ich würde dir empfehlen einen halboffenen oder geschlossenen Kopfhörer zu benutzen (je nach Geschmack). Geschlossene Kopfhörer bieten besseren Störabstand, sind aber nicht jedermanns Sache. Ich selbst arbeite mit einem halboffenen Modell von Beyer Dynamic.
Gruß
M. Hein
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Antwort#4
Hallo Urs,
Einsteigern erscheinen die Stereomikrofone Rode NT4 (X/Y-90°) und Schoeps MSTC64 (ORTF) recht einfach und praktisch. Dagegen steht ihre schreckliche Unflexibilität, dann man muss sie nehmen so wie sie sind. Der feste Aufnahmebereich des Mikrofonsystems X/Y Niere/Niere 90° liegt bei theoretisch +/- 135° und praktisch für 18 dB Pegeldifferenz bei +/- 98° = 196°. Das ist für übliche Klangkörper zu groß. Die Abbildung von Klangquellen, z.B. Klavier, Streichquartett und selbst Chor ist damit zwischen den Lautsprechern fast immer zu eng. Außerdem ist dieses Mikrofonsystem polarorientiert und liefert damit eine starkes Stereocenter.
Den hier gemachten pauschalen Vorschlag, kein Hauptmikrofon zu verwenden, kann ich nicht gut finden. Eine Aufnahme mit vier Mikrofonen bei einem klassischen Streichquartett ergibt den unschönen "Hühner-auf-der-Stange-Effekt".
Informiere dich doch mal ein wenig über die Grundlagen der Mikrofontonaufnahmetechnik.
Hinweise gibt es zum Beispiel hier im Link oder bei Google.
http://www.schlemmer.gmxhome.de/i2.html
oder
http://www.schlemmer.gmxhome.de
Gruß
Urban


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Antwort#5
Hallo Urs,
zum Equipment zwei Dinge: vom NT4 würde ich Dir sehr abraten, weil es sehr unflexibel ist. Nieren mit 90° Hauptachsenwinkel sind für Dein Vorhaben, ehrlich gesagt, unbrauchbar, weil der Aufnahmebereich deutlich größer als 180° ist. Um die Lautsprecherbasis von ganz links bis ganz rechts auch wirklich auszufüllen, müsstest Du solch ein Mikro ins Ensemble reinstellen, also dem Dirigenten vor die Nase - und so etwas läßt der nicht mit sich machen. Nie.
Zweitens: Kaufe ein Aufzeichnungsgerät mit langer ununterbrochener Aufnahmedauer. Ungefähr zwei Stunden am Stück sollte es können. Verabschiede Dich von der Vorstellung, der Dirigent würde eine Pause in der Aufführung machen, damit Du das Aufzeichnungsmedium wechseln kannst. Dass Du trotzdem mehr als satt ausreichend leere Medien mitführst, versteht sich von selbst.
Gestartet wird die Aufnahme, wenn der Dirigent den Saal betritt. Beendet wird die Aufnahme, wenn das allgemeine Gemurmel einsetzt, mit dem das Publikum den Saal verläßt.

Zur Vorgehensweise:
Es ist sehr wichtig, dass Du die Stücke kennst, _bevor_ Du sie aufnimmst. Wenn Du von der Dynamik eines Stückes überrascht und dadurch innerhalb des Stückes zu deutlichen Aussteuerungs-Änderungen gezwungen wirst, ist die Aufnahme im Eimer. Das kriegst Du nie wieder optimal korrigiert. In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, Dich beim Dirigenten nach dem interpretatorischen Konzept zu erkundigen - aber kenne das Stück, sonst gibt das eine peinliche Situation!
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Antwort#6
Hallo Urs,
ich habe gerade mal in Deinen Link gesehen. Du kommst also aus dem Bereich den man schlechthin als "Unterhaltungsmusik" (U-Musik) bezeichnet. Wer als "U-Musiker" auf Klassik auf/umsteigt, läuft immer Gefahr, daß er die Klangbilder so gestaltet wie es im U-Musikbereich allgemein üblich ist: Nämlich sehr direkte Aufnahmen, also mit Nah-Mikrofonierung. Ich habe da schon Beispiele gehört wo mir die Haare zu Berge standen... Es ist also ein gewissen Umdenken notwendig (umgekehrt natürlich auch, also Klassik-> U-Muisk).
Immer wieder wird im Klassikbereich von "Natürlichkeit" geredet. Lasse Dich da nicht auf irgendwelche Diskussionen mit Musikern ein, solche Diskussionen um Natürlichkeit sind schlichtweg Unfug. Ein "natürliches Klangbild" gibt es nicht und hat es auch noch nie gegeben, auch nicht im Konzertsaal. Wo ist der Klang denn "natürlich" ? Am Instrument?, am Dirigentenplatz?, im Zuhörerraum in der 1. - in der 5. - in der 10. - oder in der 20.Reihe oder auf einer Empore?
Die Forderung bei Klassik ist vielmehr ein "plausibles" Klangbild zu erzeugen. Was man im Saal nicht hört an Details, hört man auch auf einer 2-Mikrofone-Aufnahme nicht. Gerde deshalb stützt man diese Teile der Schallquelle. Der Anfänger macht aber dabei häufig den Fehler, daß er die Stützmikrofone zu starkt einmischt. Dann werden die Teilschallquellen zu isoliert abgebildet. Gerade diesen Punkt muß man üben.
Fange am besten mal an mit kleineren Ensembles wie kleine Chöre, dann vielleicht ein kleines Streichorchester oder auch mal Orgelaufnahmen, nicht gleich Oratorienaufnahmen.
Benutze dazu grundsätzlich kleinmembranige Kondensatormikrofone. Das müssen nicht gleich die teuersten sein, sondern die ME-Serie von Sennheiser bringt da schon ganz gute Ergebnisse. Als Mischpult könnte ich das Yamaha O1V96 empfehlen.
Mikrofonständer: Sieh mal bei "audiorecording Dingler" Dich um. Die haben gute und sehr preiswerte Mikrofonständer die bis knapp 4 m ausziehbar sind.

MfG
Rainer


http://www.stageaid.de/stageaid/stages6.htm
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Antwort#7
Hallo Rainer,
habe unter diesem Begriff "audiorecording Dingler" im Net nix gefunden. Hast du eine Adresse oder sonstiges?
Gruß und Dank
Jörg
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