Vielen Dank für die bereits gegebenen Anregungen. Darüber hinaus würde mich der praktische Ablauf einer Nachvertonung interessieren. Alles sollte rechnerbasiert (PC + DM 24 ) funktionieren. Ein externer Videorecorder soll nicht eingesetzt werden. Danke. Christoph
Welches Material liegt denn nun vor (Format)? Es ist zum Beispiel sehr einfach möglich, viele digitale Videoformate in das Arrangierfenster von Samplitude einzubinden, und die Audio- Bearbeitung in verschiedenen Spuren dazu dann "bildsynchron" durchzuführen und zu "automatisieren" (vielleicht Bewegungen im Surround- Modus z.B. innerhalb eines bestimmten Zeitbereiches). Möglich ist sehr, sehr viel...
Das müsste alles auch mit Logic auch funktionieren ( avi, mov und mpeg werden angenommen), Samplitude werde ich mir aber auch anschauen. Soundtrack und Sounds kann ich dann entsprechend einsetzen. Aber wie ist das mit den Sprechern ? In welchen "Häppchen" werden Dialoge gesprochen ? Brauchen die Sprecher einen Vorzähler (die berühmte 3-2-1 Nummer), wird der Film von vorneherein in entsprechende Szenen unterteilt ? Welche Arbeitsweise sind die Sprecher gewohnt ? Und das Hauptproblem ist: Angenommen, ich habe alles aufgenommen, arrangiert und dann als Audiofile exportiert. Wie füge ich Audio und Video synchron zusammen ? Gibt ein z.B. mpeg-Format die SMPTE-Zeit vor und wird diese mit dem Audiofile exportiert ? Oder arbeite ich von vorneherein mit zwei Rechnern, auf einem z.B. Premiere oder Final Cut etc als Slave (geht das, wenn ja: wie ?) und mein Audiorechner als Master. Während der Sprecherarbeit kommt das Bildmaterial aus dem Videorechner. Aber warum sollten dann Samplitude / Logic Videofenster haben ? Also nochmal, wie wird aus dem Logic/Samplidude-Audiosignal und dem importierten Videosignal am Schluss ein Film ? Gruss, Christoph
... der Möglichkeiten gibt es viele, so viele, daß wahrscheinlich keiner ein Patentrezept geben kann. Allerdings ist es in der Tat in der beschriebenen Konfiguration nicht so einfach, das O- Video in den Aufnahmeraum auf einen Videomonitor zu bekommen. Ich benutze Matrox Parhelia 512 (DualHead und Video- Ausgabe), allerdings kann SAM nicht direkt auf die Overlay- Funktion (also die reine Ausgabe auf den Videokanal) zugreifen. Aber (in minderer Videoqualität) läßt sich das auch lösen, indem man z.B. mit einem der mitgelieferten Matrox- Tools ("Bildschirmlupe") einen bestimmten Bildbereich in der Logic oder SAM- Umgebung selektiert (idealerweise das Videofenster) und als Ziel den Videokanal wählt. Dafür gibt es natürlich auch professionellere Lösungen, aber eben nicht so kostengünstig.
Es kommt auf Deine Sprecher und das Material an, was synchronisiert werden soll. "Gute" Sprecher können sicher auch an kritischen Stellen "einsteigen". Ansonsten gibt man ihnen halt etwas Vorlauf, genügend Audiospuren stehen ja normalerweise zur Verfügung. Und wenn man danach schneidet, kann man ja pro Sprecher eine Spur "zusammenstückeln".
Angenommen, der Soundtrack ist fertig. Danach würde ich eine Audio- Datei (oder halt mehrere bei Surround) bouncen, dh. sie liegen in der 1:1- Länge zum Video vor. Viele DVD- Encoder (ich encodiere nur selten, habe selbst nur den TMPEG enc. und DVDLab) nehmen dann diese Tonspur und können sie parallel zum Bild codieren wie man sie braucht.
Für eine entspannte Sprachaufnahme solltest Du gut vorbereitet sein. Sowohl auf technischer, als auch auf inhaltlicher Seite. Wenn Du nicht geübt bist, spiele eine Sprachaufnahme vorher mit einem Kumpel durch. Du wirst schnell merken, wo sich die Fallstricke im Ablauf verstecken. Für Dich ist ersteinmal wichtig, daß Dir alle Routings im Pult, bzw. der Software, ohne lange nachzudenken klar sind: Prüfe zu aller erst, ob du wirklich aufnimmst, was Du hörst. Wenn Abhör- und Aufnahmeweg getrennt laufen, kann es passieren, daß Du gar nichts, viel zu leise, oder einen Mix aus Playback und Sprache aufnimmst. Wenn Du ersteinmal 10 Takes aufgenommen hast und erst dann den Fehler bemerkst, ist das ärgerlich für Dich selbst und peinlich vor den anderen Anwesenden. Gehe den Text durch und versuche vorauszusehen, an welchen Stellen der Sprecher die Stimme heben könnte. Gerade im digitalen Aufnahmeumfeld, besonders ohne Kompression im Aufnahmeweg, kommt es immer wieder gerne zu Übersteuerungen, die man sich später nicht mehr schönreden kann. Versuche eine optimale Mikrofonierung zu erreichen. Viele Sprecher neigen dazu, nicht in Richtung Mikrofonkapsel, sondern in Richtung des Textmanuskrips zu sprechen. Auch hochwertige Mikrofone können nur ein rundes Frequenzspektrum aufnehmen, wenn sie direkt besprochen werden. Sprecher zicken aber gerne rum, wenn sie sich verrenken müssen, um den Text zu sehen und gleichzeitig richtig auf das Mikro sprechen sollen. Nicht zu penetrant werden, aber auch nicht zu viel beeindrucken lassen, ist die Devise. Du mußt das ganze schließlich noch mischen. Bei Großmembranmikrofonen auf die richtige Seite der Niere achten. Bei Neumann ist vorne, wo das Logo ist. Apropros Niere: Die Charakteristik checken ! Ein Sprecher mit Kugel aufgenommen klingt horror (außer man will den Raum mitaufnehmen, klar). Der richtige Mikroabstand muß jedesmal neu ausprobiert werden. Off-Texte nimmt man gerne recht nah vor dem Mikro auf (10 cm). Leise gesprochene Passagen bekommen so eine angenehme Intimität. Je lauter desto weiter weg, wobei der Raumanteil immer größer wird. Das kann bei Spiel-Texten super sein, kann bei OFF Texten später aber auch nerven. Bei Synchronaufnahmen zum Bild ist es natürlich ratsam, die Entfernung von der Szene abhängig zu machen. Hier kann ein sich wegdrehen vom Mikro, synchron zum Wegdrehen des Darstellers von der Kamera Wunder wirken. Erfahrene Sprecher machen das auch gerne mit, wenn sie merken, daß die Idee das Resultat verbessert. Bei sehr naher Mikrofonierung auf den Bassbereich achten. Durch den Nahbesprechungseffekt, werden nahe Aufnahmen sehr bassig. Das klingt gut, kann aber auch zu viel sein. Dann Frequenz suchen und rausfiltern. Im allgemeinen wirst Du nicht viel filtern müssen, solange die Mikropositionierung stimmt. Schlechte oder nicht bekannte Filter würde ich nicht unbedingt benutzen, dann lieber später. Andererseits ist es immer gut, ein ausgewogenes Signal aufzunehmen. Wie spitz Du eine Sprache aufnimmst, bzw. mischt hängt vom Zielmedium ab. Fernsehn kann viele Höhen vertragen, weil die Fernseherboxen meist eher schlecht sind. Bei Rundfunk sollte man vorsichtiger sein und Sprache für Kino darf auf keinen Fall zu spitz sein. Für Kino lieber gar nicht filtern dafür sorgfältiger Mikrofonieren.
Der Sprecher muß unbedingt einen ihm angenehmen Kopfhörersound haben. Darauf ruhig nach dem ersten Pegeln und Mikrofonieren genügend Zeit verwenden. Sprecher fangen an zu "brüllen", wenn sie sich zu leise und das Playback zu laut hören. Nachfragen ist wichtig. Diesen Effekt kann man auch nutzen, ohne daß es der Specher checkt. Willst Du ihn zum leise Sprechen bringen, gib ihm mehr von seiner Stimme auf den Kopfhörer, und umgekehrt. Im Zweifel immer den Sprecher bitten, den Kopfhörer abzusetzen, wenn er ein zu lautes Signal auf den Kopfhörer kriegen könnte (Z.B. digital FS beim Aufbau einer ISDN Leitung, etc). Sowas kann die Stimmung in den Keller ziehen, bevor es los geht. Zur Aufteilung von Sprachaufnahmen: Synchrontakes sind immer angenehmer mit einem Taker (Schwarz, 3 - 2 - 1, Bild) aufzunehmen. Manche Sprecher kacken sich richtig ein, wenn sie auf eingeblendete LTC's achten müssen, oder noch besser ganz ohne Referenz taken sollen. Wenn man halt keinen Taker hat, hilft der O-Ton oft Wunder zur Orientierung. Hast Du einen Taker, brauchst du eine Takeliste mit Timecodes, die Du wärend der Aufnahme griffbereit hast. Am besten kümmert sich ein Assistent um die Eingabe der nächsten TC von bis Paaren, sofern Du die Liste nicht von vornherein einprogrammieren kannst. Dialoge sind immer besser gleichzeitig aufzunehmen (finde ich). Es ergeben sich oft spontane Ideen zwischen den Sprechern (die ja auch oft Schauspieler sind) wenn sie zusammen in der Kabine stehen. Zur Not, oder bei kniffligen Synch Sequenzen auch nacheinander. Wenn einer in einer langen Passage Schwierigkeiten haben sollte sync zu bleiben und der andere immer nur ein Wort zu sprechen hat, machts natürlich keinen Sinn, letzteren mit Langeweile zu quälen. Bei der Häppchenaufteilung langer Texte ist es hilfreich, den Sprecher zu fragen, wie er gerne aufteilen möchte. Meistens ist er am besten im Text, sofern er die inhaltlichen Zusammenhänge des Textes geschnallt hat. Bei Gedichten, oder anspruchsvollen Hörspieltexten kann es vorkommen, daß der Sprecher nicht blickt, welche Phrasierung inhaltlich Sinn macht, aber dann ist ja auch meistens ein Regisseur dabei. Es kann sehr hilfreich sein, dem Sprecher das Ende der zuletzt aufgenommenen Stelle einzuspielen und ihn on the fly weitersprechen zu lassen. Sonst hat man schonmal zusammengestückelte Passagen, und die Kontinuität des Sprechflusses geht verloren. Zu Deinem Hauptproblem: Du solltest in deine Tonmischung einen 2 Frames langen 1kHz Ton als Synchronmarke 2 Sekunden (bei TV 50 Frames, bei Film 48f) vor das erste Bild einbauen. Wichtig ist, daß Du dies auf dein Ausspiel-Master dann auch vermerkst. Also bzw. "Beep @ -50 fr/2s vor Bildanfang". Sonst kann der Editor mit dem Pieper nichts anfangen. Fängt Dein Ton früher als 2 Sekunder vor dem ersten Bild (also bereits auf Schwarz) an, lege ihn halt auf 10 s vor das erste Bild. Das muß dann eben nur auf der DAT/CD/DTRS vermerkt sein. Spielst Du auf ein TC fähiges Master aus, dann lege TV-Ton mit dem ersten Bild auf TC 10:00:00:00, Kino-Ton auf 01:00:00:00 (für die nächste Rolle auf TC 02:00:00:00, usw.) an. Einfach, weil es so üblich ist. Diese Tonmischung kannst Du auch selbst in ein Videoschnittsystem einladen und an das Bild anlegen. Der Pieper hilft, ist dann aber nicht unbedingt nötig, z.B. wenn dein Audiofile keinen Vorlauf hat und das erste Sample somit auf das erste Bild im Video gehört. Ein Problem beim Sprache aufnehmen zum Bild mit z.B. Logic ist, das ins Logic eingeladene Bild auf einen TV Bildschirm für den Sprecher auszugeben. Dies muß ja timingmäßig exakt mit dem Ton des Logic laufen. Verzögert z.B. eine eingebaute Consumer Videokarte die Bildwandlung auf PAL, spricht der Sprecher in Bezug auf den Logictakt (Bild und Ton) zu spät. Da kenne ich keine Standardlösung, weil Logic für diese Anwendeung eigentlich nie benutzt wird. Für Prootools gibt es eine AV Option mit dazugehöriger Hardware. Eine Alternative ist, ein TC Audiosignal auf die Tonspur eines Videorekorders aufzunehmen und während der Aufnahme den VCR zu steuern. Logic läuft dann als Slave (Unitor). Lockt auch ganz gut. Mit einem VHS ist das aber supernervig und auch technisch nicht ganz sauber, weil ein VHS normalerweise nicht gleichmäßig läuft. Mit einem Blackburst Video Sync Generator, einer U-Matic/Beta und einem Audiointerface, welches über Video Sync gelockt werden kann, ist diese Variante aber sehr üblich. Wenn auch durch Prootools, Audiofile etc. vom Aussterben bedroht. Das geht theoretisch auch mit einem Ton und einem zweiten Bildrechner. Ich kenne aber kein Programm außer Avid, daß Video auf eingehenden TC lockt. Auch hier gäbe es wahrscheinlich Probleme, ein unverzögertes Videobild aus dem Videorechner zu bekommen. Könnte man aber durch einen entsprechenden Offset lösen. Ansonsten könnte man einen zweiten VGA Bildschirm an den Tonrechner anschließen und in die Sprecherkabine stellen. Für Tonsoftware plus ausreichnend aufgelöstes, bildschirmfüllendes, ruckelfreies Video (wichtig für den Sprecher) brauchst Du aber einen schnellen Rechner. Ich hoffe, Dir geholfen zu haben, L.
Gehe den Text durch und versuche vorauszusehen, an welchen Stellen der >Sprecher die Stimme heben könnte. Gerade im digitalen Aufnahmeumfeld, besonders >ohne Kompression im Aufnahmeweg, kommt es immer wieder gerne zu >Übersteuerungen, die man sich später nicht mehr schönreden kann.
Machen wir uns mal nix vor: bei solchen Aufnahmen gehört ein Limiter (meist als Teil eines Channelstrips) vor den A/D-Wandler, alles andere ist Käse. Daß gerade bei Sprachaufnahmen rauscharme Mikrofonvorverstärker und A/D-Wandler mit mehr als 16 Bit Sinn machen, sollte auch klar sein. Wer hier vernünftig vorsorgt (ja, das kann auch mal ein paar hundert Euro mehr kosten...) hat später ein paar Probleme weniger.