Warum schreiben alle praktisch alle Mikrofonanbieter bei "Studio"-Mikrofonen so gut wie immer einen Übertragungsbereich/Frequenzgang von 20-20000 Hz in ihr Manual? Wenn man sich die Diagramme anschaut, dann stimmt die Angabe - aber nur, wenn der Abweichungsschlauch +/-10 dB oder breiter ist. Wenn ich es richtig weiß, regelt die DIN (EN60268/4?) das nicht so gut. Trotzdem: Stört sich daran wirklich niemand? Kommt mir manchmal so vor wie vor 20 Jahren bei Kaufhaus-Mikrofonen "Frequenzgang 10-25.000 Hz". Oder ist es ab einer gewissen Güteklasse (wo ist die Grenze?) nicht so wichtig, dafür würde auch die bekannte ebs-Tabelle sprechen. Klärt mich bitte auf ...
Hallo UweL, bei der Angabe des Frequenzgangs (Frequency range) gibt es bei Mikrofonen ein Problem, weil der hörbare Wirkfrequenzgang sehr vom Anwendungsfall abhängt. Besonders bei den tiefen Frequenzen ist bei Druckgradientenmikrofonen der Nahbesprechnungseffekt (wie nah sich das Mikrofon an der Schallquelle befindet) für die wirklich übertragenen Tiefen und damit für die Klangwirkung verantwortlich. Bei den Druckmikrofonen ist der erzeugte Druckstau für die wirklich übertragenen Höhen (ob das Mikrofon sich im Direktfeld oder im Diffusfeld befindet) für die wirklich übertragenen Höhen von der Schalleinfallsrichtung und damit für die Klangwirkung verantwortlich. Von den in den Daten gezeichneten Frequenzgängen ist allein derjenige aus der 0°-Schalleinfallsrichtung angegeben. Das sagt nur wenig aus. Damit kann der häufig allgemein angegebene Frequenzgang 20 Hz bis 20 kHz mehr oder weniger stimmen. Schoeps gibt schon mal einen Frequenzgang mit Tiefen bis 50 Hz oder 80 Hz an. Praktisch ist ein allgemeiner Frequenzgang eines Mikrofons nicht ehrlich angebbar, weil der Einsatzort (Nähe und Schalleinfallsrichtung) des Schall-Sensors vorher der Mikrofonfirma nicht bekannt ist. Die Mikrofonhersteller wissen auch nicht, wie ihre Mikrofone angewendet oder missbraucht werden. Man stelle sich nur ein Großmembran-Doppelmembran-Mikrofon einen Zentimeter am F-Loch eines Kontrabasses vor, am Schlagfell einer Bassdrums oder an den Lippen eines Rappers. Der Klang der Tiefen wird eher nicht gefallen. Informationen zum Nahbesprechnung siehe: http://www.dpamicrophones.com/module.php?MID=101&itemid=4011&function=pillu Informationen zum Druckstau siehe: http://www.dpamicrophones.com/module.php?MID=101&itemid=4006&function=pillu Was meinst du mit der bekannten ebs-Tabelle? Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
... in den Vorlesungs-Skripten - hab ich mir im letzten Urlaub ausgedruckt mal mitgenommen und intensiv gelesen, allerdings nicht alles verstanden ;-) - gibt es das Blatt "Kondensatormikrofon-Daten im Vergleich", das meinte ich. Liebe Grüße Uwe PS, zur Erläuterung: Ich bin nur Musiker, beschäftige mich aber seit über 20 Jahren, mit Hingabe und ernsthaft auch mit Tontechnik und Saxophonen (ich restauriere und schreibe u. a. regelmäßig in SONIC Beiträge zu Vintage-Saxophonen).
Hallo Uwe, Meßvorschrift für den Frontalfrequenzgang (0°) eines Mikrofons ist 1 Meter Abstand vom Meßlautsprecher im schalltoten Raum. Somit ist zumindest ein Vergleich der 0°-Frequenzgänge von Mikrofonen möglich. Voraussetzung ist natürlich daß sich der Hersteller daran hält, was ich im Falle von Billigmikrofonen aus der Elektronikabteilung eines Kaufhaues bezweifle. Firmen wie Neumann, Schoeps, Sennheiser, AKG und wie sie alle heißen halten sich daran. Was den Toleranzschlauch betrifft, läßt die Firma Neumann +/- 2 dB zu. Kannst Du auch sehr leicht in den Diagrammen nachsehen.
Hallo Rainer, danke für die Information. Vielleicht steh ich ja auf dem bekannten Schlauch, aber: Im Manual vom TLM 103 wird der Übertragungsbereich mit 20-20000 Hz angegeben (S. 8). Auf Seite 10 ist das Diagramm zu sehen. Bei 20 Hz ist der Pegel ca. 8 dB unter der 0-Linie, bei 20000 Hz ebenfalls. Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt: Ich meinte diese Abweichung. Im Diagramm sehe ich nämlich auch, dass die Kurve sich in einem "Schlauch" befindet, dieser Schlauch könnte +/-2 dB breit sein. Ich meine übrigens schon die Mikros der renommierten Hersteller wie AKG, Neumann, Rode, Shure etc., also keine Kaufhaus-Mikros, das war nur zur Illustration gedacht. Der Hintergrund meiner Fragestellung war: Kann ich anhand der Angabe der Bandbreite feststellen, ob ein Mikro u. U. besser für das eine oder andere Instrument geeignet wäre. Ich würde es z. B. als praktischer erachten, wenn (immer die gleichen Messparameter vorausgesetzt) die Bandbreiten innerhalb +/-3 dB angegeben würden, dann käme z. B. heraus: C4000B 30-18000 TLM103 40-19000 KSM44 20-18000 KSM27 20-20000 Rode NT5 20-18000 KSM137 70-20000 C2000B 65-15000 etc. Bitte nur als Beispiele betrachten, also bitte die Werte jetzt nicht auf die Goldwaage legen, mir geht es nur um's Prinzip. Gleichwohl habe ich aber auch die Ausführungen von ebs verstanden, dass es grundsätzlich schwierig oder unmöglich ist, die Bandbreiten allgemeingültig anzugeben. Herzliche Grüße aus Süddeutschland Uwe
Kann ich anhand der Angabe der Bandbreite feststellen, ob ein Mikro u. U. besser für das eine oder andere Instrument geeignet wäre. Ich würde es z. B. als praktischer erachten, wenn (immer die gleichen Messparameter vorausgesetzt) die Bandbreiten innerhalb +/-3 dB angegeben würden.
Aus den angegebenen Bandbreiten des Mikrofonfrequenzgangs kann man keinen idealen Verwendungszweck herauslesen. Aus der Größe der Aschenbecher eines Autos kannst du auch nicht auf die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs schließen. C4000B 30-18000 TLM103 40-19000 KSM44 20-18000 KSM27 20-20000 Rode NT5 20-18000 KSM137 70-20000 C2000B 65-15000 Als typisches Beispiel findet man z.B. beim Shure KSM 44 einen Frequenzgang der Tiefen angegeben bei einem Messabstand von 15 cm und bei 60 cm. Weit entfernt von der angeblichen Übereinkunft von einem schönen Meter. Es gibt keine Mikrofon-Meßvorschrift von einem runden Meter vom Lautsprecher beim Messen der Mikrofone. Wenn das irgend einer mal gesagt hat, dann hat das keine Bedeutung. Wenn das viele glauben, so ist das trotzdem falsch. Die überwiegende Mehrzahl der Firmen ist stillschweigend übereingekommen, keinen Messabstand anzugeben. Auch machen Neumann und Schoeps schriftlich keine Messangabe. Besonders bei Rode und anderen Exoten ist bei Achtermikrofonen immer ein schöner Phantasiefrequenzgang schnurgerade bis herunter zu 30 Hz angegeben. Lächerlich. Auch wenn du es als praktischer erachten würdest, wenn immer die gleichen Bandbreiten innerhalb +/-3 dB angegeben würden, so ist das nicht möglich, wie Ebs schon erklärt hat. Es gibt eben nicht *den* Frequenzgang eines Mikrofons. Aus welcher Richtung denn? In welchen Abstand? Mikrofone werden nie in irgend einem Normabstand betrieben. Das wäre ja noch schöner, wenn wir dazu die Mess-Polizei brauchen. :-) Aus Mikrofondaten ist niemals auf die ideale Anwendung und auf den Klang zu schließen. Das möchten einige Mikrofondaten uns sicher gerne suggerieren. Darum wird immer "geschönt"! Oder die Abbildungen werden extra klein gemacht. Juri
Man sollte sich mal klarmachen, was eine Frequenzbereichsänderung bei Mikrofonen von zum Beispiel 16000 Hz auf 20000 Hz bedeutet. Also wie viele Klaviertasten sind theoretisch dabei mehr vorhanden. Das Frequenzverhältnis ist 1,25 und demnach ist der Unterschied nur eine große Terz, was wenige 4 Halbtönen entspricht. Das ist wirklich nicht viel, auch wenn der Unterschied von 16000 bis 20000 nach viel klingt. Ein Mikrofon das in den Tiefen mal bis 80 Hz und mal bis 30 Hz geht, ergibt ein Frequenzverhältnis von 2,67. Das sind aber am Klavier eine ganze Oktave und noch eine Quarte dazu, also gewaltige 18 Halbtöne, auch wenn der Unterschied von 80 zu 30 einem nicht gar so viel vorkommt. Man muss beide Fälle deutlich unterscheiden. Nur ein Fall ist klanglich ein beachtlicher Unterschied. Na welcher denn?
Richtig, um die eigentliche Kurve (Pegel über Frequenz) gibt es einen Toleranzschlauch, der bei 1000 Hz auf 0 eingeschnürt ist, sonst ist er oft +/- 2,5 dB breit. (Der Wert 2,5 dB stammt übrigens aus der längst vergessenen HiFi-Norm DIN 45500) Mit der Angabe des Frequenzbereiches dokumentiert der Hersteller, in welchem Frequenzbereich er für die einigermaßene (also 2,5 dB) Einhaltung des Sollfrequenzgangs garantieren kann. Wie weit der Sollfrequenzgang dabei von der 0-dB-Linie entfernt ist, ist hier absolut irrelevant. Das fällt also eher in den Bereich der Qualitätssicherung als in den Bereich Produktentwicklung. Viele Grüße Michael
... ich war davon ausgegangen, dass klar ist: Eine Verdoppelung der Schwingungszahl entspricht einem Oktavsprung, insofern ist mir bewusst, dass der kleinzahlige Bereich am unteren Ende mehr bedeutet. Ich danke trotzdem für die Antworten, mir ist jetzt klar, warum ebs in seiner Tabelle diese Frequenzgang-Paramter nicht verwendet. Meine Frage ist beantwortet, merci.
Hallo Rainer, gerne tu´ ich´s nicht, aber diesmal muss ich Dir glatt wiedersprechen: Leider findet man in der angesprochenen Norm für Mikrofone DIN EN 60268-4 keinen Hinweis auf den Messabstand bei der Frequenzgangbestimmung eines Mikrofons (Juri ht das, glaube ich, auch schon erwähnt). Das ist den namhaften Herstellern schon lange ein Greul, aber die Lobby DER Mitglieder dieses Normen-Gremiums, denen daran liegt, diese Messgröße offen zu lassen, ist noch zu groß, als dass sich da was bewegt. Auf Bitten eines anderen, langjährigen Midglieds und Befürworter eines genormten Messabstands bin ich seit kurzem soz. als Vertreter der Verbraucherseite Gastmitglied in besagtem Normen-Gremium geworden. Ist ganz interessant, wie zäh es da zum Teil zugeht. Übrigens wurde die Mikrofonnorm vor kurzem wieder aktualisiert, leider noch immer ohne Angabenzwang des Messabstandes. Üblich ist freilich - zumidest bei den rennomierten Herstellern - 1 m Abstand, wobei es durchaus Sinn macht, bei ausgesprochenen Nahbesprechungsmikrofonen eine zweite Messung eben im relavanten Abstand zu tätigen. Demnächst werde ich in er Zeitschrift Sonic einen Vergleichstest mit Bläser-Klemmikros veröffentlichen, da wird´s vermutlich auch Messungen im Nahbereich geben, denn diese Mikrofone werden ausschließlich derart angewandt. Ähnlich verhält es sich mit der Angabe über den Übertragungsbereich, dieser ist nämlich ebenfalls nicht exakt definiert, sprich, bei welchem Pegelabfall. Lange Rede - kurzer Sinn: im Zweifelsfall einfach mal beim Hersteller anfragen, wie der Frequenzschrieb zustande kam. Allein anhand der Zeitdauer bis zur Antwort kann einiges über die Seriosität und Zuverlässigkeit derselben sagen. Was ich noch viel schlimmer finde, ist die Tatsache, dass in den meisten Fällen nur ein kleiner Teil der normgemäßen Muss-Angeben dem Mikrofon beiliegen, so gibt es manchmal nicht mal einen Hinweis auf die Art der Stromversorgung, das ist schon ein böses Faul. In dem Zusammenhang habe ich mir erlaubt eine Liste zu erstellen der Daten, die jedem Mikrofon beiliegen müssen. Diese Liste gibt´s unter dem Punkt "Mehrwert" als Bonus zu meinem momentan aktuellen GM-Mikrofon-Vergleichstest auf der Homepage von tools 4 music.
Hallo Martin, das mit dem 1m Meßabstand wurde mir von Jörg Wuttke (Schoeps) genannt. Es kann natürlich sein, daß das keine Norm sondern das ein "ungeschriebenes Gesetz" ist, weil eben Schoeps und Neumann und andere so messen. Im Gegensatz dazu vermißt B&K seine Studiomikrofone aus einem sehr nahen Abstand (ich glaube 30 cm) und dadurch bekommt man einen wesentlich geringeren Tiefenabfall bei Druckgradientenempfängern. Auch was die Richtcharakteristik betrifft, werden fast überall die Mikrofone im schalltoten Raum vermessen und man bekommt ein verfälschtes Bild über den tatsächlichen Verlauf. Neumann hat jahrelang Messungen im Kund'schen Rohr gemacht und dadurch war es möglich bis herunter zu tiefsten Frequenzen eine ebene Welle zu erzeugen, wodurch auch der mathematisch richtige Verlauf der Richtcharakteristik bei tiefen Frequenzen zustande kam. Hierüber gibt es einen Aufsatz von Dr. Boré. Leider habe ich diesen Aufsatz gestern in meinem Kruschel nicht gefunden, sonst hätte ich gestern schon darauf verwiesen. Grüße Rainer
Hallo Rainer, den Aufsatz gibt´s auch auf der Neumann-Seite. Der Herr Wuttke ist es auch, der sich seit langem darüber ärgert, dass der Messabstand "frei" ist. Bei Schoeps wird übrigens seit einigen Jahren auch in einem Kund´schen Rohr gemessen, das ich mir schon lange mal ansehen möchte. Leider fordert meine Familie ihren Tribut, und so fehlt mir einfach die Zeit. Gruß Martin