Ok, noch eine. Die letzte. Werden beim Klavier/Flügel die einzelnen Saiten eines Tons (sind ja bis zu 3) eigl. exakt gestimmt oder leicht zueinander verstimmt? Um eine Schwebung zu erhalten die die Funktion des Vibratos einer Stimme oder Violine übernimmt. Praktisch sind sie ja nie gleich, deswegen die Frage. Absicht oder technischer Fehler?
Beim Klavier werden alle einzelnen Saiten eines Tones (also bis maximal 3 Saiten) exakt gleich auf Nullschwebung gestimmt. Es sei denn es ist ein spezieller Klavierklang gewünscht, wie bei Fritz Schulz-Reichel, der schräge Otto (Crazy Otto). Siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Prepared_piano Dabei werden die Saiten speziell auf leichte Schwebung gestimmt und zusätzlich noch in die Hammerfilze Reißzwecken reingedrückt, damit der Anschlag metallisch banjohaft klingt. Bei unserer gleichschwebend temperierten Stimmung auf dem Klavier muss das Intervall der Quinte leicht schwebend zu klein gestimmt werden. Andere Instrumente wie z.B. Geige oder Gitarre stimmen gewöhnlich ihre Saiten im Quarten- oder Quintenabstand rein, also ohne Schwebung. Lukas
Was die Stimmung der Dreiklanggruppen angeht: Sind die einzelnen Saiten unterschiedlich gestimmt, so würde das übliche Sostenutospiel nicht funktionieren. Zum link: Interessant, das mit dem präparierten Klavier!
Hallo FrankT, von vier parallelen gleichklingenden Saiten beim Blüthner-Flügel habe ich noch nichts gehört. Ist aber interessant und bringt mehr Arbeit für den Stimmer. Meine vielen Pianisten und Pianistinnen haben überwiegend auf Steinway/Hamburg, Steinway/NewYork oder manchmal auch auf Bösendorfer gespielt. Blüthner war nie dabei, trotz der vier Saiten. Ein Bechstein kam auch einmal vor, für eine Spezialaufnahme zum Firmen-Jubiläum. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
Du solltest Dir aber, falls sich die Gelegenheit ergibt, durchaus mal einen Blüthner anhören. Es ist ein wirklich interessanter, sehr reicher Klang, wobei bei älteren Flügeln die vierte Saite nicht gleichstimmig war. Blüthner-Flügel findet man -sicher historisch bedingt- häufiger in den neuen Bundesländern. Frank
Liebe Vorposter, der Blüthner-Aliquot-Flügel besitzt von g1 bis Klaviaturende einen Bezug mit vier Saiten, deren vierte jedoch nicht angeschlagen wird, sondern als eine Oktave höher klingende und daher den zweiten Partialton realisierende Aliquotsaite mitschwingt. Der Klang von Julius Blüthners Flügel, der als füllig-romantisch, warm bekannt ist, sollte über das 1872 endgültig entwickelte und seit 1890 in der Fertigung systematisch eingesetzte "Aliquot-Piano-Patent" (so steht es auf dem Gussrahmen) wohl doch aufgehellt werden. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde dies für Blüthner ja zum durchaus drängenden Problem, um am Markt gegenüber dem von Steinway favorisierten und für Medienzwecke erfahrungsgemäß besser geeigneten Klangidal bestehen zu können. Bei Blüthner, so erfuhr ich von einem Klavierbaumeister, der dort in den 30ern gelernt hatte, studierte und analysierte man deshalb die Bauformen neuer Steinway-Modelle sehr genau und baute sie versuchsweise mit dem Ergebnis eines klanglich "waschechten Blüthner" nach. Die Fertigungsmethoden und -Formungen des Flügels, der werkstattspezifische Umgang mit Werkstoff und Werkzeug gehen in den Klang des Musikinstrumentes eben doch mehr ein, als irgendwelche technologischen Einzelideen, so reizvoll die Beschäftigung mit ihnen auch sein mag. Julius Blüthner (1824-1910) war mit Liszt und Wagner befreundet, die sich sich wie Ignaz Moscheles nicht nur anerkennend über B.'s Instrumente äußerten, sondern sie auch spielten. Gemeinsam mit H. Gretzschel verfasste Blüthner 1872 das heute fast als Bibel des Klavierbaus verehrte und noch immer gültige "Lehrbuch des Pianofortebaues". Hans-Joachim (übrigens im Besitz eines Blüthner-B211...)