Hallo! Was spricht eigentlich dagegen, Meßmikrofone wie das Superlux ECM-999 oder das Behringer ECM-8000 für Musikaufnahmen zu verwenden, z.B. als AB-Stereo-Hauptsystem oder als Stützmikros? Was die technischen Daten betrifft scheinen die ja auch nicht schlechter zu sein als andere Kleinmembran-Kondensatormikros: linearer Frequenzgang, ausreichende Empfindlichkeit, geringes Eigenrauschen... - und die omnidirektionale Richtcharakteristik wäre für manche Anwendungen auch kein Nachteil, wenn es wirklich echte Druckempfänger sind. Haben diese Meßmikros irgendwelche Nachteile, die den Preisunterschied zu "normalen" Kleinmembran-Kugelmikros erklären? Grüße, Stefan
... dann wird es klar. Ich habe es einmal probiert - das Resultat war eindeutig. Ich werde fuer Aufnahmen bei richtigen Studiomikrophonen bleiben. OK - der Vergleich war auch nicht gerade fair - die ECM8000s wurden mit Neumann KM130 und KM283, Schoeps MK3/CMC5 und Sennheiser MKH800 verglichen. Gruss Micha ---
Danke für die Antwort. Aber die von dir genannten Vergleichsmikros (Neumann, Schöps, Sennheiser) sind für mich leider keine Alternative. Was genau war denn bei den Behringer-Meßmikros schlechter? Liegen die Schwächen eher im Baßbereich oder in den Höhen und lässt sich das evtl. mit einem EQ ausgleichen? Der lineare Frequenzgang klingt ja vielleicht im direkten Vergleich schlechter als die bei Studiomikrofonen oft vorhandene leichte Höhenanhebung. Könntest du die Klangunterschiede irgendwie beschreiben? Verschiedene Mikros selbst ausprobieren und vergleichen würde ich natürlich gern, aber dazu müsste ich sie zuerst kaufen oder mir schicken lassen und dann zurückschicken. Deshalb wäre ich froh wenn mir jemand über seine Erfahrungen berichten könnte. Stefan
Liegen die Schwächen eher im Baßbereich oder in den Höhen und lässt sich das evtl. mit einem EQ ausgleichen?
Seltsame Frage. Zum den Unterschieden von Mikrofonen gehört schon etwas mehr, als ein Frequenzgang aus der 0° Einfallsrichtung. Wer so etwas glaubt, sollte sich den unmöglichen "Antares-Mikrofonklang-Hersteller" besorgen, der macht aus einem Volksmikrofon Shure SM57 ein U87-Mikrofon, aber das nur amplitudenmäßig beim 0°-Frequenzgang. http://www.antarestech.com/products/amm.html
Seltsame Frage. Zum den Unterschieden von Mikrofonen gehört schon etwas mehr, > als ein Frequenzgang aus der 0° Einfallsrichtung.
Es geht doch hier um Mikrofone mir Kugelcharakteristik - also Druckempfänger. Deren Frequenzgang sollte theoretisch aus jeder Richtung gleich sein. In der Praxis ist das natürlich etwas anders (v. a. bei hohen Frequenzen), aber trotzdem nicht zu vergleichen mit den deutlichen richtungsabhängigen Änderungen des Frequenzgangs bei Druckgradientenempfängern. Also wie erklärst du dir die klanglichen Unterschiede zwischen den Mikrofonen, die du verglichen hast? mfG Stefan
Hallo Stefan, mb und Micha sind nicht identisch. Da ich davon ausgehe, dass Du die Frage an mb, also mich, gestellt hast, kommt hier meine Antwort: Die Richt- und Verzerrungscharacteristik der Messmikrophone unterscheiden sicht recht deutlich von denen der professionellen Studio-Druckempfaenger. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass Druckempfaenger bei anderen als sehr niedrigen Frequenzen auch nur annaehernd eine Kugelcharakteristik haben - dazu gibt es einige Grundlagenartikel im Netz - z. B. bei ebs - und auch einige gute Buecher, die es zu lesen lohnt. Anhoerbare Ergebnisse habe ich mit besseren Messmikrophonen schon erhalten - aber deren Preis unterscheidet sich dann doch auch nicht mehr so stark von den Studiomikrophonen - ich habe mal probeweise mit Bruel&Kjaer 4155 und 4176-Messmikrophonen mit den entsprechenden Impedanzwandlern gearbeitet - die geben - bei einem Kombinationspreis von deutlich ueber 1 kEuro pro Stueck - ein sehr ordentliches Klangbild. Mit den Behringer-Versionen klappt das nicht. Die klingen fuer meine Ohren ausgesprochen unsauber. Und das liegt nicht an der fehlenden Praesenzanhebung fuer Diffusfeldentzerrung, da bei den zum Vergleich verwendeten MKH800s (Braunmuehl-Weber-Kapseln, Charakteristik breitbandig-flach, zuschaltbare Hoehenanhebung fuer Diffusfeld) im Versuch eine solche nicht verwendet wurde. Ich kann nur wiederholen - ausprobieren und selbst beschliessen. Gruss Micha ---
Da haben wir's. Ein schlechtes Mikrofon kann eben nicht durch EQ, also durch Entzerrung mit Filtern verbessert werden. Da hilft auch nicht der für einfältige Amateurkreise gedachte Antares Microphone Modeler. Micha, mein Micha - egal ob "richtiger" oder falscher ...
Hallo Stefan, ich würde dir von der Verwendung dieser Mikrofone abraten. - Kapselgröße von 1/4" ergibt mit Sicherheit zu viel Eigenrauschen. Kleinkapseln sollten zwischen 12 ... 20mm liegen. - Electretprinzip verschlechtert den Noisefloor nochmals. - Grenzschalldruck von 132 dB könnte ein Problem darstellen - Meist liegt die Kapsel von Meßmikrofonen mechanisch gut geschützt, aber doch stark "abgeschattet", das ergibt keinen optimale Kugelcharakteristik im Höhenbereich. - Ich habe schon ähnlich Versuche mit Neutrik-Messmikrofonen gemacht. Für Audio Anwendung waren die Ergebnisse nicht zumutbar. Am meisten hat das Eigenrauschen dieser Mikros gestört. Deutlich besser, aber sehr viel teurer waren B&K 1/2" Messmikros, nicht zuletzt wegen der hohen Polarisationsspannung von 200V. Auch mein -Rat lautet: Kauf dir lieber Omnis von Neumann, Audio Technica, Sennheiser, .... Gruß M. Hein
Danke für die Erklärungen - auch an die beiden Michas! ;) Meßmikrofone sind also keine brauchbare Alternative zu richtigen Aufnahmemikrofonen mit Kugelcharakteristik - das hab ich zwar nie wirklich geglaubt (der extreme Preisunterschied muss ja irgendwie erklärbar sein), aber ich wollte die Gründe für die Klangunterschiede erfahren. Noch eine Frage: Kennt jemand das Shure KSM-141 oder kann jemand etwas über das mechanische Umschaltprinzip zwischen Kugel- und Nierencharakteristik sagen? Im Vergleich zu reinen Kugelmikrofonen von Neumann, Shoeps, Sennheiser, MBHO,... sind die KSM-141 ja relativ günstig, und die umschaltbare Richtcharakteristik wäre auch recht praktisch. Wie funktioniert eigentlich diese Konstruktion und hat sie vielleicht irgendwelche Nachteile? Grüße, Stefan
Hallo, ich sollte vielleicht noch einige Erlaeuterung zu den Testresultaten geben: (1) In der Tat - die von mir benutzten B&K-Messmikrophone waren 1/2"-Versionen. Allerdings ist das 4167 ein Back-Elektret-Mikrophon - trotzdem ist der Equivalenzgeraeuschpegel recht niedrig. (2) Das Eigenrauschen und der Grenzschalldruck der u. a. von Behringer verkauften 'Messmikrophone' sind interessanterweise im Vergleich zu aelteren Studio-Kleinmembran-Druckempfaengern (KM53, fruehe KM(2)83) gar nicht mal soo schlecht - im Vergleich zu modernen Studiomikrophonen hingegen indiskutabel. (3) Was den Nutzen zerstoert, ist die hundsmiserable Richtcharakteristik der Billig-Messmikrophone - die auch noch zwischen Exemplaren kraeftig streut - ausserdem klirrt der Impedanzwandler kraeftig. Gruss Micha ---
Ja, als Effekt taugt der durchaus. Aber auch zu mehr. Im Prinzip das gleiche wie bei DSP-Gitarrenamp/box Simulatoren. Also mit einem simplen EQ nicht zu Vergleichen. Und ganz ausdrücklich auch nichts für "einfältige Audioamateure". Solche Kommentare können nur aus Unkenntniß entstehen - auch des aufgerufenen Verkaufspreises dieses Plugins ;-) Gruß, Christopher
Mikrofone mit umschalbarer Richtcharakteristik sind immer eine Kompromißlösung. Man kann nicht alle Übertragungsparameter optimieren. Sie verhalten sich oftmals nahezu gegenläufig. Das Prinzip der mechanischen Umschaltung der Richtcharakteristik zwischen Kugel und Niere besteht einfach darin, daß bei der Niere ja rückwärtige Schallöffnungen vorhanden sein müssen. Der Schall durchläuft nach dem rückwärtigen Einfall eine Art Labyrinth und der Umweg ist genauso groß wie der Weg zwischen rückwärtigen Schalleifallsöffnungen und Vorderseite der Membran. Dadurch wird ein akustisches Laufzeitglied erzeugt und wenn das Mikrofon von hinten betönt wird, dann gelangt der Schall durch das Labyrinth und kommt mit dem Schall der dann vorne auf die Membran trifft gleichzeitig an, wodurch keine Membranauslenkung entsteht weil ja von beiden Seiten gleichzeitig auf die Membran gedrückt wird. Dadurch entsteht eine Nierencharakteristik. Die Kugel ist allseitig zu und reagiert nur auf den reinen Druck, nicht aber auf den Gradienten. Will man nun das System mechanisch umschalten, muß durch den Schalter dafür gesorgt werden, daß bei Stellung "Kugel" die rückwärtige Schalleinfallsöffnung verschlossen wird. Dann wirkt das Mikrofon nur noch als Druckempfänger. Es gibt auch von der Firma Schoeps eine solche umschaltbare Kapsel unter der Bezeichnung "MK 5". Und eine für Kugel-Niere-Acht unter der Bezeichnung "MK 6". Der Aufbau dieser ebenfalls mechanisch umschaltbaren Kapsel ist allerdings sehr kompliziert und mit wenigen Worten nicht zu beschreiben. Geh mal in die Seiten von Schoeps und sieh mal ob es dazu Abbildungen gibt. Die Elektrische Umschaltung dürfte ja hinreichend bekannt sein: Doppelmembrankapsel, wobei die hintere Membran unterschiedliche Polarisationsspannung bekommt. Die Membranen sind da wechselstrommäßig parallel geschaltet. Ist die hintere Polarisationsspannung gleich der vorderen, hat man eine Kugel, ist sie Null ergibt dies eine Niere und wenn sie betragsmäßig gleich der vorderen ist aber entgegengesetzte Polarität hat man eine Acht. Zwischenformen wie Superniere und breite Niere entstehen wenn man die Spannung der hinteren Membran kleiner macht als die der vorderen. Man kann somit mit einem Potentiometer die Charakteristik kontinuierlich zwischen Kugel und Acht einstellen. Der Vorteil der mechanisch umschaltbaren Kapsel ist der, daß man immer eine einmembranige Kapsel hat wodurch ein bei Stellung Kugel ein echter Druckempfänger vorhanden ist. Bei Doppelmembrankapseln hat man immer einen Druckgradientenempfänger auch wenn es eine Kugel ist. Außerdem haben Doppelmembrankapseln den Nachteil, daß die beiden Membranen niemals exakt phasengleich schwingen, was sich besonders bei hohen Frequenzen auswirkt. Die Folge ist dann, daß die Richtcharakteristik sehr frequenzabhängig ist. Vorteil der Doppelmembran allerdings ist wie oben erwähnt, daß zwischen Kugel und Acht jede beliebige Charakteristik 1. Ordnung möglich ist.
Bei Doppelmembrankapseln hat man immer einen Druckgradientenempfänger auch wenn es eine Kugel ist.
Ich gebe dir nicht ganz Recht, denn jeder kann es selbst bei einem U87 ausprobieren: Schalte dieses Mikrofon auf Kugel und der bei Niere und Acht vorhandene Nahbesprechungseffekt ist weg! Es bleibt der Druck-Vektor übrig, nachden sich die gegeneinandergeschalteten beiden Achter-Vektoren so gut wie auslöschen. So sehen das auch Peus und Schneider. Gruß Dieter
Nachtrag: Um genau zu sein: Es bleibt natürlich der Druck-Skalar übrig. Er ist richtungsunabhängig. Hingegen ist ein Achter-Vektor richtungsabhängig. Beim U87-Mikrofon, das zwei Nieren auf "Kugel" geschaltet hat, muss man sich einen Anteil als zwei Achtermikrofone parallelgeschaltet dicht beieinander vorstellen, die um 180° gedreht sind und die bei gleichem Pegel sich eben auslöschen, während sich die beiden Kugel-Anteile addieren.
Ich hatte dieses Thema mal mit ebs im Mindprint-Forum diskutiert und ihm dann Recht gegeben. Theoretisch ist ein Kugel aus zwei Nieren identisch zu einer echten Kugel. Ohne jetzt mal die anderen von Rainer angesprochenen Proplematiken (zwei Membranen) zu berücksichtingen. Damaliges Missverständnis von mir: eine Niere hat auch hinten eine Empfindlichkeit: den Nahbesprechungseffekt pur.