Stapedius Muskel Reflex

Erstellt 6 Antworten7 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo!
Ich habe in einem Mischpult-Handbuch (!) erstmals von dem Stapedius Muskel Reflex gelesen.
Mir war bis jetzt schon bewußt, dass der Schallerzeuger (in diesem Fall die menschliche Stimme) sich selbst leiser über Bühnenmonitore wahrnimmt als Nebenstehende, die den Schall nicht erzeugen.
Ich dachte mir bis jetzt, es hätte mit dem Hallradius zu tun.
Hat dazu jemand Unterlagen? Wie kommt es dazu? Gibt es einen Messwert, um wieviel dB man sich selbst je nach Pegel geringer selbst hört? Ist diese menschliche Eigenschaft frequenzselektiv?
Grüße,
Hermann
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Antwort#2
Hallo Hermann,
da du über den "Stapidius" Lärm-Schutzreflex etwas wissen möchtest, kommt hier Information:
Die Messung des Stapediusreflexes, der reflexartigen Kontraktion eines Mittelohrmuskels bei lauter (!) Beschallung zählt zu den objektiven audiologischen Methoden zum Nachweis von Hörstörungen. Auf Grund von Abweichungen von der normalen Reaktion des Stapediusreflexes ist es möglich, gewisse Hörstörungen und neurale Krankheiten zu diagnostizieren. Die Kontraktion des Stapediusmuskels ist nicht nur durch laute Schallreize bei Hörenden sondern auch durch entsprechend starke elektrische Stimulation des Hörnerven bei Gehörlosen über ein Cochlea Implantat auszulösen.
Die Stapediusreflexmessung gibt Auskunft über die Reaktionsschwelle des Muskels, der am Steigbügelknochen des Mittelohres ansetzt. Bei einem akustischen Reiz zieht sich der Stapediusmuskel des gesunden Hörorgans reflexartig zusammen. Es wird gemessen, ob eine Reaktion, d.h. ein Reflex, vorliegt oder ausbleibt. Der Stapediusreflextest kann ipsilateral, d.h. mit der Sonde am Meßohr, oder mit einem zusätzlichen Hörer (Sonderausstattung) contralateral auf dem Gegenohr
durchgeführt werden.
Während bei der Tympanometrie die Änderung der Compliance (Nachgiebigkeit) bei Änderung des Luftdrucks im äußeren Gehörgang gemessen wird, verändert sich die Compliance bei der Stapediusreflexmessung durch Kontraktion des Stapedius- Muskels im Mittelohr. Die Kontraktion - der Stapediusreflex - bewirkt eine Verringerung der Compliance und wird unter anderem durch laute akustische Reize hervorgerufen. Unabhängig davon, ob der Schallreiz links, rechts oder beidseitig vorhanden ist, tritt der Stapediusreflex stets binaural, d.h. in beiden Ohren gleichzeitig auf. Der Stapediusreflex wird bei normalhörenden Erwachsenen durch Sinustöne mit Schalldruckpegeln zwischen 90 und 115 dB ausgelöst.
Bei der Reflexmessung wird an einem Ohr, dem "Sondenohr", kontinuierlich die Compliance, bei dem Druck, bei dem vorher ihr größter Wert ermittelt wurde, gemessen. Simultan wird auf dem "Reizohr" der Ton, der die Kontraktion des Stapediusmuskels bewirkt, als akustischer Reiz zugeführt.
Bei der ipsilateralen Reflexmessung sind "Sondenohr" und "Reizohr" identisch. Der Prüfpegel, bei dem der Reflex erkannt wurde, wird als Reflexschwelle bezeichnet und in dB-HV (dB Hörverlust) angegeben.
Gibt es einen Messwert, um wieviel dB man sich selbst je nach Pegel geringer selbst hört? Ist diese menschliche Eigenschaft frequenzselektiv?
Das ist tiefe "Psychoakustik". Wie soll ich wissen, wie laut du dich selbst frequenzabhängig mit deinem Knochenschall hörst? Wie wäre das zu messen?
Gruß
Musch
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Antwort#3
Hallo Musch,
danke für Deinen Beitrag.
115dB SPL unbewertet sind auf einer Rock-Bühne alleine durch das Schlagzeug (ohne Monitoring) keine Seltenheit.
Könnte man den Stapedius-Reflex somit auch als Kompressor ab einem gewissen Threshold (ca. 115dB SPL) bezeichnen?
Grüße,
Hermann
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Antwort#4
Hallo Hermann,
der Stapidius-Reflex ist eine "intelligente" Notbremse der Natur und wirkt genauso wie ein Kompressor bei hohen Pegeln.
Musch
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Antwort#5
Servus Musch,
kannst Du mir das mal mit eigenen Worten - ohne das Fach-(Arzt)-Chinesisch -erklären?
redi
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Antwort#7
Wissenswertes über den Stapedius-Muskel. Noch für Tontechniker verständlich.
Tief im Ohr von Knochen versteckt, verrichtet der Stapedius-Muskel (Musculus stapedius), also der Steigbügelmuskel sein Werk im Zusammenspiel mit dem Steigbügel selbst, an dem er ansetzt. Zusammen sorgen beide für Ruhe.
Normalerweise bewirkt der Steigbügel jedoch genau das Gegenteil. Mit den beiden anderen Gehörknöchelchen, Hammer und Amboss, bildet er eine Kette. Ähnlich wie die Schrauben in einem Uhrwerk greift ein Knöchelchen ins andere und leitet so den Schall vom Trommelfell verstärkt zum Innenohr weiter. Dort werden die Sinneszellen angeregt, die das Gehörte als elektrisches Signal über Nervenbahnen ans Gehirn senden.
Wird es aber vor dem Trommelfell zu laut, etwa ab 75 Dezibel (das entspricht lautem Straßenlärm), dann spannt der "Stapedius-Muskel" seine sieben Millimeter an und zieht am Steigbügel, der dadurch unbeweglicher wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein weiterer kleiner Muskel: der Trommelfellspanner. Der presst die Gehörknöchelchen gegeneinander, wenn der Stapediusmuskel zusammenzuckt. Die ehemals so gut bewegliche Kette wird steif und überträgt den Schall schlechter - laute Geräusche werden gedämpft. Das ist der schon erwähnte Natur-Kompressor.
Ist der Stapediusmuskel durch Krankheit gelähmt, hört der Mensch Klänge ab einer gewissen Laustärke als unangenehmes Klirren. Ursache für eine solche Lähmung ist häufig auch ein geschädigter Gesichtsnerv, von dem der Muskel normalerweise seine Kommandos bekommt.
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