Moin zusammen, ich habe letztes Wochenende eine merkwürdige Mikrofonierung bei einem Konzertmitschnitt(klassische Gitarre) vom Hessischen Rundfunk gesehen: Und zwar wurde vor die Gitarre eine Art ORTF/NOS-System gebaut (Winkel und Distanz habe ich nicht nachgemessen), allerdings nicht wie üblich horizontal ausgerichtet, sondern senkrecht, d.h. die zwei Mikrofone waren übereinander aufgebaut und zeigten jeweils nach oben/unten. Zwei weitere Mikros wurden in ca. 1,50m Entfernung zum Instrument, ca 1m Distanz zu einander, leicht nach aussen gerichtet, aufgebaut. Kann mir jemand erklären, wie die Mikros bei dieser Aufstellung nach her abgemischt werden sollen? Ich habe leider den Tonmeister nicht erwischt. Wenn man nun die zwei Mikros des Ortf-Systems jeweils nach links/rechts pant und mit dem weiter entfernten Mikros mischt, müßte man doch eigentlich ein merkwürdiges Stereobild bekommen. Außerdem war das eine Mikro genau auf den Kopf der Spielerin gerichtet, d.h es hat sicherlich sehr stark die Atemgeräusche abgenommen, die dann ja auch nur auf einer Seite zu hören wären. Hat jemand Erfahrung mit solchen Mikrofonierungen und könnte mir erklären, wie das funktioniert? Würde mich sehr interessieren. Danke schön Sebastian
Moin SebastianR, so merkwürdig sieht die vertikale Mikrofonanordnung des Mikrofonpaares nicht aus. Jedenfalls zeigt das doch, dass der Tonmensch nachgedacht haben muss und zu eben dieser vertikalen Aufstellung gekommen ist. Die Audiophilen kennen dagegen nur einen "natürlichen, authentischen" Aufnahmeort des Mikrofonsystems und der ist genau so, wie unsere Ohren aufgestellt sind, üblicherweise horizontal. Man sollte als flexibler Tontechniker auch die vertikale Aufstellung im Repertioire haben und bei Solo-Aufnahmen von zum Beispiel Klarinette, Harfe oder Violoncello mal daran denken. Ergeben sich jedoch hörmäßige Artefakte, wie das Atmen und Stöhnen von links und das Cello von rechts, dann sollte man etwas am Winkel und an der Mikrofonbasis ändern oder nachdenken, ob nicht eine andere Mikrofonaufstellung vorteilhafter wäre. Das Hinzumischen von etwas entfernter aufgestellten horizontalen Raummikrofonen ist wirklich kein Problem. Falls du nicht weißt, wie man hierbei die Panpots einstellt: Immer voll L und R auf Anschlag. Niemals anders!
Für Sebastian gibt es doch noch das große Problem, wie denn die Nord-Süd-Mikrofone auf die Stereo-Lautsprecherbasis zu legen sind. Das linke Raummikrofon kommt nach links und das rechte Raummikrofon kommt nach rechts, das ist auch für "Audiophile" eindeutig klar. Seht dort ein "normales" horizontales ORTF-Mikrofon, dann kommt das nach links zeigende Mikrofon nach links und das nach rechts zeigende Mikrofon nach rechts im Panning. Wie schön, dass das kein Problem ist. Nun muss man ganz schwer nachdenken, was man mit dem nach oben zeigenden Mikrofon macht. Tja, man kann es entweder nach links oder nach rechts legen. Was anderes bleibt nicht übrig. Wenn der Schnaufer links kommen soll legt man das Mikrofon nach links, wenn er lieber rechts sein soll, dann legt man das Mikrofon nach rechts. Das andere Mikrofon muss dann auf die Gegenseite gepannt werden. Wenn mir diese Entscheidung zu schwer fallen würde, dann würde ich niemals die Nord-Süd-Aufstellung wählen. :-)
Hi, der Grund für die senkrechte Anordnung von Mikrophonparen dicht an einem Instrument oder Sänger liegt sehr oft in ausführungstechnischen Eigenschaften, die sich bei einer Aufnahme als störend erweisen. Im Klartext: einen stark bewegenden Sänger z.B. wird man schwierig mit einem konventionell ausgerichteten Paar stabil in das Stereobild plazieren können. Da ist der - übrigens oft angewendete - Trick des übereinander anordnens der Mikros eine Möglichkeit, dies zu minimieren.
Wer sagt denn, dass die Nord-Süd-Mikrofonierung nach links bzw. rechts ins Stereobild gepannt werden - sprich eine Stereo-Mikrofonie darstellen soll? Wer schon mal eine Gitarre im Nahfeld abgenommen hat, wird wissen, dass jeder Zentimeter Platzierungswechsel auch einen gut hörbarenKlangunterschied mit sich bringt. Es ist nicht ungewöhnlich, hierbei mit einer Multimikrofonierung zu arbeiten, um durch zusammenmischen einen bestimmten Klang zu erhalten. Es ist also durchaus denkbar, dass die beiden im Nahfeld befindlichen Mikros als Stützen gedacht sind, die verschiedene Klangcharakteristika des Insruments einfangen und entsprechend (z.B. in die Mitte gepannt) mehr oder weniger dezent zum 1,5m Stereomikrofon zugemischt werden. Die andere Möglichkeit: Die 1,5m Stereomikrofonierung dient zur Aufnahme, die andere zur Liveübertragung ohne Rückkopplungsprobleme, habe ich auch schon gemacht. Die dritte und letzte mir einfallende Möglichkeit: Der dort agierende Tonmann will uns alle ver...gackeiern. Gruß Martin PS: Wir sollten uns hier jedenfalls nicht selbstherrlich und schadenfroh an durchaus nicht unqualifizierten Fragen anderer ergötzen, sondern behilflich sein.
Hallo Sebastian, wenn ich deine Beschreibung richtig verstanden habe, waren zwei Mikrofone senkrecht übereinander (auf einer Achse?) angebracht. Beide Mikrofone waren so montiert das beide Kapseln sehr dicht zusammen montiert waren, oder? Das deutet auf Koinzidenz- oder MS-Stereofonie hin.
Hi, nein, um eine Koinzidenzmikrofonierung hat es sich eindeutig nicht gehandelt, da die Mikros doch ca 30 cm auseinander waren, also eher um eine Äquivalenzstereophonie. Grüßle Sebastian
Martin meint: Wer sagt denn, dass die Nord-Süd-Mikrofonierung nach links bzw. rechts ins Stereobild gepannt werden - sprich eine Stereo-Mikrofonie darstellen soll? Gegenmeinung: Wer solche zwei Gitarren-Mikrofone zusammen in das Center gibt, tut seinem Klang ganz bestimmt nichts Gutes an.
Die instabile Abbildung eines Sängers im Sterobild kann ich aus langjähriger Erfahrung mit Oratorienaufnahmen bestätigen. In dem Fall der Senkrechtanordnung hat man einerseits dann eine stabile Abbildung innerhalb der Stereobasis, und andererseits bleibt ein gewisser Stereoeffekt bei den Solisten erhalten.
Lieber Rainer, die Senkrechtanordnung zweier Mikrofone vor einem Sänger kann sicher manchmal vorteilhaft sein. Nicht bei Popmusik. Ich nehme an, dass du dazu keine ORTF-ähnliche Anordnung wählst, sondern zwei schön nach vorn gerichtete Mikrofone (Niere oder Kugel) mit einer Basis (Abstand voneinander) von 25 cm +/- 5 cm, je nach Abstand vom Solisten. Die Panpots stehen dabei absolut hart L und R. Sollte man - warum auch immer - den Solisten ins Center pannen wollen, dann zieht man allein den Pegel des "schöneren" Mikrofons auf und das andere Mikrofon zieht man unbedingt zu. Gruß Jochen
Lieber Jochen, ich mache das mit der Senkrechtstellung überhaupt nicht und mache auch keine Pop-Aufnahmen, sondern Klassik. Hier verwende ich i.d.R. ein koinzidentes Mikrofonpaar, meist ein Neumann SM 69. Betreiben tue ich es entweder als 2 x Niere in 90° oder 2 x Superniere in 75° Versatzwinkel. Panoramisieren tue ich nicht in extrem links/rechts, sondern eingeengt und mit Richtungsmischer oder ähnliche Funktion auf den Bereich der Stereobasis setzen wo sie wirklich stehen.Ich habe die Festellung gemacht, daß koinzidente Mikrofonanordnungen dabei günstiger sind, weil das "Springen" des Sängers dann nicht so extrem wird wie bei 2 Einzelmikrofonen. Grüße Rainer
Mir ist diese Technik durchaus vertraut, dies jedoch nicht etwa für Musik- und schon gar nicht für Klassikaufnahmen. Wobei mich weniger das Atmen des Musikers bzw. der Musikerin als vielmehr der einem der beiden Mikros bedenklich nahe Fußboden beunruhigt. Ich würde das so nicht riskieren. Nichtsdestoweniger: Mit entsprechendem Windschutz habe ich so manche Aufnahme anfahrender Dampflokomotiven aus dem Zuge selbst nach exakt diesem Verfahren angefertigt, was sich durchaus und insoweit bewährte, dass selbst eingefleischte 'Bahnfuzzies' ('man hört ja, welche Baureihe -Zweizylinder, Dreizylinder etc. pp.- den Zug befördert') das Verfahren nicht zu analysieren wussten. Hier stellt sich das Problem der einen, nur einseitig vorhandenen Begrenzungsfläche nicht so dramatisch wie im Konzertsaal, da das Mikrofonpaar zum einen bewegt wird, und zum anderen die Begrenzungsfläche 'Erdboden' eine beachtliche Diffusität aufweist. Die unvermeidliche (und verfärbende) Begrenzungsfläche 'Wagenseitenwand' betrifft hingegen beide Mikros. Der Stereoeffekt präsentiert sich im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten einwandfrei. Hans-Joachim
Sicher ist das ausprobiert. Wer solche zwei nahmestehende Mikrofone zusammen in das Center gibt, tut seinem Klang ganz bestimmt nichts Gutes an. Wenn ma die Ohren aufnahcht, wird man hören, dass ein Mikrofnallein sauberer und unverkammfiltert klingt. Will man aber eine extra eine Verfärbung haben, dann ist wie alles in der Tontechnik erlaubt. Nur passieren im Eifer des Gefechts oft Frequengangeinbrüche, ohne dass das hörend festgestellt wird. Darum nahe Mikrofone lieber nicht "zusammenpannen".