Tag Rainer.
Der erste Satz von dir ist sehr richtig: Es kann bei jedem Mal passieren, dass er einen Blackout hat, nur scheint das hier wirklich bei dir der Fall zu sein.
Gut ist auch der einfacheren Rechnung wegen, dass wir jetzt mal 40kHz statt der üblichen 44,1kHz betrachten.
"Nochmal der Reihe nach: 20 kHz hat 2 Halbperioden und 40 kHz hat 4 Halbperioden während einer ganzen 20 kHz-Schwinung."
Soweit richtig.
"Jede Halbperiode der 20 kHz muß (wenn das Abtasttheorem gerade noch erfüllt sein soll) 2 mal abgetastet werden. "
Nein, nach Abtasttheorem muss gerade eben nur geringfügig öfter als zweimal pro Vollperiode abgetastet werden. Lies es bitte nochmal bei Shannon und Nyquist nach.
"Die negative Halb"welle" der Abtastschwingung tastet ebenfalls ab!"
Völlig falsch! Es wird nicht mit einer Sinusschwingung abgetastet, sondern mathematisch mit einer normierten Diracstoß-Folge, auch bekannt als Schah-Funktion. Die Diracstöße haben einen Abstand von 1/Samplefrequenz, in diesem Beispiel also 1/40kHz=25µs. Die Periodendauer eines 20kHz-Sinus (Vollperiode!) ist 50µs.
In der Realität wird nicht mit einer Schah-Funktion abgetastet, sondern alle 25µs (22,7µs bei 44,1kHz) ein Wert in das S/H-Glied übernommen und ausgelesen. Schau dir die Datenrate einer CD bzw. eines 44,1kHz Wave-Files an, wenn du mir nicht glaubst (nicht vergessen, Mono/Stereo zu berücksichtigen).
Die Dateigröße ist exakt (bis auf Header) Spieldauer in Sekunden mal Anzahl der Kanäle mal 16 bit mal 44100. Es wird pro Periode der Samplingfrequenz exakt EIN Sample gelesen! Nicht zwei.
"Also erfolgen je Halbwelle der 20 kHz 2 Abtastungen und damit ist die Schwingung in Amplitude und Phase voll reproduzierbar."
Ich sagte ja schon, wenn wirklich viermal pro Vollperiode abgetastet wird (ist in der Realität gegeben unterhalb ca. 11kHz), dann werden selbstredend Amplituden und Phasen richtig abgebildet. Darüber nur theoretisch bis fNy, praktisch nicht oder nur näherungsweise oder unter Zuhilfenahme von "Tricks" wie Oversampling und digitale "vorauslesende" Filter.
"Ein Tip (hat mir mein Lehrmeister und mein Vater beigebracht): Bei schwer vorstellbaren Sachen ZEICHNUNG machen!. Ich mache das heute noch so und es hilft auch i.d.R. das Verständnis zu nähren."
Ein sehr guter Tipp. Mach es selbst auch mal und vergiss die "Sinusabtastung", verwende statt dessen die in der Theorie wie auch (näherungsweise) in der Praxis verwendete Diracstoßfolge. Wenn du nicht selbst malen willst, siehst du auch hier ein paar schöne Bilder, die auch die Amplituden- und Phasenuntreue zeigen:
http://einstein.informatik.uni-oldenburg.de/rechnernetze/digitale.htm"Zeichne Dir dann mal 2 Sinuskurven untereinander wobei die untere die halbe Periodendauer der oberen hat und dann nimm von der unteren nur die Maximalwerte als Dirac-Pulse und setze diese als Abtastpulse in die obere. Dann wirst Du sehen, daß jede Halbwelle 2 mal abgetastet wird und der Fall, daß nur die Nulldurchgänge erfaßt werden niemals vorkommen kann, egal wie Du die Abtastimpulse relativ zu der Nutzwelle verschiebst."
Richtig. Aber das entspricht weder der Realität, noch dem Sampling-Theorem.
Durch die Reihenentwicklung der Diracstoßfolge werden die negativen Halbwellen der 1.Ordnung eliminiert, und es gibt pro Periode nur einen Abtastpuls.
Das, was du beschreibst (Abtastung mit einem "gleichgerichteten" 40kHz-Sinus), entspricht einer Abtastung mit einer Rate von 80kHz.
Jens