Lieber Johnny, für Dich will ich es erläutern, wie ich den Begriff "konventionell" in diesem Zusammenhang gemeint habe - eine Mikrofonstromversorgung (Mikrofonspannungsversorgung) mit Anodenspannung, gleichzeitig Ladespannung für die Mikrofonkapsel, eventuell über Spannungsteiler vermindert und eine Heizspannung für die im Mikrofon verwendete Elektronenröhre, vermutlich Gleichspannung. Im Gegensatz dazu - nicht konventionell - die Versorgung eines Röhrenmikrofones mit P48-Phantomspeisung. MfG Rolf
ich würde die Heispannung nicht einseitig mit 0 Volt verbinden, sondern immer separat führen.
Ich auch nicht! Diese Anregung stammt von ELVO (zugleich Mitarbeiter von SCHOEPS), der sein neues Netzteil für alte M221 mit fünfadrigen Kabeln ausstattet. Bei dem aktuellen SCHOEPS M222 Röhrenmikrofon die gleiche Lösung: 5pol. XLR ... Ehrlich gesagt - ich habe Pickel bekommen, als ich diese Detaillösung sah. Mag sein, daß die Wahl auf 5pol. XLR fiel, um Probleme mit CE, VDE o.ä. zu umgehen. Andererseits dürften Tuchel (klein) durchaus für Spannungen bis in dieser Größenordnung zugelassen sein - ich habe derzeit die techn. Spez. nicht zur Hand.
Die Anodenspannung z.B. für eine AC701 könnte man noch über einen Gleichspannungswandler aus der Phantomspeisung gewinnen
Aus dem Bauch überschlagen fürchte ich, daß auch dies knapp wird. Ohne die entstehenden Verluste bei der Spannungstransformierung zu berücksichtigen, wird ein Phantomstrom von mind. 2 mA benötigt, eine Spannungsstabilisierung erzeugt zusätzliche Verluste. Sinn macht die Überlegung, eine AC701 aus der Phantomspeisung zu betreiben, eh nicht. Wer eine gute Anodenregelung (und Heizungsregelung) entwickelt hat, kann gleich ein externes Netzteil damit aufbauen. Bleibt - wie auch von Dir angedeutet - das Problem des passenden Trafos in klein(st)er Stückzahl.
Habe gerade mal in den Telefunken-Daten über die AC 701 nachgesehen. Je nach Arbeitspunkt kann es gehen mit der Leistung der Phantomspeisung. Aber es wird knapp. Die Heizleistung von 0,4 Watt schafft sowieso keine P-48-Speisung mehr.
Trafos in kleinen Stückzahlen: Für mich kein Problem, ich habe im Umkreis von 20 km um meinen Wohnort 3 Transformatorenhersteller, die alle kundenspezifisch und auch in Einzelstücken fertigen. Einer davon ist ein ehemaliger Lehrkollege von mir. Bei ihm habe ich gerade vor ein paar Tagen 3 verschiedene Trafos als Einzelstücke in Auftrag gegeben. Übertrager lasse ich bei den Firmen Haufe oder Pikatron fertigen. Auch die machen schon mal Einzelstücke nach Kundenspezifikationen.
Ich weiß nicht was die heute für Röhrentypen benutzen. Die AC701 wird aber auch noch von einem Hersteller benutzt. Neumann benutzt eine Röhre aus dem militärischen Bereich. Welcher Typ weiß ich allerdings nicht. Und wenn ich es wüßte, würde ich es nicht verraten, sonst würde ich mit den Neumann's Ärger bekommen, denn die Entwickler kennen mich gut.
Neumann hat selber eine Übersicht veröffentlicht, in der die Kapseln der verschiedenen Mikrofontypen aufgeführt sind. Bei den Röhrenmikrofonen wurden auch die Röhrentypen aufgeführt. Die aktuell benutzte Röhre ist also kein Geheimnis. Im M147 / M149 wird eine DoppelTriode eingesetzt. Anodenspannung soll laut Neumann 32 V, Heizung 5,2 V betragen. Die mir vorliegenden Datenblätter verschiedener Hersteller geben jedoch für Heizung 6,3 V und für Anodenspannung Va typ 100 V an. Ob Neumann die Röhre an den unteren Grenzen der Spezifikationen betreibt? Möglich auch, daß die Anodenspannung im Mikrofon hochtranformiert wird. Dies ließe sich nachmessen.
Es müssen mehrere Hersteller noch mit der AC701 arbeiten. Definitiv findet sich diese Röhre im SCHOEPS M222, aber auch HORCH benutzt die AC701. Da die Bestände der AC701 langsam knapper werden, kann man auf die Verkaufszahlen dieser Mikrofone schließen - es dürften Einzelanfertigungen sein.
Hallo Juppy, die Liste mit den Mikrofonkapseln habe ich auch von Neumann. Wenn die solche Listen veröffentlichen, ist das deren Sache. Nur ich gebe keine Firmenunterlagen und ähnliches eigenmächtig aus der Hand. Man weiß nie, wie das juristisch ausgelegt werden kann. Man zieht in jedem Fall dann immer den Kürzeren. Zu den Röhren mit geringer Anodenspannung: Es gab in der E-Röhrenreihe (6,3 Volt Heizung) ein paar Röhren für Autoradios als diese noch mit Röhren gebaut wurden, mit Anodenspannungen bis 12,6 Volt (!). Da gab es eine ECC 86, die war für 12,6 Volt Anodenspannung ausgelegt. Die war zwar für HF-Anwendungen im UKW-Bereich vorgesehen, aber das heißt ja nicht, daß sie für NF ungeeignet sein muß.
Hallo Rolf, damit läßt sich eine geringe Stromaufnahme natürlich gut erreichen (evtl. ein direkt geheiztes Exemplar). Für die Heizung wird vermutlich ein Abwärtswandler drin sein. MfG DB
Hallo Rainer, Du schreibst: "ich würde die Heispannung nicht einseitig mit 0 Volt verbinden, sondern immer separat führen. Die E-Röhren und die AC701 sind alle indirekt geheizt." Die Firma Georg Neumann Gefell (ca. 1960) hat aber dieses bei allen mir bekannten Mikrofonen so realisiert. (GNM14, M582, CMV563 u.A.). Diese waren mit der EC92 bestückt und wurden mit einer Heizspannung von +5,8V (Gleichspannung) und einer stabilisierten Anodenspannung von 120V versorgt. Das Mikrofonkabel und der Anschlußstecker waren 5-polig. (2 x NF, 1 x Masse - 0V - Schirm, 1 x Heizung, 1 x Anode). Es gab meines Wissens nach keine Probleme mit dieser Lösung. MfG Rolf
Hallo Rainer, ich habe eben mal in einem alten Telefunken-Röhrentaschenbuch aus dem Jahre 1964 nachgeschaut. Die D-Röhren waren hauptsächlich für die röhrenbetriebenen Kofferradios gedacht. Unter 25mA Heizstrom habe ich da nichts gefunden. Es gab aber damals röhrenbestückte Hörgeräte. Dort waren, so glaube ich, Subminiatur-Röhren verwendet worden. Bei den Spezialröhren habe ich eine "DF703" (Elektrometer-Röhre) gefunden, die für die Heizung 1,25V/10mA und für die Anode 8,5...10.5V/6µA benötigt. Ich kann mir schon vorstellen, daß in diesen Mikrofonen eine ähnliche Röhre verwendet wird. Aber ganz ohne Halbleiter (Spannungskonvertierung - Mikrofonausgangsstufe) wird auch dieses Mikrofon nicht auskommen. MfG Rolf
Das heißt, die Dinger kann man auch als DILDO benutzen? Bei Beate aus Flensburg bekommt sowas noch preiswerter - und die wackeln und summen sogar! Tut mir leid, aber entweder kaufe ich was richtiges, das leider auch Geld kostet - oder ich kaufe wirklich was billiges., wie z.B. die Produkte jener berühmten dtsch. Firma, deren Geräte unter ISO-zertifiziertem Qualitätsmanagement hergestellt werden. Immerhin haben wohl einige Leute im Forum den Mut gehabt, diese Kleinmembranmikrofone neben SCHOEPS stehen zu lassen. Ergo: Hinter bedeutenden Firmen und Herstellern hochwertiger Produkte steht immer ein Doktor als genialer Kopf: Dr. Schoeps, Dr. Neumann, Dr. Müller, Dipl.-Ing. Uli B. ...