Warum Großmembran?

Erstellt 83 Antworten84 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo allerseits,
ich bin relativ neu in der "Recordingszene". Mein Fokus liegt im Bereich klassischer Musik und um mich selbst aufzunehmen, bin ich dabei, mir ein kleines Equipment zuzulegen. (Gesang und Klavier)
Inzwischen besitze ich 2 Kleinbembran Breitnieren und ein Großmembran, welches mir von einem einschlägigen Fachhandel empfohlen wurde.
Nach längerer Rechere auf www.sengpielaudio.com und Publikationen diverser Mikrofonhersteller lese ich immer wieder, dass Großmembranmikros technisch und physikalisch überwiegend nur Nachteile gegenüber Kleinmembranen haben und es wundert mich im gleichzeitig, dass doch diese wesentlich teureren und unhandlicheren Geräte offensichtlich in Studios so weit verbreitet und beliebt sind. Was motiviert einen Profi dazu mehr Geld für ein Mikro auszugeben, bei dem die Nachteile überwiegen?
Mir wurde das Großmembran mit der Begründung verkauft, diese Mikros seien für Gesang besser geeignet - bin ich falsch beraten worden? Als Anfänger mußte ich dieses glauben. Inzwischen frage ich mich, ob nicht die Anschaffung zweier Kleinmembran - Kugeln als Ergänzung für die Nieren die bessere Wahl gewesen wäre. Da ein Monomikrofon die Räumlichkeit einer Aufnahme von Gesang und Klavier zerstört, möchte ich ein 4 Miko dazukaufen, da ich schon ein Großmembran habe, bleibt mir nicht anderes übrig als das gleich nochmal zu nehmen.
Da ich Physiker bin, könnte ihr Eure Antworten ruhig physikalisch begründen. Ich denke, dass ich das verstehen werde.
Gruß
Erdie
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Antwort#2
Was motiviert einen Profi dazu mehr Geld für ein Mikro auszugeben, bei dem die Nachteile überwiegen?
Mir wurde das Großmembran mit der Begründung verkauft, diese Mikros seien für Gesang besser geeignet - bin ich falsch beraten worden?
Image. Und weil es jeder so macht.
Jein.
Generell: ja.
Praktisch: genau das Mikro kann bei deinem Gesang sehr gut klingen.
Was für Grossmemenbran eigl.?
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Antwort#3
Hallo Physiker Erdie,
Mikrofone werden zu unterschiedlichen Zwecken verwendet. Als Messmikrofon, als Solistenmikrofon, das vom Gesangs-Künstler im Pop-Business überwiegend in die Hand genommen wird, als entfernteres Mikrofon, um einen Klangkörper mit dazugehörenden Raumklang aufzunehmen, als Stützmikrofon um etwas "Präsenz" einer Hauptmikrofonanordnung hinzuzufügen und als Raummikrofon, um einen natürlichen Raumklang getrennt den nahen Mikofonen hinzuzufügen. Da gibt es also Mikrofone die unterschiedlich optimiert sind.
Kleinmikrofone sind nur kleine Störer im Schallfeld und sie geben recht klangneutral als Sensor in einiger Entfernung, den Schall so wieder, wie er dort vorhanden ist und zwar fast aus allen Richtungen. Solistenmikrofone müssen so gebaut sein, dass man lippennah reinsingen kann und dass man keine störenden Plopplaute bekommt. Der physikalische Tiefenanstieg beim Druckgradientenmikrofon kann mit einem Tiefenabschneider gemildert werden, oder wenn der Künstler keine Tiefen hat, als Stimmverbesserer bei Nahbesprechnung verwendet werden.
Großmembranmikrofone werden üblicherweise nicht zum Singen in die Hand genommen. Diese stellen im Schallfeld einen beträchtlichen Störkörper dar, was sich durch unausgeglichene Klangfarbe bei seitlicher Schallaufnahme auswirkt.
Während Kleinmikrofone oft sogar paarweise angeboten werden, um als Stereomikrofonsystem eingesetzt werden zu können, werden große Mikrofone als Einzelmikrofone eben gern als Nah-"Stütze" verwendet. Nur Unerfahrene versuchen mit Großmikrofonen ein ORTF-System zu bilden. Das ist sehr unklug, um es vorsichtig auszudrücken.
Ich würde zu deinem einzelnen Großmembranmikrofon kein zweites kaufen. Wozu denn? Freue dich, dass du damit mal ein Cello oder einen Kontrabass nah "stützen" kannst, wenn dir die Klangfarbe zusagt. Es ist doch ein schönes einzelnes Mono-Stützmikrofon. Dass Händler gerne den Star-Musikern zum Munde reden und ihnen die imposant-aussehenden Großmikrofone anbieten, ist doch klar.
Ein großes Auto macht mehr her und ist besser als ein kleines Auto. Das wissen doch schon die Kinder.
Dieter
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Antwort#4
Moin...
Bei allen Nachteilen ist es wahrscheinlich die durch die größere Membranfläche (bzw. geringere relative Steifigkeit) höhere Empfindlichkeit, die den Großmembranern zum Durchbruch verholfen hat.
Bei Rock-Pop-Produktionen (oder bei reinen Sprachaufnahmen -> "Wärme") sind die klanglichen Färbungen größtenteils sogar erwünscht, auch wenn das eine recht große Fraktion hier anders sieht. Im Grunde haben diese sogar recht, weil man natürlich "Klangfarbe" genauso gut oder gar besser am EQ gestalten kann.
Man braucht aber erfahrungsgemäß für einen auf "warm"(*) getrimmten Zielklang oft weniger am EQ zu schrauben, wenn man ein GM benutzt, das passt oft schon bei einer EQ-Einstellung nahe "flat".
Jens
(*) ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil "Wärme" kein tontechnisch definierbares Kriterium ist. Es sollte aber jeder wissen, wie's gemeint ist... ;)
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Antwort#5
Einen Vorteil haben Großmembranen:
Sie können rauschärmer sein.
Auch wenn erst mit dem Neumann TLM103 wirklich versucht, ein rauscharmes Mikrofon zu bauen.
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Antwort#6
sobald ein atmender Musiker vor dem Mic steht sind 21dbA Rauschabstand mehr als ausreichend.
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Antwort#7
Alle Tonaufnahmen in der Unterhaltungsmusik sind Polymikrofonie, das heißt man stellt recht nah an die jeweilige Schallquelle ein Mikrofon, das dann mit einem Panpot in die vorgesehene Stereorichtung gestellt wird. Alle Intrumente werden nacheinander einzeln aufgenommen oder wenn mehrere spielen, werden sie räumlich gut isoliert aufgenommen.
Dabei hat oft der falsche Gedanke, dass Mikrofone umgekehrte Lautsprecher seien, dazu geführt, für Tuba, Bass, Cello Bass-Drum und tiefen Gesang eben Groß-Memranmikrofone zu nehmen und für kleine Instrumente, wie eine Flöte oder eine Oboe natürlich passend dazu Klein-Membranmikrofone.
Wer sich mal die Mühe gemacht hat und einen Sänger-Bassisten gleichzeitig in ein Kleinmikrofon und ein Großmikrofon hat singen lassen, der wird sich über den Klangunterschied bei der Wiedergabe wundern. Überwiegend wollen sogar die Sänger *dann* den Klang des Kleinmikrofons haben! Auch wenn sie vorher ganz verliebt in das große Röhrenmikrofon waren. Das konnte ich mehrfach testen.
Der Ausdruck "Wärme" ist problematisch. Viele Tiefen, wenig Schärfe leichte Verzerrungen - eben Röhrenklang. Da sieht man ja die rotglühnde Wärme und kann sie sogar fühlen.
Gruß Sebastian
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Antwort#8
Auch wenn ich das letzte Knötchen auf den Stimmbändern noch übertragen möchte?
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Antwort#9
Glaube ich alles gerne! Das die große Fläche sich nicht weiter auf die Tieftonwiedergabe auswirkt.Nur warum werden dann immer öfter gerade bei aufwändigen Studio- und Liveproduktionen teile wie Yamaha´s Subkickmiro angewand?
Timm
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Antwort#10
Hier ist das "SubKick Low-Frequency Capture Device SKRM100".
Es ist ein Lautsprecher, als Mikrofon missbraucht.
Hier wird ehrlich angegeben, dass dieses Un-"Ding" nur in Verbindung mit einem richtigen Bass-Drum-Mikrofon verwendet wird. Also nicht alleine.
"When used in conjunction with a mic in the bass drum, it will help reproduce all the frequencies of your bass drum."
http://www.explorersdrums.com/product1956.html





Yamaha Subkick SKRM100
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Antwort#11
GM Mikrofone sehen halt schöner aus. Und die Psychologie ist nicht zu unterschätzen: "Eine grosse Stimme braucht ein Grosses Mikrofon" - wenn das ein Performer glaubt, könnte er zum Beispiel mehr leisten.
Trotzdem setze ich Grossmembranen unter Nutzung des Proximityeffekts gerne für Sprecher ein im Bereich Synchronstimme/Hörspiel. Eine physikalische Begründung dafür habe ich nicht. Aber: besonders schön siehts aus, wenn durch das mattschwarze Grid bei geeigneter Studiobeleuchtung die goldbedampfte Membran schimmert. Auch noch echtes Gold, das kann ja nur gut klingen!
=:)
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Antwort#12
Was gerne von den Klassikern übersehen wird: Oft ist eben ein Mikrofon mit ausgeprägterem Eigenklang (und kein Mikro ist absolut neutral!) die bessere Wahl, weil es einer bestimmten Klangvorstellung entgegenkommt. Da ist die Frage nach "Neutralität" eigentlich überflüssig. Wenn in großen Studios sechs Mikros
vor einen Sänger gestellt und nach Klang ausgesucht werden wird wohl selten das neutralste Gewählt, sondern das, was am besten Gefällt.
Ich z.B. nehme ("U-Musik"-)Vocals meistens nicht mit KM auf, sondern mit einem C414 ULS (was wegen seiner Unauffälligkeit=Neutralität als Gesangsmikro eher unbeliebt ist, anders als U47/67/87 oder C12).
Bei einer Sopranistin war allerdings die Kleinmemnbranlösung (C480) in Klein-AB
deutlich im Vorteil. Vor Verallgemeinerungen und "Patentrezepten" sollte jeder Tonschaffende einen Bogen machen. Es gibt immer mehrere Wege ins Ziel zu kommen.
Für klassische Aufnahmen ist das sicher weniger von Belang. Kleinmembran und fertig.
Nicht weil sie besser sind, sondern neutraler.
Übrigens: Für den Preis eines Schoeps-KM bekommt man schon verdammt gute GM.
Gruß,
Christopher
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Antwort#13
Übrigens: Für den Preis eines Schoeps-KM bekommt man schon verdammt gute GM.
Das kann man auch umdrehen:
Für den Preis eines GMs bekommt man schon verdammt gute SCHOEPS.
:-))
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Antwort#14
Das kann ich auch:
Für den Preis eines Schoeps bekomme ich einen guten Outboard-EQ + ein klanglich
gleichwertiges KM-Mikro aus westeuropäischer Fertigung (AKG-Gefell-Haun o.ä.).
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Antwort#15
Hi,
übrigens: viele, viele Klassikaufnahmen mit Sängern verwendeten Grossmembranmikrofone für die Solisten.
Dirk
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Antwort#16
Viele Klassikaufnahmen mit Sängern verwendeten Grossmembranmikrofone für die Solisten.
Welche Grossmembranmikrofone waren es denn?
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Antwort#17
ein klanglich gleichwertiges KM-Mikro aus westeuropäischer Fertigung (AKG-Gefell-Haun o.ä.).
Welches AKG ???
BlueLine? C451 Nachbau? (Schon das alte Original ist greuselich!)
Bevor ich davon kaufe: Dann lieber ein B-5. Da bleibt sogar Geld für andere Geräte ...
Allenfalls C480 könnte ich in Erwägung ziehen.
Und so preiswert sind die "besseren" Microtech Gefell oder MBHO auch z. wieder nicht, daß
dazu noch gutes Outboard-Equipment abfällt.
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Antwort#18
Wenn Du einen dumpfen Saal hast freust Du dich über jedes 100stel dB Höhenanhebung eines mics....die CK1 (c451's nierenkapsel) hat schon ihre Berechtigung.
Die Blueline kann man vergessen.
Die c460/480 Serie sind ernstzunehmende mics die völlig unterbewertet sind...
Meiner irrelevanten Meinung nach.
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Antwort#19
Hallo Erdie

es sind ja schon von seiten der Physik her genügend Erklärungen gegeben worden zu Groß- und Kleinmembranmikrofonen. Und es ist in der Vergangenheit auch hier im Forum schon oft darüber diskutiert worden.
Die Behauptung daß Großmembranmikrofone für Gesang besser geignet seine als kleinmembranige entbehrt sowohl jeder physikalischen als auch jeder logischen Grundlage.
Deine Frage ""Was motiviert einen Profi dazu mehr Geld für ein Mikro auszugeben, bei dem die Nachteile überwiegen?"" hat in ähnlicher Form kein geringerer als Dr. Gerhard Boré an Jörg Wuttke mal bei einer privaten Unterhaltung gestellt. Zur Info, falls Du es noch nicht weißt: Dr. Boré war über 25 Jahre Chefentwickler für Mikrofone bei der Firma Georg Neumann und er selbst war alles andere als ein Schmalspurtechniker, sondern Dipl.Ingenieur UND (!) studierter Kirchenmusiker mit A-Examen! Ein Mensch also, der nicht nur Differentialgleichungen lösen konnte, sondern auch noch Partituren lesen und sie spielen konnte...
Und Jörg Wuttke ist Chefentwickler bei der Firma Schoeps.
Für Dr. Bore sind der Griff nach den Großmembranern nur Show! Er selbst hätte lieber nur kleinmembranige Mikrofone gebaut, aber das Markteting verlangte Große.
Ich mache auch in erster Linie Klassik- und Sakralmusikaufnahmen und habe in meinem Sortiment auch ein paar Großmembranige Mikrofone (U87, U89, SM 69fet und QM69). Aber die benutze ich ausschließlich da, wo die typischen Verfärbungen nicht auffallen, also in erster Linie bei Kontrabässen und Pauken, oder wo ich auf die Umschalbarkeit der Richtcharakteristik angewiesen bin. Das SM69 und das QM69 benutze ich meist nur der Bequemlichkeit halber (es sei denn ich brauche eine von den üblichen Formen abweichende Richtcharakteristik) und dann entzerre ich den Frequenzgang ganz enorm um die typischen Verfärbungen auszugleichen. Ansonsten benutze ich ausschließlich kleinmembranige Mikrofone von Neumann und Schoeps.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man im Bereich klassischer Musik mit großmembranigen Mikrofonen fast überhaupt nicht einem Sänger imponieren kann, die mögen es am liebsten, wenn sie vom Mikrofon gar nichts sehen.
Sieht man sich mal im Fernsehen Sendungen mit Klassischer Musik an, dann stellt man fest, daß sehr häufig die kleinmembranigen Schoeps-Mikrofone mit Standrohr verwendet werden. Ein großmembraniges sieht man dort fast nie.

MfG
Rainer
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Antwort#20
""Welches AKG ???
BlueLine? C451 Nachbau? (Schon das alte Original ist greuselich!)
Bevor ich davon kaufe: Dann lieber ein B-5. Da bleibt sogar Geld für andere Geräte ...
Allenfalls C480 könnte ich in Erwägung ziehen.
Und so preiswert sind die "besseren" Microtech Gefell oder MBHO auch z. wieder nicht, daß
dazu noch gutes Outboard-Equipment abfällt.""
Natürlich kommt da nur das C480 in Frage. Aber irgendwie kennen die Leute nur
Blueline und CK1, wobei letzteres so greuselig ja doch nicht war, OK, zuviel Höhen...
Zu den Preisen: C480 mit Kapsel oder ein MG M300 kosten ca. 650.-, ein KM184 700, EUR. Was kostet das "günstigste" Schoeps? Mind. 1000.- mit der MK4-Kapsel.
Hey, das ist ja billiger als ein KM140. (Staun!!)
Na gut, der Outboard-EQ ist dann eher ein Gebrauchter ;-)
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