Moin Rainer...
Die Behauptung daß Großmembranmikrofone für Gesang besser geignet seine als
kleinmembranige entbehrt sowohl jeder physikalischen als auch jeder logischen
Grundlage.
oder wo ich auf die Umschalbarkeit der Richtcharakteristik angewiesen bin.
Dass GM besser seien als KM sagt ja so pauschal auch keiner.
Drei Punkte möchte ich aber zu bedenken geben:
- Gesang heisst nicht immer klassischer Gesang. Und obwohl ich deine Haltung zu "Hörgewohnheiten" in der "U-Musik" (welch bescheuerter Begriff - als ob "klassische" Musik in _irgendeiner_ Hinsicht ernsthafter wäre als moderne...) kenne: es gibt sie! Sie völlig zugunsten höherer Ziele (welcher?) zu ignorieren heisst die Augen vor dem Markt und der Realität verschliessen.
- physikalische Argumente: Auch ein objektiver Nachteil (hier: weniger Linearität, mehr Verzerrungen) kann ein subjektiver Vorteil sein ("gefällt besser"), der sich nachher in durchaus objektiven Kriterien (mehr Aufträge, höherer Umsatz, zufriedenere Kunden) äußern kann.
- Logische Argumente: Da stimme ich dir nicht zu. Der Satz "Mit diesem (GM-)Mikrofon erziele ich leichter und ohne gravierende Eingriffe am EQ den gewünschten Klang" ist in meinen Augen ein durchaus logisches Argument FÜR ein GM (wenn es für den üblichen Kundenkreis zutrifft).
Merke: Für den Opernsopran ist ein Mikrofon bestenfalls nicht existent, höchstens noch ein Werkzeug. Für einen Rocksänger ist es ein Musikinstrument, auf dem er (wenn er gut ist) zu spielen vermag. Letzterer ist es gewohnt, mit scheusslichen "Messinstrumenten" (auf der Bühne im Regelfall schlimmst färbende dynamische Mikrofone) seine Stimme künstlerisch zu gestalten. Und dieser gewohnten Situation kommt ein GM im Studio meist näher als ein perfekt neutrales KM.
Aha. Das scheint also bei KM irgendwie nicht (vernünftig) zu gehen. Ich frage mich aber dennoch, inwieweit man "Fernumschaltbarkeit" wirklich braucht. Ich habe (da man die einzelnen Signale einer Doppelmembran ja nun wirklich nicht einzeln aufnehmen und erst beim Mix entscheiden kann, welche Charakteristik einem genehm ist) noch kein besseres Argument als "zu faul zum Laufen" gehört, was ein fernumschaltbares Mikro einem mit wechselbarer Kapsel begründet bevorzugt hätte. Ich lerne gern dazu, aber hier scheint mir doch öfters mal das hehre Ziel der Neutralität der banalen Bequemlichkeit geopfert zu werden - was der Argumentation nicht sehr zuträglich ist.
Jens