Hallo, ich bin mit meinem Begleiter auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zum Aufnehmen von Flügel mit Gesang. Nun hat sich in meinem Bekanntenkreis eine Möglichkeit aufgetan: Ein renovierter Fachwerkkotten bei dem die Diele geteilt und als Wohnraum ausgebaut wurde. Darin steht ein schönes Steinway Flügel. Der Raum ist aber eher von der Akustik trocken und länglich angeordnet. Weiterhin mache ich mir Gedanken, ob die Größe ausreicht um eine Badezimmerakustik zu vermeiden. Kann mir hier jemand ein paar Metriken liefern? Danke. Grüße Erdie
Entscheidende Frage: Kann der Sänger in der Kammer singen? Kann sich seine Stimme dort voll entfalten? Wenn das nicht ist, hilft auch hinterher kein Drüberstülpen von ektronischem Hall als Zuckerguss. Vorne wird die Musik gemacht und hier ist es in der Hauptsache der Sänger. In einem "Wohnzimmer" kann sich die Stimme eines Sängers niemals optimal entfalten. Da hilft auch das Wort "Kammer"-Musik" nichts. Der Sänger muss hier selbst entscheiden. Auch wenn du's bist. Ich würde mich hüten als Tontechniker solche Fragen zu beantworten, ob die Größe ausreicht um eine Badezimmerakustik zu vermeiden. Und auch solche Frage sollte man als Techniker nie beantworten: Kann mir hier jemand ein paar Metriken liefern? Das Ding geht sonst nach hinten los. Bei Gitarre oder einem Synthi-Spieler würde ich das eventuell beantworten, aber niemals bei einem klassichem Sänger! Hoffentlich wird das richtig verstanden. Hier ist ja so ein eigenartig empfindliches Völkchen.
Vielen Dank, ich habe immer gedacht, daß der Liveeindruck nicht 1 zu 1 auf das Aufnahmeergebnis zu übertragen ist, weil Mikrofone das Ereignis "anders hören" als die menschlichen Ohren. Insbesondere Kammfiltereffekte und Reflexionen sind für einen Menschen der live zuhört weniger ein Thema als es bei einer Aufnahme der Fall sein könnte. Von da her kann ich mir schon vorstellen als Sänger den Eindruck zu habe, daß die Stimme gut rüberkommt und die Aufnahme kingt trotzdem wie aus der Blechbüchse weil z. B. das Delay der Erstreflexionen zu kurz ist. Ist das richtig? Als Sänger bin ich schon erfahren, als Tontechniker eher weniger. Es könnte ja sein, daß es so Faustregeln gibt wie viel Abstand man von den Wändern haben sollte etc. Grüße Erdie
Wenn der Sänger seinen idealen Widerhall im Raum empfindet und somit sein Bestes geben kann, dann muss der gute erfahrene Tontechniker dort mit einwandfreien Aufnahmegeräten (nicht China-Ware) und nicht Großmembranmikofonen eine gelungene Tonaufnahme hinkriegen. Wenn er das nicht kann, dann muss er eben noch lernen. (Um mich hier mal ganz vorsichtig auszudrücken, auch wenn mir Deutlicheres auf der Zunge liegt.)
Wenn der Sänger seinen idealen Widerhall im Raum empfindet dann muss der gute erfahrene Tontechniker dort mit einwandfreien Aufnahmegeräten (nicht China-Ware) und nicht Großmembranmikofonen eine gelungene Tonaufnahme hinkriegen.
Ja und? Seit wann wird jetzt der subjektive Eindruck des Sängers als das Nonplusultra angesehen? Und sonst über die Unfähigkeit von klassischen Künstlern gemeckert, weil die von Aufnahme eh nichts verstehen. Der Sänger muss sich wohl fühlen klar. Aber das ist und bleibt subjektiv. Wetten, dass Leute wie Ebs, Rainer, und wer noch alles hier professionelle Klassikproduktionen macht auch mit Chinamikros und einem Fostex-Homestudio Aufnahmen hinbekommen, die von der Mehrzahl der Konsumenten und Künstler nicht von denen unterschieden werden kann die mit Neumännern und vergleichbar hochwertigen Rest gemacht worden. Natürlich hören sie im Vergleich den Unterschied, aber im Ergebnis? Wenn ich mir so manche(!) Klassikaufnahme anhöre...da kommt einen das kalte Grausen . Mumpfig, rauschig etc.
Wenn er das nicht kann, dann muss er eben noch lernen. (Um mich hier mal ganz vorsichtig auszudrücken, auch wenn mir Deutlicheres auf der Zunge liegt.)
Lieber Ahmed, vielleicht war meine Frage grundsätzlich etwas naiv aber ich habe manchmal den Eindruck, dass sich bestimmte Leute provoziert fühlen wenn man als Musiker zugibt sich selbst aufzunehmen. Mich hat nur interessiert, ob es allgemeingültige Bedingungen für die Aufnahmen gibt, die eine Vorabbeurteilung zulassen. Eine Antwort hätte sein können: Nein oder Ja etc. Du schreibst das muß ich hinkriegen und wenn nicht, muß ich noch lernen. Da kann ich nur sagen: "Super Antwort, danke, hat mir sehr geholfen" Du sagst implizit, daß mit Chinaware keine brauchbaren Ergebnisse zu erzielen sind obwohl es gar nicht um die Frage ging. Daß Du mir "Chinaware" unterstellst, läßt Rückschlüsse auf Deine persönlichen Vorurteile mir gegenüber zu, da ich mich zuvor als nicht-professioeller Tontechniker geoutet hatte. Da wir schonmal dabei sind unsere persönlichen Ansprüche als notwendiges Muss auf andere zu übertragen, werde ich Dir in meiner Erfahrung und meinem Wissen als Physiker folgenden Tipp geben können: Wenn Du nicht vor jeder Aufnahme die Luftzusammensetzung des Aufnahmeraumes mit einem Quadrupol - Massenspektrometer ermittelt hast, wirst Du nie in der Lage sein, verläßlich qualitativ hochwertige Aufnahmen machen zu können. Wie willst Du wissen, wie hoch die Schallgeschwindigkeit bei gegebener Temperatur, die Dämpfung und die Dispersion des Mediums Luft während der Aufnahme ist? Was?Du hast kein Massenspektrometer? Dann verkauf besser Deine Mikrofone und such Dir einen sicheren Job - Tontechnik ist zu hohes Risiko, zu hohe physikalische Unwägbarkeiten bei der Aufnahme. Alle anderen netten und hilfsbereiten Menschen, die ich in diesem Forum kennengelernt habe, bitte ich um Entschuldigung. Ich hoffe Ihr versteht, was ich damit sagen wollte. Grüße Erdie
Hallo Erdie, ich kenne nur deinen Thread mit diesem Betreff von Anfang an. Du tust mir sehr unrecht, wenn du jetzt einwirfst "wenn man als Musiker zugibt sich selbst aufzunehmen". So etwas seltsames kann ich doch nicht ahnen. Du musst wohl Probleme haben. Ich habe nur intensiv für den Sänger gespochen. Meine Aufnahmetätigkeit betrifft Gesangsaufnahmen mit hochkarätigen Persönlichkeiten, denen ich nie bei Kammermusik eine Kammer anbieten könnte. Die Räume suchen sich die Künstler selber aus oder ich weiß, dass sie in diesen großen Konzertsälen schon gesungen haben. Die Lust vergeht einem hier etwas zu schreiben. Ich glaube ich bin hier falsch.
Hallo Ahmed, ich bin Musiker weil es mir Spaß macht Musik zu machen - und das schon fast mein Leben lang. Ich weiß auch sehr gut die Qualität einer Lokation als Sänger zu beurteilen. Ich weiß aber nicht, ob meine subjektive Beurteilung der Raumakustik sich mit den tontechnischen Anforderungen eines professionellen Tonmeisters deckt. Die künstlerische Perspektive ist die eine, die technische die andere Seite. Ich nehme mich selbst auf, weil ich es öfters und immer wieder machen möchte. So oft würde es sich kaum jemand leisten können, ein professionelles Studio zu bezahlen. Außerdem macht mir auch das Aufnehmen Spaß. Wenn es an der Zeit ist, werde ich trotzdem einen Profi bezahlen und von dem erwarten, daß die Aufnahme besser wird als meine eigene. Als ich neulich ein einem anderen Forum eine Frage stellte, mußte ich mir ein Statement anhören, das lautete: "Ich habe noch nie einen Sänger erlebt, der sich selbst aufnehmen kann ... " Diese und ähnliche Erfahrungen machen leider mistrauisch und erwecken den Eindruck, daß man nur im Besitz eines Arsenals von Neumännern u. ä. und als Vollprofi als Diskussionspartner erstgenommen wird. Seitdem kann ich nicht andern als zwischen den Zeilen zu lesen. Ich versuche mit den Möglichkeiten, die ich habe, das beste herauszuholen und mehr nicht. Wenn ich Dich falsch verstanden habe möchte ich mich hiermit entschluldigen - Du scheinst Dich aber zumindest etwas ungeschickt ausgedrückt zu haben, sonst wäre das nicht passiert. Es wäre schön, wenn Du nicht nicht die Lust verlierst hier etwas zu schreiben, denn ich vermute ich kann sicher etwas von Dir lernen ;-) BTW: Ein Problem habe ich allerdings nicht. Grüße Erdie
In einem Wohnraum wird man kaum eine Aufnahme von klassischem Gesang mit Klavierbegleitung hinbekommen. Natürlich kann man Sänger und Instrument sehr nah einzeln abnehmen und versuchen, später ion einer Bearbeitung mit Hall u.ä. irgend etwas hin zu biegen. Bei klassischer Musik findet eine Mischung im Raum statt. Dies erfordert leider eine gewisse Größe, die weit über ein Wohnzimmer hinaus geht. An Deiner Stelle würde ich mir lieber die Mühe machen, ob nicht ein Veranstaltungs- saal mit passender Akustik zu finden ist, in dem ein guter Flügel steht. Je nach Anspruch an die Aufnahme ist auch die Investition in die Saalmiete und Stimmung für das Instrument eine lohnende Investition. Manchmal findet man auch in Kirchengemeinden passende Säle. Nur wenn es darum geht, den Probenstand zu dokumentieren, mag ein Wohnraum ausreichen.
moin! "ginge ich über´s wasser würden meine kritiker sagen: nichtmal schwimmen kann er" ein bad wird wie ein bad klingen, ein gutes wohnzimmer wird wie ein gutes wohnzimmer klingen, ein guter konzertsaal wird wie ein guter konzertsaal klingen und eine schlechte halle wird schlechter klingen als ein gutes wohnzimmer. keiner der hier schreibt kennt dieses wohnzimmer. also ist die einzige aussage die getroffen werden kann: "vermutlich wird es wie in einem wohnzimmer aufgenommen klingen." wie groß ein raum sein soll musst du selbst entscheiden. denn nur du weisst wie es klingen soll.
ich hab mich mit meiner frau über das thema unterhalten. sie ist fotografin und sagt. natürlich kann man mit ner digiknipse schöne motive und bildausschnitte fotografieren. aber die farben stimmen nicht die linse verzerrt und die auflösung ist nicht gut genug um das groß aufzuziehen. aber für 13x18 reichts, man hat nur mehr aufwand bei der nachbearbeitung. (ich bin immerwieder baff erstaund wieviele parallelen es zur fotografie gibt.) das man dieses "foto" das man in diesem wohnzimmer macht nicht bei einem großen verlag unterbringen wird sollte dir und allen anderen klar sein. daher erübrigt sich auch dieses elende rumgezicke ala "wenn du´s nicht gleich in der philharmonie hingrigst werd taxifahrer". wer nicht bereit ist sein wissen zu teilen sollte sich vieleicht besser einen anderen zeitvertreib als ein forum suchen. man kann einem newbie natürlich den weg in ein entsprechendes forum weisen. in der zeit hat man aber oft auch die frage beantwortet. und den zusatz "für weitere fragen nutze bitte erstmal die suche" dazugeschrieben. im endeffekt speichern wir zeit. wenn die zeit ist in wohnzimmern aufzunehmen tu dies, es macht keinen sinn etwas garnicht zu machen nur weil nicht die perfeckten mittel vorhanden sind. der große vorteil ist das man dann, wenn die mittel da sind, die gröbsten fehler schon gemacht hat. fühle dich frei zu experimentieren, viel spass, und denk an die gute flasche rotwein für die bewohner der wohnung.
Als Sänger kann ich mich mit meinem Stimmvolumen im Wohnzimmer nicht voll entfalten. Das wird nichts. Da braucht man deshalb schon keine Mikrofon hinzustellen, wenn's ne richtige Aufnahme werden soll. Warum wird immer die Technik für das Wichtigste gehalten? Wenn die Stimme "nicht kommt", ist es das nicht wert, aufzunehmen.
Der Raum hat schon so ca. 80 qm, ist also für Wohnraumverhältinisse uberdurchschnittlich groß - sonst hätte ich Euch erst gar nicht gefragt. Ich werde das einfach mal (als Sänger) testen und nach meinem Empfinden beurteilen. Wenns gut kommt, werde ich eine Aufnahme probieren. Wenn mir die Aufnahme gefällt, werden ich einen Ausschnitt hier später posten, falls es Euch interessiert. Danke Erdie
Danke Jeff, ich werde einfach nach meine Intuition entscheiden. Ich habe auch schon einiges aus dem gelernt, was Du geschrieben hast. Den Vergleich mit Fotografie habe ich in Gedanken auch schon gehabt. Man sagt ja : Ein gute Fotograf kann mit einer einfachen Kamera künstlerisch gute Bilder machen - Eine Highendkamera macht aber noch lange nicht aus einem schlechten Fotografen einen guten Fotografen. Vielleicht schaffe ich es ein guter Fotograf mit einer "normalen" Kamera zu sein. Damit wäre ich erstmal glücklich. Inzwischen denke ich, daß meine Frage etwas zu naiv gestellt war - bitte um Nachsicht ;-) Grüße Erdie