Hallo, Ich möchte in näherer Zukunft ein Seminar anbieten, in dem Laien, Quereinsteiger etc. Grundlagen der Audio und Beschallungstechnik vermittelt bekommen sollen (theoretisch und praktisch). Zunächst möchte ich das im modernen kirchlichen Umfeld probieren (hab da schon ne Anfrage), da hier in Gottesdiensten oder Konzerten oftmals kleinere "Musikteams" bzw. Bands spielen die aber schon gehobenen Anspruch (und auch gehobene Qualität) mitbringen, dann aber auf nicht ansatzweise ausgebildete "Tontechniker" stossen, die technisch und /oder musikalisch mit der Situation überfordert sind. Das Seminar soll zunächst Grundlagen vermitteln (Wie funktioniert ein Mikrofon, Lautsprecher, Raumakustik...), und dann auch praktische Erfahrungen vermitteln (Mikrofonauswahl, Frequenzgang und Abstrahlverhalten von Instrumenten, Effektgeräte...). Das technische Wissen hierzu ist meinerseits wohl einigermassen vorhanden (aus Studium, eigener Erfahrung und Literatur). Nach erklärender Vorrede nun die Anfrage ans Forum: Hat jemand Erfahrungen mit solchen Seminaren gesammelt, bzw. gibt es hierzu Literatur bzw. Manuskripte an denen ich mich in der Vorbereitung langhangeln kann. (z.B Didaktischer Aufbau solcher Seminare, technische, Literatur, Instrumentenkunde...) Danke schon mal Matthias
Hallo Matthias! Dies sind alles Seiten über Aufnahme- und Tontechnische Grundlagen, bzw. Vertiefung (besonders Letztgenannte) und keine Anleitungen für Seminare. Ich hoffe, dass sie dir dennoch weiterhelfen. Naja, und ansonsten halt mal Googlen!
Hallo Matthias, ich habe schon mehrfach versucht, Grundlagen an interessiert Menschen weiterzugeben. Ich habe festgestellt, das die meisten mit Theorie überfordert sind. Für Anfänger fange ich deswegen immer sofort mit der Praxis an. Die meisten Musiker, Toninteressierte haben ja Instrumente oder Anlage. An dem eigenen Equipment der Musiker läßt sich am besten üben. Ich gehe in etwa wie folgt vor: 1. Planung: Was seid ihr für Musiker, wie ist der Raum, was muß die Anlage bringen, gibt es Strom (auch in der richtigen Ausführung), gibt es Störquellen die Ärger machen können. 2. Aufbau: Wie schafft man es am besten als Team zu funktionieren, welche Aufgaben kann wer am besten erledigen, wo kommt welches Teil hin und warum. Warum sollten Kabel vernünftig verlegt sein. Wie schafft man es den großen Knoten in der Kabelkiste in einen Zustand von Ordnung zu versetzen. 3. "Soundcheck": Was wollt ihr für einen Klang, wer muß überhaupt verstärkt werden, warum benutzt man Mikrofon A für Gesang, warum Mikrofon B für Schlagzeug, was ist eine Rückkopplung, wie vermeide ich Rückkopplungen (wenn das nicht geht: wie schaffe ich es das Publikum davon zu überzeugen das die Feedbackparty beabsichtigtist), warum müssen Sänger das Mikro immer vor den Monitor halten, wer braucht einen Monitor, warum sollte ein Keyboarder IMMER seinen eigen Bühnenamp mitnehmen, ..... 4. "Live-Situationen": Warum muß der Mischermann wissen wo die Sicherungen sind? Wann kann das Mixpult an der Bühne stehen, wann sollte es im Publikum stehen, wie funktionieren Kompressoren, Limiter, Noise-Gates, warum sollten auch 98% der Sänger live einen Kompressor benutzen. 5. Zusammenfassung nach einem gelungenen oder auch mißlungenen Probekonzert: Was haben die Musiker Techniker gelernt, warum ist es besser das sich jeder selbst aufschreibt, was für ihn wichtig ist. Gruß M. Hein
Hallo Matthias! Zwei kleine (zwar fachunspezifische) Hinweise: Du schreibst in Deinem Text von:
einigermassen stossen
und später von Die neue Rechtschreibung kennt auch noch das "scharfe S". In diesen beiden Fällen wäre es korrekt mit "ß" geschrieben, denn wenn vor dem "ss" ein langgesprochener Vokal auftritt, kommt "ß". Ich hoffe keine Rechtschreibdiskussion auszulösen und auch nicht "das gehört nicht hierher" - ich wollte es Dir nur sagen. Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen... Herzliche Grüße (auch noch mit "ß", übrigens auch Straße - das wird oft falsch "Strasse" geschrieben!), Hermann
Hallo M. Hein, ja, so ist das wohl. Übrigens habe ich beim Lesen deiner Tipps auch an die Leute gedacht, die schon länger dabei sind - und auch an mich ... ;-) Viele Grüße Frohe Ostern Wolfgang
Danke Wolfgang!! .... gleichfalls frohe Ostern! Bei uns in Norddeutschland ist leider alles verregnet, ich hoffe der Rest der Republik hat mehr Glück mit dem Wetter. Gruß M. Hein
"Mit Theorie überfordert - Für Anfänger fange ich deswegen immer sofort mit der Praxis an." Ich habe immer wieder Bauchschmerzen, wenn ich höre, daß zwischen den angeblichen Gegensätzen Theorie und Praxis unterschieden wird. So nach dem Motto: Wie müssen nicht wissen, wie man Eishockey spielt, sondern wir hauen mal ordenltich drauf. Ohne die Theorie, d.h. eine adäquate Darstellung dessen, was man vermitteln will, kommt man nicht zu Potte und es bleibt beim Gebastel.
Gerade die geschulten Tonverantwortlichen betonen ja doch immer wieder, daß man nicht mit Standardformeln und Kochrezepten arbeiten kann, daher ist ein Grundverständnis der gesamten Materie nötig, um neue Situationen erfassen und einordnen zu können und dies erfordert eine gesamtumfängliche Darstellung des Möglichen samt passender theoretischer, formeller Beschreibung- z.B. per Mathematik. Sicher kann man exemplarisch eineige reale Anordnungen (Mikrofonaufstellungen, mischpulteinstellungen ) durchgehen, mal was aufbauen und in Betrieb nehmen. Diesen Ausschnitt der Realität wird aber der Laie niemals auf SEINEN neuen, ihm unbekannten Anwendungsfall übertragen können, auch wird er Problem haben, dieses praktisch Erfahrene in den Gesamtkontext einzuordnen. Was also bringts? Anders formuliert: Man kann jemandem zwar vorvollziehen, daß er für seine Erbensuppe in seiner Situation hier und heute einen bestimmten Löffel benutzen muss- was für einen Löffel er aber morgen benutzen muss, daß kann er ohne Grundverständnis nicht wissen - auch nicht, wenn er sich das beispielhaft Erfahrene in Erinnerung ruft. Transferleistung heisst hier das Stichwort! So wird am Ende immer derselbe Löffel benutzt, die gleiche Mixereinstellung verwendet und die gleichen Geräte in die Signalkette eingeschleift. Das Ende ist dann die Frage, WIE man den Kompressor bei Sopranaufnahmen einsetzen muss, nicht OB man ihn einsetzen muss. Die Frage lautet ferner, WELCHES Grossmembranmikro man vor das Klavier stellt und WO das 90Grad-XY-Stereomikrofon, das man bei dem Orgelkonzert benutzt hat denn bei Gospelchören stehen soll. Haben wir nicht genug theorielose Praktiker?
Hallo Ich bin zu 100% mit dir einverstanden. Trotzdem - weil es mich gerade juckt - noch als Ergänzung: ->Haben wir nicht genug theorielose Praktiker? Es gibt auch genug praxislose Theoretiker
Smile wrote: Es gibt auch genug praxislose Theoretiker. Das Wort "genug" ist hier anzuzweifeln. Aber die Anzahl der theorielosen Praktiker ist weit größer als die der theorielosen Theoretiker. Da sind alle diese schrecklich vielen Dummies und die die es gar nicht selbst bemerken.
so. Und jetzt nehmen wir noch ein paar praxislose Praktiker und dann wären wir komplett! :)
—————————————————————————————————————— Was sagt ein arbeitsloser Tontechniker zu einem Tontechnikerkollegen, der Arbeit hat? ............ "Einmal Bigmäc und ne Cola!"
Liebe Forenmitglieder & -innen, es läßt sich trefflich darüber fabulieren was wohl zuerst da war: Die Henne oder das Ei! Ich stehe zu meinem Ansatz, zuerst die praktischen Grundlagen zu vermitteln. Erst wenn ich während meiner praktischen Arbeit Fehler mache, beginne ich mein Tun zu hinterfragen. Leider oder zum Glück verfügen nicht alle Menschen über die Zeit, Muße und den IQ sich alles vorher genau und mathematisch korrekt zu erfassen. Ihr solltet euch auch einmal fragen, welche Menschen denn die Bücher schreiben, aus denen ihr euer Wissen bezieht, die Theoretiker oder die Praktiker? Zum Glück hat der Schöpfer dieser Welt wohl ein bißchen "Fuzzy-Logic" auf die Erde gestreut, um unser Leben abwechslungsreich zu gestalten. Gruß M. Hein
Hein fragt: Welche Menschen schreiben die Bücher, aus denen wir das Tontechnik-Wissen beziehen, die Theoretiker oder die Praktiker? 1. Schrecklich wären wirklich Tontechniker-Bücher, die von reinen Theoretikern geschrieben sind: Lösungen der Wellengleichung und der Schallintensität mit der Schallleistung. 2. Schrecklich wären wirklich Tontechniker-Bücher, die von reinen Praktikern geschrieben sind: Kochbücher für 6,3 mm-Klinken-Stöpsler. Antwort: Weder reine Theoretiker noch Praktiker sind gute Tontechnikbücherschreiber.
Hallo, danke schon mal für die Infos. Ich werd wohl mal was zusammenstellen (so mit Grundlagen für Unwissende mit knoff hoff showmäßigen Anschauungsbeispielen und viel Praxis), und das an einigen willigen Opfern in meinem Umfeld kostenlos ausprobieren :) Mal schauen, was da so an Reaktionen kommt... Für weitere Infos bin ich trotzdem dankbar. Matthias