Neuer Thread: Kombinierter Schalter

Erstellt 15 Antworten16 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich bitte freundlich um Nachsicht, aber alle Statements im alten Thread gehören in die Kategorie "Thema verfehlt".
Es gibt Mikrofone, bei denen zwei getrennte Schalter vorhanden sind, um
a = Schalter 1) den Nahbesprechungseffekt zu mildern oder den Bass-Cut zu aktivieren oder um den Hochpass einzuschalten
b = Schalter 2) zur Vermeidung der Übersteuerung des nach der Kapsel folgenden Mikrofonverstärkers ein Dämpfungsglied von meist -10 oder -15 dB vorzuschalten.
Zum Beispiel: AKG C4000B

Und es gibt Mikrofone, bei denen die Funktionen wechselweise mit EINEM Schalter wählbar sind, also:
Schalter entweder -10 dB Vordämpfung ODER Hochpass, z. B. bei einem Studio Projects B3 (es gibt auch andere Mikrofonen mit diesem Konzept).
Ich bitte NUR um Beantwortung der Frage:
Gab oder gibt es einen plausiblen Grund dafür, den Tonverantwortlichen sich für Tiefenabsenkung ODER Gesamtpegelabschwächung entscheiden zu lassen?
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Antwort#2
Gab oder gibt es einen plausiblen Grund dafür, den Tonverantwortlichen sich für Tiefenabsenkung ODER Gesamtpegelabschwächung entscheiden zu lassen?
Ja, man spart einen zweiten Schalter. Das gehört eben zur Gewinnmaximierung. Wenn das nicht plausibel ist!
Bei Neumann-Mikrofonen gibt es zwei Schalter.
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Antwort#3
Es gibt noch einen plausiblen Grund:
Einsatz von Tiefenfilter und Pegelabsenkung gleichzeichtig wird in der
Praxis kaum Notwendig sein. Beim absolutem Close-Miking wird meistens sowieso
noch ein EQ zu Rate gezogen werden müssen.
Technisch richtig geschickt gelöst ist
das darüber hinaus erst mit seperaten HPF-Modulen, die zwischen Kapsel und Verstärker (bei Modularsystemen) geschraubt werden - s. Schoeps -
damit Störfrequenzen noch vor der ersten Verstärkung eliminiert werden.
Vielleicht kann das jemand anders noch näher erläutern.
Im übrigen sind "Pad"-Schalter an Mikrofonen in der Praxis gar nicht sinnlos:
Vor zahlreichen "Padless"-Design-Preamps leisten
solche Vorrichtungen speziell beim Schlagwerk segensreiche Dienste.
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Antwort#4
Ja, man spart einen zweiten Schalter.
Das gehört eben zur Gewinnmaximierung.
Wenn das nicht plausibel ist!
Da kommt in der Serienproduktion einiges zusammen! ;-)
Ein billiger Schalter, zusätzliche Bohrungen/Ausfräsungen,
höherer Entwicklungsaufwand für das (Platinen-)Layout, ...
Bisher bin ich allerdings noch nie (bei "E"-Produktionen) in
die Situation gekommen, wo ich die Optionen HP oder PAD
vermißt hätte. Bei Billigmikrofonen halte ich diese Features
für schlichte Verkaufsargumente, bei guten Schallwandlern
erwarte ich einen vernünftigen HP-Filter, der Infraschall im
Mikrofon unterdrückt. (Wie bei Schoeps, wo unter 30 Hz
abgesenkt wird.)
Wird eine Kompensation des Nahbesprechungseffektes nötig,
wähle ich lieber passende Kapseln oder Mikrofone. Wo aus
Kostengründen nur ein Schalter eingesetzt wird, wird sicherlich
auch bei der Auswahl der Kondensatoren für die Baßabsenkung
und den PAD² gespart. Man braucht nur in den Datenblättern für
Kondensatoren nach dem Toleranzfeld zu schauen und weiß, wie
präzise der Einsatzpunkt des HP bzw. die -10 dB Dämpfung sind
- insbesondere wenn Mikrofone als paarweise eingestetzt werden.
²(Die Absenkung des Ausgangspegels (PAD) wird gewöhnlich
durch einen Kondensator erreicht, der der Kapselkapazität parallel
geschaltet wird.)
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Antwort#5
Vielleicht interessiert es jemanden, wie man die Absenkung des Mikrofon-Ausgangspegels (PAD) erreicht, was eigentlich bedeutet:
Wie kann man den Grenzschalldruckpegel bei Mikrofonen erhöhen?
Neumann-Ingenieure plaudern über die verschiedenen Möglichkeiten dazu. Man wird sich wundern, dass das durch Absenkung (!) der "Vorspannung" (Polarisationsspannung) möglich ist.
http://www.sengpielaudio.com/AenderungDesGrenzschalldruckpegelsBeiMikrofonen.pdf
Viele Grüße
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


Änderung des Grenzschalldruckpegels bei Mikrofonen
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Antwort#6
Man wird sich wundern, dass das durch Absenkung (!) der
"Vorspannung" (Polarisationsspannung) möglich ist.
[Link zu ebs-Internetseite]
Nicht wirklich, denn in jedem Doppelmembranmikrofon mit
umschaltbarer Richtcharakteristik wird diese Variante eingesetzt:
Die vordere Kapsel wird mit voller Vorspannung betrieben, die
Richtcharakteristik wird über Änderung der Höhe (und Polarität,
je nach Schaltungskonzept) der rückwärtigen Kapsel/Membran
geschaltet.
Außer der Variante "Umschalten der Polarisationsspannung" findet
man eigentlich alle aufgeführten Varianten in Mikrofonen jeden
Baujahres und Herstellers.
Als leichter Schlag auf den Hinterkopf eine lesenswerte Zusammen-
stellung. So naheliegend die Umschaltung der Polarisationsspannung
auch ist, man muß erst einmal darauf kommen.
Scheinbar haben selbst die Entwickler von Neumann dafür gebraucht. ;-)
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Antwort#7
Hallo Juppy,
Danke.
Die vordere Kapsel wird mit voller Vorspannung betrieben, die
Richtcharakteristik wird über Änderung der Höhe (und Polarität,
je nach Schaltungskonzept) der rückwärtigen Kapsel/Membran geschaltet.
In diesem Blatt findet man die Spannungsänderung zum
Doppelmembran-Kondensatormikrofon mit umschaltbare Richtcharakteristik:
http://www.sengpielaudio.com/DoppelmembranKondensatormikrofon.pdf
Das ist nicht für Juppy, der kennt das. Das soll für
wissbegierige Tontechniker sein. Man beachte, dass die
eine Membran der Breiten Niere mit der inphase Rückwärtsdämpfung
von 9,5 dB nicht auf "halber" Spannung liegt, wie die Hyperniere
mit der verpolten Rückwärtsdämpfung von genau "6" dB.
Siehe auch:
http://www.sengpielaudio.com/RichtcharakteristikBreiteNiere.pdf
http://www.sengpielaudio.com/UnterschiedHyperniereSuperniere.pdf
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


Doppelmembran-Kondensatormikrofon - umschaltbare Richtcharakteristik
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Antwort#8
Ich halte nicht viel von den Schaltern zur Absenkung der Empfindlichkeit. Wie Jörg Wuttke (Schoeps) schon schreibt, ist dies ein Relikt aus grauer Vorzeit, was heute nicht mehr notwendig ist, denn die heutigen Mikrofone vertragen durchaus Schalldrücke bis 130...140 dBSPL und mehr.
Das Problem dabei ist nämlich, daß beim Abschwächen der Empfindlichkeit zwangsläufig auch das Rauschen des Mikrofon um den selben Faktor größer wird. Gerade beim Neumann U87 wird dies besonders deutlich.
Anders sieht es aus bei den Schaltern zur Tiefenabsenkung: Kompensation des Naheffekts kann erwünscht sein, aber auch Trittschallunterdrückung direkt am Gate des ersten FET im Mikrofon vorzunehmen ist eigentlich die beste Lösung, denn dann wird der Trittschall von vornherein aus dem Übertragungsweg herausgehalten. Trittschallfilter im Mikrofonverstärker im Mischpult sind nicht die wahre Lösung, weil der Trittschall immer erst mal in den Verstärker kommt und diesen unnötig aussteuert.
Über dieses Thema gab es mal vor längerer Zeit einen eigenen Thread.

MfG
Rainer
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Antwort#9
http://www.sengpielaudio.com/DoppelmembranKondensatormikrofon.pdf

Das ist nicht für Juppy, der kennt das.
Ich habe mir erlaubt, es mir trotzdem anzuschauen. ;-)
Als Ergänzung sei angemerkt:
(Siehe auch den Schaltplan eines AKG C12, Quelle: www.danalexanderaudio.com)
Viele Röhrenmikrofone arbeiten mit einer Hochspannung von 120 V. Diese Spannung wird
auch für die Polarisation der Kapsel benutzt. Ein Spannungsteiler aus zwei Widerständen
erzeugt die halbe Spannung von 60 V.
(Im C12: R12, R13, die 120 V für die Anodenspannung liegen auf Pin 5 aller Stecker)
---
ACHTUNG:
Beim SCHOEPS M221 gibt es zwei Ausführungen von Kapseln: solche mit 60 V wie auch
welche mit 120 V Polarisationsspannung. Wer ein Modulsystem auf Basis des M221 mit
mehreren zusammengekauften Kapseln betreiben möchte, sollte dieses System zu
SCHOEPS einschicken und die Kompatibilität von Kapseln und Verstärkern überprüfen
lassen. (Nach all den Jahren ist eine Inspektion sowieso sinnvoll.)
Ein Betrieb einer "Hochvolt"kapsel an einem "Niedervolt"M221 ist unproblematisch, nur die
Empfindlichkeit ist geringer. "Niedervolt"Kapsel an "Hochvolt"M221 kann zur Zerstörung der
Kapsel führen!
Ursprünglich wurde - meines Wissens - die M221A-Serie mit hoher Polarisationspannung
betrieben, Auf Kundenwunsch wurden einige "Mischformen" produziert, um die mechanisch
nicht zueinander passenden A- und B-Serien mit einander zu betreiben.
Ich habe selber zwei M221F (also M221B), die bis zum Umbau auf M221B durch SCHOEPS
mechanisch für den Betrieb mit Kapseln derA-Serie ausgelegt sind. Auch die umgekehrte
Varianten ist im Umlauf.
---
Bei umschaltbaren Doppelmembranmikrofonen werden diese 60 V auf die gemeinsame
Elektrode beider Kapseln gelegt. Die vordere Membran liegt fest auf 0 Volt, die
Polarisationsspannung der hinteren Membran wird mit U2 (externer Schalter mit
Widerstandsnetzwerk R21 - 29) zwischen 0 V (Kugel) und 120 V (Acht) umgeschaltet und
über Pin 3 (aller Steckverbinder) auf die hintere Membran geleitet.
Es sei auch auf den Schaltplan des AKG C12A verwiesen: Einfacheres Konzept (Umschaltung
am Netzteil), aber alle beschriebenen Komponenten wieder zu finden:
www.danalexanderaudio.com/Micpics/AKG/c12a.jpg



http://www.danalexanderaudio.com/Micpics/AKG/c12a.jpg
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Antwort#10
...aber alle Statements im alten Thread gehören in die Kategorie "Thema verfehlt".
Nicht wirklich alle!
Gruß
Martin
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Antwort#11
Widerspruch:
Gerade wenn man sehr nah ran geht, ist es sehr laut UND der Proximity-Effekt kann gleichzeitig stören.
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Antwort#12
Bei den hochpegeligen Proximity-Tiefen freut sich bestimmt nicht der kleine Eingangsübertrager am Mischpult.
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Antwort#13
und genau deswegen bruacht man dann BEIDE Schalter
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Antwort#14
""Widerspruch:
Gerade wenn man sehr nah ran geht, ist es sehr laut UND der Proximity-Effekt kann gleichzeitig stören.
Bei den hochpegeligen Proximity-Tiefen freut sich bestimmt nicht der kleine Eingangsübertrager am Mischpult.
...und genau deswegen bruacht man dann BEIDE Schalter""

Das mag ja in einem theoretischem Szenario (warum überhaupt "kleiner Eingangsübertrager" - mit was für Pulten arbeitet ihr denn??)
auftreten, Fakt ist:
Beide habe ICH noch nie gebraucht. Nicht selten sind Schalldruckstarke
Instrumente bassbetonte Instrumente (z.B.: Druckempfänger in Bassdrum),
da werde ich wohl keinen Lowcut brauchen. Den Lowcut brauche ich aber z.B.
bei Blechbläsern auch nicht, weil solche Frequenzen erst gar nicht erzeugt
werden, da nehme ich dann lieber einen regelbaren HPF am Pult und evt. sowieso zusätzlich noch eine Spinne.
Was anderes wären Windgeräusche z.B. bei Sprachanwendungen, da ist der HPF am Mikro sehr sinnvoll, andererseits werden die 120-140 dB ohne PAD in jedem
Fall reichen.
Gleichwohl: Schöner fände ich schon zwei Schalter an meinen C460/480, nur:
mein KM140 hat gar keinen HPF an Bord. Soweit zum Thema Neumann.
So what?!
Gruß,
Christopher
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Antwort#15
Hallo Martin,
Du hast recht, ich bitte um Entschuldigung.
Ich habe heute sowohl mit Herrn Wuttke als auch mit Herrn Haun über das Thema gesprochen. Es gibt keinen tieferen technischen Grund für die Zusammenfassung in einem Schalter. Fertigungstechnisch spart man allerdings eine weitere (abzudichtende Gehäuseöffnung), auch das Platinendesign ist (lt. Haun) u. U. einfacher.
Ev. kommt zum Tragen (lt. Wuttke), dass bei Zuschaltung des Hochpasses zwangsläufig der übetragene Gesamtpegel etwas geringer wird und somit der Dämpfungsschalter verzichtbar wird (den er, das hat er nochmal betont, für verzichtbar hält).
Gruß
Uwe


Recording
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Antwort#16
Speziell bei Blechbläsern im Live-Betrieb nehme ich den Low-Cut grundsätzlich, denn die stehen in der Regel auf einer Holzbühne und der eine oder andere stampft schon mal mit dem Fuß mit. Zwar schluckt die Spinne das meiste, aber halt nicht alles. Zusätzlich den Low cut am Pult aktiviert steigt die Filtersteilheit der gesamten Kette, was die ganze Übertragung noch weiter optimiert.
Martin
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