Loudness race + Over compression

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
Aus: de.rec.musik.hifi "Immer mehr Wind gegen Over compression"
Schaut man bei Google nach "loudness race" oder "over compression" dann tauchen immer mehr Berichte zu diesem Thema auf.
Es gab hier mal den Thread "Überlaute CDs, oder warum vermisst niemand die
Dynamik". Es stören sich aber leider nur wenige an dem Lautheitswahn.

> Nachdem die Musikindustrie es geschafft hat loudnessrace.net zu plätten
> (lief bis Nov2004 etwa) verbreitet sich das Wissen dennoch weiter. Bei
> Amazon.com tauchen auch schon Rezensionen auf und dokumentieren den
> miesen Klang der Silberscheiben.

Das wäre schön. Hast Du Beispiele?
Z.B. die Rush - Vapor Trails Rezensionen auf Amazon:
Sonically, the problem with _VT_ is that it is mastered too loud.
(Mastering is the process wherein the finished stereo mixes: receive
final equalization, as well as, relative and overall level adjustment,
are ordered, track gaps and crossfades set, etcetera.) Recent years have
seen breakthrough technology emerge in the world of digital audio,
which, among other things has revolutionized digital compression and
"brickwall limiting" (the two most common techniques for increasing the
average level of audio program material, and therefore, perceived volume
of a CD). This, in turn, has made albums louder and louder each year in
contest that began about a decade ago.
For better or for worse, this album was not mastered by any of the gurus
of the trade (like Bob Ludwig or Bernie Grundman to name a couple) and I
think it suffers for it. There are plenty of albums that are as loud as
_VT_, and a few that are even louder, but many of them sound a lot
better. The compression artifacts from the signal level processing, not
to mention some poor final EQ choices (the exact problems) are absurdly
evident to the trained ear, and sound bad to most people, whether or not
they have the audio engineering experience to identify them with
precision. I think it is really fair to say that the mastering job on
this album is the easily one of the worst I've heard on a significant
major label release...ever!
- und -
But the sound is crappy. No matter what level you play it at it sounds
like you're maxing the volume on a system that just can't handle it. I'm
playing it quite low and it still sounds like cheap speakers trying
desparately not to blow a magnet.
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Antwort#2
Ja, und?
Glaube kaum, daß sich hier jemals jemand an diesem "loudness race" beteiligt hat, daher ist das nicht Neues.
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Antwort#3
Glaube kaum, daß sich hier jemals jemand an diesem "loudness race" beteiligt hat.
Gerade hier sitzten die "Heißsporne"!
"Brüll" ist doch geil.
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Antwort#4
Aus de.rec.musik.hifi von Sebastian Zuendorf (Immer mehr Wind gegen Over Compression):
Bob Katz schreibt in "Mastering audio - the art and the science" bereits 2002 davon. Dort steht sinngemäß: Viele aktuelle Pop- und Rockproduktionen haben nur noch ~3 dB Dynamikumfang, also ist der einzig mögliche Weg der zurück zu mehr Dynamik(umfang).
Die CD bietet selbst mit ihren "nur" 16 Bit einen deutlichen Vorteil gegenüber der Schallplatte, was den möglichen Dynamikumfang angeht, digitale Audio-Workstations in 24 Bit sogar nochmal deutlich mehr. Es wäre nur sinnvoll, wenn die grobe Masse der Mastering Engineers das auch nutzen würde. Ich kann jedem, der sich beruflich mit diesem Thema beschäftigt nur "Mastering audio" empfehlen, wenn es darum geht, einen sauberen Master abzuliefern.
Ansonsten kann ich nur empfehlen, Platten von Independent Labels und eher unbekannten Künstlern zu kaufen, die sich evtl. sogar Gedanken über die dynamische Gestaltung ihrer Platten gemacht haben.
Auf der anderen Seite: Versuch mal, einer Band im Studio klar zu machen, dass es nicht auf "laut laut laut" sondern ganz andere Qualitäten ankommt, um deren Musik optimal ans Ohr zu bringen.
Das gelingt nie. Oder?
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Antwort#5
Moin...
"Das gelingt nie. Oder?"
Das gelingt schon. Aber spätestens dann, wenn die CD irgendwo gegen Material der dynamikbegrenzenden Fraktion "anstinken" muss, ist damit oft Schluss. Das kann ich den Bands aber auch teilweise nicht mal verdenken.
Eine CD mit "echter künstlerischer" Dynamik IST nunmal deutlich leiser als eine heute übliche Kommerzproduktion.
Wenn es nur für Freunde und Verwandte ist, kann man damit auch als Band gut leben. Wenn aber das Ding auch als Demo rausgehen oder gar verkauft werden soll, muss man sich (je nach Sparte) diesem Wahnwitz leider unterordnen, wenn man Erfolg haben will.
Ein Weg zurück auf breiter Front kann nur gelingen, wenn
a) alle (zumindest viele) an einem Strand ziehen und
b) wenn man das "Stück für Stück" macht. Dann ist man eben ETWAS leiser als die Konkurrenz (gönnt sich ETWAS mehr Dynamik), aber nicht gleich so auffällig, dass man den Regler an der Hifi-Anlage um eine Viertelumdrehung aufreissen muss.
Klar kann man seinen künstlerischen Anspruch auch so durchsetzen. Aber das hat dann schon etwas von Don Quichotte. Wer sowohl Anspruch hat als auch (im wirtschaftlichen Sinne) pragmatisch denkt, wird wohl oder übel einen Kompromiss finden müssen.
Denn dem Endkunden ist diese Problematik leider nicht bewusst, der hört nur "laut = geil".
Es geht ja sogar soweit, dass man inzwischen pumpende Kompressoren als "Stilmittel" einsetzt (Eric Prydz - "Call on me")... Bekloppt...
Jens
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Antwort#6
Hallo Jens,
Es geht ja sogar soweit, dass man inzwischen pumpende Kompressoren als "Stilmittel" einsetzt
Also da will ich Dir mal widersprechen. Seitdem es Kompressoren gibt werden sie auf diese Art und Weise eingesetzt. Künstlerisches Gestalten hat sich schon immer den verfügbaren Mitteln bedient.
In den 80ern hatte so ungefähr jedes Synthiepop Lied einen pumpenden Bass, oder der Drum-Track wurde mittels Kompr weggedrückt sobald die BassDrum einsetzte.
Ich verstehe wirklich nicht wo dieser abstruse Einfall herkommt, dass der enthousiaste Einsatz von Kompressoren schlecht sein sollte. Laut ist doch auch meist richtig geil.
Anders finde ich den Einsatz von Senderkompressoren bei populären Radiosendern, da wird wirklich oft einiges am Klang zerstört und bleibt wenig vom tollen Musikerlebnis übrig.
Was jedoch die Produkte auf Singles etc. angeht, habe ich wirklich nur selten Probleme mit dem Lautheitswahn.
Dirk
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Antwort#7
Ich hab in noch keiner Rezension gelesen, dass eine Scheibe zu leise wäre und deshalb vom Kauf abzuraten ist.
"b) wenn man das "Stück für Stück" macht. Dann ist man eben ETWAS leiser als die Konkurrenz (gönnt sich ETWAS mehr Dynamik), aber nicht gleich so auffällig, dass man den Regler an der Hifi-Anlage um eine Viertelumdrehung aufreissen muss."
Meine Anlage ist von 1987, damals hat keine Aufnahme die Aussteuerungsanzeige bis an den Anschlag gebracht und mein Lautstärkeregler war auf 1,5. Heute klebt sie dort und der regler ist auf 1. Das entspricht 3mm Verschiebeweg, von einer Viertelumdrehung kann nicht die Rede sein.
Man sollte sich einfach zur Dynamik bekennen, natürlich nicht unsinnig, aber der künstlerische Ausdrucks eines Stücks muss erhalten bleiben.

Gruß
Claus
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Antwort#8
Moin...
"Ich hab in noch keiner Rezension gelesen, dass eine Scheibe zu leise wäre und deshalb vom Kauf abzuraten ist."
Nun machen aber die Rezensenten letztlich nicht den Erfolg aus. Da hilft es nicht, wenn dem Musiker, dem Ingenieur und vielleicht sogar dem Rezensenten die Problematik bewusst ist und die genannten vielleicht mehr Dynamik und weniger Lautheit als positiv einstufen, solange der Durchschnittskonsument, der die Scheibe hinterher kaufen soll, es genau umgekehrt sieht.
Das sind nunmal leider gewisse Realitäten.
Dieses Rennen um mehr Loudness hat man ja nicht angefangen, weil sich ein paar große Masteringstudios eine Art dB-Drag-Race liefern wollen, sondern weil deren Auftraggeber über den Loudness-Faktor ihr Material besser an den Mann bringen möchten.
Jens
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Antwort#9
Dem "Durchschnittskonsumenten" interessiert der Durchschnitsspegel einen Dreck.
Also auch von dieser Seite kein Grund für einen Irrweg.
Der kommt mal wieder nur von den Leuten, die keine Ahnung von der Materie haben:
Den Entscheidungträgern der Phono-Wirtschaft, "bestätigt" durch die Machenschaften der Dudelfunk-Schwachköpfe: Lauter = mehr Gewinn.
Der gerne in Kauf genommene Tot der Musik, die mehr sein will als pure, verblödende Massenberieselung.
Gruß,
Christopher
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Antwort#10
Wenn ich als Durchschnittskonsument inne Kneipe mein Geld inne Music-Box stecke,
dann wähle ich nur die Musik, die sich gegen den "Bier-Lärm" durchsetzt.
Da die Lautstärke vom Wirt fest eingestellt ist, werden nur die
lautesten Scheiben gewählt. So isses.
Kurt ohne Gurt.
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Antwort#11
Moin...
Nur zur Klarstellung: Ich möchte den Loudness-Wahn keineswegs verteidigen!
Es ist aber leider wirklich so, dass (nicht nur bei der Lautheit) man gewissen Zwängen unterworfen ist, wenn man heute einen Titel nicht nur als Kunstobjekt sieht, sondern auch erfolgreich am Markt platzieren möchte.
Natürlich dreht sich mir da auch als Musiker oft der Magen um, aber das ändert nichts an der traurigen Wahrheit.
Da wird doch heute bei immer mehr Produktionen standardmäßig alles durch den Autotune gejagt (teilweise sogar bei Leuten, die singen KÖNNEN - schlimmstes Beispiel: "Symphonie" von Silbermond), es wird Subbass künstlich generiert, wo schon lange keiner mehr sein dürfte, es wird komprimiert bis der Arzt kommt, usw. usf.
Solange das aber "alle" machen und die Konsumenten sich dran gewöhnen, muss man diese bittere Pille (zum Teil) schlucken, wenn man in genau diesen Kriterien eben auch gemessen wird.
"Dem "Durchschnittskonsumenten" interessiert der Durchschnitsspegel einen Dreck."
Das stimmt so nicht. Natürlich kümmert sich bei den Hörern kein Mensch um dB-Angaben. Aber subjektiv empfundene Lautheit IST ein Kriterium. Es ist ja weder eine neue Erkenntnis, noch ein Geheimnis, dass im direkten Vergleich eine lautere Mischung i.d.R. als die bessere empfunden wird - zumindest im Pop-Bereich. Doch selbst als Profi ist man vor diesem Effekt nicht sicher. Warum wohl sollte man beim AB-Vergleich von z.B. Preamps peinlich darauf achten, dass die Abhörpegel genau gleich sind? Richtig, weil man sonst unbewusst mit hoher Wahrscheinlichkeit dem lauteren den besseren Klang bescheinigt (vorausgesetzt, sie spielen nicht in grundverschiedenen Ligen).
Die Radiosender machen die "Kaputtkompression" ja auch nicht nur zum Spass oder aus purer Bosheit. Sondern deswegen, damit man beim Umschalten am lauteren Sender hängenbleibt. Und dummerweise funktioniert das ja so gut, dass der Lautheit fast alle ehemals heiligen Kühe wie (Klang-)Qualität geopfert werden.
Als Künstler sage ich ganz klar "nein" zum Loudness-Race. Müsste ich aber als Produzent mit meinem Geld oder dem meiner Firma für die Produktion geradestehen, müsste ich mich dem leider zu einem gewissen Grad beugen. Zumindest wenn es nicht um mittelalterliche Dudeley geht, sondern um Chartskompatibilität.
Jens
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Antwort#12
Hallo Jens,
ich hatte Deine Meinung zum Thema auch nicht falsch verstanden und
stimme Dir grundsätzlich auch erneut zu, NUR: die maßlose Übertreibung
auf Kosten der Klangqualität lässt nicht nicht weiter rechtfertigen und ist nur unter dem Deckmantel "Dummdreistigkeit" zu verkaufen.
Indes bleibe ich bei meiner Meinung, daß dem Konsumenten die Lautheit zunächst einmal egal ist - Ausnahmen gibt es immer. Denn der hat i.d.R. (Musicbox von "Kurt" ist schon ein sehr an den Haaren gezogenes Beispiel, oder wer geht noch in die Kneipe um Musik zu hören??) keine Probleme damit, desöfteren den Pegel mal zu verändern, auch aus anderen Gründen. Bei Musik wo es so richtig auf Druck ankommt, funktioniert das weitaus besser durch eine gute Kompression der Einzelsignale (Stichwort "Sounddesign",siehe 'Rage against the Machine'-Debut) als durch unkoodinierte Lautmachung des Gesamtmixes, der aber leider immer unreflektierter eingesetzt wird, genauso wie "Auto-Tune", "weil das alle so machen". Da scheint eine Generation heranzuwachsen, die nur noch nach Fertigrezepten kocht, und auch deswegen klingt heute alles gleich (-schlecht).
Eine Generation der Tauben, die sich für völlig "cool" hält.
Gruß,
Christopher
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Antwort#13
Die Diskussion ist müßig.
Musik wird als permanente Hintergrundbeschallung auf FuMu reduziert.
Bügeln, Abwaschen, Tastaturklappern am PC, Auto fahren, banale Unterhaltungen führen
und im Hintergrund eine permanente Berieselung, weil man Stille nicht mehr aushalten kann.
Da ist Dynamik ein Störfaktor.
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