Kugel und Niere gleichzeitig-getrennt nach Frequenzband

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo,ist es empfehlenswert bei Orgelaufnahmen Nieren (z.B. Blumlein) für den oberen bereich zu verwenden (vllt. 200 Hz aufwärts) und für alles drunter AB zu nehmen. Klingt das, gibts da irgendwelche Probleme des Systems. Meine Vorstellung: Blumlein und AB in gleicher Höhe, Blumlein sorgt für Ortungsschärfe in der Horizontalen, AB bringt den Raum und die Bässe.
mfg, anfänger
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Antwort#2
Das solltest Du vermeiden, weil es zu sehr mit der Gefahr von Interferenzen zwischen den Mikrofonen verbunden ist und die exakte Trennung der Frequenzbereiche zu schwierig wird ohne daß es zu Überhöhungen/Absenkungen im Bereich der Übernahmefrequenzen kommt, wegen der Phasengänge.
Blumlein: Diese Anordnung besteht nicht aus 2 Nieren, sondern aus 2 um 90° gekreuzten Achten. Hebt man da die Tiefen an, wird der natürliche Baßabfall der Achten damit ausgeglichen.
Ansonsten ist die bessere Alternative eine M/S-Anordnung aus Kugel (sollte einmembraniger Druckempfänger sein !) und Acht.
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Antwort#3
Danke, Rainer. Ich meinte natürlich "Acht" statt Niere (aber man sollte sich schon korrekt ausdrücken können...). Noch eine dumme Frage: wieso gibt es Phasensprünge bei der Übernahmefrequenz, wenn doch die Quelle die gleiche ist und auch der Aufstellungsort näherungsweise?
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Antwort#4
Moin...
"Noch eine dumme Frage: wieso gibt es Phasensprünge bei der Übernahmefrequenz, wenn doch die Quelle die gleiche ist und auch der Aufstellungsort näherungsweise?"
Allein schon deshalb, weil ein Filter an seiner Flanke keinen linearen Phasenfrequenzgang hat. Wenn man digital filtert, kann man zwar auch linearphasige Filter hernehmen, um diese Problem zu entschärfen.
Aber eins bleibt: Beim Übergang von einer zur anderen Richtcharakteristik bei einer bestimmten Frequenz wird sich zumindest der Phasengang der rückwärtigen Aufnahmerichtung "pathologisch" verhalten...
Jens
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Antwort#5
Anfaenger schrieb: Ist es empfehlenswert bei Orgelaufnahmen z.B. Koinzidenz-Blumlein für den oberen Frequenzbereich zu verwenden und für alles drunter Laufzeit-AB zu nehmen?
Da gibt es eine Lord Raleigh's Duplex Theorie zur Schall-Lokalisation (1907). Diese besagt, dass wir beim Hören grob gesagt Frequenzen unter 800 Hz als Laufzeitdifferenzen für das Richtungshören auswerten und für Frequenzen über 1600 Hz Pegeldifferenzen durch Abschattung mit unserem Kopf auswerten. Das sind Signale an unseren Ohren, also Ohrsignale.
Dieses Gesetz möchte "Anfaenger" benutzen als Richtungs-Signale in seiner Stereoaufnahme, also diesmal als Lautsprechersignale. XY-Koinzidenzmikrofonsystem für Frequenzen über 1000 Hz und irgend ein AB-Laufzeitmikrofonsytem für Frequenzen unter 1000 Hz. (Er nannte eine tiefere Übergangsfrequenz).
Es wurden Versuche dieser Art bei Lautsprecherwiedergabe im schalltoten Raum gemacht, die jedoch unbefriedigend waren. Das ist genau so, wie auch ein Kugelflächenmikrofon arbeitet.
Umgekehrt ging es bei Stereo-Lautsprecherwiedergabe etwas besser: Also für tiefe Frequenzen nimmt man als Lautsprechersignal große Pegeldifferenzen und als hohe Frequenzen Laufzeitdifferenzen. Also umgekehrt, wie es vom menschlichen Gehör verarbeitet wird. Also genau umgekeht, wie so ein Kugelflächenmikrofon arbeitet!
Diese Forschung ist noch nicht am Ende. Man denkt an ein umgekehrt wirkendes Kugelflächenmikrofon, wie immer das aussehen mag. Tiefe Frequenzen als Pegeldifferenzen und hohe Frequenzen als Laufzeitdifferenzen.
Damit haben viele Theoretiker ihre Probleme, die gedanklich am falschen Kunstkopf hängen. So kompliziert ist unser Stereosystem.
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Antwort#6
Man kann jetzt lange darüber diskutieren, warum jemand bei Orgelaufnahmen Lokalisationsschärfe haben will, aber es ist immer gut, sich solche Gedanken zu machen. Vieles ist abhängig vom Raum und vom aufzunehmenden Repertoire und man darf ja ruhig mal etwas ausprobieren (wenn man Zeit und geduldige Musiker hat). Irgendwoher müssen ja die guten (und negativen) Erfahrungen kommen... :)
Ich halte so einen Mikrofonmix nicht unbedingt für unproblematisch. Je nach Raum bietet sich auch mal ein Experimentieren mit breiten Nieren an, aber eigenlich wollte ich jetzt hier mal auf eine Schoeps-Applikation hinweisen (OCT-Frontsystem, s. Link unter Punkt 1.3), bei dem eine Kugel z.B. MK2 pro Kanal, aufstellungs-unkritisch mit einem Lowpass mit f_g=40Hz zugemischt wird:
"David Griesinger (Lexicon) schlug vor, die Bassanteile durch die Verwendung von zwei zusätzlichen Druck-empfängern in großem Abstand zueinander zu dekorrelieren. Das heißt bei tiefen Frequenzen wird der Pegel durch die Druckempfänger gegenüber einer Aufnahme mit Supernieren nicht nur angehoben, sondern die Unterschiede zwischen links und rechts werden zusätzlich vergrößert. Ergebnis: mehr Räumlichkeit."
Dachtest Du ursprünglich an sowas?
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Antwort#7
Hab den Link vergessen, sorry!


OCT Frontsystem Mit z.B. MK2 + LP40
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Antwort#8
Das AB-Laufzeitstereomikrofonsystem für Frequenzen unter 40 Hz, das den tiefenschwachen seitwärtszeigenden Hypernieren beim OCT-System von Theile nach Vorschlag von David Griesinger zum Pegelausgleich kräftig hinzugefügt werden soll, hat mit Richtungslokalisation auch nicht das Geringste zu tun, weil unter 80 Hz wirklich keine Richtung festgestellt werden kann. Das hat mit Räumlichkeitsgefühl zu tun, wie stefan auch schon sagte. Dazu ist die hier Laufzeitstereofonie unter 40 Hz vorgesehen. Man muss sich also über die Erzeugung von Richtungslokalisation und von Räumlichkeitserzeugung im Klaren sein. Das sind zwei Schuhe. Vielen ist die Notwendigkeit der Dekorrelation von tiefen Frequenzen für ein starkes Räumlichkeitsgefühl nicht bekannt und so wird fröhlich alles unter 200 Hz mit dem Panpot Mono in die Mitte gepannt.
Nono meinte allein die Richtungslokalisation nach Lord Raleigh's Duplex Theorie mit der Centerübergangsfrequenz um 1000 Hz. Hier ist wirklich eine Unsicherheit, ob bei höheren oder bei tieferen Frequenzen Laufzeitdifferenzen richtig seien. Ich weiß es auch nicht, tendiere aber zu Laufzeithöhen, vermutlich weil ich Laufzeitstereofonie im Klang für natürlicher empfinde.
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