Schallharte Oberflächen - Reflektion/Absorption

Erstellt 8 Antworten9 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo!
Glas ist eine schallharte Oberfläche. Nehmen wir an, eine Glaswand von 30x10 Metern zu haben.
Ist die Dicke des Glases nun entscheidend, ob tiefe Frequenzen reflektiert werden oder ist es nur die Gesamtfläche (die von der Dicke nicht beeinflusst wird)? Wie spielt die Dicke dabei mit?
Ist es richtig, dass die Glas-Fläche in Abhängigkeit mit der am tiefsten zu reflektierenden Frequenz (also nicht gebeugt) steht?
Verstehe ich es richtig, dass bei einer Glasfläche, wenn diese klein ist (z.B. 2x1 Meter), tiefe Frequenzen nicht reflektiert werden, weil sich der Schall um/durch die Glasplatte "durch" beugt?
Hat die Glasdicke überhaupt eine akustische Bedeutung? Bei den Sabine-Berechnungen spielt ja die Dicke der Materialien keine Rolle (zumindest nicht sichtbar)?
Gilt das gleiche für Schallschlucker? Ist primär die Fläche entscheidend? In welchem Zusammenhang steht dabei die Dicke des Materials?
Danke für die Hilfe im voraus,
Hermann
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Antwort#2
Ist die Dicke des Glases nun entscheidend, ob tiefe Frequenzen reflektiert werden
Nein, solange sich die Scheibe nicht bewegt aufgrund mangelnder Stabilität.
Ist es richtig, dass die Glas-Fläche in Abhängigkeit mit der am tiefsten zu reflektierenden Frequenz (also nicht gebeugt) steht?
Ja.
Verstehe ich es richtig, dass bei einer Glasfläche, wenn diese klein ist (z.B. 2x1 Meter), tiefe Frequenzen nicht reflektiert werden, weil sich der Schall um/durch die Glasplatte "durch" beugt?
Ja, weil sich der Schall um (nicht durch) die Platte beugt.
Hat die Glasdicke überhaupt eine akustische Bedeutung? Bei den Sabine-Berechnungen spielt ja die Dicke der Materialien keine Rolle (zumindest nicht sichtbar)?
Siehe oben, sie hat solange keine Bedeutung, wie die Fläche nicht selbst zum Schwingen angeregt werden kann, so daß die Stabilität Auswirkungen auf das Absorbtionsverhalten hat.
Gilt das gleiche für Schallschlucker? Ist primär die Fläche entscheidend? In welchem Zusammenhang steht dabei die Dicke des Materials?
Bei Schallschluckern wirkt sich die Dicke auf das Absorbtionsvermögen aus.
Gruß
Erdie
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Antwort#3
Hallo erdie!
Danke fürs schnelle Antworten - ich bin froh, dass ich das so weit richtig verstehe.
Eben dieses unterschiedliche Verhalten (Schlucker: Dicke spielt eine Rolle, Schallhart: Dicke spielt keine Rolle) wollte ich für mich nun aufklären.
Woran erkennt man schallharte Oberflächen? Sind die mit einem kleinen Symbol markiert ;-)?
Ist es nicht so, dass es fließende Übergänge gibt?
Ist jede "glatte" (für Schallwellen) Oberfläche ein schallhartes Material (nein, oder? - z.B. Papier). Ist Papier keine schallharte Oberfläche, weil es in Schwingung gerät?
Hat ein dichter, dünner Vorhang gleiche Absorptionswirkung als ein weniger dichter, dicker?
Gibt es für den Laien (!) gute Literatur in Sachen Absorption/Reflektion, die etwas weiter als die üblichen Bücher (wo es meist nur als Nebenkapitel erscheint) geht?
Grüße+Dank,
Hermann
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Antwort#4
Hallo Hermann,
ich kann Dir nur die Antworten aus Sicht eines Physikers geben. Bei den speziellen Fragen (Was ist hierfür besser etc. ) ist es evtl. sinnvoller die Tontechnikerprofis zu befragen. Vielleicht meldet sich dazu noch jemand. Ich habe leider nur Physik studiert und Tontechnik ist ein Hobby von mir.
Gruß
Erdie
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Antwort#5
Ist die Dicke des Glases nun entscheidend, ob tiefe Frequenzen reflektiert werden
oder ist es nur die Gesamtfläche (die von der Dicke nicht beeinflusst wird)? Wie >>spielt die Dicke dabei mit?
Woran erkennt man schallharte Oberflächen?
Ist es nicht so, dass es fließende Übergänge gibt?
Hat ein dichter, dünner Vorhang gleiche Absorptionswirkung als ein weniger
dichter, dicker?
Ist es richtig, dass die Glas-Fläche in Abhängigkeit mit der am tiefsten zu >reflektierenden Frequenz (also nicht gebeugt) steht?
Verstehe ich es richtig, dass bei einer Glasfläche, wenn diese klein ist (z.B. 2x1
Meter), tiefe Frequenzen nicht reflektiert werden, weil sich der Schall um/durch die
Glasplatte "durch" beugt?
Gilt das gleiche für Schallschlucker? Ist primär die Fläche entscheidend?
Die Dicke spielt insofern eine Rolle, als dass sie die "Güte der Schallhärte" bestimmt.
Alles, was mitschwingt ist schallweich, alles was unter dem Ansturm der Schallwelle unbeweglich bleibt ist schallhart. Das ist also auch eine Frage der Masse.
Eine dicke Zeltplane ist schallhärter, weil sie träger ist als eine dünne. Sie wird besser reflektieren. Das gleiche gilt für Glas.
So große Glaßflächen 30x10 entwickeln ein ganz erhebliches Eigenleben: Sie schwingen angeregt durch die Schallwelle in den Eigenresonanzen und fungieren als Schallquelle (für ihre Partialschwingungen)
äh, wie?
Wenn überhaupt, wird herumgebeugt. Es findet auch Reflektion statt, nur ist die Energie der reflektierten Welle verschwindend gering, wegen der Beugung verpufft sie in alle Richtungen. Deshalb ist die Welle hinter der Scheibe kaum schwächer.

Nein.
Schallschlucker sollen Energie vernichten. Das geschieht meist durch Reibung in Materialien. Hier spielt die Dicke eine ganz entscheidende Rolle wenn sie in Richtung der Schallausbreitungsrichtung orientiert ist.
siehe oben: An dem Widerstand, den sie einer Luftschwingung entgegenbringen.
Ja, so ist es
Nein.
Insbesondere wenn schallharte Flächen in der Nähe sind, ist die Position des Dämmmaterials ebenfalls wichtig.
Kann dir leider keinen Literaturtip geben.
Das erscheint in Laienbüchern wirklich nur als Nebenkapitel.
Grüße
Opi
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Antwort#6
Das sind mir die liebsten :-)
Ich habe das Studium (phys. Tech.) abgebrochen, um nur noch Tontechnik zu machen.
Grüße
Opi
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Antwort#7
Naja, ich hab es beendet, um dieses als "Im Studium Zähne zusammenbeis und durchhalte" - Zertifikat für eine erfolgreiche Bewerbung in der IT Branche einzusetzen. Das war 1996. Zumindest habe ich schnell gelernt, daß in Deutschland offensichtlich keine Physiker gebraucht werden. Alle diesbezüglichen Bewerbungen brachten noch nicht einmal eine Einladung - trotz Note 1. Wenn ich heute Politiker von "wir brauchen Naturwissenschaftler blablablub" faseln höre, dann kommt mir bei dem verlogenen Geschwätz die Galle hoch. Aber egal, ging mir nur gerade durch den Kopf.
Erdie
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Antwort#8
Hermann fragt: "Gibt es für den Laien (!) gute Literatur in Sachen Absorption/Reflektion, die etwas weiter als die üblichen Bücher (wo es meist nur als Nebenkapitel erscheint) geht?"
Aber ja doch. Dieses Buch ist auch für Anfänger leicht verständlich und unbedingt lesenswert.
F. Alton Everest, 'The Master Handbook of Acoustics'
http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-form/ref=sr_sp_go_qs/302-6381563-7192845


F. Alton Everest, 'The Master Handbook of Acoustics'
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Antwort#9
Danke für alle, die mir so hilfreich geantwortet haben.
Ich habe mir das Buch von F.A. Everest bestellt - und freue mich schon drauf.
Grüße,
Hermann
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