Liebe Tontechnikgemeinde Ich bin ein sehr interessierter Besucher dieses Forums und habe Heute ein dringendes Anliegen. Ich bin gerade mitten in der Produktion meines Albums. Zur Zeit werden die Vocal Parts aufgenommen. Ich arbeite mit einer Sängerin und bin sehr zufrieden darüber das ich mit der Sängerin die Aufnahmen ohne Kompressor und Limiter hinbekomme, soll heißen das sie sehr gut mit ihrer Stimme umgeht (ausgebildet). Bei der Überwachung des Aufnahmepegels ist alles in Ordnung. Beim abhören habe ich festgestellt das so zwischen 5kHz und 10kHz Verzerrungen auftreten. Ich nehme im Nahbereich auf wegen der Direktheit der Stimme.Abstand ca. 10cm mit Popschutz zum Mikro. Equipment Neuman U87 in Preamp Focusrite RED 7 in Wandler Motu 24 I/O. Aufgenommen wird mit 24 Bit / 96 kHz. Der Eingangspegel des Motu ist auf +4dbu umgeschaltet. Jetzt bin ich am verzweifeln ob irgendetwas in der Kette defekt ist. oder falsche Pegelanpassung ? Vielleicht die Membran oder am Preamp irgendwas. Die Kabel von Mikro zu Preamp und in den Wandler sind Sommercable fertig konfektioniert, also die Kabel sind auch schon sehr gut. Kann mir irgendjemand einen Rat oder Tip geben an was es lieget. Sollte ich zumindest ein Limiter vor die Wandler setzen? Ist der Energiegehalt bei hohen Frequenzen etwa höher als bei Tiefen? Bitte helft mir !! Grüße Uwe
Dazu müsste man erstmal wissen, wie ihre Stimme klingt. Ich hatte mal Aufnahmen mit einem Operntenor (auch eine SEHR ausgebildete Stimme, verflucht laut!), bei dem hat sich ein Neumann-Mikro als unbrauchbar erwiesen, da bei den Neumännern meist eine Anhebung im Bereich 5 kHz gegeben ist, und das war genau der Bereich, der bei ihm viel zu laut und nervig war. Letztendlich haben wir uns damals ein Mikro von Sanken ausgeliehen, weil das in dem Frequenzbereich einigermaßen flat war. Trotzdem kann ich mich erinnern, dass ich an irgendeiner Stelle auch mal eine Verzerrung drinhatte, die nicht im digitalen Recording-Weg entstanden war, d.h. kein Clipping über 0dBFS, da muss einfach die Mikrofonkapsel übersteuert haben. Grüße, der Georg
Danke für die schnelle Antwort! Die Sängerin hat eine sehr markante Stimme, also keine von den Pipsstimmchen. Ich würde sagen so in Richtung Tamara Danz (Silly). Aber die Nahbereichssachen sind schon sehr ruhige Stellen (Ballade). Mir ist klar das man mit Power nicht im Nahbereich mit diesem Mikro aufnehmen kann. Aber in den Bereich um 5 kHz hat sie schon etwas Markantes. Ich habe auch schon daran gedacht mit dem Shure Beta 58 aufzunehmen oder vielleicht das Gefell M930 (glaube ich). Aber ein dynamisches für den Gesang? Was vielleicht noch sehr wichtig wäre zu Erwähnen das wir deutsche Texte haben. Und deutsch ist schon eine unvorteilhafte Sache für Aufnahmen. Oder?
Wieso soll Deutsch unvorteilhaft sein? Weil man den Text versteht und also weniger mogeln kann mit Vokalen...?? ;) Ein gern benutzter Trick für U87: Mikro leicht schräg neben dem Sänger vorbei ausrichten. Notenständer nebens Mikro, dann singt er von selbst dran vorbei. Zischlaute gehen eher nach unten weg, wenn du also das Mic etwas nach unten setzt, kannst du später den Frequenzbereich etwas absenken ohne daß die Sprachverständlichkeit leidet. Theoretisch. Ich habe mal erstaunlich gute Ergebnisse mit einem Oktava MKL2500 Röhrenmic für gut 300 Euros (staun!) gemacht. Klang richtig groß und seidig, und weniger präsenzbetont als das U87. Vielleicht klang das gerade deshalb so gut, weil es eben nicht so exakt und "ehrlich" überträgt wie ein teures Mic. Ein SM58 muß es ja nicht gleich sein... Man sagt ja auch immer von Bändchenmics, daß sie so schön warm und rund klingen. Habe leider noch nie eins ausprobiert, kann das also nur als Allgemeinplatz hinstellen.
Moin, vieleicht solltest du mal in die Spezifikationen des U87ai reinschauen. ..Maximum SPL for THD 0.5% 117 dB (cardioid) Maximum SPL for THD 0.5% with preattenuation 127 dB. Es ist leicht möglich, dass deine Sängerin das Mikro an den Anschlag fährt. Sopranistinnen sind da besonders gefürchtet .-) Da hilft dann auch kein Limiter weiter hinten im Aufnahmeweg mehr. Also weiter weg oder ein anderes Mikro nehmen. mfg Gerhard
Wann treten denn diese Verzerrungen auf ? Nur bei lauten Tönen ? -> Übersteuerung ! -> Mehr Abstand, gf Pad einsetzen. Permanent zu kratzig ? - anderes Mikro , oder Membran checken (lassen) Nur Bei Explosivlauten zu kratzig ? -> Abstand erhöhen, EQ einsetzen, Deesser einsetzen und Mikro nicht direkt auf den Mund richten. (s.o.) - wobei: Ich würde es eher nach oben setzen und auf die Brust zielen, um Zischlaute zu reduzieren. Generell hast Du Recht mit der Haltung gegenpüber dem Mikro, was deutsche Text angeht - es ist Dir aber auch sicher bewusst, daß gerade das U87 NICHT im Ruf steht, besonders höhenneutral zu sein. Meist ist es ja so, daß die Höhen ungewollt nach vorne springen. Probiere mal, eine böhenbetontes Distanzmikro mit einem höhengedämpften Nahmikro zu kombinieren. Laufzeitkorrektur erlaubt.
Hallo studio96 Also das Mikro wurde vor ca. 1 Jahr gecheckt und es war alles Bestens. Lag bis vor kurzem gut verpackt, also war nicht im Einsatz. Die Verzerrungen treten wie gesagt so zwischen 5 - 10 kHz auf. Man denkt die Sängerin singt zu stark in den Hals. Das ist aber nicht der Fall. Wie gesagt ich kann super mit ihr arbeiten und ich komme ohne Compressor und Limiter aus, also das schöne pure Signal. Der Pegel ist wunderbar zu überwachen. Sie arbeitet sehr gut! Aber ich glaube auch das das U87 vielleicht das falsche für diese Stimme ist. Wäre das Gefell M930 nicht schon besser, weil auch hohen SPL vertragen kann (ca. 140 db). Und es soll für den relativ günstigen Preis sehr gut sein. Ich muß reagieren schnellstens, weil die Single bald raus kommen soll! Ich hoffe natürlich das nicht irgendwas mit meiner Vorstufe (wie geschrieben RED 7) nicht in Ordnung ist, aber das hätte ich bei den anderen Aufnahmen schon gemerkt. uwe
Hallo hatte auch mal das Problem mit dem Neumann u87ai, und das war ein Tenor Sänger. Der Ton den er hielt war so durchdringend, dass es immer verzerrte. Am Schluss hat er in die Ecke gesungen.... cu Christian
Also wenn ich Dir mal einen Rat geben darf: Geh mal nicht auf 10 cm an das Mikrofon ran, das ist nämlich völlig unsinnig. Geh mal ruhig auf einen Abstand von 50 cm bis 1 Meter. Dann kannst Du Dir auch den Poppschutz sparen. Mache ich auch so. Bei Stellung "Niere" kannst Du ruhig auf diesen Abstand gehen. Und noch etwas: Nimm mal ein kleinmembraniges Mikrofon - z.B. ein KM 84 oder KM 140. Das ist klangneutraler als das U87. Als Alternative bestenfalls ein U89. Das U89 hat nämlich im Bereich zwischen 1kHz und 10 kHz eine leichte Absenkung, im Gegensatz zum U87. Ansonsten hatte ich noch nie Probleme mit Neumann-Mikrofonen bei Gesangssolisten. MfG Rainer
Aus psychologischen Gruenden kann es sinnvoll sein, bei einer Aufnahme mit Kleinmembran-Mikro an akustisch nicht stoerender Stelle ein vollstaendig verkabeltes aber unbetriebenes Grossmembran-Mikro zu platzieren. Gruss, Mathematiker
Was meinst Du, warum defekte Neumannmikros auf EBAY trotz ausdrpüklich erklärter Disfunktion noch tolle Preise erzielen? Die Psychosache haut aber hin: Ich hatte mal den Fall, daß ich bei einem Chorkonzert einen schwachen Solisten stützen wollte und zur Sicherheit ein nahes Mikro hinstellte. Er stand dann aber schlecht und war im HS noch gut zu hören, sodaß das Mikro aus blieb. Trotzdem war er der festen Überzeugung sich in den Passagen, als der sich dem Mikro absichtlich näherte um lauter zu wirken, in der späteren CD auch lauter zu hören sei. Aber gfs ist DAS ja die Erklärung für die vielen großartigen Aufnahmen, die im Fernsehen oft dokumentiert sind, wenn Sarah Connor oder andere grossartige Sängerinnen deutlich erkennbar ins U87 plärren und super klingen! Es ist ausgeschaltet und hinten nehmen zwei T-Bones auf. Es einzuschalten, wäre oft ja auch unsinning, da es falsch herum steht, damit das Logo zu erkennen ist.
Du hast selbstredend Recht, aber, naja, wann steht es schon auf 8? Ich wüsste keinen Anwendungsfall bei Sologesangsaufnahmen. Im Gegenteil: Kugeln sind da ja eher angezeigt - will man nicht nur Mundschall erwischen und ob die abweisende Kugelseite eines Mikros die Richtige ist, mag dahingestellt sein. Gfs für unseren fragenden Freund, der zuviele zerrende Höhen in der Aufnahme hat. Durch die garantiert nicht reflexionsfreie Situation im Aufnahmeraum, werden dann wohl die Reflexionen in den Höhen etwas betont, was den Klang in diesem Bereich wegrutscht. Allerdings: Das U87 ist ja eine Doppelmembran und wenngleich die Neumannseite sagt: "The U 87 is addressed from the front, marked with the Neumann logo." sollte es also rundum weitgehend symmetrisch sein - für Kugel und für Acht. Wenn mit Kugel aufgenommen wurde, müsste das ok sein und ein Umdrehen weder Schaden noch Nützen. Da kommt mir aber nun eine andere Idee und guck, was finde ich bei der Kugel im Polardiagramm: Seitenüberbetonung bei 4kHz. Damit brächte es wohl nichts, die Kapsel etwas seitlich schäg zu stellen. Ich bleibe also bei meinem Vorschlag, Zerrende Höhen durch vorbeizielen am Mund zu reduzieren. Ich gehe allerdings davon aus, daß mit Niere aufgenommen wurde. Hier wiederum ist der 8kHz-Bereich des U87 verdächtig ! Und wenn ich weiter lese, kommt die Neumannseite noch mit einem weiteren Vorschlag rüber: "To record instruments with very high sound pressure levels we recommend our mics with TLM circuitry " Aha! In Verbindung mit der Aussage "Maximum SPL for THD 0.5%" und dem Wissen, daß Soprane und andere ausgebildete Stimmen im hohen Formantenbereich u.a. durch die Nutzung des harten Gaumens im "10cm-Band" ordentlich strahlen und sich die Schallenergie hier häuft, gelangt man zu der Überzeugung, daß eine sehr nah stehende Stimme mit diesen Frequenzen durchaus zum Problem werden kann. Erkenntnis am 17.Oktober nachts um 2:40 : Das weltweit als Gesangsmikro Nummer 1 propagierte und eingesetzte Neumann U87 ist also nicht sonderlich gesangstauglich. Muahahahaha ....
Man wird wohl bald erfahren, ob er mit Kleinmembranen bessere Ergebnisse erreichen kann - wenn auch leider nicht mit Neumann KMs. Da die "Verzerrungen" oder "Verfärbungen" aus der Ferne nicht zu beurteilen sind: Können dies nicht ebenso Artefakte des Aufnahmeraums sein?
moin! wiso unbetrieben? damit kann man doch so einfach die nicht komprimierte HP mischung machen. "das andere mikro ist für den HP" :) vorausgesetzt man nimmt mit vorkompression auf. grüße
Es liegt weder an der Sängerin, noch am Mikrofon. Das liegt am zu geringen Abstand der "klassischen" laut-singenden Sängerin vom Mikrofon. Ein Meter muss schon mindestens sein!
Das liegt am zu geringen Abstand der "klassischen" laut-singenden Sängerin vom Mikrofon. Ein Meter muss schon mindestens sein! [Mikrofonabstand]
Es scheint ein unüberwindliches Vorurteil zu sein, daß "klassisch" ausgebildete Sopranistinnen laut sein müssen. Es gab und gibt bei Sänger(inne)n immer noch etwas, was "bel canto"- und "piano"-Kultur genannt wird. Da gibt es Dynamikstufen, wo bei manchem Sternchen nur noch heiße Luft kommt. Bei Opernsängern, die gewohnt sind, über Orchestergräben hinweg singen zu müssen, mag das Klischee zutreffen, bei einem guten Liedsänger erwarte ich eigentlich schon eine ausgeprägte Palette von "leisen Tönen". Man sollte auch nicht übersehen, daß der Brustkorb einer der klanggestaltenden Resonanzräume der menschlichen Stimme ist. Insofern macht ein größerer Mikrofnabstand auch den Sinn, eben diesen Resonanzraum mit aufzunehmen ...
Hallo, hör Dir doch mal all die tollen klassischen Aufnahmen der grossen Sänger der letzten 60, 70 Jahre an. Mich würde es stark wundern, wenn die Stimmen alle mit Mikros auf mehr als 1m Abstand aufgenommen wurden. Gr. Dirk