Gestaltung von Pausen zwischen Tracks (Klassik)

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich sitze gerade an der Fertigstellung einer Produktion Harfe solo, die in einer Kirche aufgenommen wurde.
Der Interpret wünscht zwischen den einzelnen Sätzen und verschiedenen Stücken teilweise recht viel Luft und lange Pausen von bis zu 15 Sekunden.
Es widerstrebt mir, einzelne Tracks auszublenden und die Pausen dazwischen mit "digital null" zu füllen - m.E. verliert eine Produktion einiges an Atmosphäre, Von dem Problem, daß man solche Pausen erst einmal füllen muß - sprich aus diversen Schnipseln zusammenscheiden muß - abgesehen, finde ich es sogar sehr reizvoll, wenn man in dieser Zeit hört, daß der Interpret "anwesend" ist, sich für das nöchste Stück sammeltv und dabei auch auf seinem Stuhl rutsch oder mit den Schuhen über den Boden schleift.
Mich würde Euere Einstellung zur "Gestaltung von Pausen" interessieren ...
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Antwort#2
Hi,
15 Sekunden finde ich schon etwas langatmig zwischen einzelnen Stücken oder Liedern eines Zyklus. Mein Gefühl sagt bei Klassic so mehr 3-5 Sek. zwischen Werkabschnitten und 10 zwischen Werken.
Die Frage ist natürlich auch, ab wann man die Sekunden zählt und bei welcher Lautstärke man abhört, da die Wahrnehmung des ausklingenden Halls und des Anfangszeitpunkts der Stille (Pause) durch die Abhörlautstärke beeinflusst werden.
Zu dem Pauseninhalt: Ich würde bei Studioaufnahmen/Produktionen Stille (Digital 0) einfügen und bei Liveaufnahmen "Atmosphärenstille".
Alles Gute
Wolfram
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Antwort#3
Hallo Juppy,

über das "Pausenbroblem" brüte ich bei manchen Aufnahmen auch oftmals sehr lange. Ist es eine reine Studioproduktion (ohne Publikum) und haben die einzelnen Stücke keinen dramaturgischen Bezug zueinander, setze ich die Pausen i.d.R. auf 8 Sekunden (beim SADiE gezählt von Entry-Ende bis nächster Entry-Anfang). In diesem Falle mache ich Pausen "digital Null". Haben die Stücke dramaturgische Beziehung zueinander (beispielsweise die einzelnen Arien und Rezitative eines Oratoriums) mache ich die Pausen rein nach emotionalem Gefühl und fülle sie mit dem natürlichen Raumgeräusch. Atmer von Sängern z.B. , bevor diese zu singen beginnen müssen natürlich wahrnehmbar sein, sonst raubt man dem Sänger das "Leben".
Bei Liveaufnahmen eines größeren Werkes mache ich die Pausen ebenfalls nach dramaturgischen Gesichtspunkten. Hierbei verwende ich auch das normale Raumgeräusch. Zur "Erzeugung" des normalen Raumgeräusches suche ich mir eine Stelle raus, wo das Publikum sehr ruhig ist und dupliziere diese solange aneinander, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Hier muß man natürlich lange Crossfades machen und die somit erhaltenen Stücke mehrmals etwas zeitversetzt mischen, damit man keine Periodizitäten mehr hört.

Grüße
Rainer
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Antwort#4
Hi,
ich nehme bei jeder Aufnahmesession 20 Sekunden Stille auf, mit am Instrument sitzendem Musiker, damit ich nachher für solche Pausenzeiten genug Material habe. Und bei längeren Pausen zwischen den Werken zuerst einige Sekunden "Raumstille" und schließlich vor dem nächsten Werk 2-3 Sekunden "Digitalstille", das erzeugt dann den Eindruck von "Nacjklingen", auch wenn man von dem Werk direkt nichts mehr hört.
Liebe Grüße
Sebastian
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Antwort#5
15 Sekunden scheinen auch mir etwas lang. Trotzdem ist das (leise) Sortieren von Noten ein authentisches, angenehmes Geräusch. Wenn es zu direkt aufgenommen ist, macht sich etwas hall auf dieser Belanglosigkeit sehr schön.
Frank
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Antwort#6
hallo Juppy,

ich finde es bei eine live aufnahme besser wenn während den pausen geräusche zu hören sind. der übergang zum nächsten stück wirkt auf den hörer sicher angenehmer als wie eine totenstille.
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Antwort#7
Mir stellt sich bei Konzertmitschnitten das Problem des Pausen*auffüllens* eigentlich fast nie - fast immer jedoch geht es darum, Pausen zu *kürzen*. Selbst wenn man alle zaghaften Szenenapplaus-Versuche und Tuberkuloseanfälle im Publikum, Stuhlrücker und heruntergefallenen Noten im Orchester weggeschnippelt hat: Oft bleibt die Pause zwischen den Sätzen noch lang genug. Dann hat man eher das Problem, Schnitte in der Atmosphäre (die ja erfahrungsgemäß direkt nach dem Ende des vorigen und vor dem Anfang des folgenden Satzes "stiller" ist als dazwischen) ausreichend zu kaschieren.
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Antwort#8
Haben die Stücke dramaturgische Beziehung zueinander ...
Zur "Erzeugung" des normalen Raumgeräusches suche ich mir
eine Stelle raus, wo das Publikum sehr ruhig ist und dupliziere
diese solange aneinander, bis die gewünschte Länge erreicht ist.
Mitunter kann eine ganze CD-Produktion als ein großer Bogen angelegt sein - sei es, daß verschiedene Werke eines Komponisten in Bezug zueinander gesetzt werden, sei es, daß es sich um ein "Intrumentenportrait" handelt, oder aus sonstigen Gründen der Eindruck "alles aus einem Guß" erzeugt werden soll.
Etwas anderes mögen z.B. Interpretenportraits sein, die aus verschiedenen (alten) Aufnahmen zusammen gestellt wurden.
Eine (zusammengeschnittene) Stille für alle Pausen halte ich nicht für genügend:
- Das Grundgeräusch eines Raumes ändert sich über die Zeit
Kirchenaufnahme:
In der Ferne fährt zum Ende eines Tracks ein Auto vorbei, was so leise ist, daß es nicht auffällt. Bei Anschnitt an die "Standardpause" ist eine Klangänderung unvermeidlich - auch bei langen Cross-Fades und - 50 ... - 60 db "Ruhepegel".
In einigen Sätzen ließ sich in Aufnahme und Schnitt leises Vogelgezwischter im Hintergrund nicht vermeiden, insbesondere im Ausklang des letzten Tones oder Akkords. Und plötzlich eine Stille, als seien die Viecher vom Baum gefallen. Bis hierhin hätte sich niemand über die Vögel aufgeregt ...
- Die von Dir bereits angesprochene "Periodizität":
Irgendwann fällt es auf, daß die Raumgeräusche zwischen den Tracks immer wieder gleich sind: Ist es eine Marotte, daß der Solist vor jedem Stück seinen linken Fuß 5 cm über den Boden rutschen muß?
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Antwort#9
Bei Aufnahmen ohne Publikum lasse ich das komplette Ensemble ca 30 Sekunden still sitzen und zeichne diese Athmo auf. Da habe ich genügend Füllmaterial für Pausen.
Rascheln und Schritte finde ich ablenkend.
Bei Liveaufnahmen stellt sich das Problem nicht, weil der der Applaus gekürzt und gefadet werden muss, sodaß ich im digitalen Null lande. Wegschneiden des Applauses ist in den meisten Fällen nicht möglich, da der Applaus bereits in der Hallfahne beginnt. mehr als 60 sec. Applaus finde ich während des Konzertes ebenfalls zuviel, allerdings kann der Schlußapplaus länger sein. Ichhabe probiert das natürliche Abflauen des Appl. zu verwenden, was mir allerdings nicht wirklich gefallen hat.
Aber wenn der Kunde spezielle Wünsche hat gehe ich selbstverständlich gerne darauf ein.
Georg


Tonzauber - einfach klassisch!
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Antwort#10
Hallo,
ich nehme auch immer den Raum als Athmo auf. Meist sogar mehrfach mit der "tatsächlich verwandten Mikrofonie" und als zweites mit "einer speziellen Raummikrofonie" und das über mehrere Minuten und wenn ich dazu komme sowohl den vollkommen leeren Raum, als auch den Raum mit Interpreten, z.b. während der Generalprobe, bzw. auch den Raum mit Zuschauern, falls es sich um eine öffentliche Aufführung handelt.
Welche von diesen Stellen ich dann nachher tatsächlich nehme, hängt vom Anwendungsfall ab. Ich nutze die Stellen auch häufig zum Kaschieren von Fehlern, die während öffentlicher Aufführungen unvermeidlich sind, z.B. wenn sich plötzlich auf der Bühne einige Leute unterhalten, ...
Viele Grüße
Wolfgang
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Antwort#11
Nicht immer das Wort "Athmo" vom Vorgänger falsch abschreiben.
Atmo kommt von Atmosphäre. Auch im Englischen ist in Atmo kein "h" drin; siehe "atmosphere".
Jetzt warte ich auf Einsprüche.
Gruß
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Antwort#12
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren! ;-)
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Antwort#13
Warum eigentlich keine Rücklauffilter über die Hallfahne legen und damit Publikumsgeraschel entschärfen? Dann ist ein bißchen was da, was man dann dezent ausfaden kann auf Digital Null, ohne daß das dem Endverbraucher wirklich auffällt.
Schlimm ist es nur, wenn undisziplinierte Laienchöre noch im letzten Ton das Quatschen über Babyklamotten anfangen (ja, das gibt es!!!).
Meine bisherigen Versuche mit eher "zu trockener" Aufnahme, zu der dann ein Impuls des leeren Raums gemischt wird, waren noch nicht so ganz befriedigend. Man bräuchte wohl statt des üblichen kostensparenden Mono-Impulses (Luftballon, Klatschen, Schreckschußpistole, Filmklappe und was einem sonst noch so einfällt) einen echten Stereoimpuls aus zwei Ecken des Raumes, um sich dem natürlichen Raumklang anzunähern (mal abgesehen von zu unterschiedlichen ITD-Zeiten bei größeren Ensembles). Viel Aufwand.
Distinkte Geräusche habe ich in Pausen gar nicht gern, auch nicht bei Liveaufnahmen. Da versuche ich immer, entsprechend zu schneiden und zu faden.
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