Eela

Erstellt 23 Antworten24 Beiträge
Antwort#21
Nun, da sind wir an einem Punkt angelangt, der schwierig zu erklären ist. Es gibt falsch und es gibt richtig - das Argument "das kann jeder für sich selber entscheiden" ist nur in den seltensten Fällen angebracht.
Erstaunlich ist, dass wenn eine Gruppe erfahrener Tonmeister o.ä. sich zusammensetzen und sich Aufnahmen anhören, es immer einen recht grossen Überschneidungsbereich der Meinungen gibt. Abgesehen von Geschmack und persönlichen Auffassungen wird viel gleich bewertet.
Es gibt durchaus Mischungen, die z.B. im Radio richtig gut klingen, auf einer hochauflösenden, von mir aus "messtechnisch korrekten" Anlage jedoch schief klingen. Das ist kein Wiederspruch, sondern nur logisch.
Gr.
Dirk
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Antwort#22
ups...sollte eine Sammel-Antwort auf die letzten Beiträge werden...Threadansicht halt...
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Antwort#23
Computerboxen sind vielleicht auch ein arges Extrembeispiel. Insbesondere der Klassik-Hörer (sei er nun aus der Eigenklang- oder der Puristen-Fraktion) wird seine Klassik kaum freiwillig auf Computerboxen anhören. Aber auch nicht unbedingt auf guten Studioboxen, sondern z.b. auf Bose, Canton, B&O, h/k,... Was ich sagen will: Eine kleine Varianz bei der Aufnahme ist m.E. gegenüber der wesentlich größeren Varianz zwischen verschiedenen "gleichteuren" Hifi-Anlagen eher zweitrangig. Es muß überall "gut" klingen, freilich, und Fehler sind und bleiben Fehler. Das Anpassen einer Aufnahme für "typische" und für alle anzunehmenden Lautsprecher der angenommenen Zielgruppe ähnliche Klangveränderungen halte ich jedoch nicht für einen Fehler.
Was bedeutet das jetzt aber für die Frage "Eigenklang - ja oder nein"? Es bedeutet, daß man, wie ich schon schrieb, den Eigenklang eines Gerätes sinnvoll nutzen und sich dadurch Arbeit und gerade bei mobilen Aufnahmen Rackeinheiten sparen kann. Es bedeutet aber auch, daß man das Gerät wirklich nur verwenden sollte, wenn sein Eigenklang sinnvoll nutzbar ist.
Das *völlig* eigenklangfreie Gerät halte ich für eine Utopie, aus o.g. Gründen wie der Temperaturabhängigkeit von Bauteilen etc. - mit einem nahezu eigenklangfreien Gerät hat man sicherlich mehr Kontrolle, muß aber auch mehr an nachfolgenden Geräten einstellen.
Ein praktisches Beispiel: der nicht unbedingt "superbe" dbx 386 - Zweikanal-Preamp mit Röhrenstufe. Durch die Röhre und einen bestimmten Wandleralgorithmus hat das Ding eine Dynamikkennlinie, die im obersten Dynamikbereich etwas komprimiert und der analogen Bandsättigung nachempfunden sein soll. Nun ist die Frage "wann soll komprimiert werden" nicht allgemeingültig zu beantworten, m.E. ist eine gewisse subtile Dynamikeingrenzung für die Wohnzimmer- oder gar Autowiedergabe jedoch auch für Klassik sinnvoll (das können wir gerne in einem separaten Thread diskutieren!). Nichtsdestotrotz gibt es auch unter Dirigenten Puristen, die UNBEDINGT die Originaldynamik des Verdi-Requiems für die Aufnahme erhalten wollen. Denen kann man dann dieses Gerät hinstellen, "das ist NUR ein Vorverstärker", und alle sind glücklich (denn besagter Dirigent bemerkt am Ende nicht, daß die Dynamik verändert wurde, sondern nur, wie voll und rund und toll die Aufnahme klingt: "wie im Konzertsaal"...). Daß dabei dann noch diffusfeldentzerrte Mikros (die also auch wieder den originalen Frequenzgang verändern - oh Schreck!) verwendet werden...;)
Interessanterweise gibt es viele Leute, die zwar eigenklangarme Verstärker benutzen, aber als Hauptmikrophon zwei TLM103(U87/Brauner. Wollen die dann den Eigenklang des Mics möglichst genau erhalten?
Die Diskussion über den Eigenklang gehört zu denjenigen Diskussionen, die niemals ein Ergebnis haben werden.
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Antwort#24
Hallo Dirk,

das ganze mit der "Transientresponse" wird von vielen Leuten einfach nicht verstanden. Die ganzen "Aufsätze" in den 80-er Jahren in einschlägigen Hifi-Zeitschriften zeigen dies ganz deutlich. Da wurde von "schnellen" Verstärkern geredet und diesen geradezu mystische Dinge angedichtet - alles Unfug!.
Man muß sich mal darüber klar sein, daß die im Musiksignal vorkommenden Transienten niemals steiler sind als der Nulldurchgang des Maximalpegels der höchsten Spektralfrequenz. Wenn also ein Verstärker nach dem IRT-Pflichtenheft einen maximalen Ausgangspegel von +22 dBu haben muß, dann muß auch bei der höchsten zu übertragenden Frequenz (15 kHz bzw. 20 kHz) die Zeitfunktion unverzerrt sein. Dann ist auch die Transientresponse automatisch ausreichend. Dieser Zusammenhang wird von vielen nicht verstanden und dann ist es zu esoterischen Maßnahmen wie z.B. gedankenloses Austauschen verschiedenster Bauteile nicht mehr weit.
Auch ein Austausch eines OP's gegen einen rauschärmeren Typ bringt nicht unbedingt eine Verbesserung des Rauschabstandes´.
""Aber die Ausführung eines solchen Schaltplans wird nicht immer durchgeführt durch den, der sie auch entwickelt hat. Da kommen wieder die Kostenfaktoren mit ins Spiel.""
Das mag zutreffen bei Schaltungen aus der Konsumerelektronik. Ich habe es bei professionellen Herstellern noch nicht erlebt. Wir haben bei Lawo einigen Schaltungsaufwand betrieben um die Qualtitätsparameter wirklich an die physikalische Grenze zu treiben. Und: Keiner von uns hat sich je die Mühe gemacht, hinterher die Schaltung "anzuhören wie sie klingt" - die wurde vermessen und das war es dann. Und die Kritiken unserer Kunden beweisen den hohen Qualtitätsstand der Lawo-Anlagen. Eine Schaltung die meßtechnisch voll befriedigt braucht man sich hinterher nicht nochmals anzuhören um zu hören "wie sie klingt" - die hat keinen Eigenklang.

MfG
Rainer
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