Hallo, Die Situation: es geht mir um die Aufnahme eines 8 Köpfigen Ensembles. Der Chor steht völlig durcheinander d. h. nicht nach Stimmen sortiert. Die Literatur ist teilweise mehr als 4 stimmig, so daß Stimmen solistisch besetzt werden. Ich habe 2 Nieren und 2 Kugeln zur Verfügung und folgenden Plan: Mein Plan: Ich möchte ein EBS-Sytem (oder ähnlich) relativ dicht vor den Chor stellen, so daß die Abbildungsbreite nicht den ganzen Chor erfasst sondern die beiden äußeren Sänger "vernachlässigt. An die äußeren Flanken möchte ich die Kugeln plazieren um einerseits die die Flanken zu stützen und andererseits gleichzeittig als Raummikrofone zu fungieren und dabei über Hörversuche mit dem Abstand zum Ensemble zu experimentieren. Begründung: Bisherige Versuche, daß Ensemble allein mit dem Äquivalenzsystem zu erfassen sind daran gescheitert, daß der dabei nötige Anstand zu Ensemble zu groß war und das Klangbild zu hallig bzw nicht direkt genug. Oft sind viel Kirchen zu hallig. Um alle Sänger zu stützen reicht mein Equipment leider nicht aus. Deshalb der oben beschriebenen Plan. Mein Frage: Kann das funktionieren oder solle ich mir das doch lieber gleich aus dem Kopf schlagen? Danke Erdie
Ich würde das ebs System "nach Plan" verwenden, sodass Du wirklich das ganze Ensemble im 90° Aufnahmebereich hast. Bei mir hat die Hallbalance so sehr gut gepasst. Ich würde an Deiner Stelle entweder ein Nierensystem oder ein Kugelsystem verwenden - und das andere Paar ggf. für den Raum (z.B. Kugeln in KleinAB dafür), falls es so zu trocken sein sollte. Zwei Hauptsysteme für ein derart kleines Ensemble mit unterschiedlichen "Arbeitsweisen" zu mischen habe ich noch nicht probiert - und würde es gefühlsmäßig auch nicht tun. Aber vielleicht hat darin ja schon jemand Erfahrung. Der Chor, Leiter und ich sind von den EBS-System-Aufnahmen hellauf begeistert. Grüße, Hermann
hallo Hermann, bei meiner letzten Aufnahme war das EBS System zu Hall-lastig. Aber das kann ja von Fall zu Fall anders sein. Würdest Du ggf Raummikros mit extrem großer Mikrofonbasis verwenden oder ehe so eine Art Zumischsytem mit 1m Basis? Gruß Erdie
Bei so einem kleinen Ensemble würde ich sicherlich erstmal ein Äquivalenzsystem hinstellen, und dann mit dem Aufnahmebereich spielen. Wenn es zu hallig ist: Näher hin und Aufnahmebereich vergrößern (also Achsenwinkel oder Abstand oder beides verkleinern - tendenziell würde ich persönlich eher den Abstand verkleinern, damit ich die äußeren Sänger nicht schon pegelmäßig unterbelichte). Das Problem bei deiner Idee ist: Du nutzt mit 5-6 Sängern die Lautsprecherbasis schon komplett aus. d.h. du reißt das 8-Kopf-Ensemble in der Mitte auseinander. Mittenloch als typisches Resultat eines zu nahen Hauptmikrophons. Wenn du jetzt noch mit Kugeln die äußeren Sänger ebenfalls da außen hin knallst, dann kommen die zwar etwas mehr nach vorne, aber gleichmäßiger wird die Verteilung auf der Lautsprecherbasis nicht (und das wollten wir ja eigentlich erreichen!) WENN du mit Kugel-Outriggern arbeiten willst, dann würde ich eher vermuten, daß in der Mitte eine XY-Anordnung besser ist. Die kann man problemlos panpotmäßig einengen. Dann sollte man theoretisch bei nah genug aufgestellten Kugeln hauptsächlich die äußeren Sänger aufnehmen und kann die mittleren Sänger schön dazwischen rein schieben und genau so breit oder schmal machen, wie es die Randsänger-Kugeln vorgeben. Bitte schreib hier doch einen Erfahrungsbericht rein, wenn die Sache gelaufen ist :)
Die nächste Aufnahme werde ich an einem anderen Ort machen. Wenn der Raum dort weniger Hall hat (das Problem beim letzten Mal war auch, daß die Kirche zu klein war), könnte sich das Problem von selbst lösen weil das Äquivalenzsystem die passende Hallbalance hat. Ich würde gern weniger Hall auf dem Hauptsystem haben, so daß ich es mir leisten kann mit den Kugeln über eine große Mikrofonbasis möglichst unkorrelierte Signale in das Klangbild zu mischen um so mehr Luftigkeit in das Klangbild zu bekommen. Mich faszinieren manche Aufnahmen, die so klingen als ob das Klanggeschehen in bei den Lautsprechern aufhört sondern ein Raumgefühl vermitteln, daß über die Lautsprecherbasis hinausgeht. IMHO geht das nur mit großer "Phasigkeit" in den Signalen. Vermutlich sind das zu hoch gesteckte Ziele, die ich mit meinem bescheidenen Mitteln nie erreichen kann, aber ich gebe nicht auf. Danke und Gruß Erdie
Ich habe mal bei einem ähnlichen Ensemble (ca. 10 Sänger/innen) spasseshalber (zusätzlich zum ORTF) ein M/S mit einer Kugel/Acht KM an einem Galgen fast in die Mitte eines Halbkreises gehängt. Die Sänger/innen und auch der Dirigent haben sich einstimmig für diese Aufnahme entschieden. Mal ausprobieren! Bei EBS gibts auch die entsprechenden Unterlagen. Gruss Gerhard
Ich würde auch eher von einem (nahen) XY/MS System ausgehen wenn ich Kugeloutrigger dazumischen will. Ein breiter abbildendes System wie EBS oder ORTF dehnt die Mitte des Ensembles bei zu naher Aufstellung (was bei Orchester u. U. erwünscht ist unddann die Bläser in der richtigen Breite abbildet) und schiebt die äusseren Sänger "in die Lautsprecher". Ich habe (bin selber Chorleiter) jahrelange Erfahrung im Mitschneiden von Konzerten in Quartett- bis Kammerchorgröße (einreihige Aufstellung!) und habe mit einem einfachen Äquivalenzhauptmikrofon meist ganz gute Ergebnisse bekommen. Es ist auf alle Fälle nötig, dass das Ensemble mehr oder weniger im Halbkreis um die Mikrofone steht, damit kein Stützmikrofon für die Flanken notwendig ist. Nur bei sehr überakustischen Räumen ist das nicht zu machen, wenn der nötige nahe Mikrofonabstand keinen Halbkreis mehr erlaubt. Eine mögliche Gangart ist dann ein Mikrofon"vorhang" aus drei oder vier gleichmäßig verteilten Mikrofonen, oder das angesprochene XY/MS mit Flankenstütze. Grüße Hermann Platzer
Habe ich auf extra Kanäle der Mehrspur aufgenommen um einfach mal einen A/B Vergleich zu haben. Ich habe einen M/S Dekoder auf der Basis von 2 Haufe T5320 Transformatoren, der dann direkt L/R am Ausgang zur Verfügung stellt. Wichtig ist bei dieser Aufstellung das Verhältnis M zu S, da dies deutliche Auswirkungen auf den Aufnahmewinkel hat. Siehe hierzu: http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz3MSKugel-Acht.pdf http://www.sengpielaudio.com/AufnahmebereichWichtigeWerte.pdf Gruss Gerhard