Hallo,
ich habe schon vor längerer Zeit Versuche mit der Erzeugung von Phantomschallquellen weit ausserhalb der normalen 2-Kanal-Stereo-Basis gemacht, und wollte meine Ergebnisse hier mal vorstellen, die sich auch tatsächlich praktisch anwenden lassen -- in bestimmten Fällen und Voraussetzungen.
Die Technik an sich ist alt und baut auf den Versuchen von M.Schröder und B.Atal zur Darstellung von Phantomschallquellen ausserhalb der LS-Basis auf, sowie vor allem auf den Techniken von P.Damaske und V.Mellert zur LS-Wiedergabe von Kunstkopf-Stereo im schalltoten Raum. Jedoch bin ich auf diese Quellen erst bei der nachträglichen Recherche gestossen, habe also ein "Scheinerfindung" gemacht (leider auch nicht patent-fähig, also nix mit schöner Rente aus Tantiemen ;-)
Die Idee ist, die Phantomschallquelle weiter ausserhalb der LS-Basis zu bekommen dadurch dass man den Direktschall, der auf das "falsche" Ohr durchdringt, durch geeignete Signale auslöscht bzw. stark dämpft.
Bei reinem Intensitäts-Stereo kommt ja normalerweise nicht weiter nach rechts als 30°, im Standard-Stereo-Dreieck, weniger wie nichts aus dem linken Kanal kann ja nicht kommen. Am linken Ohr kommt aber noch viel Direktschall des rechten LS an (und erst recht Diffusschall) und die Idee war nun, zumindest diesen Direktschall "wegzulöschen", indem man diesen Anteil passend in Pegel, Verzögerung, Phase und Frequenzverlauf aus dem linken LS wiedergibt. Das ganze dann zweistufig, weil das Korrektursignal aus dem linken LS ja genauso wieder auf dem rechten Ohr ankommt, was es aber nicht soll, also wird die "Korrektur der Korrektur" wieder auf den rechten LS gegeben. Man kann das iterieren bis ultimo, 2-stufig reicht aber in den meisten Fällen. Wichtiger ist das Kammfilterproblem und der Bassabfall, die sich zwangläufig ergeben. Das kann man durch weitere Korrektursignale mindern, die die Kammfilter-Notches nur wenige dB einbrechen lassen. Damit wird es sogar einigermassen Mono-Kompatibel, aber die Gegenphasigkeit ist natürlich beträchtlich -- Probleme bei Vinyl und Rundfunk-Modulation könnte es wohl geben.
In der Anwendung, finde ich, eignet sich das Ganze herrvorragend zur Bearbeitung ("Aufblasen") von Effektspuren (Räume, Hall, Echos) oder zur räumlichen "Auslagerung" von irgendwelchen musikalischen (Effekt-)Einwürfen (Geräusche, Stimmen, kurze Soli), als "Substanz" für Einzelspuren oder gar Mastering ist nur sehr bedingt brauchbar. Ingsamt bevorzugt bei U-Musik mit Einzelspur-Mikrofonierung und "Pan-Pot-Stereo", eine Klassik-Aufnahme mit echtem Raum, oder alles mit viel AB-Anteil, kann man damit nur "verschlimmst-bessern", denn der Klang wird schon stark verfälscht, speziell der Diffusschallanteil, so dass die Ausgeglichenheit des Raumklangs von guten LS in guten Räumen natürlich dahin ist. Wie gesagt, für gelegentliche Effekte aber sinnvoll und in der Wirkung wirklich verbüffend.
--------------:--------------
So jetzt das Kochrezept, mal ausgehend von einem Stereosignal, z.B. einer Effektspur, man nehme:
1) das Original mit 0dB
2) Kopie davon, um etwa 200µs verzögert (9 Samples bei 44.1), invertiert und LR-vertauscht, -3dB Pegel, ausserdem Hi-Shelving-Filter -7dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-3.5dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz (das ist die Basskorrektur, nach Bedarf ändern), nenne das Gesamtresultat S1.
3) Kopie von S1, wieder invertiert und LR-vertauscht (d.h. wieder wie Orig.), aber 6dB unter S1 (also -9dB unter Orig). Ist die Kammfilter-Korrektur, nenne das S1K.
4) Korrektursignal zu S1, also bezogen darauf wieder das gleiche processing, aufs Original bezogen also: 400µS Delay (18Samples), LR und Phase wie Orig, -6dB Pegel, Hi-Shelving-Filter -14dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-7dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz, nenne das S2.
5) Kammfilterkorrektur zu S2, also S2 wieder invertiert und LR-vertauscht und wieder 6dB leiser, also -12dB unter Orig. Nenne das S2K.
Ich hoffe, der Algorithmus ist klar geworden, es geht immer über Kreuz hin und her, wobei jeweils zwei neue Signale hinzukommen:
1) LS-Korrektur: 200µS Delay, invertiert und LR-vertauscht, -7dB Hi-Shelf.
2) Kammfilter/Mono-Korrektur: die LS-Korrektur invertiert und LR-vertauscht und 6dB leiser.
3) Zurück zu 1) ...
Man kann die 4 Korrektur-Spuren auf eine Gruppe legen, und hört dann, dass schon bei geringer Zumischung der Effekt sehr deutlich wird. Bei 0dB Zumischung kommen pure L (bzw R) Signale dann, sagen wir, etwa bei 60° Lokalisation an...
Achtung, das Summensignal hat deutlich über 0dB und muss reduziert und/oder gelimitet werden.
--------------:--------------
Den Effekt finde ich wirklich sehr gut bei Signalen mit der Energie primär in den Mitten: Stimmen/Geräusche aus dem Off, Hallfahnen, dosige Gitarren-Soli etc.
Durch Verändern der Zeitkonstante kann man das Zentrum des Effekts auch weiter nach vorn (mehr Delay) oder nach hinten legen (von der Hörposition redend), durch einen Offset der Delays innerhalb von LR kann man das Zentrum zur Seite legen bzw. in der Achse drehen (da ist etwas Knobeln angesagt, was man wie offseten muss, Skizze hilft).
Anwendung: z.B. die Hallfahne der Drums nach hinten legen, die des Gesangs nach vorne, dann "öffnet" sich der jeweilige Raum enstprechend wenn man sich in Hörposition intuitiv nach vorn oder hinten bewegt. Noch besser bei verschiedenen Gitarren auf L und R, da kann man den Focus so legen, dass der Raum dann "aufgeht", wenn man sich auf die Quelle konzentriert und sich dabei in die Richtung der Quelle dreht und auf diese etwas zubewegt (macht man ja oft intuitiv). Damit kann man ein richtiges Raumhörfeld aufbauen, mit durchaus "gefühlten" 90° Lokalisationswinkel. Ein echter Nachteil, es funktioniert nur bei sauberem Stereo-Dreieck und einigermassen totem Raum und/oder stark bündelnden LS, also alles das was dem Durchnisttskonsument nicht gross beachtet...
Interessant ist ausserdem der Effekt, dass diese Pahntomschallquellen irgendwie von weiter unten zu kommen scheinen, was vielleicht daran liegt, dass die Kammfiltereffekte gerade die Freq.Bereiche betonen, die für das Richtungshören "von unten" wichtig sind, die HRTFen für vertikale Auslenkwinkel nach unten ändern sich ja sehr rasch und deutlich.
Noch ne Überlegung: könnte es sein, dass der betont räumliche Klang von Dipol-LS ähnlich funkioniert, da ja dort auch ein leiseres, invertiertes und HF-gedämpftes "Korrektur-Signal" erzeugt wird, wenn die Raumverhältnisse und die Bedämpfung gerade zufällig perfekt passen (immer dieses LS-Geschiebe... ;-)?
Ich täte übrigens schon lang ein Direkt-X Plugin versucht geschrieben zu haben, dass man nicht für jeden Versuch die (Effekt-)Spur(en) bouncen muss, mühsam den Algorithmus (ohne Orig-Signal) drauflegen und wieder bouncen, und wieder einfliegen und zumischen...
Hat da jemand Erfahrung, mit einem Plugin-Toolkit samt Library -- viel bräuchte man ja nicht, kurzes Delay und Shelving-Filter und ein Billig-Frontend.
Viel Spass beim Experimentieren, vielleicht hat der ein oder andere ja einen Kommentar...
Grüsse, Klaus S
ich habe schon vor längerer Zeit Versuche mit der Erzeugung von Phantomschallquellen weit ausserhalb der normalen 2-Kanal-Stereo-Basis gemacht, und wollte meine Ergebnisse hier mal vorstellen, die sich auch tatsächlich praktisch anwenden lassen -- in bestimmten Fällen und Voraussetzungen.
Die Technik an sich ist alt und baut auf den Versuchen von M.Schröder und B.Atal zur Darstellung von Phantomschallquellen ausserhalb der LS-Basis auf, sowie vor allem auf den Techniken von P.Damaske und V.Mellert zur LS-Wiedergabe von Kunstkopf-Stereo im schalltoten Raum. Jedoch bin ich auf diese Quellen erst bei der nachträglichen Recherche gestossen, habe also ein "Scheinerfindung" gemacht (leider auch nicht patent-fähig, also nix mit schöner Rente aus Tantiemen ;-)
Die Idee ist, die Phantomschallquelle weiter ausserhalb der LS-Basis zu bekommen dadurch dass man den Direktschall, der auf das "falsche" Ohr durchdringt, durch geeignete Signale auslöscht bzw. stark dämpft.
Bei reinem Intensitäts-Stereo kommt ja normalerweise nicht weiter nach rechts als 30°, im Standard-Stereo-Dreieck, weniger wie nichts aus dem linken Kanal kann ja nicht kommen. Am linken Ohr kommt aber noch viel Direktschall des rechten LS an (und erst recht Diffusschall) und die Idee war nun, zumindest diesen Direktschall "wegzulöschen", indem man diesen Anteil passend in Pegel, Verzögerung, Phase und Frequenzverlauf aus dem linken LS wiedergibt. Das ganze dann zweistufig, weil das Korrektursignal aus dem linken LS ja genauso wieder auf dem rechten Ohr ankommt, was es aber nicht soll, also wird die "Korrektur der Korrektur" wieder auf den rechten LS gegeben. Man kann das iterieren bis ultimo, 2-stufig reicht aber in den meisten Fällen. Wichtiger ist das Kammfilterproblem und der Bassabfall, die sich zwangläufig ergeben. Das kann man durch weitere Korrektursignale mindern, die die Kammfilter-Notches nur wenige dB einbrechen lassen. Damit wird es sogar einigermassen Mono-Kompatibel, aber die Gegenphasigkeit ist natürlich beträchtlich -- Probleme bei Vinyl und Rundfunk-Modulation könnte es wohl geben.
In der Anwendung, finde ich, eignet sich das Ganze herrvorragend zur Bearbeitung ("Aufblasen") von Effektspuren (Räume, Hall, Echos) oder zur räumlichen "Auslagerung" von irgendwelchen musikalischen (Effekt-)Einwürfen (Geräusche, Stimmen, kurze Soli), als "Substanz" für Einzelspuren oder gar Mastering ist nur sehr bedingt brauchbar. Ingsamt bevorzugt bei U-Musik mit Einzelspur-Mikrofonierung und "Pan-Pot-Stereo", eine Klassik-Aufnahme mit echtem Raum, oder alles mit viel AB-Anteil, kann man damit nur "verschlimmst-bessern", denn der Klang wird schon stark verfälscht, speziell der Diffusschallanteil, so dass die Ausgeglichenheit des Raumklangs von guten LS in guten Räumen natürlich dahin ist. Wie gesagt, für gelegentliche Effekte aber sinnvoll und in der Wirkung wirklich verbüffend.
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So jetzt das Kochrezept, mal ausgehend von einem Stereosignal, z.B. einer Effektspur, man nehme:
1) das Original mit 0dB
2) Kopie davon, um etwa 200µs verzögert (9 Samples bei 44.1), invertiert und LR-vertauscht, -3dB Pegel, ausserdem Hi-Shelving-Filter -7dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-3.5dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz (das ist die Basskorrektur, nach Bedarf ändern), nenne das Gesamtresultat S1.
3) Kopie von S1, wieder invertiert und LR-vertauscht (d.h. wieder wie Orig.), aber 6dB unter S1 (also -9dB unter Orig). Ist die Kammfilter-Korrektur, nenne das S1K.
4) Korrektursignal zu S1, also bezogen darauf wieder das gleiche processing, aufs Original bezogen also: 400µS Delay (18Samples), LR und Phase wie Orig, -6dB Pegel, Hi-Shelving-Filter -14dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-7dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz, nenne das S2.
5) Kammfilterkorrektur zu S2, also S2 wieder invertiert und LR-vertauscht und wieder 6dB leiser, also -12dB unter Orig. Nenne das S2K.
Ich hoffe, der Algorithmus ist klar geworden, es geht immer über Kreuz hin und her, wobei jeweils zwei neue Signale hinzukommen:
1) LS-Korrektur: 200µS Delay, invertiert und LR-vertauscht, -7dB Hi-Shelf.
2) Kammfilter/Mono-Korrektur: die LS-Korrektur invertiert und LR-vertauscht und 6dB leiser.
3) Zurück zu 1) ...
Man kann die 4 Korrektur-Spuren auf eine Gruppe legen, und hört dann, dass schon bei geringer Zumischung der Effekt sehr deutlich wird. Bei 0dB Zumischung kommen pure L (bzw R) Signale dann, sagen wir, etwa bei 60° Lokalisation an...
Achtung, das Summensignal hat deutlich über 0dB und muss reduziert und/oder gelimitet werden.
--------------:--------------
Den Effekt finde ich wirklich sehr gut bei Signalen mit der Energie primär in den Mitten: Stimmen/Geräusche aus dem Off, Hallfahnen, dosige Gitarren-Soli etc.
Durch Verändern der Zeitkonstante kann man das Zentrum des Effekts auch weiter nach vorn (mehr Delay) oder nach hinten legen (von der Hörposition redend), durch einen Offset der Delays innerhalb von LR kann man das Zentrum zur Seite legen bzw. in der Achse drehen (da ist etwas Knobeln angesagt, was man wie offseten muss, Skizze hilft).
Anwendung: z.B. die Hallfahne der Drums nach hinten legen, die des Gesangs nach vorne, dann "öffnet" sich der jeweilige Raum enstprechend wenn man sich in Hörposition intuitiv nach vorn oder hinten bewegt. Noch besser bei verschiedenen Gitarren auf L und R, da kann man den Focus so legen, dass der Raum dann "aufgeht", wenn man sich auf die Quelle konzentriert und sich dabei in die Richtung der Quelle dreht und auf diese etwas zubewegt (macht man ja oft intuitiv). Damit kann man ein richtiges Raumhörfeld aufbauen, mit durchaus "gefühlten" 90° Lokalisationswinkel. Ein echter Nachteil, es funktioniert nur bei sauberem Stereo-Dreieck und einigermassen totem Raum und/oder stark bündelnden LS, also alles das was dem Durchnisttskonsument nicht gross beachtet...
Interessant ist ausserdem der Effekt, dass diese Pahntomschallquellen irgendwie von weiter unten zu kommen scheinen, was vielleicht daran liegt, dass die Kammfiltereffekte gerade die Freq.Bereiche betonen, die für das Richtungshören "von unten" wichtig sind, die HRTFen für vertikale Auslenkwinkel nach unten ändern sich ja sehr rasch und deutlich.
Noch ne Überlegung: könnte es sein, dass der betont räumliche Klang von Dipol-LS ähnlich funkioniert, da ja dort auch ein leiseres, invertiertes und HF-gedämpftes "Korrektur-Signal" erzeugt wird, wenn die Raumverhältnisse und die Bedämpfung gerade zufällig perfekt passen (immer dieses LS-Geschiebe... ;-)?
Ich täte übrigens schon lang ein Direkt-X Plugin versucht geschrieben zu haben, dass man nicht für jeden Versuch die (Effekt-)Spur(en) bouncen muss, mühsam den Algorithmus (ohne Orig-Signal) drauflegen und wieder bouncen, und wieder einfliegen und zumischen...
Hat da jemand Erfahrung, mit einem Plugin-Toolkit samt Library -- viel bräuchte man ja nicht, kurzes Delay und Shelving-Filter und ein Billig-Frontend.
Viel Spass beim Experimentieren, vielleicht hat der ein oder andere ja einen Kommentar...
Grüsse, Klaus S
