"krasses" Phantomstereo

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Startbeitrag#1
Hallo,
ich habe schon vor längerer Zeit Versuche mit der Erzeugung von Phantomschallquellen weit ausserhalb der normalen 2-Kanal-Stereo-Basis gemacht, und wollte meine Ergebnisse hier mal vorstellen, die sich auch tatsächlich praktisch anwenden lassen -- in bestimmten Fällen und Voraussetzungen.
Die Technik an sich ist alt und baut auf den Versuchen von M.Schröder und B.Atal zur Darstellung von Phantomschallquellen ausserhalb der LS-Basis auf, sowie vor allem auf den Techniken von P.Damaske und V.Mellert zur LS-Wiedergabe von Kunstkopf-Stereo im schalltoten Raum. Jedoch bin ich auf diese Quellen erst bei der nachträglichen Recherche gestossen, habe also ein "Scheinerfindung" gemacht (leider auch nicht patent-fähig, also nix mit schöner Rente aus Tantiemen ;-)
Die Idee ist, die Phantomschallquelle weiter ausserhalb der LS-Basis zu bekommen dadurch dass man den Direktschall, der auf das "falsche" Ohr durchdringt, durch geeignete Signale auslöscht bzw. stark dämpft.
Bei reinem Intensitäts-Stereo kommt ja normalerweise nicht weiter nach rechts als 30°, im Standard-Stereo-Dreieck, weniger wie nichts aus dem linken Kanal kann ja nicht kommen. Am linken Ohr kommt aber noch viel Direktschall des rechten LS an (und erst recht Diffusschall) und die Idee war nun, zumindest diesen Direktschall "wegzulöschen", indem man diesen Anteil passend in Pegel, Verzögerung, Phase und Frequenzverlauf aus dem linken LS wiedergibt. Das ganze dann zweistufig, weil das Korrektursignal aus dem linken LS ja genauso wieder auf dem rechten Ohr ankommt, was es aber nicht soll, also wird die "Korrektur der Korrektur" wieder auf den rechten LS gegeben. Man kann das iterieren bis ultimo, 2-stufig reicht aber in den meisten Fällen. Wichtiger ist das Kammfilterproblem und der Bassabfall, die sich zwangläufig ergeben. Das kann man durch weitere Korrektursignale mindern, die die Kammfilter-Notches nur wenige dB einbrechen lassen. Damit wird es sogar einigermassen Mono-Kompatibel, aber die Gegenphasigkeit ist natürlich beträchtlich -- Probleme bei Vinyl und Rundfunk-Modulation könnte es wohl geben.
In der Anwendung, finde ich, eignet sich das Ganze herrvorragend zur Bearbeitung ("Aufblasen") von Effektspuren (Räume, Hall, Echos) oder zur räumlichen "Auslagerung" von irgendwelchen musikalischen (Effekt-)Einwürfen (Geräusche, Stimmen, kurze Soli), als "Substanz" für Einzelspuren oder gar Mastering ist nur sehr bedingt brauchbar. Ingsamt bevorzugt bei U-Musik mit Einzelspur-Mikrofonierung und "Pan-Pot-Stereo", eine Klassik-Aufnahme mit echtem Raum, oder alles mit viel AB-Anteil, kann man damit nur "verschlimmst-bessern", denn der Klang wird schon stark verfälscht, speziell der Diffusschallanteil, so dass die Ausgeglichenheit des Raumklangs von guten LS in guten Räumen natürlich dahin ist. Wie gesagt, für gelegentliche Effekte aber sinnvoll und in der Wirkung wirklich verbüffend.
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So jetzt das Kochrezept, mal ausgehend von einem Stereosignal, z.B. einer Effektspur, man nehme:
1) das Original mit 0dB
2) Kopie davon, um etwa 200µs verzögert (9 Samples bei 44.1), invertiert und LR-vertauscht, -3dB Pegel, ausserdem Hi-Shelving-Filter -7dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-3.5dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz (das ist die Basskorrektur, nach Bedarf ändern), nenne das Gesamtresultat S1.
3) Kopie von S1, wieder invertiert und LR-vertauscht (d.h. wieder wie Orig.), aber 6dB unter S1 (also -9dB unter Orig). Ist die Kammfilter-Korrektur, nenne das S1K.
4) Korrektursignal zu S1, also bezogen darauf wieder das gleiche processing, aufs Original bezogen also: 400µS Delay (18Samples), LR und Phase wie Orig, -6dB Pegel, Hi-Shelving-Filter -14dB, bei 2000Hz (Mittenfrequenz @-7dB), und Lo-Shelving -6dB, 100Hz, nenne das S2.
5) Kammfilterkorrektur zu S2, also S2 wieder invertiert und LR-vertauscht und wieder 6dB leiser, also -12dB unter Orig. Nenne das S2K.
Ich hoffe, der Algorithmus ist klar geworden, es geht immer über Kreuz hin und her, wobei jeweils zwei neue Signale hinzukommen:
1) LS-Korrektur: 200µS Delay, invertiert und LR-vertauscht, -7dB Hi-Shelf.
2) Kammfilter/Mono-Korrektur: die LS-Korrektur invertiert und LR-vertauscht und 6dB leiser.
3) Zurück zu 1) ...
Man kann die 4 Korrektur-Spuren auf eine Gruppe legen, und hört dann, dass schon bei geringer Zumischung der Effekt sehr deutlich wird. Bei 0dB Zumischung kommen pure L (bzw R) Signale dann, sagen wir, etwa bei 60° Lokalisation an...
Achtung, das Summensignal hat deutlich über 0dB und muss reduziert und/oder gelimitet werden.
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Den Effekt finde ich wirklich sehr gut bei Signalen mit der Energie primär in den Mitten: Stimmen/Geräusche aus dem Off, Hallfahnen, dosige Gitarren-Soli etc.
Durch Verändern der Zeitkonstante kann man das Zentrum des Effekts auch weiter nach vorn (mehr Delay) oder nach hinten legen (von der Hörposition redend), durch einen Offset der Delays innerhalb von LR kann man das Zentrum zur Seite legen bzw. in der Achse drehen (da ist etwas Knobeln angesagt, was man wie offseten muss, Skizze hilft).
Anwendung: z.B. die Hallfahne der Drums nach hinten legen, die des Gesangs nach vorne, dann "öffnet" sich der jeweilige Raum enstprechend wenn man sich in Hörposition intuitiv nach vorn oder hinten bewegt. Noch besser bei verschiedenen Gitarren auf L und R, da kann man den Focus so legen, dass der Raum dann "aufgeht", wenn man sich auf die Quelle konzentriert und sich dabei in die Richtung der Quelle dreht und auf diese etwas zubewegt (macht man ja oft intuitiv). Damit kann man ein richtiges Raumhörfeld aufbauen, mit durchaus "gefühlten" 90° Lokalisationswinkel. Ein echter Nachteil, es funktioniert nur bei sauberem Stereo-Dreieck und einigermassen totem Raum und/oder stark bündelnden LS, also alles das was dem Durchnisttskonsument nicht gross beachtet...
Interessant ist ausserdem der Effekt, dass diese Pahntomschallquellen irgendwie von weiter unten zu kommen scheinen, was vielleicht daran liegt, dass die Kammfiltereffekte gerade die Freq.Bereiche betonen, die für das Richtungshören "von unten" wichtig sind, die HRTFen für vertikale Auslenkwinkel nach unten ändern sich ja sehr rasch und deutlich.
Noch ne Überlegung: könnte es sein, dass der betont räumliche Klang von Dipol-LS ähnlich funkioniert, da ja dort auch ein leiseres, invertiertes und HF-gedämpftes "Korrektur-Signal" erzeugt wird, wenn die Raumverhältnisse und die Bedämpfung gerade zufällig perfekt passen (immer dieses LS-Geschiebe... ;-)?

Ich täte übrigens schon lang ein Direkt-X Plugin versucht geschrieben zu haben, dass man nicht für jeden Versuch die (Effekt-)Spur(en) bouncen muss, mühsam den Algorithmus (ohne Orig-Signal) drauflegen und wieder bouncen, und wieder einfliegen und zumischen...
Hat da jemand Erfahrung, mit einem Plugin-Toolkit samt Library -- viel bräuchte man ja nicht, kurzes Delay und Shelving-Filter und ein Billig-Frontend.
Viel Spass beim Experimentieren, vielleicht hat der ein oder andere ja einen Kommentar...
Grüsse, Klaus S
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Antwort#2
Hi,
finde ich sehr spannend, werds bei der anstehenden aufnahme meiner band ausprobieren...
mit den sipolen, dass habe ich nicht ganz verstanden. im prinzip sind die doch so gebaut, dass bei allen frequenzen 8er herrschen... oder meinst du die linkwitz konstruktion mit bass und mitteltöner dipol und hochtöner "normal"?
grüsse
leif
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Antwort#3
Hallo Leif,
äh, ich habe noch keine Dipole ausser der Linkwitz Orion gehört, also keine Quads z.B.
Also die Räumlichkeit und die Auflösung der Orion war schon sehr beindruckend. Genauso wie die Webseite von Linkwitz (linkwitzlab.com), von der ich persönlich fast mehr über LS gelernt habe als von allen anderen vorigen Quellen zusammen -- er bringt einfach alles kompakt auf den Punkt.
Das mit der schönen 8-Charakeristik über alle Frequenzen ist ein heres Ziel, mit bündelnden dynamischen Chassis und auch deren rückwärtigen Korbresonanzen ist es nicht perfekt, und bei der Orion gibt es durchaus lobing im vertikalen Abstrahlverhalten, schon weil die einzelnen Chassis recht weit voneinander entfernt sind...
Mein (äusserst laienhafte) Theorie zu den Dipolen war, dass bei denen hinten invertiertes Signal rauskommt, was sich über Reflexionen und HF-Dämpfung vielleicht ähnlich effektvoll am Hörort auswirkt wie diese Canceling-Technik, speziell in den Mitten... gebe die Frage aber an die Experten weiter.
Gruss, Klaus S
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Antwort#4
Klaus S schrieb: "Ich habe schon vor längerer Zeit Versuche mit der Erzeugung von Phantomschallquellen weit ausserhalb der normalen 2-Kanal-Stereo-Basis gemacht, und wollte meine Ergebnisse hier mal vorstellen, die sich auch tatsächlich praktisch anwenden lassen."
Abgebildet ist die Schaltung für die Erzeugung einer überbreiten Stereoabbildung (Rauminformation) aus dem Jahre 1961, wozu für die Verzögerung analoge Bandschleifen verwendet wurden.
1961 gab es für die Stereo-Schallplattenwiedergabe keine zwei getrennten Lautsprecher, wie wir das heute kennen. Das ließ die Hausfrau im Wohnzimmer nicht zu! Dafür gab es aber die unentbehrliche Grundig-Rundfunk-Truhe von einem Meter Breite mit einem Stereo-Plattenspieler von Dual und den links und rechts nach seitwärts strahlenden eingebauten Lautsprechern. Die zu hörende Stereoabbildung war logischerweise dabei recht "schmal" in seiner Ausdehnung.
Damit aus der 1-Meter-Truhe deutlich breiteres Stereo herauskommt, wurde für den Stereo-Schallplattenschnitt ein Verfahren angewendet, das sich MD-Verfahren nannte (Magic Dimensions). Dieses von Martin Fouqué und Horst Redlich (Firma Teldec - Telefunken-Decca Schallplatten GmbH, Berlin-Lichterfelde) angegebene Verfahren hat zum Ziel, die Raumwirkung für das Stereo-Klangbild durch Hinzufügen von bestimmten Einzelreflexionen und verzögertem künstlichem Nachhall weit über die Lautsprecher hinaus zu vergrößern. Hierzu werden aus einem vorwiegend Direktinformationen enthaltenden Stereo-Primärsignal elektrisch abgeleitete Signalanteile nach einmaliger Verzögerung seitenverkehrt und nach zweimaliger Verzögerung wieder seitenrichtig dem Primärsignal hinzugefügt, deren Ausgänge ebenfalls seitenverkehrt dem Primärignal zugemischt werden. Das Tape-Delay ist mit dem Kreis und Pfeil dargestellt. Ganz am Schluss nach den Verzögerungen kam noch ein Nachhallgerät hinzu, im Schaltplan als Lautsprecher "Hallraumsymbol" gezeichnet.
Zu dieser Zeit gab es im Handel von einer Produktion immer zwei (!) Schallplatten. Von der originalen Stereoaufnahme wurde eine Monoabmischung für den Mono-Schallplattenschnitt hergestellt und von der Stereofassung wurde über die obige Schaltung eine extrabreite MD-Stereomischung für den Stereo-Schallplattenschnitt hergestellt.
Literatur, siehe:
Martin Fouqué und Horst Redlich: " Über die Rauminformation in der Stereofonie - Gedanken zu einer neuen Aufnahmepraxis für Schallplatten", Funktechnik 16 (1961) Heft 17, Seiten 596 bis 597.
Martin Fouqué: "Patentauslegeschrift DAS Nr. 1 148 269 (Bundesrepublik Deutschland vom 09.05.1963).
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Antwort#5
Bei reinem Intensitäts-Stereo geht ja normalerweise nichts weiter nach rechts als 30°, im Standard-Stereo-Dreieck.

Hm, wirklich? Zum Beispiel ist bei einer Blumlein-Mikrofonanordnung mit zwei Achten
eine Hörereignisrichtung ein wenig über die +/- 30°-Lautsprecher hinaus schon möglich.
Das macht sich gut bei Effekten, zum Beispiel bei Beifall.
http://www.sengpielaudio.com/BasisUndUeberbasis.pdf
http://www.sengpielaudio.com/StereoRichtungsmischer.pdf
Bis zu S/M = 2 geht "Überbasis" schon:
http://www.sengpielaudio.com/SichtbarmachungDerStereorichtung.pdf
http://f11.parsimony.net/forum16949/messages/10399.htm


Basis und Überbasis durch S/M-Einstellung
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Antwort#6
Hi,
also, mein dipol wissen basiert auch auf Linki und auf dem hier: http://www.geocities.com/kreskovs/John1.html
meine theorie zu den dipolen ala john k ist, dass sie ja auch toll räumlich klingen müssen, wenn sie in alle richtungen abstrahlen... deshalb habe ich mir auch keine gebaut, weil um den richtigen level zwischen direkt und diffus schall zu bekommen brauche ich ein anderes zimmer als ich gerade habe...
naja, von der din norm sind die dinger weit entfernt, auch wenn sie im dieal zustand annähernd konstant gleich bündeln, nämlich wie eine 8, sofern die trennfrequenz jeweils kleiner 1,5*ka gewählt wird... nun ja...
ich habe mir dass mal mit hallprogramm nd frequenzweiche simuliert im computer: wenn der hall für höhen weg ist (also quasi eher kein dipol) nimmt das einiges an "matsch" weg, aber es matsch immer, solange nachhall dabei ist. unterhalb einer gewissen frequenz wird es annähernd unmöglich den hall zu eliminieren. allerdings schaffen die dipole bei sehr tiefen frequenzen es irgendwie besser mit den raumresonanzen klar zu kommen, auch wenn z.b. 4 subwoofer prinzipiell den gleichen effekt erreichen (steht glaube ich auf der jbl homepage).
bleibt, das diese tiefton dipole zumeist irre auslenkungen und daher irre verzerrungen brauchen/verursachen. das klingt meistens "besser", ist es aber nicht. daher finden vermutlich viele leute auch airmotion transformer toll (die verzerren ja was das zeug hält und richten stark)... das nent der high end junkie dann räumliche auflösung und der toningenieur k2 und k3....
naja, john k und auch das gesamte frd consortium (http://www.pvconsultants.com/audio/frdgroup.htm) finde ich immer wieder sehr lehrreich auf dem sektor.
ich denke mal darüber nach bei der gelegenheit.
btw.: welchen eindruck von den orions hattest du? hast du mal die k+h o500 gehört im vergleich? kannst du deinen höreindruck auf die richtcharakteristik der k+h schieben?
grüsse
leif
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Antwort#7
Hallo & Danke für Eure Quellenhinweise.
@Durham: Sehr interessanter Hinweis auf die Technik der alten Meister. Mit einer DAW sind solche Experimente halt mit viel weniger Aufwand für den Laien machbar.
Bei der Canceling-Technik kann man das Delay kürzer machen (und dabei auch den Amplitudenfrequenzgang passend verändern), dann wandert der Sweetspot weit nach hinten (ergibt sich ja geometrisch ob der Laufzeiten), habe schon breiteste Hallfahnen in Entfernungen bei 2x-4x LS-Basis erzeugen können, so ähnlich stelle ich mir das Verfahren für die Grundig-Truhe in der Wirkung auch vor.
@Lars2: Stimmt, Blumlein ist natürlich Intensitätsstereofonie, "reines Intensitäts-Stereo" war eine unglückliche Formulierung meinerseits, gemeint hatte ich "konventionelles Pan-Pot-Stereo mit Mono-Signalspuren", nicht das Stereosignal eines Hauptmikrofons.
Draufgekommen bin ich auf das Ganze, als ich mal experimentell die Lokalisation von Phantomschallquellen (mit rosa Rausch-Bursts) allein durch Laufzeitdifferenzen erfahren wollte. Hab zur Gaudi dann das Delay-Signal mal invertiert, und hoppla, das Resultat war -- zwar verschwommen -- ausserhalb der Basis... dann ne Skizze und die Idee war geboren... und ist in Technik und Wirkung schon anders als das reine Aufdrehen von S im M/S-Mix, würde ich sagen. Die Cancelingmethode degeneriert sogar zu einer reinen Verhältnisänderung von M zu S (auch die Amplituden-Frequenzgang-Korrektur fällt dann weg), wenn das Delay zu Null wird, d.h. der rechnerische Sweetspot nach unendlich abwandert.
Grüsse, Klaus S
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Antwort#8
Hallo leif,
Habe kurz die Seite John Kreskovsky überflogen, find ich so spontan nicht so kompakt wie die von Linkwitz...
Also ein Vorteil von Dipolen ist ja, dass sie in der Summe wesentlich weniger Energie diffus abstrahlen, was im Bassbereich wirklich deutlich bemerkbar wird durch die weniger starke Anregung von Raumresonanzen in bestimmter Raumrichtung. Mit Monopol-Subwoofern kann man das m.E. nicht erreichen, selbst wenn man mit mehreren Subs sich auf gegenphasige Lobes setzt... in einer höheren Ordnung der betr. Raummode regt man dann wieder voll in Phase an (das Problem hat man ja bereits bei zwei Box-LS/Subs, in der Querachse). Allerdings kann man die Anregung gleichmässiger über f verteilen als mit weniger Anregepunkten. (Zum Raumres.Thema habe ich auch noch einen *praktischen* Anschlag auf's Forum vor, wenn die Archive mal durchgearbeitet habe und da nichts degleichen finde).
Zweiter Vorteil ist konstruktiv dass Dipole weniger Energie speichern im Vergleich zu Box-Typen (weniger Feder-Masse-G'schäfte), Ausnahmen bestätigen sicher die Regel.
Bei der Orion speziell war ich über die Klarheit und Spritzigkeit der Bässe und Mitten überrascht. Sie gehen auch echt tief runter, aber richtig viel und zugleich sauberen Schalldruck in den Bässen (oder generell) schaffen sie nicht. Bei entprechendem Bassanteil kam es mir schon so vor als ob die Mitten dann rauher werden (wg. Dopplerverzerrungen + Langhub-Nichtlinearität, schätze ich). Jedoch, dieses berühmte "Loslösen" des Klanges vom LS hatte ich zuvor noch bei keinem anderen LS so empfunden (Traktrix-Horn ausgenommen), andererseits ist es auch gewöhnungsbedürftig.
Leider habe ich als 'bloss' ambitionierter Hobbyist nicht die Möglichkeit, Dutzende Monitore oder HiFi-LS länger gehört oder gar verglichen zu haben, kenne halt vor allem mein eigenes Zeug sowie das aus meinem näheren Umfeld bzw. Studio-Aufenthalten: NS10, JBL 4408 & Control5, Tannoy 12" DMT II & Sys600A, Dynaudio M1 -- bei den HiFi diverse JBL, Heco und Arcus... bis auf die 600A alles passiv (viele Aktiv-Tannoys haben ein echtes Problem, aber behebbar, dazu andermal mehr) ... K+H O500 ist sicher eine andere Liga.
Aber wir schweifen ab...
Grüsse, Klaus S
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Antwort#9
Hallo Klaus,

über die von Dir beschriebene Methode habe ich auch schon vor langen Jahren nachgedacht, bevor ich diese genannten Literaturstellen kannte. Das Verfahren mag zwar bis zu einem gewissen Grad funktionieren, aber es kann dann nur für einen bestimmten Punkt des Zuhöreres im Abhörraum optimal funktionieren, denn sonst müßten alle Parameter wie Laufzeit und Entzerrung jedesmal neu definiert werden.
Wenn Du noch irgendwie an das Buch "Stereofonie-Aufnahmetechnik" von Hoeg/Wagner herankommst, stehen dort eine ganze Reihe Beschreibungen und Prinzipschaltbilder drin wie sie auch in dem Beitrag von Durham dargestellt sind.
Das genannte Buch ist zwar inzwischen vergriffen, vielleicht ist es noch in einer Uni-Bibliothek vorhanden - ich habe 16 Jahre (!) gebraucht bis ich es mein Eigen nenen konnte. Auf einer TMT hatte ich das Glück einen der beiden Verfasser persönlich kennenzulernen und er hatte noch ein Exemplar für mich übrig...!
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Antwort#10
Hallo Rainer,
Es stimmt schon, dass das Verfahren die eh schon kleine Stereo-Hörfläche noch weiter einschränkt und das ganze sehr LS- und raumabhängig wird... andererseits gehe ich beim interessierten Stereo-Hörer schon davon aus, dass er halbwegs ein gleichseitiges Stereo-Dreieck aufbaut (auch achs-symmetrisch im Raum etc), wenn es ihm besonders um die Erfahrung der Stereo-Wirkung geht. Wie gesagt, ich denke man kann diese Technik eher nur für dezenten Effektspur-Einsatz oder für "Gimmicks" verwenden... obwohl ich zum Testen gern mal eine ganze CD "remastere" um den Effekt für mich ganz privat zu geniessen, und ich bin regelrecht süchtig danach, gebe ich zu...
Achso, leider ist er auch extrem Kopfhörer-untauglich, systembedingt.
Danke für den Literatur-Tipp, hoffentlich dauert es bei mir keine 16 Jahre ;-)
Grüsse, Klaus
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Antwort#11
in welchem raum hast du die gehört? hast du eine referenz dabei gehabt?
neugier...;)
leif
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Antwort#12
Sorry leif,
hab den Strang hier glatt aus den Augen verloren die letzten Tage...
Äh die Orion habe ich vor gut 2 Jahren in einem normalen Wohnzimmer gehört (bei einem flüchtigen Bekannten in Hamburg, leider kein Kontakt/Adresse mehr), mit rundrum harten Backsteinwänden und Steinboden... also ziemlich harter und 'nasser' Raum, normale Grösse mit unglücklichen Verhältnissen (7m x 3.5m x 3.5m, etwa -- noch schlimmer wie meiner). Durch Zufall hatte ich ein paar CDs dabei, die ich seit Jahren kenne und quasi immer meine Referenz sind (Peter Gabriel 'Up' & 'Us', Tori Amos 'Choirgirl Hotel', Yello 'Stella') und was soll ich sagen... da kamen Details ans Licht die ich davor und danach nicht hören konnte (auch im Kopfhörer nicht), und diese Sauberkeit im Bass und in den Mitten war schon richtig krass, genauso wie dieser 'Verschwindibus'-Effekt der LS. Am Anfang dachte ich zwar "Mann, die Dinger haben aber wirklich keinen Druck", nach kurzer Zeit war mir klar dass ich nur das übliche Gewummer von Monopol-Bässen 'vermisst' habe. Ausserdem kam mir der Diffus-Schall eindeutig heller als gewohnt vor. Beides liegt beim Dipol im Prinzip.
Etwas Placebo war sicher auch im Spiel (weil ich die Linkwitz-Seite schon ewig verfolge), das will ich garnicht leugnen...
Es kann schon sein, dass eine K+H O500 o.Ä in den höheren Registern da mithalten kann, aber in Bass und Tiefmitten ist es halt doch ein Kugelstrahler -- seit ich (seit Jahren) meine spezielle Raummoden-Analyse-CD habe (damals leider nicht dabei), weiss ich wirklich was das für ein Sch*** ist mit Kugelstrahlern und harten Wänden...
Vielleicht kann man Linki mal anmailen ob er was weiss über Leute die die Orion als Studio-Monitor benutzen, oder ob er das selber empfehlen würde.. oder, es gibt ein Orion-Bauer Forum irgendwo...
Grüsse, Klaus S
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Nachtrag zum eigentlichen Strangthema: ich hätte mir ja denken können, dass es bei Sengpiel etwas zu dem Thema geben könnte, gibt es auch:
http://sengpielaudio.com/TransauralStereo.pdf
Wie das Verfahren dabei genau geht, steht da leider nicht, und auch nicht, dass sein grösster Nachteil, neben dem kleinen Sweetspot, die extreme Verfärbung des Diffusschalles ist (denn es geht eigentlich nur im schalltoten Raum perfekt). Meine Anwendung ist ein bischen anders, eben mehr Spuren-Effekthascherei, als 'Re-Mastering'-Technik.


Transaural Stereo mit Kunstkopfaufnahmen
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Antwort#13
mal einen double bass array gehört? ich noch nicht, aber viele sagen, der funktioniert auch recht gut.
p.s.: ich habe mir mal einen lsp im raum simuliert in dem ich eine frequenzweiche und frequenzabhängig hall zum signal gemischt habe. TMT und TT dröhnen halt; aber so richtig schlecht wirds mit dem hall erst ab dem höheren MT bereich...
die orion ist ja auch kein reiner dipol, ab 1500 hz ists ein monopol, und ab da ist die o500 technisch definitiv überlegen...
wenn ich mir einen lsp wieder bauen würde, dann würde ich einen 4weger mit dipol bass und dipol TMT nehmen, mit waveguidiger MT kalotte und HT kalotte.
vielleicht modifiziere ich mal meinen koloß dahingehend...
allerdings ist das teil dann vermutlich nicht mehr nahfeld tauglich...
grüsse
leif
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