Sprache ohne Störgeräusche

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Mein erster Post hier, deswegen begrüße ich alle erstmal recht freundlich, also: Hallo zusammen :-)
Jetzt aber zum Ernst des Lebens: Ich merke vorab an, dass ich kein Tontechniker bin und mit der Materie bisher eigentlich auch nicht in Berührung gekommen bin. Das Schicksal will es aber so, dass ich mich für meine Abschlussarbeit damit auseinandersetzen muss und ich bin jetzt auf ein Problem gestoßen, dass ich nicht so einfach lösen kann.
Folgende Rahmenbedingungen sind gegeben, an denen auch nicht gerüttelt werden kann: Ich nehme ein Video auf von einer Person. Die Person sitzt auf einem Stuhl und der Bildausschnitt zeigt sie von den Oberschenkeln bis zum Kopf (einschließlich). Die Person spricht und gestikuliert dabei.
Für meine Diplomarbeit ist es nötig, dass ich teilweise die Videospur eines Videos X durch die Videospur eines Videos Y ersetze. Das Ergebnis ist, dass man ein Video sieht, in dem die Videospur Y mit der Audiospur X abläuft.
Das Knifflige ist, dass derjenige, der sich das Video später anschaut, niemals mitkriegen soll, dass hier die Audio- und die Videospur nicht zueinander passen. Mit einigen Tricks am Bildbearbeitungsprogramm (Final Cut Pro) habe ich das auch schon recht gut hingekriegt. So mache ich zum Beispiel das Gesicht unkenntlich, um mit der Lippensynchronität keine Schwierigkeiten zu bekommen. Aber ein Problem bleibt noch und damit wende ich mich eben an Euch...
Folgendes: Wenn der Schauspieler so am reden und gestikulieren ist, geschieht es immer wieder, dass er die Hand einfach mal auf die Oberschenkel fallen lässt. Das sieht man und das hört man. Aufgrund meiner blöden Konstellation (Videospur passt nicht zu Audiospur) passiert es dann zum Beispiel, dass die Hand noch in der Luft hängt, aber das Klatschgeräusch schon da ist. Das kriegt der Zuschauer leider sofort mit und es wirkt irritierend. Für mein Vorhaben ist das leider tödlich.
Mein prinzipielles Ziel ist es jetzt, das elendige Klatschgeräusch wegzubekommen, denn das brauche ich auch überhaupt nicht. Das einzige was ich an Ton brauche, ist eine verständliche Sprache. Die muss dabei noch nichtmal irgendwelche großartigen Qualitätsstandards erfüllen. Sie soll einfach nur gut verständlich sein.
Bevor ich Euch meine bisherigen Versuche schildere, stelle ich Euch erstmal meine "Ausrüstung" vor: Ich habe eine stinknormale Videokamera (Sony DCR-TRV60E) samt integriertem Mikrofon. Bei der Videokamera kann man keine Audiopegel einstellen zur Aufnahme. Außerdem habe ich noch ein Ansteckmikrofon von Sennheiser mit Kugelcharakteristik, das ich an die Kamera anschließen kann.
Mein bisherigen Lösungsversuche und warum sie nichts taugen:
1)
Ich instruiere den Schauspieler, gefälligst vor dem Oberschenkel abzubremsen, damit es nicht zu solchen Geräuschen kommt.
Das funktioniert, ist aber nur mein Notfallplan. Denn ich brauche möglichst natürliche Szenen, in denen der Schauspieler nicht darüber nachdenken muss, wie er seine Hand jetzt fallen lässt.
2)
Ich filtere alle Frequenzen raus, die nichts mit Sprache zu tun haben.
Wenig erfolgreich. Ich habe alles unter 200 Hz und über 4000 Hz wirklich komplett rausgenommen. Bringt nix, weil mir mein Klatschgeräusch quer durch den Sprachbereich geht.
3)
Die Umstände erlauben es mir nicht, Video- und Audiospur auf das Klatschen zu synchronisieren. Ich kann aber natürlich an der Geschwindigkeit der Videospur drehen, so dass es doch synchron wird.
Ist auch doof, da ich so stark an der Geschwindigkeit drehen muss, dass man es merkt.
4) Ich wähle eine andere Positionierung des Mikrofons.
War bisher auch nicht von Erfolg gekrönt. Mit dem Kameramikrofon habe ich die Geräusche drauf. Wenn ich das Ansteckmikro auf Brusthöhe anhefte, sind sie auch mit dabei. Wenn ich das Ansteckmikro an die Kamera stecke ebenso. Wenn ich es an den Hemdkragen stecke auch - bei dieser Konstellation kommen außerdem noch sehr prominente Schluckgeräusche dazu.
Meine Fragen an Euch nach langer Vorrede:
Könnte ich es mit anderem Equipment schaffen, das Klatschen los zu werden? Zum Beispiel mit einem Ansteckmikro, das eine andere Richtcharakteristik hat. Oder mit einer Art Shot-Gun-Mikro, das einer hinter der Kamera immer brav auf des Schauspielers Mund hält.
Kennt Ihr vielleicht eine Filtermethode, mit der man das Klatschen doch rauskriegt?
Gibt es ein tolles Material, das man unter die Jeans legen kann und eine darauffallende Hand macht keine bösen Geräusche. Das sollte allerdings keine 5cm dicke Schaumstoffmatte sein, in die die Hand "eintaucht".
Kann ich eventuell mit der vorhandenen Ausrüstung schon mein Ziel erreichen, ich war bisher nur zu blöd dazu? Vielleicht muss das Mikro ja nur in bestimmter Weise angeordnet werden und wenn man es dann noch schafft, die Pegel bei der Aufnahme doch einzustellen, dann ginge es.
Kann man eventuell das Klatschgeräusch schon während der Aufnahme relativ einfach isoliert einfangen (zweites Mikro) und dann später rausfiltern?
Fällt Euch irgendeine andere Lösung ein?
Geht's überhaupt?
Wenn ja, bei welcher Methode ist die Erfolgswahrscheinlichkeit am größten?
Ich denke mal, Ihr merkt schon an meinen Fragen, dass ich blutiger Laie bin, was die Tontechnik angeht. Deswegen kann ich selber nicht beurteilen, was möglich ist oder nicht und genau deswegen suche ich Euren Rat. Ich bin gerade dabei nach der richtigen Methode zu fischen, aber ich weiß nichtmal in welchem verdammten See es überhaupt Fische gibt. Wäre klasse, wenn Ihr mir zumindest sagen könntet, an welchem See ich es mal probieren kann.
Eine kleine Anmerkung noch: Klar, wie immer, am besten sind Methoden, bei denen man keine neuen Investitionen tätigen muss. Aber prinzipiell kann ich schon zu meiner Chefin tapern und sie darum bitten, doch mal ein neues Mikro für 200 Euro anzuschaffen. Nur, das klappt bestimmt nicht, wenn ich da hingehe und sage: "Hmja, ich verstehe davon zwar nix, aber ich glaube, das könnte vielleicht klappen." Auch dafür seid Ihr da, um mich mit etwas fachlichem Rückhalt zu versorgen ;-)
Und wenn es dieses Thema schonmal gab, dann tut's mir leid. Ich habe die Suche benutzt mit solchen Begriffen wie "Störgeräusche" und "Nebengeräusche", habe aber nicht das wirklich passende für mich gefunden.
Letzte Anmerkung: Entschuldigt, wenn ich erst am Montag auf eventuelle Antworten von Euch reagieren kann. Habe zu Hause leider kein Internet.

Einen schönen Samstag
Marmaduke
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Antwort#2
Am besten, das hast du ganz richtig erkannt, ist es, das Geräusch gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich denke, von einem Schauspieler sollte man das erwarten können. Eigentlich. Daß es in der Praxis oft anders läuft, habe ich auch schon öfter erleben müssen.
Eine andere Möglichkeit wäre, gerade wenn es nicht lippensynchron sein muß:
Die Stelle wo er klatscht nochmal aufnehmen, ohne Klatschen, und dann nur den Ton reinschneiden. Das nervt auf Dauer, vor allem wenn er oft klatscht, aber es nervt nicht nur dich, sondern auch ihn, und er wird sich schnell zusammenreißen ;)
Mikrofonpositionen helfen da relativ wenig. Selbst mit einer Keule hast du ein bißchen was drauf. Kann höchstens sein, daß es dann schwach genug ist um "natürlich" zu wirken. Denn: GAR KEIN Geräusch, wenn er sich aufs Knie haut, ist auch nichts, solange man das Knie sieht.
Leider helfen 200 Euro da nicht sooo viel. Das Sennheiser MKH416 kostet ca. 800, Neumann KMRs deutlich mehr. Höchstens das Beyerdynamic MCE86i ist in der Preisklasse - von den sehr niedrigpreisigen Chinamikrofonen wie t.bone u.ä. ist meist eher abzuraten, da sie oft große Bauteiltoleranzen (=Klangunterschiede) haben und die Verarbeitung auch oft zu wünschen übrig läßt.
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Antwort#3
Hi Marmaduke,
Arbeit mit Künstlern kann ganz schön anstrengend sein, oder?
1. Wenn sich das Oberschenkelklatschen partout nicht vermeiden läßt: Wie wäre es. wenn dein Schauspieler unterhalb der Kleidung die Oberschenkel (z. B. mit Schaumstoff) abpolstert, damit es nicht mehr so laut wird?
2. Du kannst den Schauspieler ohne zu sprechen, mehrmals auf die Oberschenkel klatschen lassen und hast damit einen sogenannten "Noiseprint" (Geräuschabdruck). Viele Programme können anhand eines Noiseprints Störgeräusche entfernen. hier müßest du dann jeweils von Hand den Zeitbereich markieren und anhand der verschiedenen Noiseprints, dasjenige auswählen welches dem tatsächlichen Klatschen am nähesten kommt und kannst dann den Algorithmus zum Denoisen starten, vielleicht wird das ausreichend gut. Ich persönlich arbeite z. B. mit Samplitude, das kann solche Artefakte zu etwa 80% "wegrechnen". Allerdings mußt du mit leichter Sprachverfärbung rechnen.
Gruß
M. Hein
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Antwort#4
Guten Morgen,
pkautzsch und M. Hein, vielen Dank an Euch beide, Eure Antworten haben mir wirklich schonmal sehr geholfen. Ihr glaubt nicht, wie informativ es für einen Nicht-Tontechniker ist, wenn er von erfahrener Stelle zum Beispiel zu hören kriegt, dass man das Geräusch nur per Mikrofonanordnung nicht komplett rauskriegen wird. Jetzt weiß ich das zumindest.
Die Kurzzusammenfassung für mögliche Verbesserungen lautet also Noiseprint, Richtrohr-Kondensatormikrofon (danke auch für die konkrete Empfehlung), Schaumstoff unter die Hose, Nachvertonung oder auch Schauspieler eichen, dass er das gefälligst zu unterlassen hat ;-)
Ich denke mal, ich werde mich durch die verschiedenen Varianten durcharbeiten (angefangen beim für mich leichtesten) und schauen, was am besten klappt. Im Zweifelsfall wird es dann halt am Ende quasi eine "Multikomponentenlösung", bei der ich einige Eurer Tipps kombiniere. Wäre ja gelacht, wenn ich das nicht hinkriege :-)

Schönen Tag
Marmaduke
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Antwort#5
Wenn das Klatschgeräusch etwas daneben ist und keine Lippensyncronität sein muss, kannst Du das Audio-Material so stretchen, dass das Klatschen synchron wird. Wenn es völlig daneben - also zusammenhangslos - ist, soll der Sprecher den Satz nochmal und so ähnlich wie möglich sprechen, du tauschst dann nur das betroffene Wort aus. Klatscht der Sprecher, aber es ist kein Geräusch vorhanden, Klatschen einzeln aufnehmen und dezent dazu plazieren. Viel Erfolg und Spass!
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