Hallo, ich möchte in meinem Wohnzimmer (500 cm * 350 cm) Vocalaufnahmen machen die möglichst wenig Raum haben. Die Prinzipien mit parallelen Wänden und glatten Flächen etc sind mir soweit geläufig denke ich. Ich möchte einen Teil des Raumes mit Noppenschaum oder Pyramidenschaum bestücken um die Aufnahmen trockner zu kriegen. 1. Frage: gibt es verschiedene Anwendungsgebiete für Pyramidenschaum und Noppenschaum. Oder gibt es da Qualitätsunterschiede? Was wäre für meine Anwendung dann besser? 2. Frage: auf aixfoam gibt es so ziemlich alles was man braucht für bessere Raumakustik. Gibt es da evtl was günstigeres oder ist die Qualität dem Preis angepasst? Für andere Tips bin ich natürlich auch dankbar. Bis dann
Vorneweg: Daß du im Wohnzimmer keine *wirklich* professionell klingende Aufnahme hinbekommen kannst, ist dir hoffentlich klar. Dazu muß die Akustik eben wirklich stimmen, das geht nicht mal eben mit ein bißchen Schaumstoff. Aber so halbwegs kann es schon gehen. Insbesondere wenn du nicht ein teures "gutes" Großmembran-Kondensatormic nimmst, sondern ein typisches Livemikrofon irgendwo zwischen SM58 und Neumann KMS. Solche Mikros sind weniger empfindlich für Raumeinflüsse als die typischen Studiomikrofone. Mit etwas Glück brauchst du dann nur noch die richtige Stelle im Zimmer zu finden (Bücherregale sind akustisch so ähnlich wie Noppenschaum und Diffusoren zusammen) und kannst dir die ganze Schaumparty sparen. Noppenschaum dämpft weniger stark als Pyramidenschaum. Beides dämpft jedoch (prinzipbedingt) nicht die Bässe und die Frequenzbereiche, in denen so ein Wohnzimmer meistens dröhnt. Da brauchts dann schon "richtige" Absorber mit Feder-Masse-Wirkung. Vernachlässige auf keinen Fall die Deckenreflexionen! Es gab hier kürzlich einen Thread zum "Reflection Filter" von SE. Das Ding ist sicher nicht als Standardausrüstung für Klassikaufnahmen in Konzertsälen geeignet. Für Wohn- und Schlafzimmeraufnahmen hingegen kann es, glaubt man den Erfahrungsberichten bei gearslutz.com, durchaus taugen (kein Wunder: dafür ist es entwickelt worden). Alternativ kann auch eine Bettdecke, die hinter dem Mikro aufgehängt ist, helfen. Stativ mit quergestelltem Galgen, Decke beidseitig runterhängen. Allgemein gilt: Das Teuerste ist nicht immer das Beste, das Billigste jedoch fast immer das Schlechteste. Und Improvisation ist oft besser (und kostet trotzdem weniger) als das billigste Kaufprodukt.
Hi Moloch, eine Alternative zum Schaumstoff sind schwere (Samt-)Vorhänge, etwas von der Wand entfernt "abgehangen". Ansonsten stellt die Hyperniere als Mikrofonrichtcharackteristik eine gute Möglichkeit dar den Raum mehr in den Hintergrund zu stellen. Hierbei ist wichtig, dass der Sänger/(in) diszipliniert auf der Mikrofonachse bleibt. Da Gesang im Populärbereich meistens nahe am Mikrofon (10-30cm) aufgenommen wird, spielt der umgebende Raum eine untergeordnetere Rolle. Nur bei lauten Gesangspassagen könnte es problematisch werden. Natürlich lässt sich die Situation kaum verallgemeinern, da Wohnzimmerakustik nicht gleich Wohnzimmerakustik ist. Generell ist es möglich im Wohnzimmer gutklingende Gesangsaufnahmen hinzubekommen. Wohnzimmeraufnahmen im klassischen Bereich (Mikrofonabstand 1-2m) lassen sich meiner Meinung nach nicht realisieren.
Hi, ich nehme als Musiker häufig Gesang im Wohnzimmer auf. Ja, gewisse Reflexionen (von Glasfenstern und geputzter Decke + Wände) kriegt man nicht ganz weg (weil ich ja mein Wohnzimmer auch nicht komlett mit Wandteppichen zuhängen will), aber mit einem guten Live-Mic rel. nahe eingesungen, wird's schon recht brauchbar. (z.B. Shure Beta87 Kondenser oder Sennheiser E945 oder ShureSM86-Kondenser - letzteres nehme ich dafür häufig, es hat nicht so einen kritischen Nahbesprechungsefekt, d.h. man muß die Entfernung nihct immer millimetergenau konstant halten) Michael
Immer wieder hören ich die Geschichte mit den hochwertigen Mikrofonen und dem Raumanteil auf der Aufnahme. Ist nicht IMHO einzig und allein die Richtcharakteristik dafür verantwortlich, wieviel (relativer) Raumschallanteil mit aufgenommen wird? Was soll das mit der Qualität des Mikrofons zu tun haben? Ich verstehen das wirklich nicht. Gibt es eine physikalische Begründung dafür?
Danke Erdie, es gibt sehr viele Tontechniker, die meinen ganz fest, es gäbe Mikrofone, die weiter hören und welche die besser sind, weil sie nur die Nähe hören, und quasi alles aus der Ferne schön ausblenden, auch Wohnzimmerreflexionen. Auf der letzten Tonmeistertagund wurde vorgeführt, dass das nicht so ist, indem man ein Shure 57 und ein TLM103 Mikrofon im schalltoten Raum aus verschiedenen Entfernungen beschallte. Berauschende Mikrofone hören nicht kürzer, sie überdecken nur leise Signale.
ja...im schalltoten Raum...da macht das Off-Axis-Verhalten ja auch nicht wirklich was aus. Da kannst du ein U87 in "Kugel" neben eins in "Niere" stellen und wirst keinen Unterschied bzgl. Raumanteil hören (weil ja eben kein Raumanteil da ist!). Fakt ist aber auch, daß ein für Nahbesprechung konzipiertes Mikrofon im realen Wohnzimmer weniger tieffrequente Raumanteile aufnimmt als ein auf Linearität bei größeren Abständen konzipiertes. Eine MK4 nimmt bei gleichem Besprechungsabstand mehr Bässe auf als ein SM58. Da die Bässe das sind, was man im Wohnzimmer nicht gut bedämpft kriegt, ist das schon sinnvoll.
Völlig richtig. Man braucht dazu aber einen EQ und das Wissen, wie ich ihn einstelle. Fast jeder, der Wohnzimmeraufnahmen macht, hat einen brauchbaren EQ in seiner DAW. Aber nicht jeder hat das Wissen. Vielleicht sollte man zukünftig immer zwei Antworten geben: eine "simple Kochrezept"-Antwort ohne Garantie für bestmöglichen Klang, die aber quasi kein Vorwissen voraussetzt, und eine exakte für Leute mit Vorwissen und dem Hinweis "ausprobieren"...
Hallo, ich habe auch schon einige Male erfolgreich im -- recht trockenen -- Wohnzimmer Gesang aufgenommen (Pop&Rockmusik), mit SM57 und MD421, und sogar mit Lautsprecher-Einspielung des Playbacks -- Intonation und ein gutes Gefühl für den Sänger war weit wichtiger als das Übersprechen und die nicht ganz optimale Akustik (in den unteren Mitten gab's schon ein paar leichte Dröhner). Problem waren eher die Nachbarn :-[ Grüsse, Klaus S
Hallo, zunächst einmal Grundsätzliches: Muss es wirklich dein Wohnzimmer sein? Es gibt immer Alternativen, je nach Genre und Stimme können da di unterschiedlichsten Locations sein - und da muss es nicht immer völlig hallfrei sein...
Wenn dein Wohnzimmer (das wir zwar auf den Zentimeter genau kennen, nichts aber über seine akustische Beschaffenheit wissen) Vorhänge und einen Teppichboden hat, dann würde ich mich langsam an das gewünschte Ergebnis heranarbeiten. Ein paar Decken auf quergestellten Mikroständern, oder eben ein dicker Teppich, falls er nicht schon da ist... Eine gute Stimme klingt fast überall, für eine schlechte Stimme kannst du machen was du willst, es klingt nie wirklich gut;)
arpeggio Musikproduktion - Tipps für Musiker und Tonmeister