Hallo Zusammen! Für eine Aufnahmesession mit einer Klasse von Violinschülern, die verschiedene Stücke jeweils mit Klavierbegleitung spielen, suche ich nach einer guten Aufstellung. Der Flügel steht in einem Kammermusiksaal von etwa 1800 cbm. Einige der Künstler sind noch jung und spielen auf kleinen Geigen, die nicht so laut sind. Habe folgendes angedacht: Um eine gewisse Trennung herzustellen, würde der Solist nicht rechts vom Pianisten vor den offenen Deckel, sondern so etwa 3-4m links vom Pianisten hinter dem Deckel stehen. Für den Solisten ein Stereopaar "Overhead" für den Flügel ein Stereopaar "Tail-End", vielleicht zusätzlich noch ein Paar Raummikrofone so in 5-7m Abstand. Welche Aufstellung würdet Ihr wählen und wie würdet Ihr die "ausgewachsenen" Geigen zum Piano anordnen und aufnehmen? Für jegliche Anregungen, Literaturhinweise und Praxistipps bin ich sehr dankbar! Andreas
Hallo Andreas, wenn du es mit unerfahrenen Musikern zu tun hast, solltest zuerst einmal alles dafür tun das sie sich wohlfühlen. Die von dir beschriebene Aufstellung halte ich für suboptimal. Es gibt aus gutem Grund Mikrofone mich Richtcharakteristik die du in diesem Fall auch einsetzen solltest. Auch ein Übersprechen der Mikrofone sollte kein Problem darstellen, hier geht es ja im wesentlichen um die Klangbalance die ausgepegelt werden soll. Raummikrofone machen nur Sinn, wenn eure Grundakustik gut ist. Gruß M. Hein
Deine Idee, die Solisten mit den leisen Instrumenten weit ab vom Flügel aufzustellen, kann in eine absolute Zumutung für den Begleiter ausarten. Das Soloinstrument ist leise und weit weg - wie soll der Begleiter da noch hören, was der Solist spielt? (Ich kenne diese Problematik aus eigener Erfahrung als Liedbegleiter: Kaum gewarteter Steinway D, der kein leises Spiel ermöglicht und ein unerfahrener Laiensänger, der zuviel Abstand zum Flügel hält: Eine Begleitung ist da nicht mehr möglich; man freut sich als Pianist, wenn man es wenigstens schafft, syncron zum Solisten zu bleiben ...) An der üblichen Aufstellung braucht m.E. nichts geändert zu werden, ein guter Begleiter mit brauchbarem Instrument wird durchaus in der Lage sein, die Lautstärke seines Spiels an die Solisten anzupassen. Ich sehe bei Musikschulaufführungen auch nicht die Notwendigkeit, Materialschlachten zu betreiben. Meiner Erfahrung nach genügt bei solchen Veranstaltungen eine richtig positionierte Stereomikrofonanordnung. Es bringt auch wenig, eine womöglich mittelmäßige Schülergeige zu stützen, um so auch noch die Schwächen der Schüler besonders deutlich hervorzuheben ...
Die wichtigste Frage: Soll eine Situation aufgenommen werden, die vor Zuschauern gilt, wobei die Geige und das Klavier in Richtung Zuschauer abstrahlen oder gilt eine Übungssituation, wobei die Geige und der Pianist sich ansehen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Mikrofonaufstellungen. Die Entfernung der Geige vom Instrument geht grundsätzlich von den Musikern aus. Typische Studentenanweisungen: die Geige sollte schön weit entfernt vom Klavier spielen, damit man sie besser aufnehmen kann, ist eine "Vergewaltigung" der Musiker und das muss unterbleiben.
... die Probleme mit der entfernten Aufstellung hatte ich in der Tat nicht bedacht; ist aber sehr einleuchtend. (danke!) Wir können die Aufstellung für die Aufnahme optimieren, da es kein Konzertmitschnitt ist.
Hallo, ich denke auch, dass es wichtig ist, den Geiger möglichst in den Klang des Klaviers einzubinden, da das dem Spieler eine größere Sicherheit gibt, als wenn er weiter weg stehen muss, was er ja nicht gewöhnt ist. Ich würde das Hauptmikrofon optimal für den Solisten aufstellen, mit dem Klavier bereits an der richtigen Stelle im Klangbild und dann das Klavier etwas nach vorne holen mit einem Stützmikrofon(paar). Eine Möglichkeit wäre auch, Violine und Klavier einander gegenüber aufzustellen mit je einem Hauptmikrofonpaar. Vorteile: guter Sichtkontakt, Pianist kann unterstützend "dirigieren", Balance kann im nachhinein gut beeinflusst werden. Grüße Hermann
Wenn du willst, dass die armen (Hobby)musiker schlecht spielen, sagt ihnen, sie sollen sich auf den Kopf stellen. Im Ernst: Vor der Technik kommt die Musik! Der Tontechniker muss schauen, dass es den Musikern wohl ist! Ich wurde bei einem Konzert mal aufgenommen und der Techniker sagte zu mir (ich bin Sänger), ich solle, wenn ich alleine singe, den Kopf mehr nach rechts, im Duett mehr nach links! F*** off! Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es reicht, dass ich überhaupt ein Mikrofon vor mir sehe. Also, lass die schüchternen Kücken so spielen, dass sie es sich gewohnt sind, stell die Miks möglichst unauffällig hin.
Gerade bei Laien wuerde ich eher auf die Homogenitaet achten anstatt auf die Trennung. Dabei geht es meist weniger darum, Nuancen des Spielers hervorzuheben (die er meist nicht hat), sondern es ist eher wichtig eine einheitliche verbindende Linie zu schaffen, damit es ueberhaupt nach etwas klingt. Vorausgesetzt, die Aufnahme ist fuer Zuhoerer gedacht und nicht zum eigenen Studium. Wenn der Geiger den Pianisten ansieht, dann strahlt die Geige horizontal etwa in Richtung Klavier ab, vertikal etwas in die Hoehe. Daher ein ganz ketzerischer Vorschlag: Ein Hauptsystem oberhalb des (geoeffneten) Klavierdeckels, eventuell darf etwas reflektierter Klavier-Schall vom Deckel in das Mikrophon einfallen; jedenfalls sollte der Geiger - bis auf die Absorptionen (und die Beugung) wegen des Deckels - groesstenteils direkt das Hauptsystem sehen koennen. Je hoeher, desto Geiger. Ggf. Klavierstuetze auf tail end, falls der Geiger weit genug davon weg ist, dient aber eher dem klanglichen Ausgleich, nicht dem dynamischen. Gruss, Mathematiker
Bei der üblichen Aufnahme ohne Publikum, bei der die Spieler sich ansehen, ist es es fast unmöglich, mit einem Hautmikrofonsysten, z.B. ORTF, eine richtige Klangbalance zwichen Klavier und Geige zu bekommen. Immer wird die Geige viel zu schwach sein. Eine klangmäßig unkluge Idee ist, den Deckel des Klaviers zu schließen, oder nur leicht zu öffnen. Bleibt nur die Lösung, mit zwei Stereosystemen ranzugehen, eins für das Klavier und eins für die Geige. Das Klavier kommt immer. Das sich hieraus ergebende Problem ist eine hörbare Mehrräumigkeit. Das muss man in den Griff bekommen.
Ich würde mal mit nur einem Stereosystem versuchen und zwar nur beim Klavier, während ich die Geige mit einer Monostütze versehen würde. Das Problem bei allen Stereomikrofonanordnungen ist ja dies, daß die Trennung nach den anderen Schallquellen hin nur unzureichend ist. Falls dann die Geige zu eingesperrt klingt, kann man ja immer noch vorsichtig mit künstlichem Hall probieren.
Ich würde generell versuchen, mit einem (1) Hauptsystem einen guten Gesamtklang einzufangen. Die Konzertaufstellung erleichtert da vieles. Theoretisch wäre es allerdings auch denkbar, eine Übungsaufstellung zu haben und ein Kugel-AB zwischen die Musiker zu stellen, dabei auf den Solisten zeigend. Den rückwärtigen Höhenabfall normaler Druckempfänger kann man mit genügend Ausprobierzeit sinnvoll nutzen, um eine ausgewogene Tiefenstaffelung zu erzielen. Ist das etwa ketzerisch? ;) Anderer Ansatz, den ich irgendwo bei EBS beim Thema "Gesang+Klavier" gelesen und auch schon erfolgreich praktiziert habe: Hauptsystem ist für alle (deshalb heißt es ja Hauptsystem...), und wenn der Solist sich zum Begleiter und damit weg vom Hauptsystem dreht, dreht er sich in ein Stützmikrofon "hinein". Müßte sich eigentlich für die Abstrahlcharakteristik der Geige modifizieren lassen.