Stützmikrofone... und ihre Probleme

Erstellt 8 Antworten9 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo Kollegen,

da der untenstehende Thread über Druckempfänger als Stützmikrofone schon über den Bildschirmrand hinauszugehen droht :-), zumindest aber unübersichtlich wird, fange ich mal einen neuen an.

Es wurde im gen. Thread erwähnt, daß die DGG auch Mikrofone mit Acht-Charakteristik einsetzt - also gerade das "Gegenteil" des Druckempfängers, nämlich reine Druckgradientenempfänger.
Mich würde mal interessieren, in welcher Situation genau diese eingesetzt wurden.
Ich hatte in meiner Aufnahmepraxis diesen Fall auch schon, als ich bei Besetzungen von Chor-Orchester-Gesangssolisten , wo es platzmäßig sehr eng zuging (Liveaufnahme).
Ein sehr großes Übersprechen des Chores in die Orchesterstützen war da vorhanden. Ich habe mir dadurch geholfen, daß ich die Orchesterstützen als "Acht-Charakteristik" ausgebildet habe (Neumann KM 86 in Acht) und so angeornet, daßdie Nullebene zum Chor hin gezeigt hat. Verbesserung war gut hörbar.
Wer von Euch hat denn schon mal "Achter" als Stützen eingesetzt /einsetzen müssen?
Im Übrigen ist es auch hier nicht gleichgültig, ob man eine synthetische Acht (Doppelmembrankapsel) oder ein echter akustischer Dipol (einmembraniges System wie z.B. Schoeps MK 8) einsetzt.
MfG
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#2
Das KM86 hat ja eine "Doppelkapsel". Siehst du das eher als Vor- oder als Nachteil?
Gruß Friedemann
ZitierenPost melden
Antwort#3
Habe mal gesehen (und gehört) wie jemand bei Chor+Orchester das genaue Gegenteil von Rainer gemacht hat: Äquivalenz mit Achten (er hat genau 17,5 cm ausgemessen...) mit der Nullebene zum Blech, dazu breite/normale/hyperige Nieren als Chorflanken. Alles Schoeps.
Ein Bekannter, der beim SWR als Techniker ist, hat mir mal erzählt, daß sie öfter Royer-Achten für die hinteren Streicher nehmen, auch wieder mit Nullebene zum Blech.
Selbst hätte ich mir mal eine Acht gewünscht bei einem Matthäuspassions-Bass, der beim Livemitschnitt vor dem zweiten Pult Vl singen mußte und die Stütze (auch wegen Publikum und Fluchtweg) recht nah am Konzertmeister. Mit Niere waren das ziemliche Alptraum-Accompagnato-Rezitative, so daß das Ganze dann sehr hauptmikrofonlastig wurde. Auch manche Laienorchester haben zu viel Blech: man kann mit Streicher-Achten da auch manches retten. Ich glaube allerdings nicht, daß ich Achten aus klanglichen Gründen einsetzen würde, sondern nur wenns nicht anders geht. Vielleicht unterschätze ich da auch etwas?
ZitierenPost melden
Antwort#4
"Es wurde im Thread erwähnt, daß die DGG auch Mikrofone mit Acht-Charakteristik einsetzt. Mich würde mal interessieren, in welcher Situation genau diese eingesetzt wurden."
Besonders die Mitarbeiter bei der DGG Ulrich Vette (Wien) und Rainer Maillard (Detmold) verteten die verzögerte Stützmikrofontechnik, was sie auch ihren jeweiligen Studenten beibringen.
Speziell bei dieser Aufnahmetechnik muss man versuchen, durch den Einsatz von stark gerichteten Mikrofonen, eine möglichst gute Trennung zwischen den Stützmikrofonen zu erreichen. Natürlich hat auch die dazu notwendige ungewöhnliche Nähe der Mikrofone zur Schallquelle eine Bedeutung.
Die (!) Stützmikrofone im Verzögerungssystem sind immer Achten. Natürlich Sennheiser MKH 30 oder MKH 800.
http://www.sennheiserusa.com/newsite/pdfs/mkh30.pdf
http://www.sennheiserusa.com/newsite/pdfs/mkh800.pdf
Ich denke Ulrich Vette hat auf einer Tonmeistertagung dazu einen Vortrag gehalten. So easy ist das mit dem Ausmessen und dem Berechnen der verzögerten Stützen und dem Zumischen nicht und es gibt durch die Verzögerung leicht hörbare Kammfiltereffekte, wenn Übersprechen zwischen den Stützmikrofonen stattfindet.
Schriftliches habe ich darüber noch nicht gefunden.
ZitierenPost melden
Antwort#5
Hallo pkautsch,
zu Deinem Satz:
Ich glaube allerdings nicht, daß ich Achten aus klanglichen Gründen einsetzen
würde, sondern nur wenns nicht anders geht.
Vielleicht unterschätze ich da auch etwas?
...und zu der nachfolgenden Frage:
...rate ich zum Experiment:
Zwei Kleinmembran-Achten (moeglichst keine Braunmuehl-Weber, sondern echte Druckgradientenempfaenger mit Einzelmembran) als Hauptmikrophon in Blumlein-Anordnung ausprobieren, wenn es um eine kleine Besetzung in einem Raum mit guter Akustik geht - vielleicht einfach mal bei einer Produktion, z. B. Live-Mitschnitt, mitlaufen lassen und auf zwei zusaetzliche Kanaele aufzeichnen.
Der Effekt kann (muss aber nicht) sehr ansprechend klingen.
Gruss
Micha
---
ZitierenPost melden
Antwort#6
Hallo,
dies ist in der Tat der Grund für die Wahl von Durckgradientmikrofonen. Durch das Verzögern müssen die Stützmikrofone mit erheblich höheren Pegel hinzugemischt werden, wodurch Kammfiltereffekte auftreten. Übersprechen wirkt sich dementsprechend schelcht aus.
Persönlich würde ich auch ein MKH30 wählen, da mir dieses Mikrofon sehr gut gefällt. Ansonsten ist aber die Wahl einer Acht nur aus dem Grund der Verzögerung schon erstaunlich, denn man beschränkt sich damit schon sehr auf einen bestimmten Klang bzw. Mikrofontyp. Siehe auch die vorangegangene Diskussion - die fällt dann nämlich völlig weg. Allein deswegen wäre das keine Option für mich.
Gr.
Dirk
ZitierenPost melden
Antwort#7
Es hat Vorteile und Nachteile.
Der Vorteil ist der, daß das Mikrofon eine bessere Baßübertragung hat als ein reines Einmembranmikrofon mit Acht. Die Frequenzkurve des Baßabfalls verläuft flacher beim KM 86. Es wurde auch hinsichtlich dieses Verhaltens konstruiert.
Nachteil ist, daß wenn die Wellenlängen in die Größenordnung des Kapselabstandes kommen, die Richtcharakteristik von der Acht abweicht. Hat der Schall eine Halbwellenlänge im Abstand der Kapseln, geht die Richtcharakteristik wieder zur Kugel über.

MfG
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#8
Hallo pkautzsch,

Das leuchtet mir gut ein, das Blech auf diese Weise auszublenden.
In meiner Aufnahmesituation war allerdings das Problem, daß mir der Chor das Orchester übertönte. Blechblasinstrumente waren in diesem Fall nicht vorhanden.

Grüße
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#9
...und wieder einmal sehen wir, daß man doch immer situationsabhängig mikrofonieren sollte, und es keine Kochrezepte gibt. :)
Wenn es geht, habe ich inzwischen am liebsten zwei MK21 vor oder meist eher über dem Chor. Spart gegenüber typischen 4-Nieren-Anordnungen zwei Kanäle, damit zwei live häßliche Stative, und damit Überzeugungsarbeit beim Dirigenten.
ZitierenPost melden

Deine Antwort

Du kannst ohne Anmeldung schreiben.