Jetzt bitte ich um Eure Empfehlung bzgl Schumann...

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
... und zwar für eine Gesamteinspielung von Schumann Synphonien. Ich dachte erst an Gardiner, aber die soll angeblich etwas "unpräzise" sein (was ich ja nicht ganz glauben kann...).
Wen würdet ihr aus der langen Liste nehmen? Zinman? Schon eher etwas fetziger soll es sein (daher Gardiner), aber immer mit Pathos...
Danke und Grüße
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Antwort#3
Vielen Dank,
an die hatte ich noch nicht richtig gedacht, ich habe reingehört, aber irgendwie würde ich schon eine schnellere Einspielung bevorzugen.
Hat Hanoncourt nicht auch eine gemacht?
Grüsse
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Antwort#5
Text wurde auf Wunsch des Verfassers gelöscht.

RG
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Antwort#6
Hallo,
ja, Harnoncourt "hat auch eine gemacht":
http://www.amazon.de/gp/product/B000009KT6/028-8557795-1673309?v=glance&n=779324
An allen Dirigenten aus der historisierenden Ecke stört mich jedoch die Phrasierung (die Art des Zusammenbindens bestimmter Takte zu Abschnitten und Überabschnitten - oder eben nicht) ein wenig.
Zudem wird oft staccato-artig gespielt, auch wo dies nicht vorgegeben ist. Man kann die Begründung im Buch "Musik als Klangrede" bei Harnoncourt nachlesen, allerdings meine ich, daß diese Methode ("Glockenton") bei barocken Werken vielleicht angemessen ist, jedoch für Beethoven und danach nicht mehr zielführend ist. Das kann soweit gehen, daß eine legato-Note staccato gespielt wird, dies habe ich selbst unter Zuhilfenahme der Partitur in Aufnahmen von Harnoncourt gefunden.
Meine bevorzugte Aufnahme ist (neben G. Wand) die unter Leitung von Franz Konwitschny, dort kann man reinhören:
http://www.amazon.de/gp/product/samples/B0000035O0/ref=dp_tracks_all_3/028-8557795-1673309?ie=UTF8#disc_3
Konwitschny bindet nach meinem Dafürhalten die richtigen Noten zu Phrasen zusammen, daher singt und spricht die Musik sinnvoll.
Gruß
Andreas
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Antwort#7
das ist natürlich ein ausgiebiges thema das genügend musikerfreundschaften zerstören könnte...;) ich finde mittlerweile (seit ich selber in einem orchester an unserer hochschule un ter der leitung von gardiner's erstem oboisten michael nisemann spiele) die historische aufführungspraxis sehr erfrischend. die musik hat mehr "groove" und ich selbst denke seither auch ganz anders über die rhythmische funktion von begleitungen. dies wird ja leider in der standard streicher ausbildung etwas vernachlässigt. dabei finde ich aber, dass diese art des msuikverständnisses unabhängig vom einsatz historischer instrumente ist.
konwitschny habe ich noch nicht gehört, vielen dank für den hinweis, werde ich noch machen.
ansonsten fand ich auch herreweghe gar nicht so schlecht...
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Antwort#8
Nun, beim Niesemann spielt man ja auch auf modernen Instrumenten, und das Musikverständnis ist in dieser Richtung in der Tat vom Instrumentenalter unabhängig. Andersrum jedoch nicht: auf historischen Instrumenten läßt sich ein Großteil "modernen" Musikverständnisses (Tempo, Klangfarbenvielfalt, Dynamik) gar nicht umsetzen. Den rhythmusbetonten Ansatz kann man auch sehr schön bei Rillings Bachinterpretationen finden, und bei seinen Anhängern.
Es gibt nur SEHR wenige gute und wirklich ernstzunehmende Ensembles, die "echt" historisch, also auf historischen Instrumenten mit Darm-Schlabber-Saiten und Rundbögen und mit musikwissenschaftlich fundierten und glaubhaften Interpretationen auftreten.
Was es dagegen reichlich gibt, sind Leute, die den Begriff "historische Aufführungspraxis" schamlos ausnutzen, weil sie eine Barockoboe im Orchester sitzen haben. Oder die, wie M. Beckert mit seinem ÖHC, einen Matthäuspassions-Eingangschor mit einem 80-Leute-Chor und Schlabbersaiteninstrumenten in Tempo 100 machen (fröhlicher Wienerwalzer...), in jeder Arie schneller dirigieren als die Instrumente überhaupt ansprechen können, und sich nebenbei mit zwei Mikrofonen im Ohrabstand und 10° Versatzwinkel aus der 7. Reihe aufnehmen lassen.
Fazit: nicht alles, was "historisch" heißt, ist auch "historisch". Viele mißachten die eigentlich doch wirklich einfache Grundregel "Spiele nicht schneller als dein Instrument erlaubt". Das ist m.E. falsch verstandener Virtuositätsanspruch.
ps. wie ist denn der Schumann-Mitschnitt geworden? Bei Saint-Saens klang das Cello manchmal etwas arg "dünn" auf meinem "billigen" Platz...
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Antwort#9
rundbögen? historisch?.....
also die spielten damals durchaus seeehr feine bögen und die instrumente sprachen auch hervorragend an wenn sie gut gebaut waren. ansonsten natürlich zustimmung!
nur deswegen mein einwand, weil es für mich DIE erfahrung war, auf ner alten geige mit altem bogen zu spielen und zu HÖREN wie leicht und schnell alles ansprach und AUS DIESEM GRUNDE verzierungen, artikulation und inegales spiel ganz anders möglich, quasi von selbst möglich waren! natürlich kann man das auf moderne instrumente übertragen, aber auf alten instrumenten ergibt es sich von selbst, so man ohren hat und feeling entwickeln kann. wie auch alte fingersätze sich auf alten manualen von selbst ergeben (wenn man mal kurz drauf achtet) und eben alles sinn macht. richtig ist, daß sich so mancher hinter "historisch" versteckt, um eine musik "DOCH" noch zu verkaufen, die ansonsten wegen musikalischer ungenauigkeit, fehlender musiziertechnik (zusammenspiel, groove, phrasierung etc.)und musizierpraxis nichts hergeben würde. ich sehs ja an den hochschulen wer z.b. dann oft (naja, sagen wir 35%) in die alte musik wechselt: leute, dies am "normalen" instrument nicht ganz geschafft haben.
lg matthias
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Antwort#10
ich habe auch mal einen "historischen" cello bogen in der hand gehabt und fand ihn sehr gut. allerdings dvorak-druck fand ich damit anstrengender als mit meinem modernen. aber nun ja...
anyway... for lauter schumann habe ich heute den michael gefargt ob die aufnahme gut sei, er sagte ja, vielleicht kaufe ich sie einfach mal. ist leider die teuerste. zinamm kostet ein fünftel...
@ peter: dank zumisch ist der freitag sound eigentlich recht gut, nur leider die bläser manchmal unsauber. gilt insbesondere fürs cello. insgesamt schon mal ein substantieller fortschritt, beim nächstenmal muss ich dann noch die die überhalligkeit noch in den griff bekommen, vielleicht mit breiten nieren im tree und nur nieren für die hinterbanken. oder kein zumisch mehr... das ist aber ein anderes thema für einen demnächst kommenden thread...;)
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Antwort#11
"Fazit:... Viele mißachten die eigentlich doch wirklich einfache Grundregel "Spiele nicht schneller als dein Instrument erlaubt". Das ist m.E. falsch verstandener Virtuositätsanspruch."
Das Fazit untestütze ich nachdrücklich, nicht aber die Referenzgröße, da nicht (primär) die Instrumententechnik das Tempo bestimmt, sondern die Lauffähigkeit des musikalischen Satzes, was nun fraglos psychoakustisch determiniert ist. Das wussten die Musiker 'temporibus illis' in praxi, heute oftmals nicht einmal mehr 'corde' oder 'theoretice'. Es interessiert (leider) kaum mehr.
Hier wird deshalb bis in prominenteste Ecken sichtlich deshalb bis zur Obszönität gesündigt, weil man in unserer, dem Marketigfetisch erlegenen Szene sichtlich/hörlich nicht mehr recht weiß, "was man interpretatorisch noch tun" soll, um in ebendiesem Verhau zu bestehen.
"ps. wie ist denn der Schumann-Mitschnitt geworden? Bei Saint-Saens klang das Cello manchmal etwas arg "dünn" auf meinem "billigen" Platz... "
Französische Symphonieorchester hatten noch vor dem II. Weltkrieg (manchmal auch noch bis in die mittleren 1950er) aufgrund der 'Blechbauarten' einen für östlichere Ohren ungewohnt "dünnen" Klang. Insofern ist Saint-Saëns definitiv kein Wagner-Verschnitt, sofern das überhaupt diskutiert werden müsste, denn Wagner bezeichnete Theobald Böhms Reform- (und damit unsere heutige Normal-) Traverse als "Gewaltsröhre". Zu seiner Hörbarkeit im aktuellen Orchester befrage man einmal einen neuzeitlichen Flötisten....
Historische Relativierungen eignen sich sehr gut, neuzeitliche (moderne?) nicht hinterfragte Standpunkte entlang der zentralen tonmeisterlichen Frage zu relativieren: "Was höre ich denn da eigentlich?"
Hans-Joachim
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Antwort#12
Gegen den "französisch-dünnen" Klang ist prinzipiell natürlich nichts einzuwenden. Das ist eine Klangästhetikfrage, die eben nicht endgültig beantwortet werden kann.
Im konkreten Fall jedoch klang das (moderne) Solocello deutlich dünner als das (ebenfalls moderne) Orchester, was allerdings auch an der Raumakustik der für dieses Werk eigentlich zu halligen Kirche gelegen haben kann.
Daß man Saint-Saens durchaus auch im breiten, flächigen Brahms-Gewand hört und es trotzdem noch schön ist, zeigt die Qualität der Komposition...
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Antwort#13
Hallo Leif,
ich finde den Terminus "historische Aufführungspraxis" etwas unglücklich, historisch wäre z.B. eine Originaldarbietung unter der Leitung von Schumann. Was wir heute kennen, bezeichne ich lieber als "historisierende Aufführungspraxis.
Eine Aufnahme unter Leitung von Herreweghe kenne ich nicht, allerdings ist unter Leitung von Herreweghe eine m.E. hervorragende Aufnahme von Bruckners e-moll-Messe entstanden, was für mich ein Hinweis darauf ist, daß er ein Händchen für romantische Musik hat.
Ich bin davon überzeugt, daß die Sinfonien Schumanns Charakterstücke sind, die singen, sprechen, fragen, antworten und erzählen sollen. Daher denke ich (ich kann mich selbstverständlich irren), daß eine Aufnahme wie die unter Leitung von Franz Konwitschny der Intention des Komponisten näherkommt, als die rhythmusbetonte staccato-Nähmaschinenmethode ;) von Harnoncourt.
Gruß
Andreas
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