Vademecum - Quo vadis?

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Startbeitrag#1
Noch sind Digitalmikrofone recht teuer, aber was wird passieren wenn sie dank einem attraktiven Preises den Markt umkrempeln?
Die Versprechungen von Neumann zur neuen kmd Serie klingen einfach zu verlockend. Keine quälenden Gedanken mehr zum passenden Mikrofonvorverstärker, und eine Spielesoundkarte (Notebook) reicht völlig aus, um akzeptable Aufnahmen zu erhalten.
Zwar holt man mit diesen Dingern nicht das letztmögliche an Pegel aus der Schallquelle heraus, aber das dürfte für viele Anwendungen auch irrelevant sein.
So langsam dürfte sich das Ende für einige Hersteller von Mikrofonvorverstärkern abzeichnen ... wie werden das die Recording-Sounddesigner verkraften, die dank färbender Mikrovonvorverstärker ihren Sound aus den Aufnahmen holen wollen?
Mich würde Eure Meinung zum Thema "digitalisieren direkt von der Membran" interessieren. Einige Vorteile liegen ja auf der Hand (klare Informationen darüber, was die Membran grade macht + einiger Zusatzinformationen (Mikrofontyp usw. usf.)). Aber hole ich dann wirklich alles mögliche aus der Signalquelle heraus? (Wohl kaum ...)
Auf jedem Fall dürfte sich das "Butter und Brot-Geschäft" der Toningenieure vereinfachen. (Hoffentlich nicht zu sehr ... (so das Jedermann meint gute Aufnahmen machen zu können) es wäre Schade um die Tonis.)


Prospekt, Digitale Kleinmikrophone, PDF, 1076 KB
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Antwort#2
Solang nicht die direkte Schallwandlung digital erfolgt, ist ein all-in-one Digitalmikrofon für den Profi meines Erachtens entbehrlich.
Es bringt weder eine Vereinfachung im Betrieb noch eine Verbesserung der Klangqualität.
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Antwort#3
Ich möchte mich keinem Fortschritt entgegenstellen und wie das mit den KMDs weitergeht und wie andere Firmen darauf reagieren, wird einzig und allein der Markt entscheiden.
Aber jetzt werfe ich einfach mal provokativ in den Raum: Neumann wechselt mit diesen Produkten von der Langlebigkeit analoger Mikrofone auf die Kurzlebigkeit der Digitaltechnik und sichert sich damit den stetig wachsenden Umsatz von morgen.
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Antwort#4
Ich denke, daß die Neumann-KMD-Technik zumindest für den mobilen Einsatz durchaus Vorteile bietet: man muß schlicht und ergreifend weniger schleppen, da man nur ein Interface hat statt Vorverstärker, Wandler, Interface. Insbesondere die Aussicht, daß das Ganze irgendwann vom "Basislager" aus gesteuert werden kann (und direkt im Basislager in guten Abhörbedingungen und ohne die Enge eines Ü-Wagens gemischt), macht das doch interessant für größere Betriebe. Der Rundfunk wird sich dann mit Freuden drauf stürzen und ein bißchen GEZ investieren.
Zur Verbesserung der Klangqualität: sicher nicht substantiell. Die vermiedenen Kabelverluste haben wohl eher theoretische Bedeutung.
Der "Vorteil" der Steuerung per Computer ist m.E. jedoch eher ein Nachteil. Man hat schneller am Poti gedreht als den richtigen Schieberegler mit der Maus zu erwischen.
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Antwort#5
Schön und gut. Der "Vorverstärker" ist halt im Mikrofon selbst, genau wie ein stinknormaler AD Wandler. Sind diese Komponenten über alle Zweifel erhaben, nur weil sie von Neumann eingebaut wurden?
Weitere Fragen werfen sich aus meiner Sicht aus dem Aspekt des Systemtaktes auf. Digitalmikros sind nämlich nie vollkomen synchron zum Restsystem. Ob das so ok ist, bin ich mir nicht wirklich sicher. Zumindest denke ich, die Anbindung über eine periodische, langsame Nachführung des Taktes und/oder SRCs sind nicht das letzte Wort in dieser Sache. Diese Lösung ist mehr Machbarkeitsgetrieben, als Qualitätsgetrieben.
Grüße,
Tonmaus
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Antwort#6
@Tonmaus.
Tonmaus schrieb:
"Schön und gut. Der "Vorverstärker" ist halt im Mikrofon selbst, genau wie ein stinknormaler AD Wandler. Sind diese Komponenten über alle Zweifel erhaben, nur weil sie von Neumann eingebaut wurden?"
Soweit ich dies Prinzip verstanden habe gibt es keinen Vorverstärker mehr, weil direkt die Spannung der Membran digitalisiert wird. Natürlich sind die Komponenten nicht über alle Zweifel erhaben nur weil sie beispielsweise von Neumann sind. Skepsis ist immer angebracht, egal ob Schoeps, Sennheiser, DPA oder Neumann.
Tonmaus schrieb:
"Weitere Fragen werfen sich aus meiner Sicht aus dem Aspekt des Systemtaktes auf. Digitalmikros sind nämlich nie vollkomen synchron zum Restsystem. Ob das so ok ist, bin ich mir nicht wirklich sicher. Zumindest denke ich, die Anbindung über eine periodische, langsame Nachführung des Taktes und/oder SRCs sind nicht das letzte Wort in dieser Sache. Diese Lösung ist mehr Machbarkeitsgetrieben, als Qualitätsgetrieben."
Dank Unwissenheit meinerseits kann ich mich nicht darüber entsprechend äußern, aber ich erinnere mich etwas über Timecode gelesen zu haben, zumindest bei vorhandenem Steuergerät.
Aber ich vermute mal, das andere Mikrofonhersteller mit der Zeit nachziehen werden.
Liebe Grüße,
Machiko
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Antwort#7
Moin,
Tonmaus hat recht, AES 42 verlangt zwingend einen Sample Rate Converter, da bei AES 42 die eine externe Taktung nicht möglich ist. Weiterhin ergibt sich das Infrastrukturproblem. Ich glaube nicht dass ein Studio, dass zig tausend Euros in die analoge Infrastruktur investiert hat, jetzt noch für viel Geld einen Parallelwelt hochzieht.
(Schoeps hat übrigens digitale Mikros schon eine ganze Weile im Programm, Neumann bringt jetzt die mee-too Produkte)
Gute Mikrofone wie Schoeps, Neumann oder MG sind ja eine 'Anschaffung für's Leben' und tun auch nach vielen Jahren noch Ihre Dienste.
Aber vielleicht sind diese Mikros ja für die Aufnahme von 'Stille' konzipiert.
Meine 2 Cent: Zur Kenntnis nehmen und nicht weiter darüber nachdenken.
Schönen Tag noch
Gerhard
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Antwort#8
Nachtrag:
Auf der 23. Tonmeistertagung in Leipzig im Novermber 2004 stellte die Firma Schoeps einen Prototyp des digitalen Mikrofonverstaerkers CMD 2Ug vor.
* überträgt Schalldruckpegel von 15dB SPL bis 130dB SPL ohne Aussteuern
* ideal für ENG oder Konferenztechnik
* kombinierbar mit 20 Colette-Mikrofonkapseln MK-
* für AES 42-2001-Eingänge
Der Stereo-Betrieb erfordert wegen des Arbeitsmodus? (ohne Synchronisierung) Eingänge mit Sample-Rate-Convertern.
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Antwort#9
Ich hab neulich mitgekriegt, dass ein Opernhaus eine Installation von Mikrofonen projektiert hat und die bewährte 'analoge' Lösung (analoge Mikrofone und davon abgesetzt fernsteuerbare Preamps/mit Wandler) den KMDs vorzog, weil beim KMD für so ein grosses Investitionsvolumen einfach viel zu viele Fragen offengeblieben sind. Und so ganz ohne Aufbereitung des Digitalsignals kann man wohl keine der geforderten Leitungslängen realisieren.
Schoeps erwähnt übrigens auch als Applikation für ihren CMD, dass dieser sich vorwiegend für Festinstallationen eigne. Ich wüsste gerne, wie sich sowas (z.B. in der Oper oder auch in Runfunkhäusern) in das digitale Netzwerk integrieren liesse.
Ich werde den Verdacht immer noch nicht los, dass die KMD-Vorzüge marketingstrategisch an den Haaren herbeigezogen wurden, weil es ja letztlich um ein Riesengeschäft geht. Den A/D einfach direkt hinter die Kapsel zu platzieren, ist für mich aber nicht sehr innovativ, da hat die Milkofonbranche auf anderen Gebieten viel mehr Potential. (z.B. DSP Verarbeitung von Signalen eines Mikrofonarrays)
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Antwort#10
Also, Taktsynchronisation hat mit TC nix zu tun. Das ist ein bei reinen Tonleuten oft verbreitetetes Mißverständnis. Dem Mikro ist es völlig wurscht, wo das System zeitmäßig steht.
Neumann moduliert Steuersignale auf den Kanal um mit periodischen Synchronwörtern die Phasenlage der Clock im Mikro nachzuführen. Das passiert aber sehr selten und langsam, so dass die Mikrofone nicht wirklich synchron sind.
Die Billigvariante ist, die Mikros über SRCs anzubinden (bei n>1). HW SRCs sind heute recht gut, was den Störabstand anbelangt, aber nicht vollkommen transparent. Und wenn man sich über das "diskrete Zeitverhalten" beim digitalen Mischen Gedanken machen kann, würden sich die Zehennägel kräuseln bei dem Gedanken, dass jedes Signal über einen SRC geht, also nix synchron am digitalen Eingang ist.
/Tonmaus
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Antwort#11
Das Solution D habe ich mir bereits auf der Tonmeistertagung2004 angesehen. Ein Hörtest war leider nicht möglich, weil das System abgestürzt war und der Fehler auch am Abend nicht behoben war.
Aber man sagte mir, daß das Kapselsignal erst in einen konventionellen Vorverstärker/ Impedanzwandler geht, bevor es A/D gewandelt wird.
Wer den Ersatzgeräuschpegel mal genau ansieht, wird feststellen, daß die Digitallösung vom Rauschen der konventionellen Technik stark hinterherhinkt. Da hätte ich deutlich mehr erwartet.
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Antwort#12
... ich erinnere mich noch an Wuttkes Äußerungen (war es in den Mikrofonaufsätzen?), die sich mit einem Wort zusammen fassen lassen:
"Unsinn."
Sowohl das SCHOEPS "CMD" wie Neumann "KMD" bzw. die schon länger erhältliche "Solution D" halte ich eher für "Machbarkeitsstudien" denn marktrelevante Produkte.
Eine Vereinfachung sehe ich nicht, wenn ich für zwei Mikrofone (derzeit maximal 4) Kistchen brauche, die den gleichen Verkabelungsaufwand benötigen wie EinzelMikrofonVorverstärker ....
Zweckmäßig im Sinne einer Vereinfachung wäre in meinen Augen, wenn ich einen Einschubträger mit den entsprechenden Eingangsmodulen habe, den ich nach Bedarf ausbauen kann und wo ich mir keine Gedanken über Taktung u.ä. machen muß. Davon scheinen wir noch weit entfernt zu sein ...
Solange Geld keine Rolle spielt, kann man auf den trueMATCH von StageTec setzen: Höhere Auflösung und bestimmt "bessere" Qualität. Nur sitzt der AD-Wandler nicht im Mikrofon.
Und ob ich Neumann überhaupt benutzen möchte? Ich bin mit Colette & Co zufrieden ....
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Antwort#13
...Schlechter als nach einem konventionellen AD? Das wäre der angemessene Vergleichspunkt.
;-)
Tonmaus
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Antwort#14
Soweit ich dies Prinzip verstanden habe gibt es keinen Vorverstärker mehr,
weil direkt die Spannung der Membran digitalisiert wird.
Um eine Anpassung der Kapsel an den AD-Wandler wird man nicht herum kommen. Dieser "Impendanzwandler" ist nichts anderes als das, was in analogen Kondensatormikrofonen landläufig auch "Verstärker" genannt wird. Allenfalls die Symmetrierung des analogen Ausgangssignals kann (je nach Aufbau des AD-Chips) entfallen ...
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Antwort#15
Wozu wurde eigentlich jahrelang der Aufwand getrieben, HF-dichte Übertragungsweg zu konstruieren, wenn heute mit 192 kHz Abtastrate gearbeitet wird?
Ein nettes Feature, aber in diesem Zusammenhang wäre es interessant zu sehen, was die Mikrofone (resp. Kapseln) jenseits der 20 kHz zu übertragen in der Lage sind. Der Prospekt schweigt sich wohlweislich darüber aus ...
Vielleicht sind Intermodulatuionsverzerrungen durch Fledermausschreie bei Kirchenaufnahmen ein Gimmick, das zu besonders plastischem und authentischem Klangerleben führt?
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Antwort#16
Moin...
"Um eine Anpassung der Kapsel an den AD-Wandler wird man nicht herum kommen."
Nach derzeitigem Stand der Technik nicht, das stimmt. Zumindest unter der Annahme, dass man die Membranbewegung zunächst in ein analoges elektrisches Signal umwandeln möchte. Es wäre aber auch denkbar, darauf ganz zu verzichten und die Membranposition direkt digital zu erfassen (wie z.B. bei Endlos-Drehgebern oder digitalen Weggebern).
Ich denke schon seit einiger Zeit darüber nach, so etwas einmal mit einer optischen Abtastung zu realisieren - was bei oberflächlicher Betrachtung an den bei jetzigen Kapseln zu geringen Hüben scheitert. Aber auch da sind Tricks denkbar, mit denen man diese Hürde ggf. überwinden könnte.
Zumindest sollte man nie "nie" sagen ;)
Jens
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Antwort#17
Die größten Übertragungsfehler dürften vor allem durch die Membran/Mikrofankapsel selbst verursacht werden.
Von daher halte ich die Überlegung zu einer wie auch immer gearteten Abtastung der Membranbewegung für müßig.
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Antwort#18
Es wäre aber auch denkbar, die Membranposition direkt digital zu erfassen.
Ein guter Gedanke.
Dann könnte man auch den Neugeborenen gleich einen Adapter hinter die Ohrläppchen unter die Haut implantieren, wobei die digitalen Signale des MP3-Players direkt als Trommelfell-Membran-Postion übertragen werden.
Dann braucht man keine Kopfhörer mehr. Das wünschen sich fast alle Jugendlichen.
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Antwort#19
Hallo Jens,

Optische Abtastung der Membrane: Meines Wissens ist bei der Firma Sennheiser eine derartige Entwicklung im Gange aber noch nicht bis zur Marktreife entwickelt.
Und vor einigen Jahren habe ich auch schon gehört, daß bei Lautsprechern eine Überlegung angestellt wurde, diese direkt digital anzusteuern. Für jedes Bit wäre dann eine Membran erforderlich deren Fläche immer doppelt so groß ist wie die des vorhergehenden Bits.
Ich habe das nur noch ganz schwach in Erinnerung. Aber vielleicht weiß der eine oder andere näheres über den Entwicklungsstand.

MfG
Rainer
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Antwort#20
@Juppy.
Juppy schrieb:
"Die größten Übertragungsfehler dürften vor allem durch die Membran/Mikrofankapsel selbst verursacht werden.
Von daher halte ich die Überlegung zu einer wie auch immer gearteten Abtastung der Membranbewegung für müßig."
Selbst Sennheiser verbaut Membranen nach dem Laser-Triangulationsprizip.
Neue Abtastungsmethoden könnten neuartige "Membranen" realisieren. Ob ich nun Luftbewegungen durch Hitzdrahtsonden festgestellt werden oder mit Hilfe der Optik.
Überhaupt bieten sich mehrere Lösungsmöglichkeiten an (von der derzeitigen Qualität und Kostenfrage mal abgesehen).
Und selbst die Mikrofonhersteller nutzen nicht alle Möglichkeiten die sich ihnen bieten, oder benutzt ein Mikrofonhersteller beispielsweise Differentialkondensatoren?
Von einem Laser-Doppler-Anemometer ganz zu schweigen.
Liebe Grüße,
Machiko
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