An die SAE-Diskutanden.

Erstellt 3 Antworten4 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo Kollegen,

über die SAE ist hier schon sehr viel geschrieben worden - positives und negatives. Es wird immer ein Streitthema bleiben. Und deshalb bitte ich Euch, die Diskussion zu beenden. Ich werde den Thread dann auch in Kürze schließen.
Nur soviel zum Allgemeinen:
Es gibt keine Schule - egal ob staatlich anerkannte Hochschule, Fachhochschule, Uni, oder Privatschule, die Absolventen auf die Menschheit losläßt die alles dann perfekt können! Allein schon die Tatsache daß wir alle in einem Job arbeiten, der es mit Elektronik im weitesten Sinne zu tun hat, sollte uns klar werden lassen, daß die technische Entwicklung derart schnell voran schreitet, daß man von einer "Halbwertzeit" spricht. D.h., daß nach der Studienzeit die Hälfte von alldem was man gelernt hat wieder veraltet ist.
Das bedeutet: Jeder muß sich auch nach dem Studium selbst weiterbilden, anderenfalls kann er einpacken.
Und die rauhe Praxis "an der Front" lernt man sowieso erst im Beruf.
Wer gerade sein Examen gemacht hat, gerade seine Diplomarbeit geschrieben hat, kann noch nichts! Es ist wie beim Führerschein: Wer gerade seinen Führerschein gemacht hat, kann noch nicht "Autofahren" - er hat nur die Berechtigung ein solches Gefährt zu führen, mehr nicht!
Und wer sein Tonmeister- oder Toningenieurdiplom (egal ob von FH, Uni oder SAE/SFT oder sonstwo her) hat lediglich die Grundlagenkenntnisse. Die Praxis muß er sich im Laufe der Jahre aneignen.
Ein Beispiel den ein Kollege mir mal erzählte:
Ein frisch gebackener Diplomingenieur (Maschinenbau, TH-Status!) kommt in die Werkstatt und hört vom Meister, daß eine spezielle Schraube mit bestimmten Festigkeitseigenschaften gebraucht wird. Diese muß angefertigt werden, da im Handel nicht erhältlich. Der Dipl.Ing streitet sich mit dem Meister rum und will diesem klar machen was er alles zu beachten hat, geht dann an seinen Schreibtisch, macht dort die kompliziertesten Berechnungen sogar mit Differentialgleichungen, und bis er fertig ist und dem Meister sagen will was dieser zu tun hat, hat der Meister die Schraube auf der Drehbank ferig gedreht und zwar ohne große Berechnungen sondern ausschließlich nach seiner jahrelangen Praxiserfahrung....
Und jedesmal wenn der Dipl.Ing in die Werkstatt kam fragten ihn die Mitarbeiter "na, brauchste wieder 'ne Schraube?"

Grüße
Rainer
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Antwort#2
@Rainer.
Rainer schrieb:
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Ein Beispiel den ein Kollege mir mal erzählte:
Ein frisch gebackener Diplomingenieur (Maschinenbau, TH-Status!) kommt in die Werkstatt und hört vom Meister, daß eine spezielle Schraube mit bestimmten Festigkeitseigenschaften gebraucht wird. Diese muß angefertigt werden, da im Handel nicht erhältlich. Der Dipl.Ing streitet sich mit dem Meister rum und will diesem klar machen was er alles zu beachten hat, geht dann an seinen Schreibtisch, macht dort die kompliziertesten Berechnungen sogar mit Differentialgleichungen, und bis er fertig ist und dem Meister sagen will was dieser zu tun hat, hat der Meister die Schraube auf der Drehbank ferig gedreht und zwar ohne große Berechnungen sondern ausschließlich nach seiner jahrelangen Praxiserfahrung....
Und jedesmal wenn der Dipl.Ing in die Werkstatt kam fragten ihn die Mitarbeiter "na, brauchste wieder 'ne Schraube?"
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Grade Schraubverbindungen (einschließlich Schraubensicherungen) sind nicht ohne. Da zählt auch oft die Jahrelange Erfahrung nichts. Es gibt Anwendungsgebiete für spezielle Schrauben (elastisch beanspruchte Verbindung oder statisch belastete Verbindung), die ohne enge Toleranzen bei den Schrauben ohne entsprechendes Anzugsmoment nichts bringen. Hierbei sei einfach an Kopfdichtungsverbindungen bei Kolbenmotoren erinnert, die auch nicht mit einer Schraube aus dem Baumarkt gelöst werden sollten, vor allem wenn ohne ein definiertes Drehmoment (nach Gefühl statt mit Drehmomentschlüssel angezogen) angezogen wird.
Siehe auch entsprechende Maschinenelementebücher oder noch besser im "Schrauben Vademecum".
Wenn von Konstrukteuren oder Entwicklern Extrawürste gewollt werden, dann liegt höchstwahrscheinlich eine dynamisch belastete Halteverbindung vor, und diese Fälle sind nicht trivial.
Wie lange soll die Halteverbindung denn eigentlich halten? (Von den wechselnden Belastungen her gesehen ... 10 Lastwechsel, 1000 Lastwechsel oder immer?)
Je dicker desto Haltbarer zählt hier leider nicht (Viel hilft hier nicht viel).
Ich kenne die fertigungstechnische Seite aus der Praxis sowie die theoretischen Grundlagen ...
... wobei ich auch viele Meister kennenlernen dürfte die vom Praxiswissen/Theoriewissen/Geschicklichkeit noch nicht mal als Gesellen taugen (sogar der überwiegende Teil (dies zieht sich sogar durch das gesamte Handwerk egal ob Maschbauer oder Konditor)).
Wobei Werkstoffe und deren anschließliche Behandlung entscheidend zum gelingen der Konstruktion beitragen. (Genannt seien hier stellvertretend Material, Oberflächenrauhigkeit und dezidierte Wärmebehandlung sowie deren Verarbeitungsreihenfolge und Fertigungsverfahren von der Chemie gar nicht zu reden).
=====8
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Antwort#3
Lieber Rainer,
entschuldige bitte, ich habe mich gestern hinreissen lassen, im SAE-thread zu entgegnen, obwohl ich diesen thread eigentlich nicht weiterpflegen wollte...
Aber zu Deinem Masch'bauer/Meister-Beispiel ein Zitat von Werner Heisenberg:
"Ein Fachmann ist ein Mann, der einige der größten Fehler kennt, die man in dem betreffenden Fach machen kann, und sie deshalb zu vermeiden versteht."
Zum Vermeiden der Fehler gehoert mitunter auch dazu, zuerst Berechnungen zu machen und erst dann die Drehbank zu bemuehen. Natuerlich ist jemand, der potenzielle Gefahrenquellen nicht kennt, mitunter schneller, weil er die Risken gar nicht erst beruecksichtigt, gar nicht die Zeit aufwendet, um die Risken zu analysieren.
Das ist aber ein ueberall auftretendes Problem. Es sind unterschiedliche Arbeitsstile. Wobei ich mich selber eindeutig zu jener Fraktion zaehle, die ueblicherweise zuerst analysiert und rechnet, und erst dann produziert.
Gruss,
Mathematiker
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Antwort#4
..genau, und ich dachte das sei nur bei softwareentwicklern und tonmenschen so...
hihi
dB
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