Wie wärs mit einem russischen Mikro?

Erstellt 27 Antworten28 Beiträge
Antwort#21
Entwicklergeheimnisse von Mikrofonen über Membranabstimmung wird man kaum erfahren.
Zum Empfindlichkeitsvergleich:
Beispiele für Kleinmembranmikrofone
KM 83 hat 7 mV/Pa
KM 84 hat 10 mV/Pa
MK2S hat 12 mV/Pa
MK4 hat 13 mV/Pa
KM 130 hat 12 mV/Pa
KM 140 hat 15 mV/Pa
Beispiele für Großmembranmikrofone
TLM 103 hat 21 mV/Pa
TLM 193 hat 18 mV/Pa
U 87 Ai Niere hat 28 mV/Pa
Brauner VM1 hat 28 mV/Pa
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Antwort#22
Die Empfindlichkeit eines C-Mikrofons wird von verschieden Faktoren bestimmt:
Die Kapselgröße (wie Du schon richtig vermutest)
Die Ruhekapazität (also die Kapazität die die Kapsel im nicht betönten Zustand hat)
Die Höhe der Polarisationsspannung
Und natürlich geht auch die Abstimmung in diesen Parameter ein.
Der nachgeschaltete Impedanzwandler hat in der Regel keine Spannungsverstärkung. Er soll nur die extrem hochohmige Kapselschaltung an einen niederohmigen Verstärkereingang anpassen.
Die Ruhekapazitäten gängiger Mikrofonkapseln liegen in der Gegend von 30....50 pF. Die Polarisationsspannung wird mit einem Höchstohmwiderstand (1....5 Gigaohm) zugeführt.
Eine solche Schaltung müßte auf einen Eingangswiderstand wirken der mindestens 10 mal so groß ist und die Leitungslängen könnten folglich nur wenige Zentimeter gemacht werden. Deshalb sitzt direkt hinter der Kapsel ein Impedanzwandler der mit einem FET bestückt ist, dessen Eingangswiderstand im Bereich von 1000 GOhm und höher liegt. Der Ausgangswiderstand wird dann ggf. noch über einen weiteren Transistor auf einen Wert von wenigen Ohm gebracht. Dadurch ist es möglich auch Leitungslängen von bis zu 200 Meter zu verwenden ohne daß es Verluste gibt.

MfG
Rainer
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Antwort#23
Hallo Nikita und Jerabek,
die Vergleichsliste finde ich hier ganz schön.
Für ein Grossmembranmikrofon ist 10 mV/Pa also relativ wenig.
Das Kleinmembranmikrofon GXL-1200 ist mit seine 16 mV/Pa dann schon
empfindlicher als die andern.
Die nachgeschaltete Elektronik muss aber schon rauscharm sein, denn das
rauschen wird zum Signal addiert.
Das Hauptroblem bei grössere Distanzen ist die Akustik, die es ´weit entfernt´
hören lässt. Meiner Meinung nach nur in Ausnahmefällen akzeptabel.
Das zweite Problem ist rauschen. Woher es auch kommt.
In der Umgebung gibt es schon Rauschen, das aufgenommen wird vom Mikrofon.
Das wird verstärkt von den Verstärkern hinterm Mikrofon. Dann addieren die Ver-
stärkern noch ein Eigenrauschen.
Je höher der Ausgangspegel vom Mikrofon ist, (mit möglichst geringes Mikrofon-
eigenrauschen) um so ´schlechter´ darf der Eingangsverstärker im Mixer sein.
Wenn es nur eine sehr leise Quelle ist, die aufgenommen werden muss, muss
das Mikrofon und die dahinter geschaltete Verstärker (im Mixer) sehr rauscharm
sein.
Wenn das eigenrauschen von einem Mikrofon niedriger ist als etwa 15...20 dB,
ist es als SEHR GUT zu bezeichnen weil das Umgebungsrauschen etwa im
gleichen Bereich liegt. (wenn ich hier aber falsch liege, lass ich mich gerne belehren)
Hier im Arbeitszimmer wo 2 PCs laufen, messe ich z.B. schon 44 dB(A).
Etwas laut reden in 20 cm Entfernung: 85 dB(A)
Das heisst also, dass ich hier im Zimmer bei so eine Sprachaufnahme niemals
ein besseres S/R-Verhältnis bekommen kann als 41 dB.
Für diese Umgebung bräuchte man kein sehr rauscharmes Mikrofon.
Für Vogelstimmen im Wald möchte ich dann wieder doch lieber ein stilleres
Mikro haben.
Eine niedrige Impedanz am Ausgang eines Mikrofons hat der Vorteil, dass die
Kapazität des Kabels kein oder kaum Einfluss hat auf die Höhen.
Ein Mikrofon mit eine höhere Empfindlichkeit, braucht nicht unbedingt
eine bessere Qualität zu liefern, als eine mit geringere Empfindlichkeit.
Hier liegt der Hund hier: Rauschen.
Bei geringere Empfindlichkeit muss mehr Verstärkt werden.
Wenn dann das Mikrofon im Verhältnis weniger rauscht, kann trotzdem eine
bessere Aufnahme zustande kommen. Vorausgesetzt der Eingangsverstärker
vom Mixer ist ´still´genug.
Hoffentlich habe ich dich etwas weiterhelfen können.
LG,
Evert
PS: Ich habe nichts zu tun mit CAD Mikrofone, ausser dass ich hier 8 davon
habe, und damit bis jetzt sehr zufrieden bin.
(JAJA, auch ich hätte lieber KM84.... :-) )
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Antwort#24
Hallo Kollege,

Zitat:

"Wenn es nur eine sehr leise Quelle ist, die aufgenommen werden muss, muss
das Mikrofon und die dahinter geschaltete Verstärker (im Mixer) sehr rauscharm
sein."
So ganz einfach sind die Zusammenhänge auch wieder nicht. Sind sehr hohe Verstärkungen erforderlich, dominiert in erster Linie das Quellenrauschen. Also in diesem Fall das Mikrofon. Denn: Bei sehr hohen Verstärkungen (größer 60 dB) rauschen alle Mikrofonverstärker weitestgehend gleich stark. (Siehe Betriebskennlinie im IRT-Pflichtenheft 3/5). Erst bei niedrigeren Verstärkungen zeigt sich, welcher Mikrofonverstärker weniger rauscht. Das ganze klingt paradox, ist aber so.
Siehe mein Aufsatz im angegebenen Link.
""Wenn das eigenrauschen von einem Mikrofon niedriger ist als etwa 15...20 dB,
ist es als SEHR GUT zu bezeichnen weil das Umgebungsrauschen etwa im
gleichen Bereich liegt. (wenn ich hier aber falsch liege, lass ich mich gerne belehren)""
Das Umgebungsgeräusch bekommt man in einem gewöhnlichen Raum kaum geringer als 22 dB(A). Selbst nachts in einem ruhigen Zimmer nicht.
Hier erreicht man mit dem KM 84 durchaus sehr gute Werte, obwohl es mit seinem äquivalenten Eigenrauschen über 20 dB(A) liegt.

Grüße
Rainer



Rauschen von Mikrofonverstärkern
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Antwort#25
Hallo Rainer,
ein ganz schöner Aufsatz hast du da geschrieben!
Vor allem ¨Ein Verstärker hat nicht zu klingen¨ unterschreibe ich direkt vollkommen!
Oft wird auch von nicht technischen Menschen gesagt dass ihre Lautsprecher gut
klingen... Ach wie denn? Schlägst du drauf mit ´n Hammer?
Lautsprecher haben genauso nur das elektrische Signal in Akustische um zu Wandeln,
und sonnst zu schweigen! :-)
Nur, habe ich noch nicht verstanden wie du es gemeint hast mit den Verstärkern,
wobei gerade bei NIEDRIGEREN verstärkungen das Rauschverhalten wichtiger sei.
Denn: Um so grösser die Verstärkung, um so mehr rauschen aus der ersten Stufe
wird verstärkt. (Plus das Rauschen des Mikrofons, wie ich in meinem vorigen Beitrag
schon schrieb)
OOOoooooder sehe ich etwas (noch immer) falsch? Oder habe ich deine Worte nicht
ganz verstanden?
Wenn ein Mikrofon sehr rauscharm ist, und dazu ein vernünftigen Pegel liefert, darf
das auf dem Eingang bezogene Rauschen des Verstärkers höher liegen als sonnst,
weil trotzdem ein gutes S/R-Verhältnis zu Stande kommt, wegen des höheren Pegel
vom Mikrofon.
Oder wir verstehen uns beidseitig falsch :-)))
Bin aber doch ganz neugierig. Dürfte ich dir vielleicht mal ´telefonisch anrufen´ ?
Schicke mir dann bitte deine Nummer: e . d r i j v e r ( a t ) y a h o o . k o m
Leerzeichen ignorieren, und k > c.
Scheinbar kann man keine eMailadressen normal in Foren schreiben, weil
dein Mbx in kürzester Zeit vollgespammt ist.
Freundliche Grüsse,
Evert
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Antwort#26
Hi Rainer
Wow Gut zu Wissen. Das heisst also die Qualität eines Preamps zeigt sich vor allem bei geringen bis mittleren Grenzwerten.. schicker informativer Aufsatz, man schlägt bei solchen "klaren" Fragestellungen wohl einfach zu wenig nach...
@ Evert.
Das mit der Akustik ist ein ungemein wahres Wort. Für konventionelle "zeitgenössische" U-Musik macht nahe Polymikrofonie im overdub-Verfahren meist die beste (lauteste, hipsste, editierteste aber auch gewollte) Figur. Für manche Klangkörper aber (vor allem akustische Gittarren finde ich) machen sich Stützen doch sehr gut, nicht für den Raum (der soll ja recht trocken und linear sein) sondern für die "Gesamtheit" des Klangkörpers. Ist natürlich sehr vom Stück abhängig.
Meist sind Gittarren ja nur zerfiltertes Geschrummel an den Basisgrenzen..Pop eben.

Mein kleiner russischer Kandidat also soll auch "zeitgenössisch" vor allem nah besprochen werden. Ich will surreale vocals für electronica herstellen. Anstatt stundenlang zu entzerren und/oder exciter zu bemühen hätte ich lieber ein Mikro, das den entsprechenden Grundsound bereitstellt.
Und da stieß ich auf Berichte über dieses Nevaton
Hier liegt der Fokus, hier sind geringe Empfindlichkeiten nicht so gewichtig.
Gleichzeitig soll das Mikro noch (einigermaßen) taugen für.
Sprache und für den Steg einer Gittarre in mäßigem Abstand.
Das mit der Gittarre wird sehr schwierig wenn aus dem Mikro kaum Pegel rauskommt. Und das macht mir ziemlich Kopfzerbrechen - gezupfte Gittarren können doch arg leise werden.
Wie gesagt scheidet für mich das c414 aus, und ein Schoeps ist nicht im budget und auch nicht 100% sinnvoll. Von den Neumann Grossmembranern ganz zu schweigen.
Das CAD e300 (eine alte graue Art "stumpfe Kriegswaffe" :) war mir mal ein sehr angenehmer und ausgewogener Helfer für Sprachaufnahmen, aber für meinen Zweck taugt es nicht.
Vielen Dank euch allen für die vielen Antworten und Anregungen
Ich werd jetz das Mirko einfach mal bestellen und Testen wenns nicht geht geb ich's zurück und greif mal auf ein AT 40something zurück. Noch andere Interesannte Mikros die euch für ca 800? einfallen?
Lieben Grüße
Nikita
PS: So so Ina 163? Dann wär das mit dem hochwertigen Vorverstärker wohl auch geklärt :) Hast du das Ding gebaut Evert?
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Antwort#27
Hallo Nikita,
ja, habe ich, der ist sehr gut. Steht bis jetzt in einer Versuchsaufbau.
Ich weiss nicht ob ich damit noch weitermache, weil ich jetzt schon
fertige Mischpulte habe.
Es ist zwar etwas weit auseinander, aber vielleicht kann ich dir helfen
mit deine Aufnahmen? Habe ausreichend Equipment zur Verfügung.
Bis zu 24 Kanäle, und wenn das nicht reicht, kommt eben ein 2. Mischpult dazu :-)
Habe im Moment 3 Grossmembraner wovon einer als 8 geschaltet werden kann,
und 14 kleinmembraner, plus einige Dynamische Mikrofone.
Ein digitaler Stereorecorder (mit CF-Karte) und ein 24-Spur Maschine.
Sonnst schicke mir mal eine eMail, falls du Interresse hast in eine Zusammenarbeit.
e (punkt) d r i j v e r (at) y a h o o (punkt) c o m
(ohne Leerzeichen)
Tschüüss!
Evert
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Antwort#28
Hallo Evert,

Ein Mikrofon ist nie völlig rauschfrei, selbst ein dynamisches nicht, es hat einerseits immer noch den ohmschen Widerstand der bei 200 Ohm ein termisches Rauschen von -118 dBqp erzeugt und andererseits wird ja auch die Membran durch das thermische Rauschen ständig in Bewegung gehalten, dadurch daß die Luftmoleküle ständig auf der Membrane herum hämmern.
Selbst wenn der MV jetzt absolut rauschfrei wäre, käme bei einer Verstärkung von 70 dB immer noch eine Rauschspannung von - 48 dBqp (entpsr. - 48 dBu)
Bei niedriger Verstärkung macht das Quellrauschen kaum noch etwas aus, dann dominiert eben das Verstärkerrauschen.
Wenn ein Mikrofon hohen Pegel liefert, dann ist ja auch im Mikrofon schon eine entsprechend hohe Verstärkung notwendig, die auch das thermische Rauschen der Luftmoleküle verstärkt. Es ist hier eine physikalische Grenze gesetzt die wir nicht unterschreiten können, wenn wir nicht gerade bei 0° Kelvin unser Aufnahmen machen wollen... :-)

Grüße
Rainer
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