Es wird andauernd über Equipement diskutiert. Wenn wir dabei sind, sollten wir doch mal über "unser eigenes" Equipement sprechen: unsere Ohren, und unser Hören. Was habt ihr für Strategien, die Sachen möglichst richtig zu hören und sich nicht festzufahren, den Überblick behalten? Sagt mir nicht, dass das kein Problem ist, ich höre oft genug schlechtes Material : ) (...natürlich nicht von euch!!) Ich persönlich tue folgendes: -in nicht zu langen Intervallen Arbeiten, meistens bei recht kleiner Lautstärke (Mischen) -für manche Details wie Effekte und Panning doch ab und zu mit Kopfhörer, aber nicht zu lang, sonst wird das Ohr (bei mir) irgenwie etwas stumpf (Nein, ich höre nicht laut!) -dafür immer wieder dran gehen (als Dienstleister wird es da wohl schwierig... ?) -andere Meinungen, von ausgewählten Leuten einholen -nach der Hauptarbeit auf verschiedenen Systemen anhören -Pausen, genug trinken, ab und zu bewegen -gute Aufnahmen als Vegleich einsetzen -generell Ausprobieren... für alle, die nix zu tun haben, viel Freude beim Posten!
Beim Mixen wechsel ich immer die Lautstärke mal leise mal ganz laut und auch die Abhöre. Ich finde wenn die Abhörbediungen immer gleich sind dann klingt es zum Schluß genau nur auf diesen Monitoren mit dieser Lautstärke gut.
Genügend Pausen, in denen ich selber Klavier spiele ... Mit der Klavierbank ein Stückchen über den Boden rutschen, dann sitz ich am Flügel - oder wieder am Schnittplatz - und für eine (halbe) Stunde entweder eigene Sachen üben oder auch mal das "ausprobieren", was ich an Einspielung vor mir liegen habe. Es ist immer wieder interessant zu vergleichen, was der Interpret spielt und was ich aus dem Notentext mache. Mitunter kommt dies dem zu bearbeitenden Stück sogar zugute ...
Hi! Da würde mich mal interessieren: Wie genau beschäftigst du (bzw. Ihr) dich davor mit dem Notentext? Davor mal durchlesen, evtl. Aufnahmen hören oder sogar intensive Analyse? Oder ist das mehr dass dann in während der Aufnahme die Ideen kommen? Und in wie weit besprecht ihr das Ganze dann mit dem jeweiligen Musiker und lasst es in die Aufnahme mit einflie�en? Besprechung bzw. Zusammensetzen vor der Einspielung oder auch hier wieder anfangen und schauen was kommt? Hat entfernt ja auch was mit hören zu tun ;-) Beste Grü�e! Philipp
Ich liebe den Satz "Du wirst in der Aufnahme schon sehen ..." Die Erfahrung zeigt, daß die Noten, egal wann sie angefordert wurden, kurz vor oder gar erst bei der Aufnahme zur Verfügung stehen. So erfolgt eine "Werkanalyse" gewöhnlich während der Aufnahme. Nur wenn "außergewöhnliche" Projekte aufgenommen werden, wird im Vorfeld darauf eingegangen. Ansonsten gilt: Vor allem der Interpret muß das Stück kennen. Die Feinheiten, auch die, die der Interpret übergangen hat, finde ich dann beim Schnitt ... ;-)
Naja...das hängt natürlich auch von der Arbeitsweise ab. Eine typische Klassik-Berufsmusiker-Aufnahme mit dem Zeitdruck (Dienste...) erfordert schnelles effizientes Arbeiten ohne viel Ausprobieren - eine Progressive-Rock-Studioproduktion, die live so gar nicht umgesetzt werden kann, hingegen verträgt durchaus kreatives Ausprobieren. Je besser man ein Werk kennt, desto besser ist das natürlich. Auch der Tonmeister trägt ja seinen Teil zur Interpretation eines Werkes bei. Was ich persönlich am liebsten mache: mir ein Werk vorher im Konzert anhören, in der Gesamtausgabe in der lokalen Uni-Bibliothek die Noten anschauen, wenns geht mit den Künstlern über das Werk sprechen. Oder mit der Band über die Songs. Proberaumbesuch, Proberaumaufnahme, etc. Wenn man sich vorher nicht mit Notentext zusammensetzen kann, z.B. weil man zur Aufnahme erst durch halb Deutschland fährt, dann gebe ich meine Anregungen meist nach dem ersten Take, wo ja auch die Künstler meist einige Dinge besprechen. Sehr gut ist auch das Mit-Proben, wie ich es kürzlich für eine Chor-Produktion gemacht habe: man lernt die Werke *wirklich* kennen und kann sie nahezu auswendig, und man versteht *wirklich* die Interpretation. Leider die absolute Luxus-Variante... Ansonsten brauche ich die Noten in Arbeitskopie zum bunt reinschreiben erst bei der Aufnahme. Mehrspur sei Dank: was durch mangelnde Noten vorher nicht möglich war (manche Faderbewegungen z.B.), das wird dann eben hinterher gemacht. Man muß nur aufpassen, daß man da nicht in eine "Fix it in the mix"-Haltung verfällt. Bereits existierende Aufnahmen eines Werkes höre ich mir lieber nicht als Vorbereitung an, um nicht voreingenommen zu sein (man hört zwar auch eine Interpretation im Konzert, aber eben nur die Interpretation und nicht auch noch die aufnahmetechnische Übersetzung derselben).
Was mir im Moment total am Herzen liegt: optisches Mischen vermeiden! Plugins sind eine super Sache, nur leider meinen die Entwickler leider immer alles grafisch darstellen zu müssen. Ich merke dann regelmäßig wie ich am EQ bin und bestimmte Frequenzen ansteuere, anstatt einfach nur zu hören. Schrecklich!
Kannst du nicht gleichzeitig beides machen? Also graphisch ansteuern und gleichzeitig hören. Ich mein, dass eine Gain-Reduktion-Anzeige bei einem Kompressor die Einstellung beeinfluss glaube ich dagegen schon. Ich hatte schon mal blind einen Kompressor so eigestellt, dass es optimal klang. Bei näherem Hinsehen stellte ich fest, dass ich so eingestellt hatte, dass er gar nicht arbeitete...auch nicht schlecht. Also wieder raus aus dem Signalweg.
Bereits existierende Aufnahmen eines Werkes höre ich mir lieber nicht als Vorbereitung an, um nicht voreingenommen zu sein.
Das ist kein guter Gedanke. Ich beschaffe mir unbedingt von bekannten Werken, wie z. B. Shostakovich-Symphonie CDs mit guter Reputation. Dann höre und sehe ich, wo die lauten Stellen sind und welche Pegel bestimmte Stellen haben. Schreibe mir auch einige markante Pegel in die Noten. Präge mir ein, was ich anders machen würde. Tiefenstaffelung. Lautstärke der Blechbläser, Nähe der Streicher. Räumliche Verteilung. Dieser Spruch kommt auch bei den Musikern sehr schlecht an. Damit steigt man nie in der Achtung: "Bereits existierende Aufnahmen eines Werkes höre ich mir lieber nicht als Vorbereitung an, um nicht voreingenommen zu sein." Musiker erwarten, dass man andere Interpretationen auch kennt und etwas dazu sagen kann. Die Aufnahmen können nur optimiert werden, wenn man vorher andere Klänge kennt und mit dem Konzertmeister und dem Dirigenten darüber sprechen kann. "... um nicht Voreingenommen zu sein", ist äußerst schwach, fast eine Ausrede. So sehen das auch die Musiker.
Zitat: "Ich hatte schon mal blind einen Kompressor so eigestellt, dass es optimal klang. Bei näherem Hinsehen stellte ich fest, dass ich so eingestellt hatte, dass er gar nicht arbeitete...auch nicht schlecht. Also wieder raus aus dem Signalweg." Alle Achtung, wenn du das getan hast. Wenn ich das festgestellt hätte, würde ich den Kompressor drinlassen und mir sagen, wenn er schon da ist und auch ohne gut klingt, dann lass ihn doch wenigstens bei der ganz lauten Stelle mal schlappe 3 dB arbeiten. Hut ab ThomasT, vor deiner radikalen und sauberen Entscheidung.
Eine Unvoreingenommenheit halte ich nicht unbedingt für verkehrt ... 1.) Eine gute Einspielung zu kennen und dann dasselbe mit einem Laienorchester aufnehmen ... >:-> 2.) Man hüte sich vor Argumenten "XY hat das aber so (oder wie auch immer) gemacht" 3.) Jede Aufnahme und Interpretation ist etwas eigenes. Man muß herausfinden, welches die Intention des Interpreten ist. Da ist es mitunter einfacher, unbelastet an die Aufnahme heran zu gehen und sich schnell einzufühlen ...
Naja, das versuche ich schon. Aber wenn das Optische einen eh nicht beeinflussen soll, wofür ist es dann da? z.B. finde ich, dass ein kleiner Q-Faktor irgendwie oft so aussieht als würde man fast das ganze Spektrum absenken/anheben - anhören tut sich das aber ganz anders. Ich muß da der Versuchung zu Fehleinstellungen doch schon öfter widerstehen. Beim Kompressor gilt das aber natürlich auch! Meine These: Visualisierung spielt meistens eine gewisse Rolle, ob man will oder nicht. Sie verführt auch oft dazu sich Standardeinstellungen anzugewöhnen.
Bestimmt habe ich nicht an Laien-Orchester gedacht, sondern eben an Berufsorchester, wie Rattle, Barenboim ... BPhO. Dort kann ich nicht glänzen mit: "Ich höre mir extra keine vorhandenen Aufnahmen als Vorbereitung an, um nicht voreingenommen zu sein." Mit diesem Satz bin ich dort glatt weg vom Fenster.
Hallo, ich denke, man sollte das ganze etwas nouancierter betrachten. Sicherlich muss man bekannt sein mit den wichtigen Aufnahmen eines Werkes, jedoch muss man strickt trennen zwischen dem Prozess des Kennenlernens eines Stückes und dem sich befassen mit Interpretationen. Viele Musiker nehmen nicht mehr die Zeit, vorher erst die Partitur durchzulesen und sich eine Klangvorstellung zu machen, bevor sie sich Aufnahmen anhören. Das ist sicherlich nicht die beste Reihenfolge, schon gar nicht auf dem Niveau von den Rattles, Barenboims etc.. Du kannst mir glauben, die schauen sich erst die Partitur an und danach verschiedene Aufnahmen. Natürlich ist das repertoireabhängig. Eine Beethovensymphonie wird man meist schon ein Mal gehört haben, das Kammerkonzert für Klarinette, Streichquartett und Streichorchester von Hartmann aber nicht unbedingt. So gesehen ist Unvoreingenommenheit sicherlich sowieso eine relative Angelegenheit. Prinzipiell jedoch ist es Teil des Handwerkes, sich mit einer Partitur befassen zu können. Danach, wenn man sich eine Vorstellung gemacht hat, kann man sich ja immer noch hunderte von verschiedenen Aufnahmen anhören. Gr. Dirk
Daß man viele Werke natürlich auch aus Aufnahmen kennt, ist ja nichts Neues. Was ich eben vermeiden will: man hört sich eine gute Aufnahme einer guten Interpretation an, und dann versucht man unbewußt, das genauso nachzumachen. Daß eine andere Interpretation möglicherweise eine geringfügig andere Aufnahme erfordert (und daß ein anderer Saal eine andere Aufnahme ganz von selbst ergibt), wird leicht vergessen. Tiefenwirkung und Streichernähe hängen immer mit der Interpretation zusammen! Schlußendlich kann es ja auch passieren, daß man verschiedene Werke in einer bisher nicht so aufgenommenen Kombination auf eine CD packt, und insgesamt soll das dann ein homogenes Ergebnis haben. Da nützt es mir nichts, wenn ich mich an Referenzaufnahmen der einzelnen Werke orientiere und den Haydn im gleichen Hall-Sumpf ersticken lasse, der einem Bruckner gut stehen mag. Selbstverständlich hat man trotzdem u.a. Doratis Haydn-Einspielung irgendwo im Hinterkopf.
In dieser Liga bekommt man die Jobs nicht, weil man sich viele Vergleichsaufnahmen angehört hat, sondern weil sich bereits den Ruf erarbeitet hat, - musikalisch ein guter Partner zu sein - effektiv (und selbständig) zu arbeiten - und daß es keine technischen Probleme gibt Wer sich hier anpreist, er hätte alle anderen Interpretationen studiert, wird mit einem Lacher abgewiesen. ;-))