Hallo, ich habe vor, mir demnächst ein Paar AKG C-480 zuzulegen, zusammen mit je einer CK-62 (Kugel) und CK-61(Nieren)-Kapsel. Die Mikrofone sollen für verschiedene Zwecke eingesetzt werden, erstmal wichtig ist aber der Einsatz als Hauptmikrofon-Paar. Ich habe manchen Kommentar über Sinn oder Unsinn von abgestimmten Paaren bei Schoeps-Mikrofonen gelesen. Die Toleranzen sollten ja bei Mikrofonen dieser Klasse sehr gering sein (diese AKG würde ich dazuzählen). Bringt das also überhaupt noch einen Unterschied, sich um ein abgestimmtes Paar zu bemühen? Wenn ja, wo könnte man das bekommen? Der Preis soll natürlich trotzdem noch stimmen. Wie ist das übrigens bei einem Paar der KM180er-Serie? Einen expliziten Hinweis auf Abstimmung habe ich noch nicht gesehen, außer dass die Seriennummern aufeinander folgen. Alles Unfug mit der paarweisen Abstimmung? Nur werbewirksam und nötig bei Mikrofonen, wo größere Streuungen auftreten? Viele Grüße, Thomas
Zu glauben, dass zwei Mikrofone mit aufeinanderfolgenden Mikrofonnummern für Stereoaufnahmen ideal aufeinander abgestimmt seien, ist unsinnig. Aber wie immer, ist Glauben nicht kleinzukriegen. Aber die Kunden wollen das so.
seltsam, wie manche Themen hier und bei gearslutz oft nahezu zeitgleich auftauchen, bei offensichtlich *unterschiedlichen* Autoren. Hohe Fertigungstoleranzen --> große Klangunterschiede --> abgestimmte Paare erforderlich. Vermutlich sind die Meßtoleranzen aber nicht sehr viel geringer als die Fertigungstoleranzen - wenn 12-jährige Chinesen ;-) überhaupt wissen, was ein Oszilloskop oder ein Multimeter ist (oh, pardon, die Multimeter bauen sie ja auch...). "Ausgemessen" scheint hier eher als Rechtfertigung für einen höheren Preis zu dienen. Niedrige Fertigungstoleranzen --> vernachlässigbare Unterschiede --> kein abgestimmtes Paar notwendig. Handarbeit kundiger Leute ist da wohl Voraussetzung. Glaubt man Neumann, dann ist der günstigere Preis der KM180 gegenüber der KM100 ja durch fehlende Modularität bedingt und nicht durch höhere Toleranzen billigerer Bauteile. Abgesehen mal davon: wer zwei Mikrofone in einen Raum vor ein Orchester oder auch bloß ein Klavier stellt, der wird garantiert große Klangunterschiede zwischen beiden Mikrofonen hören. Das hat mit der Art der Schallquelle zu tun, die ja nicht wirklich punktförmig ist, sondern links die Geigen oder die Hämmer und rechts die Kontrabässe oder das "tail end" hat, und mit dem Raum, der von seinen Wänden dementsprechend unterschiedliche (in der Fachsprache: dekorrelierte) Reflexionen auf die Mikrofone wirft.
Das Beispiel hinkt aber gewaltig: Ich will doch keine Links-Rechts-Divergenz infolge spektraler Abweichungen der Mikrofone! Ich möchte denselben Klang links wie rechts mit Phasenversatz haben, damit das Ohr bitteschön die Ortsunterschiede ausmachen kann. Dein Argument gilt nur für den Aspekt, daß es keine 100%ige Kugeln gibt und daher Mikros automatisch verfälschen, aber trotzdem erlaubt uns das in keinster Weise das Zulassen weitere unnötiger Fehler. Bei einer Stereokamerea will ich auch links und rechts dasselbe Farbverhalten haben. Daß Objekte in verschiedenen Winkelen verschieden abstrahlen, ist das natürliche Verhalten - also die Messgröße.
Große Divergenzen gibt es bei guten Herstellern eben auch bei nicht-"gematcheden" Paaren nicht. Ob da bei 20 kHz 0,3 dB Abweichung sind, wird eher nicht ins Gewicht fallen. Anders sieht es natürlich bei 3 dB Abweichung bei 2 kHz aus - das sollte nicht vorkommen. Es geht hier auch um die Relation der Abweichungen zueinander. Wer sagt denn, daß ich meine Lokalisation nur durch Phasenunterschiede erreiche? Ein Koinzidenz-Stereosystem arbeitet ausschließlich mit Pegelunterschieden - die bei mehreren im Raum verteilten Instrumenten automatisch zu Klangunterschieden führen (drum hörst du auf dem X-Mikrofon mehr Geige und weniger Kontrabaß als auf dem Y-Mikrofon). Wie gesagt: es geht mir nicht darum, eine "Egal"-Mentalität zu propagieren, sondern darum, das Mikrofonsystem in Relation zum Klangkörper zu betrachten.