Ich möchte mir ein paar Bühnengesangsmikrofone anschaffen. Den "Klassiker" SM58 kenne ich sehr wohl, doch gerne hätte ich etwas besseres. Andererseits habe ich keine Lust, mir "von jedem in meine Neumann KMS spucken" zu lassen. Welche (empfehlenswerten) Alternativen gibt es (preislich) zwischen SM58 und KMS für den Einsatz bei Jazzkonzerten?
Mein aktuelles Lieblingsmikrofon für Pop/Rock/Jazz ist das Shure Beta57. Klingt ungefähr wie das Audix OM-5, hat jedoch eine nicht so enge Richtcharakteristik und ist extrem feedbacksicher (für mein Empfinden sogar einen Tick besser als Audix OM-5). Klingt sehr klar, mit fein gezeichneten Höhen. Grüße, Hermann
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... ich arbeite live seit über 15 Jahren mit der zugegebenermaßen noch älteren AKG Serie D3x0 (310: Niere, 320 und 330 Hyperniere) und bin beim D320B hängengeblieben, davon habe ich mehrere. Begründung: Das Mikrofon hat einen bedienungssicheren 2-stufigen Hochpass am Gehäuse und Brummkompensationsspule, ist recht feedbacksicher, robust und klingt gut. Die elektr. Werte sind einen Tick besser als beim teureren D330BT, das dafür mit einem zweistufigen Präsenzschalter (bei etwa 4 kHz) aufwartet, der in den 1970er-Jahren Sinn machte (feste Mittenfrequenz bei den gebräuchlichen Pulten), heutzutage dank semiparam. Mitten selbst bei billigsten Pulten aber verzichtbar ist. Eine Alternative zum etwa gleich alten SM58 allemal, gegen ein High-End Kondensator-Bühnen-Mikrofon von Neumann oder Shure etc. kommt es natürlich nicht an. Diese Mikrofone sind inzwischen nur noch gebraucht, allerdings für wenig Geld zu bekommen.
das e945 klingt wirklich sehr gut, ist allerdings auch sehr, sehr viel koppel anfälliger gegenüber dem 58. Es hieß ja in der Preisklasse, da die aber kaum zu halten ist, schmeiß ich mal ein MD 431 in den Raum
MD431 = mein Favorit. + Sound + innerer Aufbau, Reed-Schalter + gebraucht günstig + ähnlich dem 421, sehr flexibel - neu viel zu teuer - mechanisch nicht voll Rock&Roll tauglich oder: Beyer M88: + Sound + für alles gut + Mechanik vom feinsten - auch gebraucht teuer - sehr starker NBE (evt. gewöhnungsbedürftig) oder AKG C5600 + Kondensator-Sound (deutlich besser als Beta87) - recht teuer, aber deutlich billiger als das Neuheiser All diese Mikros sind aufgrund ihres Preises nicht wirklich eine Alternative zum SM58. Wenn das Budget bei 100 E liegt würde ich einfach das SM58 nehmen.
Die neuen 9xx-Evolutions kenne ich noch nicht, das alte 855 war OK, aber noch lange kein 431. Das irgendein Mikro (das 935?) mehr koppelt als ein anderes ist eine völlig subjektive (= nutzlose) Einschätzung. Richtig entzerrt tut sich da nichts, es sei denn es ist eine Fehlkonstruktion.
Die 330-Serie war jahrelang (80er) bei den WDR Rockpalast-Produktionen zu sehen, auch bei fast allen internationalen Acts. Mit Sicherheit ein guter Tip für das Geld.
Das irgendein Mikro (das 935?) mehr koppelt als ein anderes ist eine völlig subjektive (= nutzlose) Einschätzung. Richtig entzerrt tut sich da nichts, es sei denn es ist eine Fehlkonstruktion.
""Wenn du das Monitoring aus der Front machst, nicht doppelst und dann evtl. auch noch post EQ bist, dann kurbelst du den EQ so, dass es klingt und nicht so, dass es nicht koppelt. Da ist dann bei einem 58er gut +10 db mehr Spielraum."" Das mag Deine Erfahrung sein. Das ist aber nicht vermittelbar. Tut mir leid wenn ich dem nicht folgen kann: Entscheident ist hierbei ebenfalls der Monitor, der Monitor-EQ (und der lässt sich auf jedes Mikro optimieren) und die Handhabung des Mikros. Feedbacks entstehen vor allem da, wo es Frequenz-Peaks gibt. Deswegen kann mir auch niemand erzählen, das SM58 mit seiner Präsenzanhebung sei *besonders* Feedback-Unempfindlich. Typische Situation: Tech "optimiert" (was ich sowieso schon groben Unsinn finde) sein Monitoring auf die vorhandenen SM58, Fremdtech/Künstler kommt mit anderem Gesangsmikro. Es koppelt. Unlogische Schlußfolgerung: Das SM58 koppelt weniger. Der Fehler: Die Monitore/die PA sollten mit den Summen-EQs nicht auf Mikrofone, sondern auf neutrale Quellen (Musiksignale, AUCH im Monitor) optimiert werden - heißt, die "Box" erst mal zum Klingen bringen - Stichwort "High Fidelity". Nur ganz wenige LS, z.B. Nexo PS15 klingen von alleine richtig gut. Wenn ein LS dementsprechend entzerrt ist, ist die Koppelanfälligkeit meist schon eliminiert - weil dort kaum noch Peaks zu finden sind. Unlinearitäten einzelner Mikros, die Feedback erzeugen (und 58er klingen meist alle leicht unterschiedlich!) gehören dann in den Kanälen entzerrt. Und dann wirst Du mit einem 935 oder selbst Beta87 (und das ist wirklich kritisch!) genauso glücklich wie mit einem SM58. Dies ist meine Arbeitsweise seit mind. 10 Jahren und seitdem habe ich keine Probleme mehr.
(unten von mir falsch als C5600 bezeichnet) empfehlen, oder die Mutter aller Bühnen-Kondensator-Mikros, das C535 Wenn es auch ein Dynamisches sein darf: Wie gesagt MD431 oder M88.
Ich sehe das wie der Stephan, man kann zwar einen Monitor auf ein Mikrofon einstellen, aber die Richtcharakteristik eines Mikrofons kann man nicht ändern. Durch das Einstellen gewinnt man zwar einige dB, aber wenn das Mikro "Breite Niere" statt "Niere" ist, dann ist halt schneller das Machbare erreicht. Grüße, Hermann
""man kann zwar einen Monitor auf ein Mikrofon einstellen, aber die Richtcharakteristik eines Mikrofons kann man nicht ändern. Durch das Einstellen gewinnt man zwar einige dB, aber wenn das Mikro "Breite Niere" statt "Niere" ist, dann ist halt schneller das Machbare erreicht."" Eine vollkommen praxisfremde Situation. Kein Mikro der Evolution-Bühnen-Mikrofone hat "Breite Niere" oder gar Kugel, sondern die meisten sind sogar Hyper/Supernieren. Das SM58 ist eine "normale" Niere, trotzdem wird es vielen H/S-Nieren vorgezogen. Das zeigt erneut, daß die Richtcharakteristik erstmal keinen Aufschluß auf das Koppelverhalten gibt. Die Aussage "SM58 hat 10dB mehr Koppelabstand als ein E945" ist objektiv gesehen schlicht falsch. Die spezifischen äußeren Umstände (oben alle aufgezählt) mögen zu dieser Annahme verleiten, diese ändern sich aber naturgemäß bei jeder neuen Bühnen- oder Bandsituation. Sieht man sich die Polar-Pattern und die Frequenzkurven beider Modelle an wird man sich schon eher ein objektives Bild machen können. In der Live-Szene wird halt vieles kolportiert, was bei genauerer Analyse unhaltbar ist. Das hat auch ganz viel mit "Tellerrand" zu tun, vor allem aber damit, daß etlichen Beschallungs-Kollegen einfachste - selbst praktische - Mikrofon-Grundlagen schlicht fehlen.
Hallo Christopher, ob ich Hyper/Superniere oder Niere wähle hängt für mich immer noch von der Aufstellung der Monitore ab. Sofern ich in der glücklichen Lage bin, als Monitormann die Mikrofone wählen zu dürfen (selten, aber doch), passe ich mich den Monitor-Gegebenheiten an. Ein Wedge (selten): Niere, zwei Wedges: Hyper- oder Superniere mit entsprechender Winkelung. Künstler die viel auf der Bühne "herumlaufen": Audix OM-5 (oder anderes feedbacksicheres und gutklingendes Mikrofon) und eine Reihe Wedges ohne Winkelung. Wenn jemand mit einem Mikrofon mit Nierencharakteristik daherkommt, darauf besteht und gewinkelte Wedges haben möchte muss ich das meist einfach akzeptieren, auch wenn es mir widerstrebt... Da auf den meisten Bühnen Doppel-Wedges verwendet werden, stelle ich den Künstlern gerne Beta58 hin, weil: Sieht so aus wie SM58 (Akzeptanz) und hat Supernierencharakteristik. Noch lieber würde ich denen ein Beta57 hinstellen, aber da gibt es dann schon Nasenrümpfen, weil "man dieses Mikrofon nicht kennt" oder "es doch für andere Zwecke zu verwenden hat". So ist die Wirklichkeit meistens zwischen dem theoretisch Besten und dem denkbar Schlechtesten. Grüße, Hermann
Wissen hin, Diagamme lesen her, in der Praxis bleibt oft nur der Tellerrand. Teste es doch einfach aus (Ich habe es hinter mir) eine Wedges (in meinem Fall war es eine d&b M4 ohne EQ) zwei Stative davor, je ein 58er und ein 945 drauf, selber Winkel zum Lausprecher, EQ am Pult flat und dann den Gain langsam hoch bis es kurz vor dem Koppeln ist. Dann gib mal ein definiertes Signal auf das 58er und eins auf das 945 und du wirst sehen wo mehr rauskommt. Dann schaust du nochmal wie sich das 945 verhält, wenn man sich der Kapsel nähert oder diese gar, wie immer gerne gemacht, leicht zuhält. Und dann mach das mit dem 58er und Zack bist du allemale bei den von mir beschriebenen +10dB.
Hallo Stephan, es ist natürlich nicht fair, ein Supernierenmikrofon (E945) gegen ein Nierenmikrofon (SM58) bei 90° Winkel zwischen Mikrofon und Lautsprecherkante zu vergleichen. Hast Du auch eine passende Monitor-Aufstellung für ein Supernierenmikrofon gewählt und dann nochmal verglichen? Grüße, Hermann
Hallo nochmals, gut, dieser "Testaufbau" *könnte* schlimmstenfalls durchaus die 10dB ergeben. Aber: Wo ist da die praktische Relevanz? Warum nirgendwo EQ? Du hattest doch ursprünglich geschrieben, die Mikros seien "auf Klang" gefiltert gewesen(?). OK, wäre jemand tatsächlich in der gleichen Situation (gleicher Moni, gleicher Raum, KEIN EQ möglich), dann wird er wohl das SM58 nehmen. Aber ohne EQ kann mit einem anderen Monitor das Ergebniß weniger riesig oder sogar komplett konträr werden. Wenn aber das E945 hier sehr schnell gekoppelt hat, heißt das auch, daß es wohl nicht besonders gut geklungen haben kann (vermutlich sehr "hart", verursacht durch > Peaks im Präsenzbereich). Warum also nicht mit EQs arbeiten? OK, bei einer Amateur-Band-Anlage mit Mackie-Pult, also Pre-EQ Monitor-Sends, und ohne Monitor EQ wäre das ein Problem. Aber ab dem Semi-profi Bereich (und da zähle ich Juppy mal mindestens dazu ;-) ist das nicht akzeptabel - ohne EQs bekommt man hohe Monitorlautstärken einfach nicht hin, und wenn, dann sind das eher glückliche Zufälle. ""...dann den Gain langsam hoch bis es kurz vor dem Koppeln ist."" Dazu fällt mir noch ein: Wenn Du die 10dB anhand der Gain-Skalierung abgeschätzt hast, hast Du evt. nicht daran gedacht, daß das Sensheimer von vorn herein mehr Output hat!? 10dB sind wirklich *unglaublich* viel...! Wäre die Frage gewesen: Welches Mikro koppelt auch ohne EQs am wenigsten, dann hätte man eine Mikro/LS Kombination empfehlen müssen - unter Einbeziehung der Faktoren: für Gesang oder anderes, generell benötigter Schalldruck, Handling des Mikros (HipHop- oder Stativmusik?), beides beeinflußt durch den Drogen/Alkoholspiegel (Genreabhängig) des Musikers. Du siehst, ich kann Deiner zu unspezifischen Aussage immer noch nicht wirklich etwas abgewinnen :-)