Recording Magazin vs. Tontechnikerforum

Erstellt 24 Antworten25 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich bin seit ein paar Monaten Abonnent des "Recording Magazin" (recmag.de).
Ich finde die begefügten DVD´s immer recht interessant. Allerdings fällt mir auf, daß der Referent Uli Pallemanns doch scheinbar ganz anders arbeitet als hier im Forum immer wieder empfohlen wird. Zum Beispiel zum Thema Mikrofonauswahl konnte ich hier lesen, daß Kleinmembranmikrofone den Großmembranmikrofonen überlegen sein sollen , vor allem die Firma Schoeps sehr hochgelobt wird. Auf den RecMag-DVD´s arbeitet der Herr Pallemanns aber vorwiegend mit Großmembranmikros , auch für klassische Instrumente. Am Preis kann es ja nicht liegen , denn er verwendet vorwiegend Neumann M149 , U87 , Brauner VM1 usw., die ja auch nicht gerade günstig sind -aber auch gerne AKG C 414 usw. - alles Großmembraner. Da dies ja doch ziemlich von hier vorherrschender Meinung differiert möchte ich die Frage in die Runde werfen: Wer hat Recht ?


Recording Magazin
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Antwort#2
@Isi.
Welche Kunschaft liest denn eigentlich das Recording Magazin?
Überwiegend Personen mit oder ohne Tonmeisterlicher Ausbildung?
Wenn ich die Tonmeister hier im Forum richtig verstanden habe, dann wenden sie auch bei Bedarf Großmembraner an, wenn es stimmig ist.
Wenn Kleinmembraner universeller sind, warum diesen Umstand nicht nutzen? Es muß ja nicht immer geschönt klingen ...
... wenn es realer klingt ist es doch auch ok, oder?
Erkenne die Möglichkeiten von Schoeps, und der Preis wird sich relativieren ...
=====8
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Antwort#3
Die Meinung, dass Kleinmikrofone klangneutraler sind als Großmembranmikrofone, wird hier eindeutig auch vertreten.
Stärker "färbende" Großmembranmikrofone können auch hier klanggestalterisch als Stützmikrofone eingesetzt werden.
Welche Mikrofone man verwendet, hat doch immer mit dem "Klangwunsch" zu tun, der einem vorschwebt. Will man ein "natürliches" Klangbild haben oder will man etwas Herausfallendes und Effektvolles erzeugen. Nimmt man ganz nah ohne Raum oder in einem gewissen Abstand auf? Da gibt es doch nie die Frage: Wer hat Recht?
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Antwort#4
Wer hat Recht?
Dazu sollte man sich mit den physikalischen Tatsachen mal gründlich auseinandersetzen.
Die meisten Leute nehmen Großmembranmikrofone weil:
1. diese "imposanter" aussehen (Show-Effekt)
2. weil sie glauben, daß GM-Mikrofone den Baß besser übertragen als kleine. Diese Annahme rührt daher, daß das Mikrofon hier oftmals mit Lautsprechern verglichen wird, wo große Membranflächen eine bessere Baßübertragung gewährleisten, wegen der großen Wellenlängen im Baßbereich.
Tatsächlich sind Mikrofone und Lautsprecher reversible Wandler, aber es wird dabei vergessen, daß bei einem Lautsprecher LEISTUNG abgegeben werden muß was nur möglich ist, wenn auch große Luftmassen bewegt werden können. Bei einem Mikrofon dagegen wird keine Leistung aufgenommen sondern es wirkt nur als Sensor im Schallfeld.
Dabei ist es für die Übertragung tiefer Töne unerheblich wie groß die Membrane ist.
Für hohe Töne ist das Mikrofon sich selbst ein Hindernis im Schallfeld, weil es bei kleinen Wellenlängen zu Beugungserscheinungen kommt, die umso stärker werden, je größer die Membrane und das ganze Mikrofon ist.
3. weil viele Tonmenschen (leider!) so stur sind mal andere Wege zu gehen.
Ein Kleinmembranmikrofon hat einen viel glatteren Frequenzgang und auch die Richtcharakteristik ist weniger frequenzabhängig. Kurz gesagt: Es ist neutraler im ganzen Klangverhalten.
Ich selbst nehme Großmembranmikrofone nur da, wo die großmembrantypischen Verfärbungen nicht störend in Erscheinung treten. Neuerdings habe ich genügend Kleinmembranmikrofone, sodaß ich auf den Einsatz der GM ganz verzichten kann.
Verfärbungen von Mikrofonen sind nur sehr schwer, oder gar überhaupt nicht weg zu bekommen. Und was man sich da schon verhunzt hat, läßt sich also im Laufe der Bearbeitung nicht wieder gut machen.
Laß diesen Menschen ruhig seine Großmembraner benutzen. Es ist nur die Frage, wessen Aufnahmen dann die besseren sind.
Die Erfahrung zeigt nämlich, daß bei Blindtests auch von großen Künstlern die sonst so auf Großmembraner stehen (sei es des Show-Effekts wegen oder sei es des Klangs wegen) die Kleinmembranigen als "besser" empfunden werden.
Das ist u.a. auch die "Philosophie" der Firma Schoeps.
Auch Neumann würde lieber Kleinmembraner bauen, wenn die Anwender mal mehr in Richtung "Klangneutral" denken würden. Kein Geringerer als Dr. Boré (der frühere Entwickler der Fa. Neumann) hat sich immer wieder gewundert warum die Leute diese GM so mögen. Und Dr. Boré war nicht nur Mikrofonentwickler sondern auch studierter Musiker (Kirchenmusik mit A-Examen).

MfG
Rainer
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Antwort#5
Hallo,
in einer der ersten Ausgabe der RM´s war ein umfangreicher Vergleichstest, wie ich sie auch selbst hin und wieder erstelle. Ich möchte nun hier nicht näher darauf eingehen, aber ich kenne den Testbericht, ich kenne den Tester und dessen Aussagen über den Test und ich kenne die Techniker, die den Test durchgeführt haben und deren Aussagen darüber.
Zwischen den genannten drei Punkten sind riesegroße Kluften, was dem Test und somit dem Magazin leider in meinen Augen einen Tatsch Unglaubwürdigkeit verleiht.
Martin
PS: Es gibt in benanntem Test weder Gewinner noch Verlierer, sondern alles ist mehr oder weniger toll.
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Antwort#6
Es geht doch gar nicht um´s Recht haben...
Vorteile Großmembran:
etwas weniger Rauschen
weniger Empfindlichkeit für Wind und Pop-Geräusche
Sound (lineare Verzerrungen) kann subjektiv als besser und angenehmer empfunden werden.
Mikrofondesign und Größe können sich psychich für den Musiker positiv auswirken.
("Dialog" mit Mikrofon, Focussierung auf die Mikrofonachse hin, Überzeugung, dass es sich um ein gutes Mikrofon handelt :-), Vintage Effekt :-))
Nachteile:
Mikrofon steht sich akustisch selbst im Weg, daher minimale Kammfiltereffekte
etwas schlechtere Linearität der Richtcharackteristik
weniger Impulstreu, was aber auch ein Soundvorteil sein kann, raspelnde Pop-Stimmen profitieren z.B. ganz ungemein hiervon.
Unauffällige Platzierung (TV, Live) schlechter möglich.
Vorteile Kleinmembran:
weniger Einfluss des Mikrofonkörpers auf den Klang.
Bessere Linearität der Richtcharackteristik
zumeist linearerer Frequenzverlauf, der sich besser per EQ formen lässt.
höhere Impulstreue, sprich Wiedergabe hoher Frequenzen ist natürlicher, was aber nicht immer ein Soundvorteil sein muss (siehe oben - raspelnde Pop-Stimmen).
Unauffälligere Platzierung (TV, Live) möglich.
Nachteile Kleinmenbran:
etwas höheres Rauschen
empfindlicher für Wind und Popgeräusche
Im Pop-Musikbereich z.B als Vocal Mikrofon weniger von Künstlern akzeptiert, was natürlich Nonsens, aber leider so ist.
Linearerer Sound ist nicht immer optimal für bestimmte Soundquellen geeignet, hierzu sind nochmal die Vocals bemüht.
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Unter dem Strich lässt sich mit beiden Mikrofontypen ein guter Sound erzielen.
Ich selbst bin eher Kleinmembranfan.
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Antwort#7
Man kann das so einfach nicht vergleichen!
Du wirst von den Tonmeistern hier im Forum immer hören, das KM besser sind, beruhend auf physikalischen Prinzipien.
Es gibt aber durchaus Anwendungen in der Musikproduktion, wo BEWUSST Soundshaping (also eine NICHT neutrale Übertragung des Signals) betrieben wird durch bestimmte Auswahl von Mikrofonen bzw. deren Positionierung, wobei es darauf ankommt was man nachher hören will. Diese Art des Produzierens wurde schon von vielen sehr erfolgreichen Künstlern genutzt und möge doch bitte nicht immer derart herablassend behandelt werden. Der Einsatz von GM oder sogar Bändchen (Huch!!) anstatt von KM ist keineswegs immer mit Unwissenheit verbunden wie das hier so gerne vertreten wird.
Ebenso ist es hinlänglich bekannt, dass analoge Produktionstechniken das Signal im technischen Sinne heutzutage schlechter wiedergeben als digitale und der "Analogsound" durch Rausch-und Verzerrungsanteil entsteht. Das heißt aber noch lange nicht, dass es dadurch nicht zu gefallen hat, und was gefällt soll doch bitteschön erlaubt werden, es müssen nicht alle "bekehrt" werden.
Kurzum: Jeder muss selbst wissen, was für ihn am besten geeignet ist, wobei die Betonung auf WISSEN liegt, was mteinschließt, dass man einfach einiges ausprobiert. Für sehr viele Bereiche ist sicherlich eine möglichst naturgetreue Übertragung die einzig gangbare, aber für alle trifft das durchaus nicht zu.
lg Vasco
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Antwort#8
Kurzum: Recht hat wer gut klingt.
Wie du zu diesem Ergebnis kommst, ist deinem Kunden (solange nicht auch Bild aufgezeichnet wird bzw. Publikum anwesend ist, sprich irgendwer auch auf die Optik schaut) vollkommen egal... insofern ist jegliche Art von Mikrophonie völlig legitim, vor allem wenn du sie bewusst einsetzt und damit ein bestimmtes Ergebnis zu erlangen.
Lieben Gruß
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Antwort#9
Leider habe ich da was verwechselt, Asche auf mein Haupt!!!
Ich meinte das Magazin: "PROFESSIONAL AUDIO"
Martin
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Antwort#10
"Recht hat, wer gut klingt."
...naja, weil 'gut klingen' auch höchst subjektiv ist, werfe ich mal folgende Provokation hier in den Raum, denn das ist im Gegensatz zu oben genannter Aussage eindeutig messbar:

"Recht hat, wer mehr verkauft."
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Antwort#12
Es gibt schließlich in diesem Zusammenhang nur zwei Gruppen meßbarer Parameter: Physikalische Daten und Verkaufszahlen. Da die beiden aber nicht gezwungenermaßen direkt proportional zusammenhängen ist manchmal durchaus eine "entweder - oder" Entscheidung notwendig. Da beide Gfrößen meßbar sind, gibt es keinen Grund einer von beiden weniger Bedeutung zuzumessen.
lg Vasco
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Antwort#13
Wenn die Verkaufszahl irgendeine Bedeutung haben soll:
Die besten Mikrofone aller Zeiten 'baut' Thomann....
Zwar ist die Zahl messbar, aber der Aussagewert liegt unter dem Grundrauschen!
Nach dieser Theorie müsste ja Dirk Brauner (oder Neumann oder MG oder ....) nur Schrott produzieren, die Stückzahlen sind klein gegenüber den chinesischen Massenprodukten.
Aber: fresst mehr Schei..e, Millarden Fliegen können sich nicht irren.
LG
Gerhard
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Antwort#14
Ich meinte auch nicht die Verkaufszahlen der Mikrofone sondern die der damit aufgenommenen Produkte (Tonträger etc.)
Die bewusst provokative Aussage "recht hat, wer mehr verkauft" habe ich nicht auf die Hersteller sondern auf die ANWENDER (Produzenten) bezogen:
Sehr häufig werden in ihrer Anwendung Mikrofone nicht nur nach physikalischen Richtlinien bewertet und das ist ebenso legitim, wenn man weiß was man will.
lg Vasco
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Antwort#15
ich denke, daß die Verkaufszahlen in der Popularmusik überhaupt keine Auskunft über die Qualität einer Aufnahme geben.Vielleicht geben sie Auskunft über den Bekanntheitsgrad einer Band oder darüber, wieviel Geld in das Marketing der Produktion gesteckt wurde etc.
Gerade bei Popularmusik ist es doch wirklich sehr egal ob ein Schlagzeug nun mit Grpßmembran- oder Kleinmembranmikrofonen abgenommen wird. Der Song muß "catchy" sein, einen gewissen Trend treffen, und die Vermarktung muß stimmen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß der normale Endverbraucher den Unterschied zwischen GM und KM heraushört. (Besonders dann nicht, wenn er sich das Ganze auf seinem Handy als MP3 anhört)
Wichtig ist doch, daß die Produktion qualitätsmäßig mit anderen Produktionen im selben Genre mithalten kann. Was das genau heißt ist von Genre zu Genre verschieden.
lg
kreisel
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Antwort#16
Natürlich sagen die Verkaufszahlen nichts über die Qualität aus (ist ja oft eher umgekehrt).
Es geht aber darum, dass jeder, der mit seiner Methode das erreicht, was er will (Verkaufszahlen, hohe Qualität, "Vintage"-Sound etc.), bzw. das Ziel-Klientel erreicht wird (und hier sind wir wieder bei Verkaufszahlen!) für seinen Bereich RECHT HAT.
Auch wenn man "Quoten-Produktionen" beiseite lässt, auch Choraufnahmen haben ein Ziel-Klientel!
lg Vasco
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Antwort#17
Sorry, wenn ich dich da missverstanden habe.
Aber wie würdest du dann ein Shure SM57/58 einordnen?
LG
Gerhard
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Antwort#18
Exakt, nur seh ich das nicht als Verkauf an den Endkunden. Recht hast du, wenn du wieder gebucht wirst, dein Kunde mit dir zufrieden ist oder du einen Neukunden gewinnst, weil er deine gute Arbeit gehört hast.
Die Tools die man einsetzt um dahin zu gelangen, obliegen rein dem persönlichen Geschmack des einzelnen.
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Antwort#19
Das Ziel-Klientel und hohe Verkaufszahlen erreicht man durch Instrumente des Marketings, und gezielter Positionierung eines ansprechenden Produktes, und nicht durch die Wahl eines bestimmten Mikrofons oder Kompressors.
Daher ist die Aussage "Recht hat wer verkauft" (in Bezug auf die Mikrofonwahl, um die es ja auch ging), ein Vergleichen von Äpfel mit Birnen.
Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, daß der Recht hat, der das "soundtechnisch" erreicht was er sich vorstellt. Aber lassen wir bitte die Verkaufszahlen (zumindest, was den Popularbereich betrifft) aus dem Spiel.
lg
kreisel
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Antwort#20
Ich denke, das ist genau der Knackpunkt: Ich verkaufe entweder viel, weil ich a.) die Kunden zufrieden stelle oder b) sie mit geschicktem Marketing so über den Tisch ziehe, dass ich die Kunden glauben mache, dass mein Produkt das beste ist.
In dem Sinne hätte ich z.B. auch behaupten können: "der Radiosender, der am lautesten ist, hat Recht" :)
Die Realität ist hier leider eher traurig und ich denke mal, dass die Leute hier im Forum im Grunde genommen gleicher Auffassung sind. Besonders, was Qualität angeht, oder zumindest die Notwendigkeit, immer Beste dafür zu geben.
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