Zum Thema "Notenkenntnisse" etc. haben ja andere Kollegen schon - vor allem "Mathematiker" ihre Stellungnahme abgegeben, sodaß ich mir dies ersparen kann. Aber zum Thema "Mathematik" und "Physik" möchte ich mal meine Stellungnahme abgeben. Vorab möchte ich bemerken daß ich früher in der Projektierung und Entwicklung von Tonregieanlagen einer renommierten Firma tätig war und nach wie vor noch professionell Musikproduktionen mache und heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer FH tätig bin im Bereich Medieninformatik und Hochfrequenz- und Übertragungstechnik. Ich kann dazu nur sagen: Wer in einen technischen Beruf einsteigen will - ganz gleich ob Ton-, Video-, Film- oder anderweitige Medientechnik, oder ganz allgemein in einem beliebig anderen technischen Beruf kommt an der Mathematik und Physik nicht vorbei, weil dies die Grundlagen sind auf die alle technischen Vorgänge zurückführbar sind und weil sie das Verständnis dieser Vorgänge fördern sollen. Wenn Du nicht als einfacher Lakai und Handlanger anderen dienen willst und etwas höheres anstrebst und Dein künftiger Chef nicht Angst haben muß daß beim Einschalten des Lichtes nicht das Wasser anfängt zu laufen, mußt Du Dich damit einfach befassen. Das geht los mit einer überschlägigen Abschätzung des Kabelquerschnittes eines Stromversorgungskabels bei einer bestimmten Last und die Berechnung einer geeigneten Sicherung (damit die Leitung bei zu hoher Belastung nicht abbrennt) bis hin zur Pegelrechnung. Und Du glaubst gar nicht, was ich da selbst bei FH-Studenten machmal für haaresträubende Dinge erlebe.... Pisa läßt grüßen! Du gehst ja als Tontechniker ständig mit technischem Gerät um, mußt die Geräte anschließen und da ist physikalisch-technisches Verständnis unbedingt Voraussetzung. Solche Sachen wie z.B. "Mikrofone parallel schalten" - was alles schon vorgekommen ist - ist ein Zeichen mangelhafter physikalischer Kenntnis. Ebenso wenn einer 5 Scheinwerfer á 1 kW auf auf eine mit 10 Ampere abgesicherte Steckdose hängt.
""Es ist wie es wirklich ist, denn ich kenne den musikbesessenen Rowdy, der es bei Krankheit des OH-Man geschafft hat seinen Platz einzunehmen: "Ey du kennst das doch doch alles, mach ma". Und als das gut geklappt hatte, machte er sogar mit an der Mischung der nächsten CD. Tatsache! Alles völlige Einbildung was du schreibst, Hafi - du willst nicht lesen. Du hast eine vorgefasste Meinung von einer dezent elitär arroganten Grundhaltung. Du musst Probleme haben."" Lerne doch erstmal die korrekte Terminologie bevor Du mir über meine *Probleme* erzählen willst. Einen "Rowdy" findet man beim Fußball, einen "OH"-Mann habe ich in *meinem* Beruf noch nie getroffen. Wahrscheinlich haben wir nicht den gleichen Beruf. Aber warum sollten hier Amateure + Anfänger nicht auch eine Meinung haben dürfen? Erzähl uns mal mehr von Deinen Hobbys - da dürfte es noch manches zu schmunzeln geben ;-)
interessant was mein beitrag ausgelöst hat...nun würde ich aber gerne noch gewusst haben, ob man das handwerkszeug,welches man braucht, im studio mitbekommt und ob dieses sehr tiefgründig ist,oder durchaus gut verständlich für "uninteressierte was amthe zb betrifft"... aloha
Die Frage war nach Notenkenntnis, sowie Mathematik- und Physikbegabung für eine Tontechnikausbildung.
Nein, die ursprüngliche Frage ging um die Ausübung des Berufs. Und da ist schon ein gewaltiger Unterschied. Es ist nach meiner Erfahrung schon sehr wichtig mit Partituren umgehen zu können, egal ob Klassik oder Popmusik. Die technischen Kenntnisse können sich jedoch beschränken auf das wesentliche, welches im Beruf notwendig ist. Grosse mathematische Herleitungen sind für die Ausübung des Berufs (!) nun wirklich überflüssig. Dirk
Der "Aufnahmeleiter" bei E-Musik braucht selbstverständlich Partiturlesefähigkeiten, vorausschauend, und muß ja gleichzeitig das, was er sieht, mit dem was er tatsächlich hört, vergleichen. "Takt 237 zweite Bratsche: ihr habt da Fis, nicht F, nochmal bitte - wir können gut einsteigen in 230". Selten wird er in die Verlegenheit kommen, 3 Zweieinhalber-HMIs hinstellen zu müssen. Der EB-Tonmensch wird bei seinen Berichten aus dem Bundestag eher selten was mit Musik zu tun haben (außer vielleicht dem Heeresmusikkorps beim Staatsbesuch). Er sollte statt Noten lieber zumindest die Grundlagen der Kamera- und Lichttechnik beherrschen. Dazu gehört auch das Wissen, daß Dedo-Vorschaltgeräte manchmal sehr gemein brummen können, und daß man eben an normale Haushalts-Stromkreise selten mehr als 2,5 kW hängen kann. Der Dialogmischer beim Film braucht dramaturgisches Gespür. Der Foley-Mischer zusätzlich ein Gefühl dafür, wie man eine Tür dazu bringt, genau so zu knarzen wie man sich das vorstellt. Alle brauchen ein prinzipielles Verständnis dafür, wie ein Mischpult oder ein Mikrofon funktioniert. Da ist E-Technik (als Sparte der Physik) hilfreich. Grundlagen der Akustik sind ebenfalls sinnvoll; einen Regieraum wird man als Tontechniker jedoch eher selten konzipieren (dafür gibts Akustiker). Mathematik im Sinne von "Beweisen Sie" wird man in der Aufnahmepraxis eher selten brauchen. Eher noch Rechnen (Mathematiker rechnen ja nicht...) beispielsweise zum Berechnen des Aufnahmebereichs. Fazit: man braucht nicht alle drei Dinge (Notenlesen, Mathe, Physik) für alle Bereiche der Tontechnik. Es gibt etliche Leute, die von allen dreien keine Ahnung haben, aber trotzdem erfolgreich U-Musik produzieren. - Kleine Anmerkung: viel wichtiger als Partiturlesen ist in der U-Musik das Erfassen eines Arrangements und die Klanggestaltung mit diversen Eigenklangmikrofonen; die Diskussion über Gitarrenamp-Abnahme zeigt, daß das nicht allen klar zu sein scheint. Wenn der Gitarrist sagt, er wolle einen "phatten Sound in der Bridge", dann wird eben ein bestimmtes Mikrofon zur Aufnahme der Überleitungstakte genommen.
Jemand der Kabel aufrollt hat schlicht einen anderen Job als jemand der Klassik mischt. Das ist grundsaetzlich nicht wertend gemeint. Es sind zwei verschiedene Berufsfelder.
Ich muß leider meist beide Jobs machen: Kabel aus- und aufrollen sowie die Drecksarbeit dazwischen und danach.
Dies erlebst Du bei eingespielten kleinen Ensembles (von Duo bis zum Quintett) mit einstudiertem Repertoire immer wieder. Und bei "Neuer Musik" kommt man dann in der Tonregie leicht ins Schleudern ...
ich habe keine besondere ahnung von noten,hasse mathematik und in physik war ich nich der beste,jedoch interessiert.
Und das haste auch Deinen Lehrern für Musik, Mathematik und Physik in der Schule so verklickern können? Wenn Du's geschafft hast, allein durch die Bekundung von Interesse Deine Zensuren um zwei Noten über Dein tatsächliches Wissen und Können zu verbessern, dann werde Tontechniker (oder sowas)!
juppy...in musik hatte ich zumeist eine 1 am gymnasium,in mathemaitk eine 3-4 und in physik eine 2-3...des weiteren mache ich seit knapp 5jahren aktiv musik...also bitte nicht denekn ich habe den beruf des tontechnikers inner wendy gelesen und cool gefunden...das ist schon alles nicht ohne basis. aloha
Na, wenn du für die Sorte Musik, die du machst, ohne Noten auskommst, dann wirst du diese Sorte sicher auch ohne Noten aufnehmen können. Das ist ausdrücklich NICHT WERTEND gemeint (bevor hier wieder jemand unter Tarnnamen bissige Kommentare abgibt...). Ich denke mal, an der "Deutschen Pop" wird man eher wenig mit Klassik zu tun haben, das sagt ja der Name schon. Insofern wird Partitur-Erfassen nicht unbedingt den Stellenwert haben, den es beim Tonmeister-Studium hat. Du wirst vermutlich eher ein höheres Maß an Durchsetzungsvermögen und etwas Skrupellosigkeit brauchen (oder sind das Vorurteile von jemandem, der mit Popmusik eher wenig zu tun hat...?) Erkundige dich doch mal direkt bei der Schule nach den Aufnahmemodalitäten, die haben doch sicher eine hilfreiche Webseite?
also ich komme aus der hiphop ecke und nehme produziere seit zwei-drei jahren etwa,seit letztem sommer mit pro tools. zudem hoffe ich nicht, dass die deutsche pop tatsächlich auf selbige musikrichtung ausgelegt ist.ich möchte dort lediglich mein handwerkszeug lernen um mir den weg den ich mir vorstelle gehen zu können(studio- oder fernsehvertonungsarbeit) gut, dass am samstag ein infotag der schule ist ;-) ich hoffe, dass sie mich dann imemr noch anspricht...weil staatlich kann ich mir meine ausbildung abschminken. aloha
""Du wirst vermutlich eher ein höheres Maß an Durchsetzungsvermögen und etwas Skrupellosigkeit brauchen (oder sind das Vorurteile von jemandem, der mit Popmusik eher wenig zu tun hat...?)"" Nein, leider nicht. Aber warum sollten "wir" es besser haben als "ihr"? Oder möchte mir jemand erzählen, daß es in der "Klassik" einzig & allein um Qualität geht?
Zitat: Oder möchte mir jemand erzählen, daß es in der "Klassik" einzig & allein um Qualität geht? Ganz sicher geht es schon um Qualität, denn es gibt auf diesem Gebiet viele gut klingende Vergleichsaufnahmen und an dieser Qualität wird man gemessen. Das ist sicher nicht in allen hier erwähnten Musikbereichen der Fall.
"Oder möchte mir jemand erzählen, daß es in der "Klassik" einzig & allein um Qualität geht?" Nein, da geht es mitunter auch um "Diven-Pflege" und "Tenor-Behandlungen".:)) Gruss, Mathematiker PS: Ich streite prinzipiell lieber mit dem Management/der Agentur anstatt mit dem Kuenstler...
moin! ---"Bitte, wir steigen ein 3 Takte vor Ziffer 26 mit einem Viertel Auftakt".--- bin ich froh das ich metal mach. die haben keine noten. da hat man wärend der auhnahme beim versinger einen marker gesetzt und wärend man die worte: "pass up wir machen denhier nochmal" sagt hat man den marker angefahren 4 tackte dazugegeben und auf dem "l" die wiedergabe gestartet. stoppen record stoppen crossfade und die dopplung bitte
und wieviel schneller das doch ging..... alles eine frage der organisation. aber wenn man eine aufnahme nur zum schneiden bekommt, mit den noten und anmerkungen... ist man dann mit notenkenntnissen als reiner schneideknecht nich maslos überqualifiziert? ausserdem besteht u-musik doch eh nur aus: A B A B C A B B B das sollte man gerade noch am text auseinander halten können. auserdem haben wir noch eine timeline... als e-musik beschneider hat man natürlich verlohren. etseidenn man kennt das stück sehr gut. grüße
Du solltest Dir darüber klar sei, daß Hörer klassischer Musik ein anspruchsvolles Publikum sind die auch sehr oft selbst über Noten- und Partiturkenntnisse verfügen, oft ein oder mehrere Instrumente spielen, und auch in Sachen Musikliteratur häufig sehr bewandert sind und von einem Musikwerk auch häufig eine ganze Reihe Einspielungen kennen und diese sowohl hinsichtlich der Aufnahmetechnik/-qualität als auch der musikalischen Darbietung miteinander vergleichen. Da geht es nicht nach dem Motto "Laut ist geil" sondern da geht es um weit mehr!
Ich habe ja nicht bestritten, daß Klassikproduktionen oder Hörer (ich zähle mich selbst dazu!) anspruchsvoller sind als *manche* "U-Musik"-Produktionen (oder Hörer), sondern mir ging es einzig + allein darum, daß es in jedem Lebensbereich letztlich AUCH um ein gehöriges Stück "Durchsetzungsfähigkeit" und (leider) "Ellenbogen" geht. Auch in der "E"-Musik, sowohl bei den Technikern als den Künstlern. Beispiele kennen wir doch genug. Im übrigen halte ich einen Großteil der sog. "U-Musik"- Veröffentlichen mittlerweile für pure Unterhaltungsmusik! Der inflationäre Anteil von CDs wie z.B. "Best of Classixxs", "Barock zum Bügeln", oder "Mozart für den Fahrstuhl" sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Und die Adressaten SOLCHER Machwerke haben mit großer Sicherheit keine höhere musikalische Bildung als ein 08/15 Pop-Hörer. Entsprechend unwesentlich sind Feinheiten der Interpretation und erst recht der Produktion und somit der Rolle des Tonschaffenden. Da geht es um Produktionskosten. Der Kommerz hat die Klassik schon lange eingeholt - und damit hat ein Angriff auf die Qualität eingesetzt - so wie in der "Popmusik" vor 40 Jahren. Der Bedarf an hochqualifizierten Tonmeistern wird deutlich abnehmen. IMHO. MfG, Christopher