Danke Dirk, für den interessanten Hinweis. Kaum zu glauben - Da macht man also aus dem prinzipiellen Elektrostat-Flächenstrahler beim Quad einen Punktstrahler mit unterschiedlichen Delays vom innersten Ring zum außersten Ring. Trotzdem klingt die Stereo-Center-Phantomschallquelle damit nicht schön scharf punktförmig.
Hallo,
diese Segmentierung des Quad meinte ich ja, die ich einige Postings vorher als "antiquiert" bezeichnete. Heutzutage könnte man durch variable Delays recht bequem Lautsprecher mit schaltbarer Richtcharakteristik aufbauen, was für manche Anwendungen bestimmt nützlich sein könnte.
Nach wie vor bin ich nicht der Ansicht, daß die zu ausgedehnte Phantomschallquellenbildung (die ich auch beobachtet habe und keineswegs bestreite) ihre Ursache im Prinzip des Flächenstrahlers hat.
Ich vermute (!) dagegen die Ursache darin, daß in der Praxis gerade nicht alle Punkte der Membrane kohärent schwingen - obwohl sie das theoretisch sollten - und kommerziell erhältliche ESL daher zumindest teilweise DML-Lautsprechern ähneln (distributed mode loudspeaker).
Wenn alle Punkte der Membrane kohärent schwingen würden, dann würde man z.B. Nebenmaxima in der Richtcharakteristik messen können (vgl. die Theorie zur Richtcharakteristik des idealen Kolbenstrahlers), was aber nicht der Fall ist.
Auch der sehr "zappelige" Amplitudenfrequenzgang vieler ESL gleicht verdächtig dem von DML-Lautsprechern.
Wenn man Amplitudenfrequenzgang und Richtcharakteristik genau betrachtet, dann verhalten sich reale ESL m.E. wie ein Mittelding aus Kolbenstrahler und DML-Lautsprecher.
Ich vermute, daß die Differenz der Trommelfellsignalspektren (aufgrund der Krümmung der Wellenfront) eines einzigen idealen Kugelstrahlers und eines einzigen idealen Flächenstrahlers für die Wahrnehmung der Ausdehung einer Schallquelle kaum oder nicht relevant ist.
Ein einzelner realer ESL (meinetwegen Quad ESL63) klingt in meinen Ohren jedoch deutlich "räumlich ausgedehnt", was ich darauf zurückführe, daß hier eine deutliche Differenz der Trommelfellsignalspektren im Vergleich zu einem idealen Kugel- oder Flächenstrahler auftreten könnte.
Bei terzweiser Messung sieht der Amplitudenfrequenzgang kommerziell erhältlicher ESL ja recht gut aus, bei einer Sinusmessung jedoch nicht mehr - und das sehr stark winkelabhängig und mit starken Abweichungen bei ganz geringen Änderungen des Winkels. Der Amplitudenfrequenzgang eines einzelnen realen ESL am linken Ohr ist daher möglicherweise (im Detail) ein deutlich anderer, als am rechten Ohr - diese Differenz könnte als "räumliche Ausdehung" hörbar sein.
Also vermute ich frequenzabhängige interaurale Pegel- und Laufzeitdifferenzen bei nur einem Lautsprecher, weil alle Punkte der Membrane realer ESL auch etwas stochastisch schwingen und nicht wirklich kohärent.
Gruß
Andreas