Daniel schreibt: Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen AES- und RMS-Leistung? Wenn ja, welcher Wert hat mehr Aussagekraft?
Lieber Daniel, die AES kenne ich - aber ich habe bisher noch nichts von der AES-Leistung gehört. Das will nichts bedeuten. Es gibt Spannung RMS, also den Effektivwert der Spannung und es gibt Strom RMS, also der Effektivwert des Stroms und vielleicht auch mal Cosinus Phi, den Phasenwinkel zwischen beiden - aber RMS-Leistung gibt es nicht, auch wenn man hin und wieder davon hören und lesen kann. Der RMS-Wert ist ja der Energie- oder Leistungs-Wert, den der Sinuswert bei Gleichstrom hätte, also der Faktor 0,7071. Viele Grüße ebs
Hallo Daniel, Zu der physikalischen Definition der Leistung hat ebs ja schon geschrieben. Ich möchte nur noch auf ein paar Termini hinweisen die in Prospekten und Datenangaben von Verstärkern immer wieder zu finden sind: RMS- oder Sinusleistung(auch Dauertonleistung): Das ist die maximale Leistung des Verstärkers den dieser über eine längere Zeit abzugeben vermag bei Aussteuerung mit einem reinen Sinuston unter Einhaltung des max. zulässigen Klirrfaktors. Spitzenleistung oder Musikleistung, bzw. Impulsleistung: Darunter versteht man die Leistung die der Verstärker bei kurzzeitigen Impulsen abgeben kann. Diese ist i.d.R. höher als die Sinusleistung. Das liegt daran, daß bei der Ansteuerung mit einem Sinus die Versorgungsgleichspannung etwas absinkt, während bei Anssteuerung mit kurzen Impulsen die Netzteilelkos die Mximalspannung nahezu voll halten und dadurch eine größere Momentanleistung möglich ist. Eine hohe Diskrepanz zwischen Sinusleistung und Musikleistung weist auf ein mangelhaft stabiles Netzteil hin. Betreibt man nämlich die Endstufe mit einem stabilen Labornetzteil, sind Sinus- und Musikleistung gleich groß. Es sei darauf hingewiesen, daß in Verstärkerprospekten oftmals haaresträubender Blödsinn geschrieben steht, den man nicht immer glauben sollte. Aussagekraft hat allein die Sinusleistung (und für mich auch erst dann wenn ich sie selbst nachgemessen habe...). MfG Rainer
Hallo Eberhard! Die AES-Messung ist zum Unterschied zu allen anderen Messungen klar definiert. continuous, rms & co werden ja immer so gemessen, daß der höchste Wert rauskommt, d.h. jeder Hersteller mißt das anders. Kurzer Ausschnitt aus dem Link: "The selection of the speaker is the next step in the process. Any speaker that is specified will have a sensitivity and a maximum power rating. The sensitivity is normally given in dB SPL at 1 meter when a 1 watt signal is applied to the input of the speaker, and is usually given in AES watts. This AES measurement is a clearly defined standard by the AES in which a band of pink noise from 125Hz to 8Khz with +6dB peaks is applied to the input of the speaker for a period of 2 hours. Any speaker that has its power rating in AES watts can very easily handle short-term peaks of +6dB above the AES rating. The maximum output level at 1 meter away from a speaker will be derived from the formula: SPLmax-AES = sensitivity + 10 log (AES power rating) (2) SPLmax = sensitivity + 10 log (AES power rating) + 6 (3) Any speaker we select must have an SPLmax of at least 139dB. We will take one particular manufacturer?s speaker that has a sensitivity of 112dB @ 1 Watt/1 meter. The high frequency component can handle 200 Watts AES. Using equation 3 we find that the SPLmax = 141 dB. This speaker will have the ability of achieving our design criteria." Grüße, Hermann
Hallo Hermann, danke für Deine wertvolle Information mit dem Link zu "Sound Power Rating". Ich hatte ja ehrlich geschrieben, dass es nichts bedeutet, wenn ich von einer AES-Leistung noch nichts gehört habe. Mein Suchen in Google nach "AES-Power" hat mir alles andere, als eine Messung mit "Beitband-Rosa-Rauschen" bei Lautsprechern gebracht. Im Link unten gibt es Hinweise zu den unterschiedlichen "Sound Power Rating"-Methoden. Anstatt RMS-Power sollte man lieber Sinus-Leistung sagen. Aber der RMS-Leistungs-Unsinn ist eben verbreitet und nicht mehr auszurotten. Zu Daniels Anfrage zum Unterschied von AES-Power-Rating und der Sinus-Leistung "RMS" gibt es hier im unteren Link bei RMS die Aussage: "This does not put a realistic demand on the driver compared to real life use and it is therefore very difficult to compare an RMS rating to a pink noise test." Das heißt also deutlich: Die beiden Werte sind sozusagen so gut wie nicht zu vergleichen. Viele Grüße ebs
Hallo alle zusammen, danke erst mal für die vielen Zuschriften. Ich habe noch eine Frage zum Praktischen. Ich hb zwei KME-Bässe mit je 500 W AES. Vertragen die eine Endstufe, die pro Seite 900 W RMS leistet ?
Wenn Du dem Lautsprecher mehr Leistung zuführst als er vertragen kann wird er sich irgendwann mal mit Rauchzeichen verabschieden. Es ist das gleiche wie bei einem Widerstand, dem man zuviel Spannung zuführt. Dann nämlich wird zuviel Leistung in ihm umgesetzt die er nicht mehr verkraften kann. Grüße Rainer
Ich hb zwei KME-Bässe mit je 500 W AES. Vertragen die eine Endstufe, die pro Seite 900 W RMS leistet ?
Also pro Seite einen Woofer? Schau mal wie viel Leistung die Endstufe an der Impedanz der Woofer abgibt (schätze mal 8 Ohm). 900W an 4 Ohm sind real ja eh ca. 500W an 8 Ohm, das sollte dann also gut passen. Allgemein kann man aber sagen, das eine Endstufe eher überdimmensioniert werden soll, da der Speaker durchaus kräftige Impulse problemlos verarbeiten kann, die Endstufe aber nicht. mfg JF
Ich hb zwei KME-Bässe mit je 500 W AES. Vertragen die eine Endstufe, die pro Seite 900 W RMS leistet ?
Also pro Seite einen Woofer? Schau mal wie viel Leistung die Endstufe an der Impedanz der Woofer abgibt (schätze mal 8 Ohm). 900W an 4 Ohm sind real ja eh ca. 500W an 8 Ohm, das sollte dann also gut passen. Allgemein kann man aber sagen, das eine Endstufe eher überdimmensioniert werden soll, da der Speaker durchaus kräftige Impulse problemlos verarbeiten kann, die Endstufe aber nicht. mfg JF
Hallo, das ist ein leidige Frage. Also, schauen wir mal, warum ein Lautsprecher kaputt geht: 1. Mechanische Zerstörung: Jeder Lautsprecher hat einen mechanischen Bereich (Hub) in dem er sich bewegen darf, ohne dass er kaputt geht. Wenn er sich mehr bewegt, dann geht er kaputt, entweder gleich (habe da zu beginn der Techonära einige 15" EV gesehen, wo sich die Schwingspule noch bewegt hat, aber die Membran war von Ihr gelöst). Der Hub wiederrum hängt ab von der Leistung, dem Gehäuse, und der Frequenz. D.h. ein Lautsprecher in einem Bassreflexgehäuse macht unterhalb der Resonanzfrequenz sehr viel Amplitude bei wenig Leistung, und wenig Amplitude bei höherer Frequenz. Weiter besteht die Gefahr, dass sich bei exzesiven Hub die Zentrierung der Schwingspule leidet (kann auch durch externe Einwirkung passieren (Sturz etc)). Dann reibt die Schwingspule am Magneten und reibt sich da im wahrsten Sinne des Wortes auf. 2. Thermische Zerstörung: Die Schwingspule wird so heiss, dass sich die Klebung der Spule auf dem Träger lösst, der Draht wird locker und schleift, oder bei Hochtönern ist der Strom so hoch, das der Draht direkt durchbrennt. Diese thermische Belastung ist bei Tieftönern weniger ein Problem, da sie relativ große Magneten haben, und sich durch die Bewegung auch selber kühlen. Also mein Fazit ist dass die Leistung, gerade im Bassbereich, der Endstufe deutlich höher sein kann als die der Bassboxen. Wichtig ist ein guter Lowcut der dem System angepasst ist, oder ein Prozessor. Tomy
Hallo Eine zu schwache Endstufe ist viel gefährlicher als eine zu starke Endstufe. Wenn die Endstufe, weil sie zu wenig Power hergibt, übersteuert wird, erhöht sich der Klierfaktor. Das bedeutet, dass sich ein Sinus dem Rechteck nähert. Und in einem Rechteck sind alle ungeraden harmonischen Oberwellen versteckt. Somit kann man den Lautsprecher am besten verbraten. Jedoch sind heut zu tage in den meisten professionellen Endstufen Limiter drin, damit so was nicht vorkommt. Gruss Elias
Hallo Eine zu schwache Endstufe ist viel gefährlicher als eine zu starke Endstufe.
Prizipiell richtig, vorallem im Hochtonbereich. Wenn die Endstufe, weil sie zu wenig Power hergibt, übersteuert wird, erhöht sich der Klierfaktor. Das bedeutet, dass sich ein Sinus dem Rechteck nähert. Und in einem Rechteck sind alle ungeraden harmonischen Oberwellen versteckt. -- Soweit richtig --- Somit kann man den Lautsprecher am besten verbraten. -- Falsch. Dem Lautsprecher ist es wurscht, ob er gerade oder ungerade Oberwellen kriegt. Was ihn stört ist der DC Offset, der sich bei clippenden Endstufen ergeben kann. Gruss Tomy