welche attack- bzw. releasezeiten sollten beim limiter zum mastern verwendet werden. wie beeinflussen diese werte das signal? sind hier unterschiedliche werte je nach musikrichtung zu verwenden? gruß, thomas
Hi, leider kann ich Dir keine richtige Antwort geben und leider kann dir hier wahrscheinlich keiner eine richtige Antwort geben, also beisse ich mal in den Sauren Apfel. Wir sind alle Kunestler, und Kunst ist subjektiv. Du musst nach dem Gehoer gehen und Deinen Limiter so einstellen, wie es Dir gefaellt. Auch wenn es vielleicht "Richtwerte" gibt, ich kann Dir keine geben. Sorry, dass das nicht die Antwort ist, die Du hoeren moechtest, aber auf die Frae gibs echt keine richtige Antwort. Und selbst wenn du eine spezifische Antwort bekommst, scheue Dich nicht auch mal darueber hinweg Einstellungen auszuprobieren. Gruss
Lieber Jumpy, hoffentlich wirkt es nicht beckmessernd gegenüber meinem geschätzen Vorredner, der mit mir auch noch wesentliche Abschnitte des Namens teilen muss, wenn ich dir doch das eine oder andere rate. Er hat nämlich absolut Recht, auch wenn mir der Terminus 'Kunst' nicht so leicht über die Lippen gehen will: ich weiß leider zu gut, was 'Kunst' oftmals ist... Mutmaßlich wirst du nicht zu den 'Klassikern' gehören, denen ich mich zuzurechnen habe. Je klassischer die Modulation (mit entsprechendem Raumanteil) ist, umso länger muss die Erholzeit des Limiters ausfallen, damit er nicht übel aufdringlich ('American FM', oder inzwischen auch deutsches Fernsehen....) hörbar wird. Das heißt also, wenn klassisch natürliche Instrumentierung (Jazz, Folk, Volksmusik, unplugged: gehört alles hierher) vorliegt, sind recht lange Releasezeiten anzusetzen, also 600 ms bis möglicherweise zu mehreren Sekunden, in denen der Limiter dann aber bestenfalls eingeschränkt funktioniert. Das ist dir ja sicher klar. Beifall (oder vergleichbar gleichförmige Mudulation) und Limiter verträgt sich überhaupt nicht, was wir ja gelegentlich dennoch anhören müssen, wenn z.B. ein Sprecher über einen Master-Limiter mit seiner Sprache den Beifall aus einem Konzertsaal moduliert. Die Ansprechzeit des Limiters solltest du noch mehr nach den Eigenschaften der Instrumentierung oder den Eigenschaften der Stimme der Sängerin/des Sängers, der Sänger kalkulieren; hier muss man ein wenig (zur Feier der Tages) hinhören, damit man da nicht charakteristische Dinge 'wegschneidet' oder Transienten zulässt, die man ja gerade weghaben will, weil sie z.B. auf der schwarzen Platte unerfreuliche Wirksamkweit entfalten. Oh, lang ist's her; ich habe aber dieser Tage auf der AES den Decelithfolien- Schneidern bei der Arbeit (mobiler Telefunken-Schreiber ca. 1938) zugesehen: David Griesinger und Ray Dolby wurden da auf PVC-Folien der Dreißigerjahre verewigt. Ging auch, man erkannte sie sogar... 78 UpM. Na ja, Festplatten der besonderen Art. Beim Attack kannst du bei sehr kurzen Zeiten anfangen, durchaus im Bereich einzelner Millisekunden. Eine wesentliche Sache zum Abschluss: Die Limiterstufe sollte programmabhängig gesteuert sein, was heute eigentlich normal, bei vielen sehr alten Geräten mit starker Klangbeeinflussung, wie man sie im Popbereich gerne einsetzt aber nicht die Regel ist. Solche Limiter sind ein Kapitel für sich und in meinen Augen nicht sinnvoll für ein Master einzusetzen, es sei denn für extravagantes Zeug. Der Limiter im Studer 169/269 dagegen war (Ende der 70er Jahre) bereits programmabhängig und in seiner Qualität für mich als analoges Simpelgerät (Schaltung gefällig?) angesichts des Aufwandes schlicht 'legendär' für Klassikanwendungen. Mit seinen perfektionierten Nachfolgern im 961/962 kam ich da weit weniger zurecht. Aber das ist ja nun auch schon Historie. Generell gilt, wie immer in der Tonstudiotechnik: Was will ich, welche technischen Mittel stehen dafür zur Verfügung, nütze ich sie richtig, wie weit kann ich bei der Nutzung dieser Mittel ("Vorsicht Nebenwirkungen") gehen, ohne dass Ziel und Ergebnis leiden. Aber das ist ja genau die Aussage meines Vorredners. Wenn du irgendwelche sehr speziellen Fragen hast, die für das Forum zu weit führen würden, kannst du mich anmailen. Es kommt dann schon etwas. Schönen Feierabend und weiterhin viel Freude beim Limitieren
erstmal danke für die reichhaltige antwort! programmabhängig heißt dann warhscheinlich dass er das musikmaterial vorher analysiert? ich arbeite mit samplitude2496. dort habe ich eine multibandkompression zur verfügung und anschließend einen limiter der auf vorschau - peak und rms umgeschalten werden kann. wie gut dieser jetzt im verglich zu hochwertigen externen arbeitet kann ich nicht beurteilen. normalerweise gehe ich beim mastern hier eher vorsichtig um, was auch gut funktioniert bzw. klingt. nun habe ich aber ein ziemlich hartes projekt in arbeit. sehr schneller metal. wie es nun bei dieser art von musik üblich ist wollen diese musiker eine möglichst laute cd. mir selbst gefallen keine cd`s mit wenig dynamik, und somit muß ich einen kompromiss finden. gruß, thomas
Lieber Thomas, du hast mit deiner Mutmaßung zur Programmabhängigkeit Recht. Zur analogen Zeit wurden diese Zwischenspeicherungen natürlich auf der Kondensatorebene einfachst erledigt; heute macht das die Software angesichts des reichlich vorhandenen Speicherplatzes natürlich etwas souveräner. Das dürfte auch bei Samplitude so sein, obwohl ich das als Sadie-Nutzer (die finanziellen Aufwendungen dafür sind noch abzuarbeiten...) nicht genau weiß. Aber du siehst die Sache ja schon richtig: Hinhören, und hören, ob das, was man will, sinnvoll abgeht. Angenehme Nachtruhe...