Hallo Forumteilnehmer, ich muss demnächst eine Big Band abmischen, hat jemand hierfür ein paar Mikrofontipps parat (welche Mics für welche Instrumente etc.)? Danke und Gruss Eric
Hallo Eric, da ist erst einmal die innere Vorstellung - die im Kopf da sein muss - wie soll die Big Band klingen. Also wenn man an Aufnahmen der "Count Basie" Big-Band oder Woody Herman oder Duke Ellington zwischen 1940 und 1960 denkt, die so gut in Mono klingen, dann kann ich sagen, dass die heutige Aufnahmetechnik mit nahem Snare-Drum-Mikrofon und Mikrofon in der Bass-Drum selbst in Stereo leider nicht mehr so groß-dynamisch, wuchtig-voll und warm klingt, wie damals. Wenn man es so poppig nah aufnimmt, wie man es "heute" eben so macht, dann muss man sich nicht über den kümmerlich "kleinen" Klang der großen Big Band wundern. Damals gab es so schöne RCA-Mikrofone DX 77-Bändchen oder die Neumann-Flasche U47/48 für das Blech mit dem sauberen Klirfaktor für "brillante" Höhen. Das Schlagzeug wurde nur mit zwei Overheads aufgenommen. Die Bass-Drum war als Instrument um einiges in der Bauart größer, als heute und bekam kein (!) Mikrofon. Merke: Der Mikrofonaufstellungsort macht mehr Klangveränderung, als die Mikrofontype. Merke: Näher macht kleiner, das möchte man nur nicht glauben. Also höre Dir Schallplatten an und frage den Band-Leader, was ihm an Klang vorschwebt. Ich hätte großen Spass an solchen Aufnahmen, die ich am liebsten live und ohne Mehrspur machen würde. Dieses Friemeln hinterher an den Spuren mit Gates auf der Bass-Brum und vielen Begrenzern, bekommt leider nicht diesem Gesamtklang. Ich hoffe auch, dass die Bigband zusammen alles miteinander spielt, denn die Idee, die Soli später zu synchronisieren. um dann das beste Solo in Einzelteilen von der Mehrspur auszusuchen, ist schon Krampf. Frage gar nicht erst danach - das kommt schon von alleine, wenn die Posaune oder ein Saxophon an einem Tag nicht gut drauf sind. Oder wenn die Trompeten kieksen: Können wir die hohen Stellen nicht später alleine draufspielen? Der Klang des Aufnahmeraums ist bei Bigbands ein wichtiger Teil der Aufnahme. Dieses heutige übliche "totdämpfen" bekommt leider nicht dem Klang dieser Musikgattung. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
Hi ebs! Ich geb Dir recht, wenn man "den" oldfashioned BigBandSound sucht. Hab aber auch schon mit Closemiking gearbeitet, besonders wenn der Raum suboptimal (vulgo: sch....) klingt. Das klingt dann natürlich anders, moderner sag ich mal, als Dein "klassischer" Ansatz. Nach anfänglichen Bedenken seitens der Musiker konnte das Ergebnis aber überzeugen. Holzblasinstrumente und teilweise das Blech sogar mit Clips (Ramsa S2), so konnten die mir nicht am Mikro vorbei blasen. Schlagzeug war auch aufwändig gemikt, aber die "Hauptlast" lag auf den Grenzflächen-Overheads (meine Geheimwaffe als Pärchen auf einer Platte) und (dezent eq'ed und gepegelt) Bassdrum. Ging alles direkt aufs DAT, nur 1(!) Git-Solo wollte auch im xten Take nicht gelingen. Das haben wir beim Mastern auf Anhieb overdubed......ich sag nur, die Nerven.... Das Ohr
Holzbläser mit Clip-Mikros??? Pfui, wer macht denn sowas? Damit "tötest" du zumindest die Saxophone, der Sound wird viel zu höhenreich. Da hilft nur ein größerer Abstand, anders gehts einfach nicht!! Und die meisten jungs können sogar ein mikro bedienen und müssen nicht "an die kette gelegt werden" (also geclippte Mics)
Hi MonoTon! Also, der Sound der Clips hat "gepasst", und weder ich noch der Kunde hatten das Verlangen nach Höhenabsenkung.....klar arbeite ich gerne mit einem Riesenbestand an Schoeps, Neumann, AKG oder RE20....aber am Ende zählt halt nur das Ergebnis (bei gegeben Budget). Ich will jetzt nicht die "Behringer"-Debatte neu auflegen, aber Material ist nicht alles! Ich erdreiste mich sogar, Material als zweitrangig zu betrachten. Die beteiligten MENSCHEN (Künstler/Techniker) sind DER entscheidende Faktor. Die entstandene CD ist in respektabler Auflage produziert worden, und ich habe nicht einen negativen Kommentar bekommen, ganz im Gegenteil. Außerdem, warum sollte ein Clipmikro per se höhenlastig sein? Wie ebs schon richtig schrieb, ist die Positionierung wichtiger als der Mikrotyp, und das gilt auch bei Closemiking. Das Ohr PS.: Ist Dein Name eigentlich Programm? **lol**
sorry, da hab ich mich ein bißchen blöde ausgedrückt, mir gings um die Schallabstrahlung beim sax. ein paar ganz "fähige" tontechniker haben mich da schon fast zum wahnsinn getrieben... nur weil das ding einen trichter hat, heißt das ja noch lange nicht, das da auch der ganze sound rauskommt, die Tiefen werden nämlich über die klappen abgestrahlt. und wenn man dann das Clip-Micro am liebsten im Saxophon "versenkt", brauch man sich über schlechten sound nicht zu wundern... als ich das dann korrigiert habe, hat mich der typ auch noch angemeckert... man wird da mit der Zeit wohl etwas empfindlich, sorry, wenn ich dich da angefahren habe. na ja, als saxophoniker hab ichs halt nicht so stereo :-)